Star Trek: Enterprise 4x02

© ffizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part II)“ / (c) Paramount
Was passiert?
Als wäre die Situation mit Außerirdischen, Nazis, dem sterbenden Daniels und einer veränderten Zeitlinie nicht schon schlimm genug, muss Archer nun auch noch mit Silik zusammenarbeiten, um ihm endlich eine passende Strickjacke zu besorgen und zu verhindern, dass Vosk und seine Anhänger die Zeitlinie irreparabel beschädigen können...
Dies & das
- David Straiton hatte bis hierhin siebenmal Regie geführt - und nie wirklich versagt. Sogar seine schwächeren Episoden zeichneten sich immer durch eine interessante Visualisierung aus (siehe North Star).
Zitate
„We weren't exactly treated like Royalty.“ (Travis hat Text)
„I know it sounds crazy, but I think it's some sort of time machine.“ (Travis hat mehr Text)
„I'm sick of your damn Temporal Cold War! Just send us home!“ (Archer)

Heute reicht mal ein einziger Textblock
Nach der zu erwartenden Enttäuschung mit Storm Front (1) folgt nun - mit deutlich heruntergeschraubten Erwartungen bedacht - der zweite Teil.
So traurig es ist: Grundsätzlich lässt sich meiner letzten Kritik wenig hinzufügen. Die Kritikpunkte sind immer noch die gleichen, die Schwächen immer noch ständig spürbar. Somit handelt es sich hier eher um eine Ergänzung, denn eine eigenständige Bewertung. Man lese bitte vorher noch einmal die Kritik zum ersten Teil und ergänze dann wie folgt:
Die Nachrichtensendung zu Beginn ist herausragend: Alleine an dieser Sequenz kann man erkennen, welche erzählerischen Möglichkeiten das Setup hätte bieten können. Wie geht die Bevölkerung insgesamt mit der Situation um? Hat die vereinende Bedrohung die Rassenprobleme in den USA lösen können? Was bedeutet die Situation für die restliche Welt? Wie sieht Russland oder Europa in dieser veränderten Welt aus? Was macht die US-Regierung? Eine Serie wie The Man in the High Castle macht zwar bei weitem nicht alles richtig, aber hat hier immerhin einen Blickwinkel gefunden, mit dem Setting auch wirklich zu arbeiten.
Siliks Einbindung in die Handlung entlarvt sich als Scharade der billigsten Art: Man wollte die Rolle ausschließlich verheizen und aus dem Weg räumen. Schwach. Dass John Fleck dazu auch noch die meiste Zeit ohne Make-up oder in Make-up aber mit Strickjacke herumläuft tut weh. Was wäre ein Dukat im Jogginganzug gewesen? Grausam.
Siliks unbekannter Verbündeter („Future Guy“) wird von Archer ausschließlich erwähnt. Warum zur Hölle erfährt dieser Handlungsstrang, der seit dem Pilotfilm existiert, keine Auflösung?

Ein toller Moment zwischen Silik und Archer: "You've changed Captain." -- "Yes I have, and not all for the better." - hier geht Coto wie in ganz wenigen Szenen auf die Folgen der Xindi-Mission ein. Einer der wenigen bemerkenswerten Dialoge.
Score, Effekte und Darstellerleistungen dümpeln auf dem gleichen Niveau vor sich hin wie vor einer Woche - besonders Jolene Blalock sollte schnell wieder in die Spur zurückfinden. Ihre überzogene Emotionalität wirkt albern. Und auch mein „Freund“ Mayweather ist ein weiteres Mal unerträglich laienhaft. Was zur Hölle denkt Anthony Montgomery, wenn er so hölzern dasteht? Einkaufsliste? Urlaubsplanug?
Das Schild des Jahres: „EINGANG VERBOTEN“ - Amerikaner sollten einfach keine deutschen Schilder erstellen.
In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass es albern ist, wenn alle unwichtigen Deutschen abgehacktes, schlechtes Deutsch brabbeln während alle wichtigen Charaktere englisch sprechen. Sogar untereinander! Warum nicht einmal konsequent mit Untertiteln? Wäre sicher anstrengend, aber auch stimmungsvoller.
Vosk gewinnt deutlich an Format. Er ist ein kompromissloser Mann, der sowohl um seine eigene Macht, als auch um die Macht der Verbündeten weiß. Er benutzt sie für seine Zwecke. Darin wirkt er wie eine dämonische Variante von Annorax („Year oh Hell“), aber leider nicht halb so gehaltvoll. Seine Ausführungen gegenüber dem Nazi-General machen Eindruck, der kompromisslose Mord am Ende stärkt dieses Bild. Wäre das Make-up besser - naja.

Der Kampf über New York ist - abgesehen von den gruselig unechten Comic-Flugzeugen - klasse. Diese Größe fehlt der kompletten restlichen Doppelfolge an allen Ecken und Enden.
Die Schlussszene mit Daniels ist hübsch gestaltet, gut durchdacht und vor allem witzig geschrieben. Fast denkt man, Archer sei Coto und Daniels stünde für Berman & Braga: „I'm sick of your damn Temporal Cold War! Just send us home!“.
Das Ende der Episode ist versöhnlich. Die Enterprise, flankiert von Starfleet- und vulkanischen Schiffen auf dem Weg nach Hause. Nun stehen alle Türen für den wirklichen Seasonstart offen.
Sicherlich gelingt es Coto, den zweiten Teil straffer zu gestalten - sicherlich finden sich einige deutlich gelungenere Szenen - am Stückwerk ändert sich jedoch wenig.
„Storm Front“ bleibt im Gedächtnis. Als trauriger Versuch, eine einst interessante Idee irgendwie zu Grabe zu tragen. Manny Coto ist sicherlich nicht schuldlos am Untergang seines ersten Zweiteilers. Zwar musste er mit einer vollkommen sinnfreien Situation umgehen, konnte die Wünsche der Fans (noch) nicht in Angriff nehmen, schafft es aber auch nicht, reale Charaktere, überdurchschnittliche Dialoge, Tiefe oder Spannung zu erzeugen.

Technisch betrachtet
Nett, bemüht, mal trashig, mal kompetent. Unausgewogen wie der Rest.
Gib dem Kind einen Namen
Ja, es ist der zweite Teil - das hat man in beiden Sprachvarianten kompetent herausgestrichen.
Fazit
Mit einer leicht verbesserten Handlungsführung verabschiedet sich Manny Cotos Eröffnungszweiteiler und macht Platz für die wirklich interessanten Geschichten. Storm Front (2) reißt die Gesamtfolge nicht mehr aus ihrem Tiefgeschoss heraus, gibt beim Untergang aber zumindest ein homogeneres Bild ab. Irgendwie wie beim Untergang der Titanic - Hauptsache bis zum Schluss mit Kammermusik. Insgesamt ist der Zweiteiler "Storm Front" das "Carpenter Street" in Spielfilmlänge oder um einmal die Crew der Voyager zu loben: "Year of Hell" für geistige Tiefflieger: Unterhaltsam, leicht, zackig, aber leider dünn wie andorianische Seide. Bye bye TCW! Abhaken.
Nächste Woche gibt es dann Balsam für die geschundene Fan-Seele: Die Crew kehrt endlich Heim.
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 15. Januar 2017(Star Trek: Enterprise 4x02)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?