Star Trek: Enterprise 3x19

Was passiert?
Die Enterprise-Crew versucht händeringend, sich vom brutalen Angriff der Xindi und den emotionalen Implikationen zu erholen und ein Bündnis mit einem ebenfalls schwer beschädigten Schiff zu etablieren. Währenddessen nehmen die Unstimmigkeiten im Xindi-Rat bezüglich der zukünftigen Vorgehensweise mehr und mehr zu...
Dies & das
- Die Xindi-Reptilien hätten den Rat verlassen, wenn der weibliche Sphärenbauer ihnen nicht erlaubt hätte, in Detroit des Jahres 2004 die Biowaffe zu entwickeln.
- Die Sphärenbauer können sich scheinbar bisher ebenfalls nur durch Holoprojektion zeigen - ähnlich wie "Future Guy".
- Die Enterprise kann am Ende immerhin wieder mit Warp 3.2 fliegen.
- T'Pol ist seit drei Monaten abhängig von Trellium-D.
- Doctor Phlox ist seit 40 Jahren Arzt. Er hat nach eigener Aussage zweimal etwas Unethisches getan.
- Überraschung: Der aus DS9 hinlänglich als Damar bekannte Casey Biggs gibt eine Gastvorstellung als außerirdischer Captain!
- Mit Josette DiCarlo dürfen wir eine Newcomerin begrüßen, die als mysteriöses Mitglied der Sphärenbauer eine Schlüsselrolle im Arc einnimmt.
- Autorin Phyllis Strong kehrt auf ihr (mit Mike Sussman) gewohnt hohes Niveau zurück. Bezeichnen wir Exile im Nachhinein also als schlichten Ausrutscher.
- Eine Zusammenarbeit zwischen zwei Komponisten (McCarthy & Kiner) gab es bei der Serie vorher noch in keiner Episode.
- Damage ist die direkte Fortsetzung der Geschehnisse aus Azati Prime und fungierte bei Erstausstrahlung als „kleine“ Cliffhanger-Fortsetzung, da UPN zwischen beiden Episoden eine sechswöchige Pause einlegte, bevor es mit der dritten Staffel und dem Arc auf die Zielgerade ging.
Zitate
„I really don't know what's holding us together, but I hope it holds.“ (Reed)
„I'm about to step over a line - and considering the nature of our mission, it won't be our last.“ (Archer)
„If we do this we're no better than the Marauders who attacked us when we first entered the Expanse!“ (Trip)
„We've had our fair share of disagreements, but you've never taken it out on my table.“ (Archer)
„If it was the right thing to do, why does every one have to tell me that it was?“ (Archer)

Das Ende vom Anfang oder wie oder was?
In der letzten Episode hatten wir die Crew am Rande der Vernichtung verlassen, nun geht alles ganz schnell: Die Angreifer fliegen weg. Doch bevor wir erfahren warum, dudelt uns erst der obligatorische nervtötend-fröhliche Vorspann um die Ohren.
Es scheint so, als hätte sich Degra doch noch durchgesetzt - die Reptilianer landen im Rat vorerst auf dem Abstellgleis und müssen sowohl von der Enterprise ablassen als auch den schwer ramponierten Archer freigeben. Mit einem Aquarianer-Taxi geht es für ihn ins Ungewisse. Sehen darf er die Fremden kurz (hübsch gemacht), für den Rest der Reise halten sie ihn jedoch lieber bewusstlos. Sicher ist sicher…
An Bord der Enterprise - oder dem Rest davon - beginnen krampfhaft die Aufräumarbeiten. Selten war ein Serien-Flaggschiff derart zerstört, selten war das Chaos so groß. Einzig die tolle Voyager-Episode Year of Hell kann da noch mithalten, verlor aber letztlich in dieser Kategorie dezent durch den Reset-Button am Ende.
Als ein Ein-Mann-Schiff auf den Sensoren auftaucht, ahnen wir schon: Der Captain ist zurück.
Captain back on wreck
Ein kurzes und deprimierendes Briefing später ist Archer sicher froh überhaupt noch ein Schiff und eine Crew zu haben, doch sieht man ihm die Strapazen und den Druck in jeder Sekunde an. Dieser Archer ist dank des Spiels von Scott Bakula inzwischen derart weit weg vom netten Schwiegersohn-Image der ersten beiden Jahre, dass es schmerzt. Aus dem Forscher und Optimisten ist ein zynischer und demoralisierter Kämpfer geworden.
T'Pol kämpft währenddessen auch - mit ihren Entzugserscheinungen. In einer stark gespielten Sequenz, die ihre verzerrte Wahrnehmung der Realität zeigt, kann Jolene Blalock, die ich zu Beginn der Serie oft und ohne Hemmungen kritisiert habe, alles aufbieten. Stark!
Weniger stark ist hingegen, wie schwammig das Drehbuch mit der Funktionsfähigkeit der Sensoren umgeht. Waren sie zu Beginn noch ausreichend, die abreisenden Reptilianer-Schiffe auszumachen, dann defekt, konnte man zwischenzeitlich die Ein-Mann-Kapsel wieder orten. Nun sind sie wieder defekt - man kann leider nicht herausfinden, wo man hinmuss. Kurz danach nähert sich erneut ein Schiff - das man logischerweise wieder orten kann und später sogar die Bewaffnung sehr genau abcheckt. Mag sein, dass die Autoren hier Langstrecken- und Kurzstreckensensoren unterscheiden oder sich sonst was dabei denken: Das ewige Thematisieren von geht oder geht nicht wirkt in jedem Fall irritierend und ungünstig.

Die Neuankömmlinge sind friedliche Stirn- und Nasenhuckelaliens der Woche, die durch die Anomalien in Not gerieten und die Xindi bisher nicht mal kennen. Archer versucht argumentativ, an die Warpspule der Fremden zu gelangen, scheitert aber. Amused ist er danach sichtlich nicht.
Vom Duschen, Drogensuchen und drüber reden
Ein harter Schnitt führt uns unter T'Pols Dusche. Es ist Zeit für eine kleine knisternde Szene zwischen ihr und Trip - dass es dabei durchaus ein wenig mehr zur Sache geht als sonst bei Star Trek überrascht schon. Am Ende mutiert die liebestolle Vulkanierin jedoch zur Zombiebraut und wacht auf. Immer diese bösen Träume.
Ihre Entzugserscheinungen machen ihr derart schwer zu schaffen, dass sie heimlich und alleine auf die Suche in den zerstörten Teil des Schiffes geht, sich in Lebensgefahr begibt, fast stirbt und letztlich wie ein x-beliebiger Junkie in ihrem Quartier den just geborgenen Stoff konsumiert. Ähnlich wie bei Babylon 5 skizziert man hier - natürlich arg abgekürzt - einen effektiven Suchtverkauf in einer Serie, die ansonsten nicht darauf angelegt ist, ihre Hauptcharaktere derart in Schwierigkeiten zu bringen.
Von Degra erhält die Crew zwischenzeitlich eine verschlüsselte Nachricht: Er bietet ein geheimes Treffen an - in drei Tagen an einem vier Lichtjahre entfernten Ort. Warp 3 wäre Minimum nötig, dieses Rendezvous einzuhalten. Nun ist guter Rat teuer... Bevor Degra jedoch selber aufbrechen kann, versucht der Rat (ohne die Reptilianer) noch die undurchschaubare Informantin der Sphärenbauer in die Mangel zu nehmen. Diese blockt jedoch alle Versuche ab und besteht auf der schlichten Tatsache, dass die Menschen der einzig relevante Feind für die Xindi seien. Auch hier wird der Rat zeitnah entscheiden müssen, was Phase ist.
Vielleicht kann ja Dr. Phlox zumindest Archer helfen? Zumindest bringt er dem brütenden Captain seinen geliebten Hund wieder vorbei und holt gleich noch die Optimismuskeule heraus. An Archers Fragen zu unethischen Entscheidungen des Arztes merkt man schon: Hier hat jemand eine wenig erfreuliche Idee im Köcher. Doch geht der Captain nicht ins Detail und holt sich nur eine unterschwellige Absolution für das, was er für nötig zu erachten scheint.

(No) Courage under fire
Kurze Zeit später steht der Plan fest: Archer will alles über Bord werfen und auf die armen Fremden losgehen - ihnen die so dringend benötigte Warpspule mit Macht entreißen.
In der Abgeschiedenheit seines Bereitschaftsraum redet ihm T'Pol ins Gewissen. Sie erinnert an die Marodeure, die ihnen zu Beginn der Reise in die Ausdehnung etwas Ähnliches antun wollten. Doch lässt sich Archer auf nichts ein - nicht einmal, als T'Pol im Überschwang ihrer Suchtprobleme den Glastisch des Captains kurz und klein haut. Die Wahrheit über ihren Zustand verrät sie jedoch nicht - sie sei schlicht nicht zum Meditieren gekommen. Nicht einmal Archer scheint ihr diese Ausrede zu glauben.
Dafür vertraut sie sich kurz darauf dem Doktor an - in einer der besten Blalock-Szenen bisher wirkt die Vulkanierin verwundbar und echt wie selten. Auch Billingsley punktet erneut mit Einfühlsamkeit und Verständnis. Er verspricht, ihr Geheimnis zu wahren und sie auf ihrem schweren Weg zu unterstützen. Courage under fire.
Andernorts läuft Archers Plan an - das fremde Schiff wird warpunfähig geschossen, das MACO-Team mischt den Laden auf, man findet die Spule, schiebt noch ein paar Hindernisse aus dem Weg und will wieder gehen. Nicht jedoch ohne dem wütenden Captain der Fremden noch zu erklären, dass man zumindest Vorräte und Trellium-D im Zwangsaustausch in deren Frachtraum gebeamt habe - eine Spur Starfleetflair, doch im Endeffekt nur Beruhigung des eigenen Gewissens. No courage under fire.
Letzte Worte
Zum Ende wird es dann wieder gefühlvoll. Erneut sprechen T'Pol und Phlox über die Sorgen der Vulkanierin. Wie es scheint gehen ihre hervorgekrochenen Emotionen nicht so schnell wieder weg, wie sie das Trellium absetzte. Vielleicht werden sie sie sogar deutlich länger begleiten, als man annehmen darf... T'Pol hat Angst - allerdings auch das bekommen, was sie ursprünglich wollte.
Trip hat derweil die Spule eingebaut, die für das Treffen mit Degra ausreichen wird. Eine Absolution hat er auch noch übrig: Für seinen Captain, der jedoch im Kern weiß, dass alle nur versuchen, ihre eigenen Gewissen zu entlasten.

Ruhe im Sturm
Trotz des durchaus vorhandenen Action-Anteils bietet Damage in der Essenz pure Reflexion und kaut die emotionalen Implikationen zweier relevanter Staffelthemen noch einmal durch. Die Ausdehnung und die Mission an sich haben mit einigen Crewmitgliedern Dinge angestellt, die unvorstellbar waren. Archer wurde zum unnahbaren, Grenzen überschreitenden Kampfhund, T'Pol zu einem zwar mutigen, aber auch verängstigten Schatten einer typischen Vulkanierin. Wohin ihre Wege sie und den Rest der Crew noch führen, wird man abwarten müssen - für den Moment haben die Autoren beide Krisenherde in jedem Fall perfekt emotional grundiert. Und das ist viel mehr, als man lange Zeit in dieser Staffel erwarten durfte.
Gib dem Kind einen Namen
Es ist schmerzhaft, wunderbare Episoden für ihre uninspirierten Titel abzuwatschen - daher belassen wir es bei einem: Dieser neuerliche Simpeltitel fügt der Episode keinen Schaden zu. Schaden, gell? Damage? Haha.
Fazit
Noch besser als Azati Prime zieht Damage seine Stärke nicht vornehmlich aus der optischen Wucht und den schockierenden Ereignissen, sondern vielmehr aus den emotionalen Folgen der zurückliegenden Monate, Wochen, Tage und Stunden. Ohne Atempause entfaltet sich der Arc weiter in Tiefe und Breite und bereichert Figuren, Handlung und Setting um einzigartige Facetten. Klasse!
Am Pfingstwochenende gibt es mehr Enterprise und sicher auch noch eine Überraschung dazu. Warten wir mal ab.
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 8. Mai 2016(Star Trek: Enterprise 3x19)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x19
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