Star Trek: Enterprise 3x21

Star Trek: Enterprise 3x21

Kinder, wie die Zeit vergeht: Das letzte Plagiat liegt nur wenige Wochen zurück, da stürzen wir uns bereits auf das nächste. Dass die Gefühlsduseligkeit des Rezensenten der Episode diesmal jedoch zu einer starken Wertung verhilft, wollen wir ihm aber nicht vorwerfen.

Szenenbild aus der Episode „E²“ / (c) UPN
Szenenbild aus der Episode „E²“ / (c) UPN

Was passiert?

Die Enterprise erlangt die Koordinaten eines geheimen Xindi-Subraum-Korridors, der eine Abkürzung durch die Ausdehnung bedeuten könnte. Die Crew will just furchtlos ob den, als gefährlich bekannten Bewohnern, in den umgebenden Nebel eindringen, als ein Schiff hindurchgelangt, das überraschenderweise mit einer sehr vertrauten Starfleet-Registrierungsnummer ausgestattet ist...

Dies & das

  • Mike Sussman liefert sein fünftes Script der Season ab. Wenn man dazu seine Episoden der ersten beiden Seasons einbezieht wird klar: Sussman ist bisher fast unfehlbar.
  • Roxann Dawson und kein Ende in Sicht. Dies ist bereits ihre vierte Episode in Season 3 und die neunte insgesamt auf dem Regiestuhl. Zuletzt kehrte sie nach einer üblen Durststrecke auf den Pfad der Tugend zurück.
  • Der Episodentitel spricht sich "E-squared" aus. Das Schiff, auf das die NX-01 hier trifft, ist ebenfalls die NX-01, nur drei Generationen weiter.
  • Die NX-02 Columbia befindet sich noch im Bau.
  • Die Xindi haben unbestätigte Meldungen erhalten, dass eine menschliche Flotte auf dem Weg ist.

Zitate

It's real romantic when you put it like that.“ (Trip)

Apparently the Reed family line came to an unceremonious end. You'd think on a ship quite this size I'd find someone?“ (Reed)

Trip can be an outlet for these emotions.“ (T'Pol)

Zwischenstopp auf dem Recycling-Hof

Nach den dramatischen Ereignissen der vergangenen drei Episoden, deren Storys von Woche zu Woche nahtlos weitergeführt wurden, nimmt sich die Serie vor dem großen Finale noch einmal Zeit für ein Stand-Alone-Abenteuer, das eher mit Twilight zu vergleichen ist und den Arc als Aufhänger für eine in sich (relativ) geschlossene Story nutzt.

Auf dem Weg zum mit Degra verabredeten Treffpunkt, gerät die Crew dabei in eine Situation, die wie so viele frühere Trek-Ausflüge dieser Machart mit temporalen Mechanismen spielt und dabei nicht nur eine (erneut) extrem dreiste Kopie darstellt, sondern auch (wie jedes Mal in dieser Hinsicht) die Logik auf eine harte Probe stellt.

Und die Bezeichnung „dreiste Kopie“ ist in diesem Fall keineswegs übertrieben, da mindestens ein Dutzend Episoden als Vergleichsbasis in Frage kämen - am Deutlichsten werden die Anleihen jedoch bei der wundervollen DS9-Episode Children of Time. Auch dort trifft die Crew auf Nachkommen ihrer selbst, auch dort ist mit Odo ein langlebiges (oder eben unsterbliches) Mitglied der Besatzung noch am Leben und mischt sich in eine gerade beginnende Beziehung ein, auch dort muss eine schwerwiegende Entscheidung getroffen werden und auch dort verfolgt einer der Nachkommen einen ganz eigenen Plan, der vereitelt werden kann, muss und werden wird um alles letztlich wieder ins Lot zu bringen.

Mike Sussman, der bisher als Garant für originelle und hochklassige Episoden galt (besonders: Dead Stop, The Catwalk, Regeneration, Anomaly, Twilight, Stratagem), recycelt den Plot der beiden Autoren Holland & Calk mit einer schelmischen Genauigkeit, dass man sich wie bereits bei Doctor's Orders von Kollege Chris Black fragen muss, was es mit dieser Politik auf sich hat. Sicherlich handelt es sich bei der Vorlage um eine großartige Episode - und sicherlich passt sie emotional und in Sachen Handlung exakt an diese Stelle des Arcs - dennoch muss es doch eigentlich möglich sein, eine etwas eigenständigere Handlung zu erdenken ohne auf 90 % einer bestehende Episode zurückzugreifen. Oder verlange ich zu viel, nachdem die Troika der letzten Episoden Maßstäbe gesetzt hatte?

Vermutlich - denn der interessanteste Punkt an all dem ist, dass Sussman ursprünglich die Columbia für die Geschichte genutzt hatte. Diese wäre durch einen Xindi-Subraum-Tunnel geflogen, um der Enterprise zu helfen, dabei aber in die Vergangenheit geraten. Somit wären Archer und Co dann auf die Nachkommen der Original-Columbia-Crew getroffen und man hätte die extreme Ähnlichkeit zu DS9 galant umschifft. Doch leider wurde der Autor von den Produzenten überstimmt, die gerne den alten Ansatz nutzen wollten und auch der Meinung waren, es sei genug Zeit seit damals vergangen. Tja - time is a beast.

Dass zudem - wie oben erwähnt - die Logik noch hart strapaziert wird, da die Ereignisse, die zur Erschaffung der anderen Enterprise geführt haben, ja noch nicht geschehen sind, stört da schon kaum mehr. An diese Art von Paradoxon sind wir durch viele ähnliche angelegte Episoden schließlich längst gewöhnt und somit abgehärtet. Da Sussman eh etwas anderes im Sinn hatte, ist dies ebenfalls als Anpassung unter Druck von oben zu werten.

Ein Wort trifft meine Gefühlslage besonders gut, wenn es um die Bewertung geht: Déjà-vu. Genau an dieser Stelle habe ich mich schon während meiner Doctor‘s Orders-Kritik befunden. Das pure Nachspielen einer bekannten Episode hätte die vorliegende Dreiviertelstunde eigentlich alleine in den Keller gerissen haben müssen.

Hätte spielt Klarinette

Doch kommt es ja erstens anders und zweitens als der Kritiker sich das ausmalt. Nach vollständiger Ansicht von kann, will, darf und muss ich mich einfach dazu entschließen, Gnade walten zu lassen. Die Emotionalität der Handlung, die perfekt getimte Interaktion der Charaktere, die besondere Situation innerhalb des Arcs, die stimmige Umsetzung in Wort, Bild und Ton - all das hellt das triste Bild eines simplen Plagiats auf und hievt die Episode in für viele unter Umständen kaum verdiente Höhen.

Es mag zu einfach sein, dass Entwicklungen, die bereits an anderer Stelle (Odo/Kira) wunderbar funktionierten, hier erneut durchgespielt werden (Trip/T'Pol). Es mag nerven, dass die alte T'Pol, wie auch der alte Odo eine Art Katalysator darstellt, die die Verbindung in eine bestimmte Bahn zu lenken versucht. Und dass beide Letztgenannten zudem auch noch der heimlichen Intention des Anführers der Nachkommen entgegenstehen, fällt selbst dem geneigten Zuschauer kaum mehr negativ auf.

Losgelöst von Children of Time ist dies eine absolut angemessene Umsetzung der aktuellen Situation innerhalb der Serie. Es wird noch einmal für einen Moment innegehalten - die Crew erhält Luft zum Atmen und gewährt sich selbst einen Funken Hoffnung, indem sie von einer Zukunft erfährt, die zwar nicht den gewünschten Erfolg der Mission gebracht, aber immerhin in persönlicher Hinsicht ihren Leben einen Sinn und ein Ziel gegeben hat. Besonders nach der kurzen aber emotional berührenden Unterhaltung zwischen Hoshi und Travis in Damage ist diese Aussicht, dass das Leben weitergehen könnte, sicherlich ein willkommener Hoffnungsfunken.

Wie bei DS9 kommt Mike Sussman jedoch auch hier natürlich nicht um die Tatsache herum, dass am Ende eines der beiden Schiffe Platz machen muss für eine Reparatur der Zeitlinie. Archers Enterprise wird somit nicht zerstört, womit sich vermutlich das andere Schiff auflöst. Erstaunlich ist hierbei jedoch, dass die Crew ihre Erinnerung behält, wenn doch nichts von alledem durch die veränderte Gegenwart geschehen sein dürfte. Aber was soll es - diese Art von temporaler Logik ist keine und wird auch nie mehr schlüssiger als heute werden. 

Fakten, Fakten, Fakten

Am Produktionsniveau, dem Score und den Effekten gibt es fast schon obligatorisch nichts zu bemängeln. Die Unterschiede zwischen beiden Schiffen wurden durch Beleuchtung und einige Utensilien ausreichend hervorgehoben. Fast meint man den späteren Charme der Nobel-Enterprise des Captain Picard durchscheinen zu sehen. 

Schauspielerisch bekommen wir mit David Andrews eine perfekte Wahl für Lorian geboten - ihm gelingt es, in jeder Situation Mutter (T'Pol), Vater (Trip) und Mentor (Archer) durchscheinen zu lassen. Lorian ist - man verzeihe den blöden Witz - ein wirkliches Kind der Zeit und verkörpert alles, wofür die drei wichtigsten und prägendsten Personen seiner Geschichte stehen. Die restlichen Gastdarsteller verrichten, wie auch die Stammschauspieler, ihren Dienst ohne Fehl und Tadel, ohne dabei jedoch großartig über sich hinauszuwachsen. Einzig Jolene Blalock sollte noch näher beleuchtet werden - während ihre Darstellung der üblichen T'Pol vollkommen im Soll liegt, ragt ihr Versuch, die alte T'Pol darzustellen, nicht wirklich heraus.

Begraben unter Tonnen von Make-up und mit trüben Kontaktlinsen wirkt sie eher wie ein alter Ferengi und kommt insgesamt zu unecht rüber. Da zudem einige Einstellungen mit beiden T'Pols technisch schwach umgesetzt wurden, was die gegenseitigen Blicke angeht, entfalten diese Szene zwar durchaus Charme, aber nutzen nicht das ganze Potential.

Als Plagiat muss man der Episode fast alle Punkte mangels Innovationen abziehen - ignoriert man die Vorgänger, handelt es sich aber eben auch um eine emotional mitreißende, nachdenkliche, menschliche und tiefgründige Episode über verlorene Seelen in einer düsteren Phase ihres Lebens. Ich entscheide mich aus reiner Gutherzigkeit für letzte Alternative und beschließe, die Episode in Zukunft als das zu genießen, was sie im Kern ist: einfach schön. Obwohl ich Sussmans Ur-Variante definitiv gerne gesehen hätte.

Gib dem Kind einen Namen

Der simpelste Nenner: Zweimal die NX-01 = E². Nett, aber belanglos.

Fazit

Unter akutem Gedächtnisschwund leidende Fans werden die inneren Werte der Episode aufs Höchste schätzen. Solche, die sich jede Episode aller Serien mindestens einmal zu oft angesehen haben und über ein Elefantengedächtnis verfügen, müssen ein weiteres Mal irritiert feststellen, dass auch ein gelungenes Plagiat immer ein Plagiat bleiben wird. Trotz allem ist jedoch eine warmherzige, emotional berührende Studie, die dem Arc Tiefe verleiht und perfekt die bevorstehenden letzten drei Episoden einleitet.

Morgen geht es das erste Mal für mich bei einem Serienjunkies-Artikel nicht um Star Trek - obwohl: eigentlich doch. Jedoch nicht nur.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 28. Mai 2016
Episode
Staffel 3, Episode 21
(Star Trek: Enterprise 3x21)
Deutscher Titel der Episode
Titel der Episode im Original
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 5. Mai 2004 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 19. Februar 2005
Autor
Michael Sussman
Regisseur
Roxann Dawson

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x21

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?