Star Trek: Enterprise 3x24

Star Trek: Enterprise 3x24

Wie so oft: Der kleinste Nenner eines Pay-Offs besteht aus Action, Zeitlupe und hemdsärmeligen Storyfragmenten. Dass man den Fans zudem einen unmotivierten WTF-Moment entgegenschleudert, macht den Rest nahezu kaputt.

Bild aus der Episode „Zero Hours“ der Serie „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN
Bild aus der Episode „Zero Hours“ der Serie „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN
© ild aus der Episode „Zero Hours“ der Serie „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN

Was passiert?

Die Uhr tickt unerbittlich weiter, die Xindi stoßen bereits im Siegestaumel mit toten Mäusen an, Daniels erfreut Archer mit noch mehr Zukunftskauderwelsch und der Captain selbst erklärt seiner Crew zum zigsten Mal eine wahnwitzige, alternativlose Idee. Ach ja: Nebenbei muss immer noch die Erde gerettet werden...

Dies & Das

  • Allan Kroker blieb weiterhin der Mann für die Events: Er war nicht nur für die Abschlussepisoden von DS9 und Voyager verantwortlich, sondern lieferte auch hier beide Teile von "Shockwave", sowie den Abschluss der zweiten Season "The Expanse", den Beginn der dritten mit "The Xindi" und den Beinahe-Cliffhanger "Azati Prime" ab.
  • Die Episode wurde von Brannon Braga und Rick Berman persönlich verfasst. Es war erst ihre dritte alleinige Arbeit der Season seit dem Auftakt „The Xindi" und "Carpenter Street".
  • Jeffrey Combs alias Shran tauchte hier schon zum fünften Mal auf.
  • Auch Matt Winston ist in der Rolle des Daniels zum sechsten Mal mit von der Partie. Er hielt somit die Fahne des TCW auch in der dritten Season hoch.
  • T'Pol verrät Trip, dass sie 65 Jahre alt ist.
  • Daniels sagt, dass die Föderation in circa sieben Jahren gegründet werden wird - Picard sagte in "Attached", es sei 2161 gewesen - kommt also genau hin.

The Reptilians in „Star Trek: Enterprise“
The Reptilians in „Star Trek: Enterprise“ - © UPN

Zitate

I have no plans of dying on that weapon.“ (Archer)

You are intergral to the future!“ (Daniels)

It's a shame. All that water. The Aquatics would feel at home here.“ (Dollum)

Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Juhu. Die Erde wird weiter existieren. Zumindest irgendwie. Irgendwo. Irgendwann? Das Finale des Season-Arcs hat zumindest eines nicht: Gelangweilt. Dass dieses Statement jedoch nur auf Basis eines schier unverschämten Action-Anteils fußt, muss nicht weiter verwundern. Seit Wochen hat die Serie diesen Weg nicht mehr verlassen, seit Wochen wurden Entwicklungen in Sachen Story oder Charakterentwicklung nur noch mit der Pipette verabreicht. Sei´s drum.

Die Xindi feiern zu Beginn der letzten rund vierzig Minuten bereits ihren Sieg. Mit toten Mäusen. Man, sind die böse, die Xindi! Keine Ahnung, was den Autoren bei diesem albernen Gaga-Moment durch den Kopf ging, keine Ahnung was man von Reptiloiden halten soll, die sich mit toten Tieren zuprosten - Berman & Braga haben schon Dümmeres geschrieben und hier nur eine weitere Eskapade ergänzt.

Captain Jonathan Archer (Scott Bakula) in „Star Trek: Enterprise“
Captain Jonathan Archer (Scott Bakula) in „Star Trek: Enterprise“ - © UPN

Doch haben die feierfreudigen Bösewichte natürlich ihre Rechnung ohne die Crew der Enterprise gemacht. Archer ist weiterhin stark motiviert, die Waffe zu stoppen - in letzter Instanz soll nun ein Besuch im Inneren helfen, das Wunderwerk der Xindi-Technik direkt von dort aus zu zerstören. Eine bärtige Idee, der man auch in der Folge keine neuen Aspekte abgewinnen kann. Derweil muss Trip einen Weg suchen, die Sphären zu zerstören, damit Archer seinen Teil der Abmachung mit den friedfertigen Xindi (die keine Mäuse essen) einhalten kann - und man en passant eine pseudo-plausible Erklärung dafür zur Hand hat, dass die Ausdehnung in keiner der zeitlich später spielenden Serien thematisiert wurde. Gähn.

„Star Trek: Enterprise“
„Star Trek: Enterprise“ - © UPN

Das alles läuft in zu erwartenden Bahnen ab. Überraschungen oder gar spannende Wendungen sind nicht nur Mangelware sondern gehen dem Drehbuch in Gänze ab. Die Staffel rollt wie ein kurzschlussgeplagter Vorlone dem Ausgang entgegen. Zurückschauen verboten.

Zeitlupe, Explosionen, Expositionen

Wäre nicht noch erneut der große Rätselmeister Daniels aufgetaucht, hätte man an dieser Stelle das Review fast einstellen können. Seine Voraussagen über die Wichtigkeit des Captains und seine Rolle bei der Gründung einer Föderation machen zwar durchaus Spaß, der Gute hat jedoch schon so oft falsch gelegen oder schlicht Halbwahrheiten verbreitet, dass ich ihm eigentlich kaum mehr Zuhören möchte. Dabei war Daniels eigentlich bisher oft eine clevere und stark gespielte Figur. Nur leider haben es die Autoren auch hier nicht geschafft, das vorhandene Potential zu nutzen und aus einer netten Idee mehr zu machen. Die ewige Geschichte mit der Summe der Teile.

Die große Vision der Autoren von der Auflösung des Arcs besteht, als es am Ende hart auf hart kommt, also nur noch Explosionen und Zeitlupen. Hätte Archer noch an einer beliebigen Stelle „Hasta la vista, Schweinebacke - ich komme wieder“ gesagt, wäre das im Allgemeinen Trubel vermutlich gar nicht weiter negativ aufgefallen. Star Trek hat sich in nur einer Staffel auf das Gleis der absoluten Beliebigkeit katapultiert, da man es nicht schaffte, durchaus vorhandenes und aufflackerndes Potential irgendwie konstant zu melken und in die richtigen Bahnen zu lenken. Somit blieb nach teils gelungenem, teils langatmigen Aufbau und einem knackigen Zwischenhoch (als die Action noch begeisterte) nur noch ein sich selbst verdauender Action-Showdown, der fast das komplette letzte Drittel der Staffel anhielt und sich mehr und mehr abnutzte. Bei auftretenden Ermüdungserscheinungen konsultieren Sie bitte eine weniger generische Serie.

WTF

Ach ja - da war ja noch was. Über den großen, bösen WTF-Moment am Ende haben sich in den vergangenen Jahren schon viele Kollegen und Fans in äußerst blumigen Worten ausgedrückt und ausgetauscht. Auch ich kann hier nicht viel Gehaltvolles ergänzen. Nur so viel: Weder der Cliffhanger aus inhaltlicher Sicht, noch die Tatsache, dass es überhaupt einen geben musste, noch die erneute völlig unmotivierte Beteiligung von Nazis konnte meine Laune damals oder heute irgendwie heben. Nein, hier bin ich ganz der Romantiker - und auch wenn es langweilig klingt: Mir hätte ein kitschig-fröhlich-erschöpftes Season-Ende gereicht. Nachsitzen, Berman & Braga.

Jeffrey Combs alias Shran in „Star Trek: Enterprise“
Jeffrey Combs alias Shran in „Star Trek: Enterprise“ - © UPN

Technisch betrachtet

Was man in Sachen Story vermisst, wurde erneut in die technische Umsetzung gelegt. Es kracht, es zischt, es brodelt, es vibriert. Visuell und in Sachen Soundtrack spielt hier eine kompetente Crew alle Karten aus und macht aus der Episode zumindest ein Fest für die Sinne, das zumindest über einiges hinwegsehen lässt.

Gib dem Kind einen Namen

Und erneut: Stunde Null. Es ist so weit. Finaaale, ohohoho. Finaaaale. Sozusagen die Endgame-Titel-Variante der NX-01. Langweilig.

Fazit

Zero Hour ist die neue und legitime Duden-Definition von „heiße Luft“. Wenn Serienautoren Charakterentwicklungen, Drama, Gefühle und spannende Wendungen in Gänze mit Action, mehr Action und noch mehr Action ersetzen, weiß man was die Stunde geschlagen hat. Die Luft ist raus und die Staffel erhält in letzter Instanz einen Abschluss, der irgendwie leider zum Gesamtbild passt.

Nächste Woche gibt es das Season-Review zur dritten Staffel. Die Woche darauf starten wir direkt durch in die vierte Staffel. Ich freu mich drauf! Guten Rutsch!

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 31. Dezember 2016
Episode
Staffel 3, Episode 24
(Star Trek: Enterprise 3x24)
Deutscher Titel der Episode
Stunde Null
Titel der Episode im Original
Zero Hour
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 26. Mai 2004 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 27. Februar 2005
Autoren
James Badge Dale, Natalia Baron
Regisseur
Allan Kroeker

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x24

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