Star Trek: Enterprise 4x03

Star Trek: Enterprise 4x03

Nach turbulenten Wochen darf die Serie Star Trek: Enterprise endlich durchschnaufen. Das Ergebnis ist zwar längst nicht perfekt, jedoch eine willkommene Abwechslung für Herz und Hirn.

Szenenbild der Serie „Star Trek: Enterprise“
Szenenbild der Serie „Star Trek: Enterprise“
© Paramount Pictures

Was passiert?

Die Crew kommt nach ihrer Xindi-Mission und dem Umweg quer durch die Zeit endlich nach Hause und erhält ihren verdient großen Empfang, muss sich jedoch auch mit den positiven wie negativen Aspekten ihrer langen Mission und der Heimkehr auseinandersetzen. Auf T'Pol und Trip wartet unterdessen gleich die nächste Reise zu einem sehr speziellen Termin…

Dies & das

Wir bekamen hier das zweite NX-Class-Schiff, die Columbia in Aktion zu sehen. Ihr Captain: Erika Hernandez, alias Ada Maris.

Koss wurde bereits in „Breaking the Ice“ erwähnt. Er war auch dort schon der Verlobte von T'Pol.

Erstmals durfte man T'Pols Mutter T'Les sehen - dargestellt von der aus „Blade Runner“ bekannten Joanna Cassidy.

Zitate

Sorry? You brought me 16 light years to watch you marry some one you don't even know?“ (Trip)

This planet would be a cloud of dust right now if we would have listened to you. We got more help from the Andorians!“ (Archer)

I had an argument with Captain Jeffries, one of the designers off the NX Star Ships, I didn't want to be in command of a war ship while making first contact with other species. Jeffries was right. We needed those weapons and a hell of a lot more.“ (Archer)

Erase and Rewind

Manchmal wäre es im Alltagsleben hilfreich, selektiv Erinnerungen aus dem Gedächtnis streichen zu können - das gilt mitunter auch für das Ansehen von TV-Serien. Mike Sussman übernahm mit „Home“ die Aufgabe, den wirklichen Season-Start zu realisieren und hat dafür natürlich schon aus Prinzip alle Sympathien auf seiner Seite.

Angelegt ist die Episode wie eine Mischung aus „Two Days and Two Nights“ und dem ewigen Klassiker „Family“, der zu Beginn der vierten Season von TNG die Nachwehen des Borg-Zwischenfalls beleuchtete. Dort war es hauptsächlich Picard, der sich seiner Wandlung und den Dämonen seines Daseins stellen musste. Würde man hier an dieser großen Vorlage herankommen?

„Home“ muss man zunächst in drei einzelne Handlungen unterteilen:

Da ist zum einen Captain Archer, der erstens sein Debriefing mit Admiral Forrest und Botschafter Soval überstehen muss und zur Erholung einige Tage mit dem neuen Captain der NX-02, Erika Hernandez in die Berge flüchtet.

Dann folgen wir noch Phlox, Reed, Hoshi & Mayweather, die in unterschiedlichen und meist kleinen Szenen eine eher soziale und gesellschaftliche Aufarbeitung des vergangenen Jahres betreiben;

Last but not least geht es in einem größeren Segment um Trip & T'Pol, die gemeinsam nach Vulkan reisen und dort nicht nur auf die Mutter der gebrochenen Vulkanierin treffen.

Let's go to Vulcan, Baby

In der Wertigkeit ganz oben steht dabei die Geschichte um T'Pol und Trip - und das ist auch gut so. Beide haben zusammen mit Archer in den vergangenen Jahren die größte Reise zurückgelegt und uns immer wieder emotional berührt. T'Pol kehrt nun als gebrochene Frau nach Hause zurück - mit dem Mann an ihrer Seite, der ihr Stärke gibt und Liebe geben könnte; ließe sie es denn zu. Dass man sich vieles bezüglich der Gefühle der beiden zusammenreimen musste und muss ist ein klares Versäumnis der Autoren. Lässt man sich jedoch auf den hier gezeigten Status Quo ein, kann man die Reise der beiden durchaus positiv verfolgen.

Sogar T'Pols Mutter T'Les erkennt schnell die Gefühle, die von Trip ausgehen - nur T'Pol kann diese in ihrer aktuellen Lage nicht erwidern. Schlimmer noch, dass die schon mehrfach angesprochene und arrangierte Hochzeit mit Koss nun definitiv stattfinden soll - und muss. Die Tatsache, dass T'Les für die Aktionen ihrer Tochter in Bezug auf P'Jem („The Andorian Incident“ & „Shadows of P'Jem“) bestraft wurde, passt ins Bild und nährt das Gefühl von Kontinuität. Dass T'Pol für ihre Mutter eintritt, um ihr die die Hochzeit verlorene Integrität zurückzubringen ist sicher verständlich, wenn auch hart in Bezug auf Trip. Der kurze Kuss kurz vor der Hochzeit spricht Bände für das Verhältnis der beiden - hier ist das letzte Wort dann vermutlich doch noch lange nicht gesprochen.

Offen bleiben die Fragen, wann und ob Trip T'Pol seine wahren Gefühle gestehen wird, wann und ob T'Les von den „Drogen“-Problemen ihrer Tochter erfahren wird, warum Koss die Hochzeit unbedingt durchführen will und dafür sogar Kompromisse eingeht und wie es in dieser „Viererbeziehung“ weitergehen wird. Das Ende lässt (vorerst) alles offen.

Let's go climb a rock, baby

Archers Geschichte basiert ebenfalls auf den Erfahrungen des letzten Jahres. Er kann seine Aggressionen gegenüber Soval und den Vulkaniern im Allgemeinen nicht verbergen: die Arroganz, mit der Soval Archers Entscheidungen in der Expanse sezieren will, muss dem Captain einfach missfallen. Keiner kann die Last, die von seinem Kommando abgefallen ist nachvollziehen. Keiner kann die Entscheidungen, die notwendig waren, begreifen. Seine Mission war ein Erfolg: Diesen Umstand möchte der Captain gewürdigt wissen. So einfach stellte es sich für Archer dar - und: er hat vollkommen Recht. Gut, dass Sussman diese Thematik angeht. Schade, dass es nur eine Randerscheinung bleibt. Alleine das Debriefing hätte problemlos eine komplette Episode getragen. Eine vertane Chance. Sonderbar auch, dass Admiral Forrest in seiner einzigen bedeutenden Szene als verständnisloser Bürohengst erscheint. Gerade er müsste die Gefühle seines Freundes verstehen können und ihm zumindest unter vier Augen beistehen - was ist hier los?

Es folgt, was folgen muss - ein wenig frische Luft hat schließlich noch niemandem geschadet. War Archer schon immer eher der Kirk-Typ gewesen, geht er nun auch noch Bergsteigen. Gut, dass man aber zumindest klassisches Liedgut und die beliebten Marschmelonen Zuhause gelassen hat. Und er nimmt auch keine greisen Schiffskumpanen mit, sondern die attraktive Erika Hernandez, die zudem ein ehemaliger Love-Interest von ihm zu sein scheint.

In den besten Szenen dieses Ausflugs entblößt der Captain seine Seele: Er weiß, was er durch seine Erfahrungen und sein grenzwertiges Verhalten verloren hat. Er weiß, wie er sich verändert hat. Dazu fehlt ihm das Verständnis dafür, dass seine Rolle auf die eines Helden reduziert wird, nach dem man Dutzende von Schulen benennt. Dieses Gefühl von Flucht vor sich selbst passt exakt in die Entwicklung des Charakters - er tritt einen Schritt zurück und realisiert, was eigentlich im vergangenen Jahr geschehen ist. Archer wird hoffentlich für immer durch die Xindi-Mission verändert sein. Sein Weg zurück könnte ein wertvolles Stück Charakterentwicklung darstellen.

Schön, dass Soval in der abschließenden Debriefing-Szene eingesteht, dass er sich in Archer getäuscht hat und ihm die Hand reicht. Hier beendet Sussman einen Brandherd, der drei Jahre lang seit der Berufung zum Captain auf Archer lastete.

Let's go and have some good old barfight, Homies

Zu guter Letzt müssen die verbliebenen Crewmitglieder erfahren, dass Außerirdische auf der Erde nicht mehr besonders willkommen sind. Es ist sicher nachzuvollziehen, dass die Angst vor den Xindi die Bevölkerung sensibilisiert hat - und ebenfalls kann man diesen Handlungsteil natürlich auch auf das veränderte Bewusstsein der Amerikaner nach dem 11. September verstehen - ein klischeehafter Barkampf am Ende wäre aber als Höhepunkt sicher nicht notwendig gewesen. Wie viel besser ist alleine schon Phlox' Gesichtsausdruck, als er realisiert, worum es dem streitlustigen Mann geht. Deutlich werden hier aber zumindest die negativen Auswirkungen der Raumfahrt auf die Bewohner der Erde. Etwas, das bisher in der Serie nicht thematisiert wurde. Gerade der Satz darüber, dass die Enterprise allen potentiellen Feinden ja geradezu den Weg zur Erde erklärt, ist sicher nicht von der Hand zu weisen. Ganz nebenbei ist Phlox' Abwehrreflex natürlich ein weiteres nettes Detail am skurrilen Doktor - und ein guter Lacher für zwischendurch. Gehaltvoll sind die Sequenzen jedoch leider nicht.

Let's see how all this works out

Alle drei Storys kommen sich zu keiner Zeit ins Gehege, basieren auf der gleichen Problematik und ergänzen somit das Gesamtbild der Episode auf eine angenehm-dezente Art und Weise.

Dazu gesellen sich die willkommenen Gastauftritte von Admiral Forrest (der ein Jahr lang schmerzlich vermisst wurde), Botschafter Soval (immer wieder gut: Gary Graham), Commander Williams (schöne Kontinuität), T'Pols Mutter T'Les, ihrem Verlobten Koss und des neuen NX-02-Captains Erika Hernandez. Überhaupt ist es schön, die NX-02 kurz vor ihrer Fertigstellung zu sehen. Bald werden sich die beiden Schiffe sicher im All über den Weg laufen. Ein erster Schritt in Richtung große Sternenflotte.

Schauspielerisch ist alles im Rahmen - keiner sticht besonders hervor, keiner muss sich vollkommene Aussetzer ankreiden lassen. Einzig Jolene Blalock ist immer noch etwas neben der Spur und lässt T'Pol in jeder Szene wie wenige Sekunden vor dem endgültigen Zusammenbruch wirken. In dieser Verfassung ist sie nicht im entferntesten diensttauglich - ich bin gespannt was mit ihr ab nächster Woche geschieht, wenn die Enterprise zu neuen Abenteuern aufbricht. Scott Bakula gibt den frustrierten, gebrochenen und definitiv verbitterten Kriegsveteranen mit einer gesunden Mischung aus Härte und Melancholie. Einzig seine Rede zu Beginn ist etwas zu deutlich „gespielt“ - ein regelmäßiges Problem Bakulas bei Blue-Screen-Aufnahmen. Ada Maris hingegen überzeugt wie auch Joanna Cassidy auf ganzer Linie - zwei starke Frauenrollen, die durch kleine Bewegungen oder Blicke die ganze Palette an Emotionen liefern. Klasse! Als Schmankerl gibt es Jack Donner, der den vulkanischen Priester in einer kurzen Szene mit viel Würde und Weisheit verkörpert. Donner spielte in der Classic-Serie den romulanischen Sub-Commander Tal („The Enterprise Incident“). Ein hübscher Seitenhieb für langjährige Fans.

„Home“ gibt allen Beteiligten und auch den Zuschauern Raum zum Durchatmen. Hier kommt der Xindi-Arc zu seinem Ende und birgt gleich einen neuen Anfang. Viele Fragen sind offen, viele Emotionen und Ängste noch weiterhin präsent. Eine gute Basis für einen Neustart der Serie unter Manny Coto.

Technisch betrachtet

Die Effekte bewegen sich leider noch immer nicht auf dem gewohnt hohen Niveau. Der Beginn schwankt zwischen großartig und billig, Vulkan sieht grundsätzlich phantastisch aus, aber auch hier sackt das Niveau leicht ab, wenn reale Personen ins Bild kommen. Dafür sind das Hauptquartier der Sternenflotte und die Kulissen im Allgemeinen sehr überzeugend geraten - gerade das Anwesen von T'Les hat ein Extralob verdient. Hier verbindet sich Atmosphäre mit verträumtem Retro-Look. Insgesamt kann man fraglos von einem Schritt in die richtige Richtung sprechen - ich vermute jedoch, dass das neue High-Definition-Format die Schwächen in den CGI-Effekten zu deutlich zu Tage treten lässt.

Musikalisch erbringt Velton Ray Bunch den Beweis, dass es doch noch besser geht als zum Seasonstart. Sein Score ist zwar weit von bemerkenswert entfernt, enttäuscht aber nicht. Hier gibt es mal wieder viel Arbeit.

Gib dem Kind einen Namen

Fast eine Frechheit: Alle menschlichen Crewmitglieder und sogar T'Pol dürfen nach Hause zurückkehren, wie im Titel versprochen. Nur Phlox muss sich mit einer Bar auf der Erde abspeisen lassen - „Home for most of the Enterprise crewmembers“ wäre also vielleicht passender gewesen. Abgesehen davon, dass man diesen Satz nicht zu ernst nehmen sollte, passt der englische wie der deutsche Titel dank Schlichtheit aber natürlich wie Faust aufs Auge.

Fazit

Home ist genau das, was die junge Season braucht - Ruhe, Bedacht und Emotionen. Und obwohl nicht jeder Aspekt das Optimum herausholt und verschiedene Aspekte wie gewohnt den ganz einfachen Weg nehmen, versöhnt Mike Sussmans gefühlvolles Script doch alle, denen der vorausgehende Ausflug in die Vergangenheit die Vorfreude auf ein weiteres Jahr Enterprise gründlich verhagelt hatte.

Nächste Woche starten wir in den ersten Dreiteiler der vierten Staffel - Brent Spiner ist zu Besuch!

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 21. Januar 2017
Episode
Staffel 4, Episode 3
(Star Trek: Enterprise 4x03)
Deutscher Titel der Episode
Zuhause
Titel der Episode im Original
Home
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 22. Oktober 2004 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 26. Februar 2006
Autor
Michael Sussman
Regisseur
Allan Kroeker

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x03

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