Star Trek: Enterprise 4x01

Star Trek: Enterprise 4x01

Da haben Berman & Braga ihrem Nachfolger aber ein Ei gelegt. Statt frisch durchstarten zu können, laviert er sich mehr schlecht als recht durch das Temporal-Cold-War-Chaos und zeigt: Aus Scheiße macht man einfach kein Gold.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part I)“ / (c) Paramount
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part I)“ / (c) Paramount
© ffizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part I)“ / (c) Paramount

Was passiert?

Deutsche Truppen haben mit Hilfe von Außerirdischen die USA besetzt. Und Captain Archer ist als Gefangener der Nazis mittendrin. Als Widerstandskämpfer ihn befreien, gelangt er mit der Rebellin Alicia zurück zur Enterprise und muss versuchen, den Alien-Anführer Vosk aufzuhalten, bevor dieser in die Zukunft fliehen kann...

Dies & Das

  • Daniels (Matt Winston) und Silik (John Fleck) waren mal wieder mit von der Partie.
  • Allan Kroker blieb weiter der Mann für die Eventfolgen - er durfte die erste Hälfte des Eröffnungs-Zweiteilers ausführen.

Zitate

My singing would often drive my children to tears.“ (Phlox)

I was way out of line you have enough to deal with without me flying off the handle.“ (Trip)

I can't shut up and talk at the same time.“ (Vosk)

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part I)“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part I)“ - © Paramount

Augen zu und durch?

Heureka, da war die Serie der drohenden Absetzung dann doch nochmal von der Schippe gesprungen und durfte in ihrem vierten und letzten Jahr 22 neue Abenteuer liefern, die wir ab sofort an dieser Stelle gemeinsam besprechen werden. Noch besser: Manny Coto - während der dritten Season frisch an Bord gekommen - übernahm das Ruder und sollte nun die kreative Richtung der Serie vorgeben.

Was würde diese Veränderung bewirken? Und was kann uns die daraus resultierende überschwängliche Stimmung überhaupt noch verhageln? Richtig! Da war ja noch was. Denn als kleines Abschiedsgeschenk hinterließen die berüchtigt-beliebten Rick Berman & Brannon Braga dem Neuen einen Cliffhanger, der einen unbelasteten Start unmöglich machte: Die Alien-Space-Nazis!

So entschied sich der tapfere Manny also, mit diesem Aufhänger gleich den seit drei Jahren orientierungslos dahinschlingernden Temporal-Cold-War einzustampfen. War das Konzept an sich immer durchaus faszinierend gewesen, konnten Berman & Braga in der Ausführung leider nie eine klare Linie oder irgendwelche Antworten finden. Letztlich fehlten dann sogar zumeist die guten Fragen. Episoden wie "Cold Front" oder "Future Tense" kann man zwar weiterhin fraglos als Highlights bezeichnen, einen Sinn ergeben sie retrospektiv jedoch nicht. 

Was also würde Manny Coto mit dem vorgelegten Chaos anfangen? Nun, ich will Gnade vor Recht ergehen lassen. Wir haben es hier definitiv mit dem verzweifelten Bemühen eines talentierten Insolvenzverwalters zu tun. Der Peter Zwegat des Trek-Franchise sozusagen. Jedoch: es half leider nichts. 

Storm Front (1) scheiterte einfach an zu vielen Fronten (´tschuldigung), um in der Summe als gelungenes Abenteuer in Erinnerung zu bleiben.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part I)“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part I)“ - © Paramount

Augen auf und leiden

Zuerst einmal ist die Frage, was passiert wäre, hätten die Nazis während des zweiten Weltkrieges tatsächlich die Ostküste der USA eingenommen, sicher interessant und inzwischen sogar der Plot einer ganzen Serie. Wenn man dann jedoch nicht auf die Auswirkungen eingeht und sich nur in Phrasen und billigen Actionszenen verliert, verpufft der eigentlich gute Ansatz. Hier passiert schlichtweg zuviel - und letztlich doch zu wenig. 

Wir sehen böse, dumme Nazischergen, einen arroganten und einfältigen Nazi-General, skurrile Aliens im Anzug mit Krawatte (zum Schreien albern), stereotyp-raue aber sympathische Widerstandskämpfer, den vergessen geglaubten Silik, einen halbtoten Daniels und viele, viele Füllszenen, in denen Charaktere interagieren, die weder Leben, noch Charme oder Energie versprühen. Warum zur Hölle sollen uns deren kleine Scharmützel denn etwas angehen? Es ist offensichtlich, dass Archer alles rückgängig machen wird und muss, um sich und die Crew in die korrekte Zeit zurückzubringen. Die Nazis werden nie die USA erreichen, die Widerstandskämpfer werden ein anderes Leben führen, Brooklyn wird nie besetzt werden und Vosk und seine Gefolgsleute nie die Erde durcheinander bringen. Ergo: Vakuum.

Manny Coto bemüht sich redlich, den vorgegebenen Cliffhanger so brauchbar wie möglich aufzulösen - und das gelingt ihm auch. Leider jedoch auf dem befürchteten Schwachstrom-Niveau.

Einzige Ausnahme bleibt die Wiedersehensszene auf der Brücke: Hoshis emotionaler Ausbruch ist definitiv rührend, wirkt in seiner unerwarteten Intensität jedoch, wie auch schon die Trauerszene aus „Star Trek: Nemesis“, auch irgendwie überzogen und deplatziert. Ohne Aufbau keine emotionale Resonanz - so einfach ist das leider.

Zu den inhaltlichen Schwächen gesellt sich aber noch ein weiterer Aspekt, der bisher keine negative Rolle spielte: Die Effekte. Teilweise wollte ich meinen Augen nicht trauen, was da auf dem Schirm zu durchleben war. Man nehme das Shuttle zu Beginn (selbst meine damalige Playstation hatte weit Besseres zu bieten), das besetzte Weiße Haus (hat man hier nicht verwendete Szenen aus Futurama recycelt? ), Siliks Morphing (war bei Odo schon um Klassen besser) - so schlecht sah die Serie noch nie aus.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part I)“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part I)“ - © Paramount

Dazu kommt die geringe „Weite“ in den anderen Szenen. Brooklyn wirkt beengt, klein und menschenleer; die Einrichtung von Vosk wie eine Schultheaterkulisse. Hier wurde eindeutig versucht, mehr aus einer Story zu machen, als es finanziell möglich war. Bisher eindeutig die am schlechtesten umgesetzte Episode der Serie. Und auch der Score - im letzten Jahr teilweise im Aufwind - plätschert gelangweilt dahin. 

Irgendwie kommt hier vieles zusammen - eine selten verrückte Idee seitens Berman & Braga zum Ende der letzten Season (die der Xindi-Krise die verdiente Auflösung zumindest für den Moment raubte), eine zu popcorn-lastige Handlung, Karikaturen von Charakteren, schwaches Make-up, flache Kulissen, schlimme Effekte und viel Blabla um letztlich rein gar nichts.

Dass auch die Darstellerleistungen nicht auf der Höhe sind, wundert da niemanden mehr. Jolene Blalock trifft alle falschen Töne, indem sie T'Pol wie einen verwirrten Ex-Junkie darstellt (was sie ja auch ist, aber selbst in „Zero Hour“ war sie unter mehr Druck überzeugender) und Scott Bakula ergibt sich ohne Emotionen in das banale Fahrwasser seiner Haupthandlung. Von den Nebendarstellern kann am ehesten noch Golden Brooks gefallen, wobei ihr Charakter auch an Unterbeschäftigung leidet. Alle anderen sind pures Mittelmaß.

Wir mussten ein Jahr lang mit der Crew leiden, durften schließlich ihren Triumph erleben und dann präsentierte man uns durch die Hand von Manny Coto ein Streichholz von Feuerwerk, dass weder dem Xindi-Arc, noch dem TCW-Arc, den Charakteren oder den Ansprüchen an einen Season-Opener gerecht wurde.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part I)“
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Storm Front (Part I)“ - © Paramount

Technisch betrachtet

Wie bereits erwähnt ein klarer Rückschritt zur vorigen Staffel. Die Effekte wirken teils unfertig, lieblos und steril. Die Kulissen sind zu beengt und Location-Shootings hätten gut getan. Insgesamt der Versuch eines großen Event-Zweiteilers ohne die nötigen Mittel.

Gib dem Kind einen Namen

Ganz schön raue See, auf der der liebe Coto da segeln musste. Böse, böse Vorgänger-Autoren! Man könnte fast sagen, es wäre eine Sturmfront über die Serie und ihren neuen Chef hinweggezogen. Ein Meta-Statement also? Oder ein reinigendes Gewitter gar? Man kann es nur hoffen.

Fazit

Storm Front (1) ist der simpelste Nenner, auf den man den TCW nach drei Jahren hätte bringen können: Eine Popcorntüte voll heißer Luft, die bei der kleinsten Berührung explodiert und einen unangenehmen Geruch hinterlässt. Manny Coto scheitert dabei zwar sicher nicht an seiner eigenen Vision für die Serie, aber dafür an dem Versuch, den kalten Krieg in ein Feuerwerk zu verwandeln und verliert sich in Klischees, Plattitüden und viel zu pragmatischer Action. Auf diesem Niveau freue ich mich, mit der nächsten Episoden endlich "bye bye TCW" rufen zu können. 

Morgen rufen wir dann alle gemeinsam „Bye bye TCW!“. Es wurde Zeit.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 14. Januar 2017
Episode
Staffel 4, Episode 1
(Star Trek: Enterprise 4x01)
Deutscher Titel der Episode
Sturmfront, Teil 1
Titel der Episode im Original
Storm Front (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 8. Oktober 2004 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 12. Februar 2006
Autor
Manny Coto
Regisseur
Allan Kroeker

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 4x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?