Star Trek: Enterprise 4x05

Star Trek: Enterprise 4x05

Zwischen Folterkammer, düsteren Geheimnissen und brutalen Erkenntnissen zeigt nun auch diese Serie, dass aus großer Kraft große Verantwortung erwächst - und man ihr selten gerecht werden kann...

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cold Station 12“ / (c) Paramount
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cold Station 12“ / (c) Paramount
© ffizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cold Station 12“ / (c) Paramount

Was passiert?

Dr. Arik Soong führt seine Gruppe Supermenschen zu einer medizinischen Einrichtung in der Hunderte genetisch verbesserter Embryos seit langer Zeit gelagert werden. Sein Plan ist es, sie zu stehlen und zum Leben zu erwecken...

Dies & das

  • Wir bekamen den durch seine Brieffreundschaft zu Phlox berühmten Dr. Jeremy Lucas hier erstmals zu sehen! Richard Riehle spielte ihn.
  • Für Autor Alan Brennert war dies die erste Arbeit für die Serie.

Zitate

You are the Future.“ (Arik)

Am I going to spend the rest of my life trying to get rid of you?“ (Arik)

A few more of those and we'll be a part of this asteroid field.“ (Trip)

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cold Station 12“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cold Station 12“ - © Paramount

Treffer mit langem Anlauf

Die Erwartungen an „Cold Station 12“ waren hoch - nicht etwa, weil „Borderland“ so herausragend geraten war, sondern eher, weil alle bisher ungeklärten, unerwähnten und nur beiläufig behandelten Themen jetzt und nicht später auf den Tisch mussten. An dieser Episode würde sich die qualitative Richtung des Arcs entscheiden - das stand bereits im Vorwege fest. 

Und wirklich: Diese Hoffnung scheiterte nicht.

Alan Brennert, der bei seiner ersten Arbeit für die Serie im Vorspann kurioserweise als Michael Bryant angegeben wird, zieht aus dem überschaubar anspruchsvollen Strickmuster des Vorgängers die richtigen Schlüsse und gibt bereits in den ersten Minuten die neue Richtung vor. In Rückblenden wird Dr. Soong gezeigt, wie er seine damals noch sehr jungen Augments unterrichtet und ihnen fatalerweise genau das eintrichtert, was letztlich zu ihrer Überheblichkeit geführt hat: Dass sie besser sind als alle anderen Menschen, dass sie die neue Herrscherrasse werden sollen, können und sogar müssen. Sicherlich treibt ihn zu diesem Zeitpunkt ein gewisser Stolz zu dieser gewagten und moralisch fragwürdigen Aussage - die weitreichenden Konsequenzen sollten ihm, müssen ihm aber nicht zwingend bewusst gewesen sein. Aber dazu später mehr.

Spannend sind nämlich auch die aktuellen Ereignisse um Soong und seine Truppe. Die Beziehung zwischen „Vater“, „Sohn“ und „Tochter“ (wobei letztere ein Paar sind) wird endlich deutlich herausgearbeitet. Dabei zeigen sich alle drei Protagonisten den schauspielerischen Anforderungen gewachsen. Alec Newman sorgt als Malik für eine herausragende Szene, als er seinem Vater den Tod von Raakin mit einer Prise Verlogenheit unterbreitet. Spiner zieht alle Register in der Rolle der sich sorgenden Vaterfigur, die nicht begreift, auf welchen Weg sich seine Kinder begeben haben. 

Deutlich wird ihm das erst als es schon zu spät ist - und selbst in dieser Situation verschließt er die Augen vor der Realität. Überhaupt gehören die Szenen auf der Station zum Besten was wir innerhalb der Serie bisher erleben durften. Soongs Druckmittel (nach einem Vorschlag von Malik) gegen Dr. Lucas, einen unschuldigen Kollegen auf brutalste Art zu foltern, funktioniert nicht: Lucas bleibt hart und lässt den Mann sterben. Als Soong das erkennt, will er Schlimmeres verhindern, scheitert aber an Malik, der nicht auf die Anordnung reagiert: Ein ersten Anflug von Angst und Ungläubigkeit mag Soong an dieser Stelle überkommen haben. 

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cold Station 12“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cold Station 12“ - © Paramount

Noch interessanter ist hingegen die Szene, in der schließlich Phlox - geoutet als Freund von Dr. Lucas - in der Folterkammer landet. Hier bricht Lucas zusammen und offenbart eine tiefe Menschlichkeit, die einfach nur wohltuend ehrlich ist. Seinen Kollegen opfert er seinen Idealen, aber seinen Freund Phlox? Nein. Er kann nicht und das kann jeder verstehen. Sicherlich ist die Moral dieser Tat keine gute und mag somit erneut im Kontrast zum positiven Roddenberry-Universum stehen, sie ist aber emotional greifbar und in einer Serie, die in nicht allzu ferner Zukunft spielt, nur umso passender und menschlicher.

Für diesen Handlungspunkt alleine hat sich die Beteiligung des schon länger als Brieffreund von Phlox bekannten Dr. Jeremy Lucas bereits gelohnt, da sowohl das innige Verhältnis der beiden zementiert wird, als auch eine der besten Trek-Szenen überhaupt entsteht. Richard Riehle verkörpert den Wissenschaftler mit genau der richtigen Mischung aus Würde, Trotz und Warmherzigkeit. Casting á la Carte.

There's more going on

Weiterhin erwähnenswert ist die Hereinnahme der Augment-„Anomalie“ namens Udar. Dieser Augment hat die Vorzüge seiner Brüder und Schwestern durch eine Laune der Natur nicht vererbt bekommen und wurde daher verstoßen - als unwürdig. Natürlich menschelt es hier gewaltig und der sympathische junge Mann darf den obligatorischen Kontrapunkt zu seinen Geschwistern setzen - für Soong aber ist die Begegnung mit Udar im Hinblick auf den weiteren Verlauf des Arcs bedeutend, da er erleben muss, dass eines seiner Kinder auf Grund der Überheblichkeit der Anderen verstoßen wurde.

Ein Fass, dass langsam überzulaufen beginnt. Udars Tod führt aber leider ins Leere.- Er zeigt zwar ein weiteres Mal die finstere Entschlossenheit und völlige Realitätsfremde von Malik und nimmt zudem den nun überflüssig gewordenen Charakter aus der Handlung, verwehrt sich aber auch einer besseren Auflösung, die Udar an Bord der Enterprise hätte erfahren können. Ein typischer Fall von kurzfristig handlungsrelevantem Charakter. Ex und hopp.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cold Station 12“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cold Station 12“ - © Paramount

Auffällig ist in „Cold Station 12“ zudem die Brutalität, mit der die Augments ans Werk gehen - einige Szenen gehen definitiv über das für Star Trek normale Maß hinaus. Hinzu kommt eine sehr erwachsene, animalische, wenngleich natürlich nur schwach angedeutete Szene zwischen Persis und Malik - in den rauen Kulissen des klingonischen Schiffes wirkt diese Szene doppelt eindringlich. Hier umweht definitiv TOS-Feeling die Serie - ein Umstand, den ich in „Borderland“ noch verleugnet, beziehungsweise vermutlich nicht wahrgenommen habe.

So gut vieles also geraten ist, das Cliffhanger-Ende ist dann jedoch ein wenig merkwürdig: Archer klettert eine Treppe hinauf - und Schluss. Sicher ist die Not groß, die Situation spannend, aber ein wenig Understatement ist dieser Bruch schon. Dennoch bleiben alle Türen für einen starken Abschluss des inzwischen auch inhaltlich angekommenen Arcs offen. Autor Mike Sussman muss nun nur noch liefern.

Technisch betrachtet

Effekte, Score, Make-up und Kulissen haben sich alle wieder auf dem bekannt guten Niveau der bisherigen Seasons eingependelt. Vielleicht wusste Coto um die großen inhaltlichen Schwächen von „Storm Front“ und ließ das Geld lieber direkt in die relevanten Episoden stecken - zwar unrealistisch, aber verständlich wäre das. Einzige Ausnahmen, die aber nicht wehtun: Die Bilder von Udars Eltern wirken wie schlechte Photoshop-Versuche und die Kammer mit den Föten am Ende der Episode trägt wieder dieses alberne Flair von Computerspielen in sich.

Die Schauspieler legen alle im Vergleich zu „Borderland“ noch eine Schippe drauf. Brent Spiner hat eine einzige schwache Szene, als er Malik wegen des Mordes an Raakin tröstet. Ansonsten nimmt er zunehmend Fahrt auf und wirkt als verbitterter Mann viel ausgewogener während seiner regelmäßigen Zynismus-Attacken. Besonders auffällig ist, wie Spiner den Spagat zwischen gespieltem Bösewicht und wahrem Selbst bewerkstelligt.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cold Station 12“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cold Station 12“ - © Paramount

Als er Lucas zu Beginn den Desruptor gegen die Brust hält und mit Erschießung droht, ist er der personifizierte schroffe und wahnsinnige Wissenschaftler. Als Archer die Situation entschärft und den Forderungen nachgibt, fällt jedoch sichtbar eine Zentnerlast von Soong ab. Großes Schauspiel! Scott Bakula gibt erneut den reifen, Xindi-gestählten Captain und festigt seine Leader-Rolle. Jolene Blalock zeigt zum ersten Mal in dieser Season keine Schwächen und macht auch in ihrer Uniform eine etwas gesündere Figur.

Gib dem Kind einen Namen

Wir sind definitiv wieder bei den Haltestellen-Namen angekommen. Home, Borderland, Coldstation 12. Nächste Ausfahrt Autobahnraststätte. Einmal Currywurst und Pommes Bahnschranke bitte. Ja ja, die Kreativität hält weiter Winterschlaf.

Fazit

„Borderland" war der Anteil für die Schauwerte - "Cold Station 12" ist der inhaltsschwangere Teil: Perfekte Dialoge, unmenschliche Entscheidungen, tiefe Emotionen, Spannung zum Nägelkauen: Hier zündet das erhoffte Feuerwerk und legt die Basis für den Abschluss des Arcs. Viel besser kann man ein Fundament nicht bauen. 

Nächste Woche beenden wir den Dreiteiler - und vielleicht gibt es Sonntag noch eine kleine Überraschung.

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 29. Januar 2017
Episode
Staffel 4, Episode 5
(Star Trek: Enterprise 4x05)
Deutscher Titel der Episode
Cold Station 12
Titel der Episode im Original
Cold Station 12 (2)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 5. November 2004 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 12. März 2006
Autor
Daniel Bess
Regisseur
Michael Vejar

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x05

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