Star Trek: Enterprise 3x23

Star Trek: Enterprise 3x23

Wilder Ritt statt Storytiefe: Mit der vorletzten Episode der Staffel biegt die Serie dreist einfach nochmal auf die Zielgrade ein und fährt dieselbe Strecke ein zweites Mal. Dass das Ganze dennoch unterhält, ist der kompetenten Action und Rasanz geschuldet.

Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Countdown“ (c) Paramount
Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Countdown“ (c) Paramount
© zenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Countdown“ (c) Paramount

Was passiert?

Trotz großer Unstimmigkeiten untereinander wollen verschiedene Xindi-Lager gemeinsam die todbringende Waffe zünden und den vernichtenden Schlag gegen die Erde ausführen. Die Degra-Fraktion ist jedoch weiterhin bereit und Willens, gemeinsam mit Archer und seiner Crew den Start zu sabotieren. Allerdings nicht ohne komplizierte Gegenleistung…

Dies und das

Robert Duncan-McNeill (Tom Paris von der USS Voyager) kehrte ein weiteres Mal in den Regiestuhl zurück, um die vorletzte Episode der Season zu veredeln.

Chris Black war für viele Highlights wie „Singularity“, „Cease Fire“, „The Shipment“ und „Proving Ground“ verantwortlich. Danach tauchte er jedoch in die tiefsten Plagiatsabgründe und lieferte „Doctor's Orders“ ab. André Bormanis zeichnete für „Silent Enemy“, „Horizon“ und „Extinction“ verantwortlich - nicht gerade eine großartige Liste. Countdown war die erste Zusammenarbeit der Beiden.

Viele bekannte Gesichter waren hier erneut mit von der Partie: an der MACO-Front sahen wir Major Hayes alias Stephen Culp in seinem fünften Auftritt wieder. Josette diCarlo war als mysteriöse Vertreterin der Sphärenbauer das erste Mal alleine in „Damage“ zu sehen. Ihr zur Seite standen erneut die weiteren Sphären-Bauer, gespielt von Mary Mara und Ruth Williamson. Alle drei waren gemeinsam bis hierhin nur in „The Council“ zu sehen gewesen. Rick Worthy war schon zum neunten Mal dabei. Tucker Smallwood und Scott MacDonald waren vor dieser Episode ebenfalls bereits sechsmal mit von der Partie gewesen.

Zitate

I'm fond of Hoshi too.“ (T'Pol)

After all your deliberation you'll find that the reptiles have made your decision for you.“ (Archer)

I've considered formalizing my standing with Starfleet.“ (T'Pol)

Haben die die falsche Folge aufgelegt?

Ein klein wenig fühlt man sich bei Ansicht der Episode an den direkten Vorgänger erinnert. Die groben Themen sind dieselben, der Ablauf birgt mehr als einige Parallelen. Die große Waffe der Xindi ist auf dem Weg zur Erde, den fiesen Reptiloiden und Insektoiden fehlt nur noch ein Code, die Crew muss verhandeln was das Zeug hält und am Ende verpufft die Hoffnung und die Waffe entgleitet der schockierten Mannschaft um Captain Archer erneut.

So weit so einfach.

Dennoch ist Countdown nicht einfach nur ein Plagiat, sondern strickt den Flow der letzten Dreiviertelstunde gefällig weiter, ohne dabei aber wirklich irgendwo anzukommen oder gar eine eigene Story zu erzählen. Man überbrückt eher die Zeit bis zum Finale, indem man von einer kurzen Plotsequenz zur nächsten springt und das Ganze mit einem Schwall aus Action aufpeppt - dass dabei Recycling auch eine gehörige Rolle spielt, muss erwähnt, aber nicht zu hochgehängt werden.

Dass einige Xindi keine netten Leute sind, wird hier zudem erneut überdeutlich mit dem Holzhammer zur Schau getragen: Ausgerechnet die bedauernswerte Hoshi Sato muss wieder herhalten, um entführt und gedemütigt zu werden. Dennoch bietet sie den übergroßen Gegenspielern tapfer die Stirn, bis sie aber letztlich doch noch unter Druck und Gehirnwäsche zusammenbricht und kollaborieren muss. Hier zeichnet man selbstverständlich das gewohnte schwarz-weiße Bild der bösen Aliens im Kampf gegen die guten Menschen. Zwischen Drohgebärden, Brutalitäten und einem gewissen Ekelfaktor bleibt einfach kein Platz für Schemen von Grau bei den Insektoiden und Reptiloiden. In einer Staffel, die sich aber ohnehin eher durch Spannung denn durch feingeistige Herausarbeitung der Antagonisten hervorgetan hat, muss dieser Umstand keiner einzelnen Folge in Rechnung gestellt werden - wenn überhaupt der Staffelkomposition an sich. Eine klare Aufgabe für das Season-Review demnächst. Ich packe schon einmal den Knüppel aus.

Badass Archer to the recue!

Während Hoshi leidet, wartet Archer verzweifelt und angefressen auf eine Entscheidung der Aquarianer, endlich auf Seiten der Enterprise-Crew in den Kampf einzugreifen. Doch erst indem er ihnen einen unwiderstehlichen Köder vorsetzt (das Zerstören des Sphären-Netzwerks), kann er sie zur Aktion bewegen. Dass er zu diesem Zeitpunkt noch gar keine technische Lösung für dieses Angebot besitzt, dürfte besonders Trip gefreut haben. Arbeiten unter Zeit- und Erfolgsdruck ist doch genau das, was sich Arbeitnehmer wünschen. Auch später tut sich der Captain nicht durch sanften Umgang mit seinen Untergebenen hervor. Als Hoshi mehr tot als lebendig aufs Schiff zurückkehrt, darf sie gegen die vehementen Einwände des Doktors sofort wieder auf eine gefährliche Mission taumeln. Es geht eben um das große Ganze - Archer weiß das und handelt konsequent danach. Was kümmern den Mann seine Sympathiewerte?

Verstecktes Gold

Doch finden sich tatsächlich auch zwei unscheinbare und wunderbare Szenen inmitten der vielen aufgeblasenen Rambazamba-Momente. So wird hier endlich das komplizierte Verhältnis zwischen Hayes und Reed (und somit zwischen MACOs und Sicherheitsteam der Enterprise) seziert und präzisiert. Eine Szene, die innerhalb der Staffel aber schlicht viel zu spät kommt und die zu einem früheren Zeitpunkt diesem Subplot so viel mehr Tiefe hätte abgewinnen können - hätte man sich bis dato nicht nur auf alberne Faustkämpfe und das Rumgegockel der beiden Streithähne verlegt.

Der zweite herausragende Moment betrifft eine einst vertraute Szenerie: Dinner beim Captain mit Archer, Trip und T´Pol. Für einen Moment halten all das Chaos und die Probleme der letzten Monate inne und man ist wieder an einem Punkt, wo sich die Serie zwei Staffeln lang bereits einmal befunden hat. Naives Erforschen und die Freude auf den nächsten Morgen.

Hier lässt man die Charaktere tatsächlich ein wenig optimistisch in die Zukunft schauen, hier lässt man sie überlegen, was nach der Rettung der Erde noch vor ihnen liegen kann. Und irgendwie erkennt man als Zuschauer an dieser Stelle, dass diese Zeit der Serie doch gar nicht so schlecht war und einen gewissen Zauber besaß - auch wenn die große Qualität damals oft einen weiten Bogen um einzelne Folgen gemacht hat. Dennoch: Diese fehlende Tiefe auf Dauer mit globalen Gefahren, Zerstörung und Effektschlachten zu überdecken, ist sicherlich mal eine Staffel machbar - aber eben auch keine Dauerlösung.

Technisch betrachtet

Technisch zündet man hier erneut ein Feuerwerk. Die sehenswerten Effekte überbieten sich gegenseitig (die Schiffe der Aquarianer verlieren durch den Einfluss der Anomalien Wasser, das Innere der Waffe an sich ist sehr gut umgesetzt), die Maskenbildner hatten erneut lange Schichten zu durchleben und die Inszenierung von Robert Duncan McNeill ist auf den Punkt. Gemeinsam mit dem stampfenden Score bietet sich hier in diesem Bereich erneut eine kompetente Episode, die auch 2016 noch Vergleichen mit aktueller Ware standhält, damals aber schlicht atemberaubend gut war.

Gib dem Kind einen Namen

Die Uhr tickt, die Zeit läuft. Countdown zum Staffelfinale. Die Titel bleiben leere Hüllen - ob das in Staffel 4 nochmal anders werden wird?

Fazit

Countdown strotzt vor Rasanz, führt die Handlungsstränge ohne große Tiefe, doch mit hohem Tempo weiter und steuert so auf direktem Wege das unvermeidliche Staffelfinale an. Ein richtiges Thema oder Alleinstellungsmerkmal geht der Episode dabei zwar völlig ab und lässt sie im Nachhinein eher als schemenhaften Aufguss des direkten Vorgängers erscheinen, das tut dem Spaß und der Spannung aber zu diesem Zeitpunkt der Handlung kaum einen Abbruch.

Nächste Woche soll es dann tatsächlich noch pünktlich zum Jahresende so weit sein, dass wir die dritte Staffel abschließen können. WTF-Alarm!

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 24. Dezember 2016
Episode
Staffel 3, Episode 23
(Star Trek: Enterprise 3x23)
Titel der Episode im Original
Countdown
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 19. Mai 2004 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 26. Februar 2005
Autoren
Kiefer Sutherland, Leslie Hope
Regisseur
Robert Duncan McNeill

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x23

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?