Star Trek: Enterprise 4x06

© ild aus der Episode „The Augments“ der Serie „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN
Was passiert?
Die Situation um Dr. Arik Soong und seine Augments spitzt sich unaufhaltsam zu. Gegen den Willen ihres konsternierten Vaters forcieren die Supermenschen voller Kalkül einen kriegerischen Plan gegen das klingonische Imperium, der zu einem interstellaren Krieg führen könnte...
Dies & das
- Mark Rolston war bereits in der Episode "Canamar" aus der zweiten Season zu sehen. Dort spielte er einen Kriminellen, mit dem Archer zusammenarbeiten musste.
- LeVar Burton und Brent Spiner wiedervereint im TV! Das gab es seit dem Ende von TNG nicht mehr.
Zitate
„Disobey another order from me and I'll lock you in the Targ pit.“ (Arik)
„Murdering hostages is becoming a hobby for you.“ (Archer)
„I could paint a bird of Prey on the Hull?“ (Trip)
Der Sussman-Effekt
„Autor Mike Sussman muss nun nur noch liefern.“ - Ich am Ende von meiner Kritik zu „Cold Station 12“.
Und wer hätte es ernsthaft bezweifeln wollen? Der verlässlich starke Sussman hat geliefert.
Schon die Auflösung des Cliffhangers gerät zu einem echten Hingucker: Archer lässt den Turm sprengen, wird durch den Druckabfall hinaus geblasen (der Dank für die korrekte Darstellung dieser Szene geht heute an Data für den kompetenten Hinweis in „The Naked Now“) und sofort auf die Enterprise gebeamt. Selten war eine kreativere Flucht aus einer derartig schwierigen Situation zu sehen. Realismus hin oder her - unterhaltsam ist es allemal.

Das Hauptaugenmerk liegt jedoch eindeutig auf den Augments und Soong (eine Tatsache die uns der Episodentitel freundlicherweise mal wieder vorher erklären musste). Das Verhältnis zwischen „Vater“ und „Sohn“ Malik hat sich bereits entscheidend abgekühlt. Malik sucht förmlich nach Aufhängern, seinen Vater nicht mehr akzeptieren zu können. Dabei kommt ihm der Versuch Soongs, die noch ungeborenen Augments weiter zu verbessern und weniger aggressiv zu gestalten, natürlich gerade recht. Soong verhält sich hier jedoch auch sehr unklug, da er seine erste Schöpfung indirekt als fehlerhaft kennzeichnet. Eine hübsche Duplizität zu den späteren Ereignissen rund um Lore und Data. Es kommt in diesem Bereich also letztlich alles, wie es kommen muss - die Präsentation ist jedoch unterhaltsam und spannend. Man kann Mike Sussman zwar vorwerfen, dass hier etliche Klischees bedient werden. Die Form reißt jedoch einiges raus.
Von dem Moment, als Soong von Malik eingesperrt wird, wandelt sich das Bild. Persis, die Malik hintergeht und dafür am Ende sterben muss, hilft ihrem Vater und zollt ihm die verdiente Loyalität. Soong wechselt daraufhin die Seite und versucht Archer zum Stoppen der Augments zu bringen - eine Wandlung die relativ schnell vor sich geht, aber als Folge seiner Erleuchtung noch gerade annehmbar ist. Immerhin sein Schmerz angesichts der Taten seiner Kinder wird greifbar und fühlt sich echt an. Ein Tribut an Sussman und Spiner.
Die letzte Szene der Episode (mit dem Hinweis auf kybernetische Lebensformen) kann man sicher lieben oder hassen. Mir persönlich hätte ein etwas weniger deutlicher Wink genügt. Zudem kehrt hier auch der etwas zu spaßige Soong zurück, den ich ihm nach allem was geschehen ist einfach nicht mehr abnehme - zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt. Aber sei's drum.

Der Coto-Effekt
Manny Coto hat mit seiner inhaltlichen Vorgabe eines in jedem Fall erreicht: Die Kontinuität innerhalb der Serien zu erhöhen und in einem einzigen Dreiteiler eine Classic-Episode, den zweiten und neunten Kinofilm, diverse TNG-Episoden, eine DS9-Episode und eben noch Star Trek: Enterprise als Prequel selbst zu vereinen. Genau so hätte das im Idealfall von Beginn der Serie an aussehen dürfen und müssen. Sicher ist nichts dagegen einzuwenden, wenn ab und zu Einzelepisoden anstehen, die nichts mit den folgenden Jahrhunderten zu tun haben, angesichts der ungeklärten Zukunft der Serie sind diese aber für den Moment verzichtbar: Schön, dass Coto diese Vakanz erkannt hat.
Besonders hervorheben muss man dabei die vielen kleinen Zutaten, die eine Episode erst auf eine höhere Ebene hieven können. So erwähnt Soong beispielsweise den „Bryar Patch“. Viel später wird Captain Picard in dieser Region den sanftmütigen Ba'ku gegen die tragischen Son'a und den fehlgeleiteten Admiral Dougherty zur Hilfe kommen („Star Trek: Insurrection“). Die legendäre Schlacht von Klach D'Kel Brakt wird von Kor in DS9 erwähnt und in der Holosuite nachgespielt („Blood Oath“). Daneben gibt es natürlich noch die diversen Querverweise auf den großen Khan Noonian Singh. In diesem Zusammenhang wird auch dessen Flucht mit der Botany Bay erwähnt und sein, aus dem zweiten Kinofilm bekannter, Todeskampf visuell zitiert - eine schöne und gelungene Hommage. Zuletzt natürlich noch der finale Seitenhieb auf Arik Soongs Nachfahren Noonian Soong und dessen spätere Schöpfungen Data, Lore und B-4. Sussman weiß eben, wovon er schreibt - er kennt nicht nur „Star Trek: Enterprise“, er kennt „Star Trek“ - und das merkt man an genau diesen Details.

Der erste Dreiteiler der Serie gewinnt auf ganzer Linie - viele gute und frische Ideen ergänzen eine starke Story, die dem Prequelgedanken der Serie endlich wieder einmal ohne Wenn und Aber gerecht wird. Manny Coto hat bewiesen, dass er als Showrunner viel mehr kann, als „Storm Front“ zunächst befürchten ließ.
„Optimismus!“ würde Dr. Phlox sagen - jetzt auf jeden Fall gerne wieder.
Technisch betrachtet
Technisch kann man der Folge ebenfalls nichts vorwerfen: Effekte, Masken, Kulissen und der Score liegen im oberen Mittelfeld und unterstützen Handlung und Charaktere zu jeder Zeit nach Kräften.
Schauspielerisch muss Brent Spiner erneut ganz besondere Erwähnung finden. Er gibt hier seine eindringlichste Vorstellung des Dreiteilers und bricht endlich vollständig aus dem Korsett des immer etwas zu zynisch-lustigen Wissenschaftlers heraus. Höhepunkt ist dabei ganz klar, als er sein Kartenhaus zusammenstürzen sieht und hilflos versucht, zu retten was noch zu retten ist. Dieses Stunt-Casting war somit definitiv ein Erfolg!
Gib dem Kind einen Namen
Der Episodentitel weiß mal wieder mehr als alle anderen und verrät es gerne: Ach es geht die ganze Zeit auch um die Augments! Oder doch erst jetzt und hier? In jedem Fall gut und wichtig, dass man mir das nach zwei Dritteln der Handlung nochmal erläutert hat.

Fazit
Mike Sussman liefert viele spannende Details aus verschiedenen Ecken des Trek-Kanon und Brent Spiner trifft schauspielerisch alle richtigen Töne. Gemeinsam ziehen sie The Augments (3) auf das gleiche hohe Level wie es zuvor die inhaltlichen Stärken bei Cold Station 12 (2) geleistet hatten. Der Arc erlebt somit eine erfrischende und nie zu bärtige Auflösung und lässt Manny Cotos erste Amtshandlung als neuer Chef der Serie erstrahlen. Klasse!
Das für diese Woche angekündigte Goodie verspätet sich leider etwas. Aber nächste Woche geht es bei Enterprise weiter mit dem großen vulkanischen Dreiteiler!
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 5. Februar 2017(Star Trek: Enterprise 4x06)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?