Star Trek: Enterprise 3x20

Was passiert?
Während Captain Archer versuchen muss, Degra und Jannar, zwei einflussreiche Ratsmitglieder der Xindi davon zu überzeugen, dass die Menschheit keine Bedrohung für ihr Volk darstellt, versucht Commander Tucker einen Brief an die Angehörigen eines getöteten Crewmitglieds zu schreiben. Die Erinnerungen an den Tod seiner eigenen Schwester Elizabeth beim Angriff auf die Erde sowie die hohe Belastung durch unzählige Reparaturen machen ihm jedoch seine Aufgabe nicht leichter…
Habt Ihr schon über Eure Lieblingsepisoden abgestimmt?
Dies & das
- Das Foto von Trips Schwester zeigt die Darstellerin auf einer Terrasse auf dem Paramount-Gelände.
- Trip erfuhr von Elizabeths Tod in The Expanse.
- Die Szene zu Beginn, als Archer über die Verluste spricht, erinnert stark an die Szene mit Kirk und der Crew in „Star Trek: The Motion Picture“.
- In dieser Szene erwähnt Archer 18 Verluste - in der vorigen Episode war jedoch nur von 17 die Rede. Vermutlich bezieht der Captain den in Anomaly verlorenen Fuller mit ein.
- Seth MacFarlane (unter anderem Schöpfer von Family Guy) taucht in dieser Episode erstmals in der Rolle des Engin Rivers auf. Einen weiteren Auftritt absolviert er in der vierten Staffel in Affliction. Er ist großer „Star Trek“-Fan.
- Kipleigh Brown alias Crewman Taylor ist aktuell Castmitglied bei „Star Trek: Continues“ - sie spielt die Rolle der Smith, bekannt aus Where no man has gone before, damals noch gespielt von Andrea Dromm
- Reed darf nach Minefield mal wieder auf der Hülle spazieren gehen. Diesmal jedoch mit Trip anstatt mit Archer - die Folgen für ihn sind jedoch erneut wenig erfreulich.
This is not a pleasure cruise (anymore)
„We're in bad shape - I can't deny that, but we're still in one piece. Enterprise is a tough ship. She took more than anyone could ask her to and then some. And so have all of you. I wanted to say thank you. I only wish I could thank the eighteen crewmen who were lost. Like you, they understood how important our mission is, and they accepted the risks. We came into the expanse not knowing what we'd find, with no one to rely on but ourselves. We're going to succeed - to accomplish our mission - for everyone on earth who's relying on us, and for the eighteen.“ (Archer)
„Perhaps you can demonstrate your ability to time travel.“ - „That might be a bit - difficult.“ (Jannar und Archer)
„I'm relieving you of duty. You will go to your quarters and not return to your post before 0500 tomorrow.“ - „Six hours?“ - „Please don't make me involve security.“ (Phlox und Trip)
„Well, Commander?“ - „I could give you two hours.“ - „I believe the number was six.“ - „If I'm gone longer than three there may not be a ship here when I get back.“ - „Four. Not a minute less.“ - „Done. And remind me never to buy a car from you.“ (Phlox und Trip)
„I assume you were watching the attack - calculating the blast yields. Boy, you must have been pretty damned excited. I mean, that beam cut one hell of a swath through Florida. That's the name of one of the places you destroyed, Florida. Did you actually see the cities burning, the houses, the people being vaporized? You know, I had a sister there...“ (Trip zu Degra)
„I hope he'll be all right.“ - „What's one more dead human to you? You had no problem killing seven million of us, but seven million and one is more than you can stomach?“ (Degra und Trip)
„I apologize for Mister Tucker.“ - „I never expected to meet anyone who'd suffered because of what I'd done. At the time, I thought the attack was necessary to save my people.“ - „I know. Believe it or not, we've had this conversation before.“ (Archer und Degra)
„The Reptilians are correct about one thing, captain - you have an impressive facility for deception!“ (Degra)
„These scans are remarkably detailed for a military vessel.“ - „Enterprise was designed to be a ship of exploration.“ - „If we're successful, it will be again.“ (Degra und Archer)
„Every time I start, I hear myself saying what a fine young woman she was - how smart and full of potential. And I realize, I'm not thinking about Taylor at all, I'm thinking about Elizabeth.“ (Trip)
„Goodbye, Elizabeth.“ (Trip)

Im Kern
Im Gegensatz zu den anderen von mir gewählten Episoden aus dem Bereich „Klein, aber fein“ handelt es sich bei The Forgotten genau genommen um eine Miniepisode innerhalb einer normalen Folge. Die Episode an sich pausiert den Xindi-Arc zwar auf eine etwas ruhigere Art und Weise, als dies in den Wochen zuvor möglich war, doch beinhaltet zusätzlich einen Kern, der mir besonders positiv aufgefallen ist - der sich jedoch auch ein wenig zwischen der fortlaufenden Themen der Season versteckt.
Zwar droht weiterhin die Vernichtung der Erde durch die nahezu fertiggestellte Xindi-Waffe, doch nimmt man sich dennoch die Zeit für sehr persönliche Momente. Im Zuge der letzten Auseinandersetzungen sind bisher 18 Crewmitglieder gestorben. Für sie hält die Crew eine kleine Gedenkzeremonie ab, bei der Archer eine Rede hält. Trauerbewältigung der dezimierten Enterprise-Familie.
Zusätzlich erhält Trip, der durch die fortlaufenden Reparaturen bereits seit zwei Tagen auf den Beinen ist, den Auftrag, für die Eltern der verstorbenen Taylor einen Brief zu schreiben. Archer hält hier die Fahne der Menschlichkeit sehr hoch - angesichts dessen, was gerade auf dem Spiel steht und wie der Zustand seines Freundes und Kollegen ist, vielleicht sogar etwas zu hoch. Nach der aktuellen Krise wäre eventuell auch noch Zeit dafür gewesen. Doch ich will gar nicht erst anfangen, mich über eine gelungene Umsetzung menschlicher Regungen in schweren Zeiten zu beschweren - das wäre an dieser Stelle und auch generell deplatziert.
Doch Trip hadert mit dieser Aufgabe. Er findet keine Worte, um den Verlust für die Eltern auszudrücken. Immer wieder landet er bei kalten Floskeln und förmlicher Ausdrucksweise. Auch eine von Phlox verordnete Ruhepause hilft nicht - in einem Traum erscheint ihm Taylor, die ihn erinnert, dass er es war, der sie an Bord der Enterprise holte. Dass er in ihr Potential sah und sie als Kollegin und Freundin schätzen lernte. Sie fleht ihn fast an, sich an sie zu erinnern. Trips eigenes Gewissen zeigt ihm somit den Weg: Er muss die Gefühle und Erinnerungen zulassen und sich auch mit seiner eigenen Schuld befassen. Doch es geht in Wirklichkeit gar nicht um Taylor...
In einer mehr als kraftvollen Szene bricht es aus Trip heraus. Er sieht ein, dass es in Wirklichkeit die ganze Zeit nur um seine Schwester Elizabeth ging, die während des ersten Angriffs der Xindi auf die Erde ihr Leben verlor. Er hatte versucht, in ihr nur eines der sieben Millionen Opfer zu sehen - doch war sie natürlich viel mehr: seine kleine Schwester. Aus dieser Erkenntnis entsteht ein kraftvoller und emotional wundervoller Moment zwischen Trip und T'Pol, zudem toll gespielt und gefilmt.

Trip fand für die Eltern von Taylor keine Worte, weil er bisher keine Worte für einen eigenen Verlust zugelassen hatte. Seine Trauerbewältigung bestand ausschließlich aus Verdrängung. Als er erneut versucht, den Brief zu diktieren, spricht er über Taylor - und über Elizabeth. Er verarbeitet beide Verluste und findet doch noch sehr persönliche und liebevolle Worte. Am Ende verabschiedet er sich von beiden - auch von seiner Schwester. Die Trauerbewältigung ist zwar damit noch lange nicht abgeschlossen, darf aber für Trip nun überhaupt beginnen.
Am Rand
Steht die Geschichte um Trip emotional zwar klar im Mittelpunkt der Episode, bleibt The Forgotten in Sachen Screentime und Ausrichtung dennoch eine klare Arc-Episode, die die diversen Geschichten vorantreibt.
T'Pol kämpft nach wie vor mit ihrer Abhängigkeit, deren Folgen ihr immer noch den Verstand zu rauben drohen. Übermannt von zu vielen Emotionen bewegt sie sich ständig auf einer feinen Linie zwischen Kontrolle und Verlust selbiger. Engste Vertraute dabei sind weiterhin Dr. Phlox und Trip - hier spannt die Serie ein starkes emotionales Band zwischen den Figuren, das für starke Dialoge und Szenen sorgt.
Auf der anderen Seite steht der Versuch Archers, Degra und seinen Kollegen Jannar ins Boot gegen die Reptilianer und die transdimensionalen Wesen zu holen.
Archer muss Vertrauen aufbauen und Beweise für seine Ausführungen vorlegen. Bei Degra, der mehr denn je am auserkorenen Ziel seiner eigenen Waffe zweifelt, findet er damit fruchtbaren Boden. Beim rational denkenden, schuldunbelasteten Jannar hingegen erntet er verständlicherweise Zweifel. Auch die Anschuldigungen von Trip, die Degra über sich ergehen lassen muss, sind keine Hilfe - führen aber beim Xindi vermutlich auch zu tieferem Verständnis für die Menschen und ihre Verluste. Er wird erstmals ganz konkret mit von ihm verursachter Trauer konfrontiert und spürt die Auswirkungen seines Handelns.
Doch auch wenn diese zwei Brandherde losgelöst von der Geschichte um Trip, seinen Brief und seine Schwester funktionieren, verbinden alle das Element der Schuld, die Verarbeitung eigener Fehler oder Fehler anderer und die Zweifel an der eigenen Situation.
Degra hat in bestem Glauben zur Rettung seines Volkes vor vermeintlichen Aggressoren eine Waffe entwickelt, die bald einen ganzen Planeten auslöschen soll. Überdeutlich werden ihm von Trip seine Verfehlungen und die Implikationen für die Menschen und einzelne vorgehalten. Er befindet sich letztlich nun auf einer Mission der Reue und verfolgt den Wunsch, besser mit seinem belasteten Gewissen leben zu können und einen weiteren Fehler zu verhindern. Dass er dabei sogar bereit ist, seine eigenen Leute zu opfern und diese Tat dann - erneut - mit der Formulierung „Ich hatte keine andere Wahl.“ zu rechtfertigen, spricht Bände, was seine innere Zerrissenheit und Verzweiflung angeht.

T'Pol hat aus Neugier etwas ausprobiert, was ihre Karriere, ihre Gesundheit, ja sogar den Kern ihrer vulkanischen Existenz zerstören kann und sogar ihre Arbeit und damit das Wohl ihrer Crewmitglieder beeinflusst.
Der Kampf mit der eigenen Geschichte ist somit das verbindende Element zwischen den Versatzstücken. Eine eher unauffällige, kleine Parallele zwischen den Einzelteilen, die den Autoren der Episode gut, aber nicht grandios gelingt, da die Verbindungspunkte dafür schlicht zu subtil und aus der Not der fortschreitenden Xindi-Handlung geboren sind. Dennoch: Besser als eine strikt getrennte A-, B-, C-Handlung ist das nach meinem Geschmack allemal.
Feuern aus allen Rohren
Was die Erde zur Verteidigung bräuchte, liefern alle Beteiligten hier, was die technische Umsetzung angeht. Auch heute noch sehen die Episoden der dritten und vierten Staffel von Star Trek: Enterprise auf Blu-ray grandios aus. Besonders gefallen diesmal die Kulissen der Enterprise, die mit der gezeigten exzessiven Zerstörung, dem Dreck und der Dunkelheit eine unglaublich atmosphärische Stimmung des nahenden Untergangs zelebrieren. Auch die Außenszenen mit Trip und Reed können sich bis auf die etwas staksigen CGI-Männchen auf der Hülle sehen lassen. Dazu das tolle Design der Xindi-Schiffe, die Sphären - klasse!
Die Musik von Paul Baillargeon enttäuscht ebenfalls nicht. Melancholisch und dezent untermalt sie die relevanten Szenen und fällt zwar nicht besonders auf, driftet aber auch nie zu stark in Allgemeinplätze ab.
Das dickste Lob aber bekommen die Schauspieler: Scott Bakula als angepisster Kick-Ass-Archer, John Billingsley als immer fürsorglicher und zugänglicher Ratgeber Phlox, die inzwischen durchweg grandiose Jolene Blalock als von ihrer Sucht beherrschte und eingeschüchterte Vulkanierin und zum Schluss der diesmal und wie so oft fantastische Connor Trinneer, als vom Tod seiner Schwester gebrochener Trip. Sie alle tragen die Handlung und heben sie spielend auf einen höheren Level.
The Reviewer's wife
Ein großes Lob vergab die Frau des Rezensenten diesmal ebenfalls an Connor Trinneer und Jolene Blalock, die mit ihren Performances Eindruck machten. Dabei fiel ihr gerade bei Blalock der starke Kontrast in ihrem Spiel zu den ersten beiden Staffeln auf. Die Animationen von Trip und Reed auf der Außenhülle fand sie etwas stümperhaft - und auch damit ein wenig schade, weil der Rest optisch auch heute noch Höchstwertungen erzielte.

Gib dem Kind einen Namen
Ein serientypisch simpler Titel - „The Forgotten“ ist dabei für mein Gefühl eine eher ungewöhnliche Wahl, impliziert er doch, dass die Toten bereits keine Rolle mehr spielen. Könnte natürlich aber auch zynischer und aus Sicht von Trip und in Richtung von zum Beispiel Degra als Anklage gedacht sein. Oder es ist sogar eine doppelbodige Anspielung auf die Tatsache, dass Trip bisher „vergessen“ hat, zu trauern. Wie auch immer. Im Deutschen übersetzte man in jedem Fall eins zu eins und nimmt sich damit von jeder Kritik aus.
Fazit
Mitten im eng verstrickten und lauten Xindi-Arc hielten die Produzenten kurz inne und präsentierten eine ruhige, kleine Episode, die sich in allen Bereichen um Schuld, Zweifel und den Umgang mit überbordenden Gefühlen drehte. Mit grandiosen Leistungen von Trinneer, Blalock, aber auch von Bakula und Oglesby garniert, eine starke Dreiviertelstunde, deren Fokus zwar zu wenig auf dem gehaltvollen Trip-Strang liegt, aber dennoch voll überzeugen kann.
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 9. August 2015(Star Trek: Enterprise 3x20)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x20
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?