Star Trek: Enterprise 3x18

Was passiert?
Die Enterprise erreicht endlich den Standort, an dem die Xindi-Superwaffe gebaut wird. Doch als Daniels erneut auftaucht, erfährt Archer weitere Details über die eigentlichen Geschehnisse und Pläne der finsteren Hintermänner. Dennoch beschließt er, sich auf eine halsbrecherische Selbstmordmission zu begeben, um die Xindi zu stoppen und die Erde zu retten...
Dies & das
Zitate
„Without a world of our own, we are just children ... lost in the wilderness.“ (Degra)
„It´s getting harder and harder to surprise you captain.“ (Daniels)
„There are Xindi serving aboard Enterprise J.“ (Daniels)
„I don´t want you to die. It´s not necessary.“ (T´Pol)
„Of all the Captains, who will sit in this chair, I can´t imagine anyone being more proud than I am right now.“ (Archer)
Warp and go
Die Handlung verliert keine Zeit: Ein schneller Warp-Sprung und der Planet Azati Prime ist sofort in Sichtweite. Auf der anderen Seite schwört just Degra seine Gefolgsleute auf die anstehenden Aufgaben ein - auch für die Xindi ist es eine Mission zur Rettung der eigenen Spezies - wie sich die Bilder doch gleichen. Schön, wie man hier ein Stilmittel vollkommen entgegengesetzt der Erwartungen einsetzt. Die Enterprise-Crew nähert sich und die eigentlichen Antagonisten erfahren eine emotionale Grundierung in der Krise. Clever und ungewöhnlich. Damit aber auch schon genug für den Teaser - es ist mal wieder Zeit für den Vorspann. Hatte ich in letzter Zeit mal erwähnt, dass die neue Calypso-Version kein bisschen mehr zum Geschehen innerhalb der Serie passt? Sei hiermit eindringlich nachgeholt.
Vorgeplänkel
Während die Xindi sich streiten, suchen die Enterprisler nach Schwächen im Verteidigungsgitter des Planeten. Zum besseren Abchecken der Lage werden Trip und Travis im Xindi-Shuttle auf die Reise geschickt - mitten ins Herzen der Anlage. Dank Hoshi können die beiden sogar in fließendem Reptilianisch kommunizieren - dumm nur, dass die Bemühungen der Enterprise-Crew dennoch von einem Außenposten wahrgenommen werden. Dieser wäre in vier Stunden in Kommunikationsreichweite zu seinem Volk - es bleibt offenbar nur ein Ausweg: Archer zerstört die Anlage und opfert die dort arbeitenden Xindi. Inter Arma Enim Silent Leges. Ein Trauerspiel, was aus dieser Crew geworden ist - oder vielleicht werden musste? Dem Zuschauer obliegt die Wertung.
Unter Wasser
Trip und Travis bekommen davon jedoch gar nichts mit - sie tauchen ins Meer des Planeten ein und finden dort unter Wasser die riesige Waffe, deren Inneren sie auch sofort einen Besuch abstatten. Was danach geschah erfahren wir aus Zeitgründen leider nicht - zurück auf der Enterprise haben die beiden jedoch eine Menge an Infos gesammelt und präsentieren ihren Plan, den Xindi-Todesstern von innen zu sprengen: Eine klare Selbstmordmission, für die sich erst Travis, dann Trip freiwillig melden. Doch es gibt nur einen, der diesen Weg gehen kann: Archer selber - so zumindest seine Denke.
Kommt ein Daniels daher
Kaum hatte der Captain somit seinen großen Auftritt und hat die Seinen in Richtung Turbolift verlassen, tritt ein fast Vergessener auf den Plan: Daniels. Er hat Archer kurzerhand an Bord der Enterprise-J gebracht - 400 Jahre in die Zukunft. Dort verfolgen die beiden die finalen Momente der Schlacht gegen die Sphärenbauer. Da diese den Konflikt hier verlieren würden, hätten sie die Xindi in der Vergangenheit kontaktiert, um die Menschen auszulöschen. Ein durchaus schräger Plan, der bei den zerstrittenen und oft auch inkompetenten Xindi irgendwie in den falschen Händen scheint. Hier hinkt die Logik der Gesamtstory leider erheblich, da erneut ein Vorgehen präsentiert wird, das bei genauerem Hinsehen schlicht keinen richtigen Sinn machen will. Es hätte vermutlich ein Dutzend schlauerer Eingriffsmöglichkeiten gegeben. Nun ja. Daniels möchte in jedem Fall verhindern, dass Archer sich opfert - dieser jedoch ist wild entschlossen und möchte von Daniels am liebsten gar nichts mehr hören. Nach all den Erfahrungen der Vergangenheit durchaus verständlich. Der Hinweis des Captains, dass Daniels sich schließlich selber oft genug geirrt habe, trifft dabei ebenfalls ins Schwarze. Immerhin lässt Archer aber zu, dass sein Gegenüber ihm ein Xindi-Medaillon mit auf den Weg gibt - ob das wohl nochmal wichtig werden wird?
Zeit für Gefühle & Streitereien
Doch mit Daniels sind die anstrengenden Gespräche für Archer noch nicht vorbei: T´Pol diskutiert mit ihm über den Sinn und Unsinn, sich zu opfern. Sie gibt zu, ihn nicht verlieren zu wollen. Eine sehr sympathische Regung und durchaus glaubwürdig, nach allem, was die beiden zusammen erlebt haben. Jolene Blalock wurde in dieser Staffel endlich auch schauspielerisch zu einer starken Kraft im Cast und durfte mehr als einmal ihre Palette zeigen.
Die Xindi streiten unterdessen weiter und zeigen erneut, dass die Humanoiden und die Faultiere noch die angenehmsten Vertreter ihrer Spezies sind - die Reptilianer und Insektoiden jedoch gehen weiterhin gar nicht. Schön ist aber das Ende dieser Szene, als Degra hinterfragt, wie die nächste Xindi-Generation (also auch seine eigenen Kinder) das Vorgehen irgendwann in der Zukunft beurteilen werden. Zumindest mit ihm und seinen engen Vertrauten gab man sich in Sachen Vermeidung von Schwarz-Weiß-Zeichnung also durchaus Mühe.
Die letzten Vorbereitungen werden getroffen: Travis schleimt noch ein wenig, muss aber einsehen, dass sein Captain schlicht niemand anderen mehr opfern will - und deswegen selber geht. Phlox bekommt die Verantwortung für Porthos und den Auftrag, gelegentlich ein wenig Käse fallen zu lassen und Archer hält eine angemessene, aber auch vorhersehbar-pathetische „Ich bin so stolz“-Abschiedsrede auf der Brücke. Been there, done that. Keiner glaubt, dass der Captain seinen Einsatz nicht überleben wird.
Bin faast daaaaa!
Dennoch ist der Anführer, väterliche Freund und Kumpeltyp nun erstmal weg - für T´Pol Grund genug für einen gepflegten Weinkrampf. Kann das noch lange gut gehen? Ehrensache, dass sie wenig später auch Trips Angebot ihr zu helfen ablehnt - T´Pol weiß, dass im Moment Gesellschaft das allerletzte ist, was sie braucht.
Archer taucht ein in das Meer von Azati Prime und findet: Nichts. Die Waffe ist weg, er wird sogleich entdeckt und festgenommen. Das war vermutlich der kürzeste geheime Sabotageeinsatz in der Geschichte der geheimen Sabotageeinsätze.
In Feindeshand
Über mangelnde Aufmerksamkeit kann er sich hingegen nicht beklagen: Archer bekommt so richtig was auf die Zwölf - für Alt und für Neu, wie meine Oma immer sagte. Dazu muss er auch noch die selten debilen Fragen der Reptilianer über sich ergehen lassen - Doppelschmerz sozusagen. Anstatt diesen jedoch mit diplomatischem Geschick oder Schläue zu begegnen, spult der Captain lieber eine Welle an dummen Antworten ab, die sich um die mangelnde Intelligenz seiner Gegenüber, deren Gestank, leckere Krokodilsuppe und die prozentual winzig kleinen Gehirne von Reptilien auf der Erde ranken. Eine Konstante im Universum nennt er diesen Umstand nicht ohne damit Lacher auf der anderen Seite des TVs heraufzubeschwören. Ob diese ausgelebte Todessehnsucht im Angesicht der nahen Zerstörung der Erde jedoch Sinn macht, darf jeder selbst entscheiden.
Erst im zweiten Anlauf kommt Archer auf die Idee, nach Degra zu fragen und mitsamt seines Insiderwissens (Stratagem) auch Gehör zu finden. Vielleicht ja doch noch eine brauchbare Idee nach den ganzen Kalauern?
Seine Crew, die ihn für tot oder gefangen genommen hält, plant unterdessen die nächsten Schritte - und schnell ist T´Pol bereit, eine weitere Selbstmordmission anzuführen. Der Lebensfrust scheint inzwischen groß unter den Führungsoffizieren...
Degra vs Archer
Degra ist derweil definitiv beeindruckt von seinem vermeintlichen Feind. Nach den Schmähungen von zuvor versucht Archer bei ihm die Vertrauensschiene und gibt sogar Infos über die Sphärenbauer preis. Der Einsatz des Medaillons von Daniels, das Degra doch bitte gerne quantendatieren lassen soll ist der finale Fuß in der Tür beim Chefentwickler der Waffe. Und natürlich bestätigt die Analyse Archers Story: Das Teil ist tatsächlich aus der Zukunft und verschafft dem Captain der Enterprise zumindest einen Hauch von Glaubwürdigkeit.
An dieser Stelle muss man sich natürlich fragen, ob man den diplomatischen Weg nicht von vornherein oder irgendwie früher zumindest hätte in Erwägung ziehen können. Auch darf man gerne fragen, warum Daniels keinen anderen Plan ersinnen konnte, als es der Crew um Archer derart schwer zu machen und ihnen dann jetzt durch das Medaillon doch diese Tür zu öffnen. Hier zeigt sich eben, dass die Drehbuchschreiber zu wenig im Voraus planen und zu viel on the fly erdenken. So sind Widersprüche und Unstimmigkeiten einfach nicht auszumerzen. Auch Daniels wirkt hier nicht wie jemand, der aus dem 29. Jahrhundert zurückschaut, sondern wie jemand, der von den Ereignissen von Archers Zeit ständig überrascht wird.
Sei's drum. Während der Rat der Xindi ohne die Reptilianer ins Grübeln gerät, will Trip die völlig die Fassung verlierende T'Pol aufhalten. Doch muss er das gar nicht: Es nähern sich bereits Xindi-Schiffe.
The Final Countdown
Genauer gesagt: 4 Xindi-Schiffe. Und diese sind leider nicht zum Verhandeln gekommen sondern schießen die vollkommen unterlegene Enterprise nach und nach kurz und klein. Chaos bricht aus, die Brücke fällt auseinander, Crewmitglieder gehen in Flammen auf, man ist macht- und wehrlos gegen die Aggressoren.
Während Degra und seine Vertrauten noch diplomatische Pfade mit Archer zu betreten versuchen, sprengen die Reptilianer das Meeting, übernehmen das Kommando und eröffnen Archer noch, dass von seinem schönen Schiff in Kürze nichts mehr übrig sein wird...
Und wirklich: Der Stolz der Sternenflotte geht absolut in die Binsen - hier kommt richtiges Babylon-5-Feeling auf - in der Kombination aus Action, Musik und Inszenierung schwingt eine Dringlichkeit, eine Ernsthaftigkeit und eine Endgültigkeit mit, die die Serie bis dato noch nie erreicht hatte.
Gib dem Kind einen Namen
Kommt, wir fliegen nach Azati Prime. Joar.
Fazit
Bewegend und mitreißend: Star Trek: Enterprise war inhaltlich zwar schon viel besser und tiefgreifender, aber nie kraftvoller in der schieren Wirkung auf den Zuschauer. Azati Prime ist der endgültige Durchbruch dieser experimentellen und nicht immer ganz ebenen Staffel. Die Spannung erreicht einen unerwarteten Höhepunkt und macht den Appetit auf weitere Episoden unerträglich. Was für ein Ritt!
Morgen beginnen die Aufräumarbeiten - ups: Nun habe ich wohl verraten, dass die Enterprise die Krise überstehen wird.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 7. Mai 2016(Star Trek: Enterprise 3x18)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x18
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?