Star Trek: Enterprise 3x22

Star Trek: Enterprise 3x22

Es hat eine Weile gedauert, doch zum Ende kommt der Season-Arc noch einmal richtig in Fahrt. Man zieht endlich alle richtigen Strippen, findet alle relevanten Schalter und biegt mit Affenzahn auf die Zielgerade ein.

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „The Council“ / (c) Paramount
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „The Council“ / (c) Paramount

Was passiert?

Archer trifft auf den Rat der Xindi um dort zu erörtern, warum die beiden Rassen nicht lieber Frieden schließen sollten, anstatt durch den Start der Waffe alles nur weiter eskalieren zu lassen. Währenddessen erforschen Reed, Mayweather, T'Pol und Hawkins eine Sphäre, um mehr über deren ominöse Erbauer zu erfahren...

Dies & das

  • Witzig: Im Produktionsreport machte sich die offizielle Trek-Page damals über Haussender UPN lustig: "The story is rife with shocking twists and turns, and at the risk of sounding like a UPN commercial, the ending will have you on the edge of your seat."
  • David Livingston war hier bereits zum zwölften Mal aktiv - er war seit TNG einer der am meisten eingesetzten Regisseure in Star Trek.
  • Sean McGowan kehrte in der Rolle des Corporal Hawkins bereits zum vierten Mal zurück. Neben Major Hayes alias Stephen Culp war er sicher der bekannteste MACO.
  • Josette diCarlo war als mysteriöse Vertreterin der Sphären-Bauer das erste Mal in Damage zu sehen. Ihr zur Seite standen erstmals zwei weitere Sphären-Bauer, gespielt von den Neulingen Mary Mara und Ruth Williamson.

Zitate

How I am remembered is not for you to decide!“ (Degra)

Maybe we're getting a little too comfortable with the casualty rate.“ (Reed)

The number of timelines with favourable outcomes has diminished.“ (Sphere-Builder)

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Council%26ldquo; © Paramount
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Zuhause bei den Sphären-Bauern

Nachdem die vergangene Episode dem Handlungsverlauf in gewisser Weise eine kurze Auszeit zu gönnen versuchte, steigt man hier wieder in die finalen Momente des immer epischer werdenden Season-Arcs um die Bedrohung durch die Xindi ein. Und wie!

Manny Cotos Script eröffnet die Episode dabei mit einer Szene, die skurriler nicht sein könnte: Die erste Unterhaltung zwischen den mysteriösen Sphären-Bauern, der wir beiwohnen dürfen, zeichnet sich durch einen eigentümlichen Charme aus, der die Wesen auf erschreckend kalte Art und Weise überlegen zeigt und so ohne große Vorarbeit zu einer greifbaren Bedrohung heranreifen lässt.

Die Tatsache, dass sie ständig den Fluss der Zeit im Auge behalten können und Möglichkeiten studieren, wie die Situation sich entwickeln könnte, vermischt auf nicht ungeschickte Art und Weise Motive des Temporal Cold War (der hier aber bekanntermaßen keine allzu große Rolle spielt) mit dem Thema der Gründer aus DS9. Diese Parallele wird auch durch das uninspirierte Makeup der Spezies getragen - ein Punkt, den man mit Fug und Recht als Kritik anführen darf. Die Tatsache, dass die Xindi die Fremden zudem als Guardians verehren, gibt dieser Kritik natürlich weitere Nahrung - und auch die "weiße Suppe" in der sie scheinbar beheimatet sind, weckt nicht unbegründet Erinnerungen an Siskos Besuche bei den Wurmlochwesen. Aber genug davon - die angeführten Ähnlichkeiten einmal beiseitegelassen, handelt es sich hier um eine Spezies, die durchaus Interesse weckt und überzeugen kann.

Besonders die Szene, in der die Anführerin versucht, Degra zu bekehren, ist mit einer Exaktheit inszeniert (man beachte den wundervollen Score zu Beginn der Szene), die beiden Seiten Gelegenheit gibt, sich zu profilieren. Es ist bei weitem nicht die einzige Szene, in der Randy Oglesby die Chance erhält, seine schauspielerischen Fähigkeiten offenzulegen. Gleiches gilt für die Szenen mit Trip und Archer, die als wunderbare Vorboten für das neue Miteinander zwischen den Völkern stehen und durch Oglesbys Präsenz getragen werden.

Hefte raus, Klassenarbeit!

Aber auch darüber hinaus bietet die Episode eine Fülle an Material, das es nach und nach aufzuarbeiten gilt.

Zuerst einmal bringt eine ausführliche Szene zwischen Archer und Degra endlich einige überfällige Antworten - so erfahren wir mehr über die Hintergründe des Verhältnisses der Guardians zu den Xindi und erhalten eine originell umgesetzte Übersicht über die wichtigsten Xindi-Persönlichkeiten, die nun auch endlich Namen und stichwortartige Background-Informationen erhalten. Warum die Produzenten mit diesen Informationen bis hier gewartet haben, bleibt schleierhaft, die Umsetzung ist jedoch faszinierend. Und nebenbei: Die Insektoiden sahen nie so gut aus wie hier.

Das gleiche gilt im Übrigen natürlich auch für die Ratskammer der Xindi, die wir nun gemeinsam mit Archer und Hoshi endlich genauer unter die Lupe nehmen können - sie entfaltet eine schaurig-urige Atmosphäre, die perfekt zur bisher kennengelernten komplexen Gesellschaftsstruktur der Xindi selbst passt. 

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Council%26ldquo; © Paramount
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Die Szenen in der Ratskammer sind im Grunde der Kern der Handlung - von vorneherein sind die Rollen dabei klar verteilt. Degra, die Humanoiden und die Faultiere als grundsätzlich Archer positiv gesonnen, die Aquarianer als neutrale Kraft und die Reptiloiden und Insektoiden als Gegenpol - eine Aufteilung, die wir bereits die gesamte Season verfolgen konnten, mit der Archer und Hoshi nun aber erstmals konkret konfrontiert werden. Die Zerrissenheit des Rates und der Spezies an sich wird hier am Deutlichsten - man ist inzwischen nicht einmal mehr bereit, den Argumenten der anderen Seite zuzuhören. Ein Scheitern des Rates ist bereits seit vielen Episoden mehr als absehbar gewesen, hier sprengt Degra mit seiner Überzeugung nun jedoch endgültig das dünne Band zwischen den einzelnen Gruppen. Eine unvermeidliche Entwicklung.

Dabei kann Archer selbst am wenigsten für die Ereignisse. Seine Rede ist ehrlich und aufrichtig. Die vollkommen hoffnungslose Lage, in der sich die einzelnen Gruppen befinden, kann jedoch er am wenigsten beeinflussen. Er hat das Maximum erreicht, hat Degra und alle die ihm vertrauen auf seine Seite gebracht - mehr war nie möglich.

Durch die Nachwehen dieses Konfliktes erfahren wir jedoch erneut einige interessante Dinge, die vieles im Nachhinein logischer erscheinen lassen, was man bisher noch unbestreitbar als Fehler oder zumindest Fragezeichen im Arc hätte bezeichnen können. Die Guardians haben laut Degra zwar keine greifbaren Beweise erbracht (Damage), hier erfahren wir jedoch, dass sie dem Rat eine visuelle Darstellung vorgeführt haben, in der die Menschen die Heimatwelt der Xindi zerstören.

Wenn man sich den Status der Guardians für die Xindi vor Augen hält, kann man durchaus akzeptieren, dass diese Vorführung für den Rat Beweis genug war - bis Archer kam. Nebenbei wird geklärt, wieso die Xindi eine Heimatwelt beschützen wollen, die es unseren Informationen nach ja gar nicht mehr gibt (The Xindi, The Shipment). Die Guardians sprachen immer von der zukünftigen Heimatwelt, die die Xindi irgendwann in der Zukunft einmal finden und besiedeln würden. Hier schließen sich diverse Lücken mit Informationen, die der inneren Logik der gesamten Season spät aber immerhin noch rechtzeitig zugutekommen.

Viel meaty stuff, wenig heiße Luft

Während all dieser Vorgänge wenden sich die Guardians an die geistig schwachen Reptiloiden und versuchen, ihren Plan noch zu retten. Dieses Handlungselement kann man problemlos als Schwachpunkt der Episode bezeichnen.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Council%26ldquo; © Paramount
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Ein weiteres Thema, das von Manny Coto auf der anderen Seite wiederum geschickt weitergeführt wird, ist die verständliche Feindseligkeit Trips gegenüber Degra. Hatte dieser sich bisher noch mit Entgegnungen zurückgehalten, greift er sich den Ingenieur der Enterprise dieses Mal sogar körperlich und versucht ihn mit aller Macht auf die veränderte Situation und das gemeinsame Ziel einzuschwören. Auch hier stiehlt Randy Oglesby wieder die Szene und spielt den sonst so großartigen Connor Trinneer glatt an die Wand - schade, da durch etwas mehr Elan auf dessen Seite die Szene noch deutlich emotionaler gestaltet hätte werden können. Da er jedoch zum Zuhörer degradiert wurde, kann man Trinneer vielleicht nicht wirklich einen Vorwurf machen.

Besser gelungen ist in dieser Hinsicht auf jeden Fall die spätere Szene zwischen Degra und Trip, in der beide das Kriegsbeil begraben und sich gegenseitig klarmachen, dass ab sofort nur noch das Miteinander zählen darf. Ein würdiger Abschluss für dieses Kapitel.

Apropos würdiger Abschluss: Degra zu diesem Zeitpunkt der Handlung sterben zu lassen, hätte überraschender und schockierender nicht kommen können. Für die Crew und besonders für Archer bricht mit Degra der Strohhalm weg, an den man sich seit Wochen klammerte. Der Mann, durch den Archer überhaupt erst den Fuß in die Tür des Rates bekommen hatte.

Doch auch für die Serie und die Zuseher ist Degra ein schmerzlicher Verlust, da die Autoren es mit fortschreitender Handlung fertiggebracht hatten, aus dem zu Beginn eindimensionalen Bösewicht eine komplexe und starke Persönlichkeit zu formen, die Randy Oglesby jede Gelegenheit gab, seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten einzusetzen. Die Todesszene ist jedoch angemessen und in ihrer atmosphärischen Brutalität perfekt umgesetzt. Der Charakter des Dolom gewinnt durch seine abschließende Drohung, Degras Frau und Kinder aufzuspüren und hinzurichten, eine perverse Kälte, die sich durch die Geschichte über das Kind seiner Schwester (die Degra Archer vorher erzählt hatte) noch verstärkt wird.

Die Mission, auf der sich T'Pol, Travis, Malcolm und MACO Hawkins befinden, rückt ein weiteres Mal die mysteriösen Sphären in den Mittelpunkt. Bei dieser Nebenhandlung dreht es sich jedoch eher um ein Spannungselement, dass wenig Tiefgang bietet und schlicht von der starken Optik, der waghalsigen Mission und dem Tod des hier zum vierten Mal eingesetzten MACOs Hawkins handelt. Dabei ist es sicherlich von Vorteil, dass der neben Major Hayes bisher am ehesten im Gedächtnis gebliebene MACO hier als Opfer gewählt wurde, da der aufmerksame Zuschauer mit ihm unter Umständen etwas verbinden kann (zum Beispiel die Szenen in Impulse mit T'Pol). 

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Reaktion von Reed, der scheinbar irgendwo zwischen Selbstvorwürfen und dem psychischen Druck der Mission zu zerbrechen droht. Dabei gelingt es Dominic Keating bereits seit Wochen perfekt, einen immer unsichereren, innerlich zerrissenen Reed zu zeigen, den nur noch seine Pflicht über Wasser hält - klasse! T'Pol fällt in dieser Szene im Übrigen eine wundervolle Hommage zu, als sie Reed das vulkanische Motto "Das Wohl Vieler wiegt schwerer als das Wohl eines Einzigen" weitergibt. Passend, einfühlsam und perfekt für die serienübergreifende Kontinuität.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Council%26ldquo; © Paramount
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T'Pols Sucht scheint hingegen nicht mehr der Fokus der Handlung zu sein - wie auch, bei allem was sonst so vor sich geht. Dennoch streut Coto auch hier erneut kleine Randnotizen ein, die sie und andere Charaktere abrunden. Es ist auf jeden Fall nicht uninteressant, dass sie scheinbar immer noch niemandem ihre Probleme gebeichtet hat - nicht einmal Trip, den sie hier erstmals auch bei seinem Spitznamen nennt. Eine Entwicklung, die sicherlich nicht unbeabsichtigt vorgenommen wurde.

Hoshi erhält nach sträflicher Vernachlässigung innerhalb der Season (bis auf den Rohrkrepierer Exile) endlich wieder eine sinnvolle Aufgabe, die auf ihren Fähigkeiten beruht und - angesichts des dramatischen Endes - zu einem weiteren Handlungsstrang führen dürfte.

Technisch betrachtet

Schauspielerisch glänzen wie schon mehrfach erwähnt Randy Oglesby (leider zum letzten Mal), Scott Bakula (man beachte den Horror als er von Degras Tod erfährt und seine innere Leere als die Waffe im Vortex verschwindet) und Dominic Keating (mit Trinneer der beste im Abliefern von Emotionen). Allerdings holen auch Scott MacDonald (Dolom), Tucker Smallwood, Rick Worthy (Jannar) und Josette diCarlo viel aus dem gebotenen Material heraus und verleihen ihren doch recht eindimensionalen Charakteren eine größere Fülle als zuvor.

Wie bereits angedeutet bleiben Connor Trinneer und auch Linda Park dieses Mal eher unter ihren Möglichkeiten, wobei ich in Sachen Park inzwischen schon eher auf beschränkte Möglichkeiten tippen würde - zumindest hat die junge und sympathische Mimin mich lange nicht mehr positiv überraschen können. Schade.

Optisch und akustisch bietet die Episode ebenfalls absolutes Top-Niveau. Komponist Velton Ray Bunch holt erneut an einigen Stellen seine Kniffe aus der Trickkiste um Szenen auf eine ganz spezielle Art und Weise zu bereichern, während David Livingston seine ganze Trek-Erfahrung ausspielt und jeden noch so kleinen Deut aus dem Drehbuch herausholt. Doch auch die Trickspezialisten sollen nicht vergessen werden: Ohne die Ehrfurcht gebietende Umgebung der Ratskammer, die Xindi-Schiffe, die Kampfszenen und vieles mehr könnte eine solche Wucht im optischen Bereich nicht erreicht werden.

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Durchatmen - was gibt es abschließend zu sagen?

Bei der gebotenen Fülle muss man die Episode auf den unterschiedlichen Ebenen bewerten. Sie bietet nervenzerfetzende Spannung, baut den Arc mit Bedacht, Intelligenz und Energie aus und fungiert als Charakterdrama zwischen Trip und Degra, Degra und Archer, T'Pol und Trip, den Xindi an sich, Hoshi, Reed - eine reife Leistung. Zudem spricht Coto Themen an, die der Serie im Laufe der Jahre und des aktuellen Jahres ihren Stempel aufgedrückt haben (TCW, Daniels sowie die Föderation und die Chance auf Frieden).

Hier zeigt sich, wie gut ein Drehbuch sein kann, wie gut man alle Fäden lose in der Hand halten kann, um sie im exakt richtigen Moment zu straffen und für wohldosierte Überraschungsmomente zu sorgen.

Gib dem Kind einen Namen

Vielleicht sind die Episodentitel inzwischen auch so eine Art Haltestellenangaben für den Navigator der Enterprise. Nächster Stopp: Azati Prime. Nächster Stopp: Der Rat. Gähn.

Fazit

Kudos! The Coucil ist die perfekte Symbiose aus allen Stärken der dritten Season: Ein wilder Mix aus Charakterdrama, Emotionen, Mut zum Risiko, optischer Wucht, Mystery, Spannungsaufbau und Darstellerleistungen. Manny Coto führt den Arc mit Macht auf eine Ebene, die man sich von Anfang an gewünscht hätte! Große klasse!

Nächste Woche wage ich mich daran, den zweiten Reboot-Film unter die Lupe zu nehmen. In dieser Causa werden wir sicherlich hitzige Diskussionen führen können, oder?

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 10. Juli 2016
Episode
Staffel 3, Episode 22
(Star Trek: Enterprise 3x22)
Deutscher Titel der Episode
Der Rat
Titel der Episode im Original
The Council
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 12. Mai 2004 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 20. Februar 2005
Autor
Greg Ellis
Regisseur
David Livingston

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x22

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