Star Trek: Enterprise 3x16

Star Trek: Enterprise 3x16

One, Part Two? Seven without Nine? Manchmal sollte man den Rat des Arztes vielleicht einfach ignorieren und sich stattdessen die Mühe machen, ein originelles Drehbuch zu schreiben. Schämen Sie sich, Mr. Black.

Szenenbild aus der Episode „Doctor's Orders“ / (c) UPN
Szenenbild aus der Episode „Doctor's Orders“ / (c) UPN

Was erwartet uns?

Wegen einer transdimensionalen Anomalie muss Doktor Phlox alle Crewmitglieder außer T´Pol und Porthos ins künstliche Koma versetzen. Langsam aber sicher scheint er auf seiner einsamen Mission an Bord jedoch den Blick für die Realität zu verlieren und fürchtet zunehmend, seinen Verstand zu verlieren. Oder geht vielleicht doch etwas Sonderbares vor sich?

Dies & das

  • Für Roxann Dawson war es bereits der achte Regie-Job bei der Serie - bisher hatte sie mit The Andorian Incident, Vox Sola und Dead Stop dreimal ein richtig gutes Händchen mit der Zuteilung ihrer Episoden. Zuletzt sorgte sie mit Dawn, Bounty, Exile und Chosen Realm jedoch zunehmend für Magenschmerzen. Sie scheint ihr Glück verloren zu haben. Der Abwärtstrend ist nicht zu leugnen. Schade.
  • Denobulanische Städte sind vollkommen überbevölkert: Gerade weil die Denobulaner es genau so mögen.
  • Phlox hat mindestens fünf Großmütter.

Phlox-Solo-Show

Perhaps we are letting our imaginations run away with us? I should have never let Mr. Tucker talk me into watching “The Exorcist” last week.“ (Phlox)

Bangs, squeaks, rattling chains. Is this a starship or a haunted house?“ (Phlox)

I thought space travel was supposed to be precise!“ (Phlox)

I'm a physician, not an engineer!“ (Phlox)

Are you suggesting I read the manual?“ (Phlox)

Lange Vorrede, kurzer Sinn

Es war einmal ein durchaus begnadeter Serien-Autor. Sein Name: Chris Black. Er begann zu  schreiben und lieferte mit der Zeit Episoden wie Singularity, Cease Fire, The Shipment und Proving Ground ab. Sein Name ward gepriesen unter den Anhängern der Serie - und doch geschah das Unfassbare. Als er eines nicht so schönen Tages seine zahlreichen Bewunderer mit einer Episode beglückte, die auf unterschiedliche Art und Weise irgendwie schon ein- bis fünfmal da gewesen zu sein schien - mindestens.

Es war der 13.05.1998, als die von Jeri Taylor geschriebene Episode One den Charakter der Seven of Nine um einige Facetten bereichern konnte. 

Es war der 18.02.2004, als die von Chris Black abgeschriebene Episode Doctor´s Orders die Figur des Phlox um einige sehr ähnliche Facetten bereichern konnt.

Okay - genug des sinnlosen Gefasels! Was zur Hölle ist hier wirklich passiert?

Bringen wir es mal auf den Punkt.

Chris Black hat hier eine Grenze unterschritten, die bisher sogar Rick Berman und Brannon Braga sich nicht zu verletzen getraut hatten. Zwar konnten sich schon so einige Episoden der jüngsten Trek-Inkarnation dem Plagiatsvorwurf nicht so ganz entziehen, eine derartige 1:1-Abschrift eines bekannten Trek-Skripts hatte es bisher aber noch nie gegeben.

Eine kurze Auflistung gefällig?

- die Crew trifft auf einen Nebel, den zu umfliegen zu lange dauern würde

- die Lebensbedingungen sind für die Crew tödlich

- nur zwei Crewmitglieder sind immun (Seven/Doc - Phlox/Porthos)

- der Hauptcharakter der Story (Seven - Phlox) beginnt zu halluzinieren

- er / sie sieht und hört Unheimliches und trifft auf Fremde auf dem Schiff

- die Crew tritt schließlich als Vision auf und macht ihm / ihr Vorwürfe für das Versagen

- eine Gefahrensituation tritt auf und er / sie kann sie bewältigen

Diese Anzahl von Übereinstimmungen ist gelinde ausgedrückt eine Frechheit. Black hat die Story von Jeri Taylor lediglich der Situation (dem Arc der Season) angepasst, die Charaktere ausgetauscht und einige Modifikationen im Fluss der Handlung vorgenommen. Dazu noch der kein bisschen überraschende Kniff, dass T´Pol die ganze Zeit ebenfalls nur eine Halluzination des Doktors war. Dieses passive, lethargische, müde und völlig inkompetente Verhalten nimmt dem Charakter ohnehin niemand ab.

Mehr als das hat Chris Black nicht an eigenen Ideen zu bieten.

Dabei sei angemerkt, dass meine so bezeichnete 1:1-Abschrift aber eigentlich dennoch relativiert werden muss. Denn nicht nur die angesprochene Episode One findet sich in Blacks wahrgewordenem „Plagiatsskandal“  wieder - nein. Der gute Autor zieht gleich noch zwei andere bekannte Filmhighlights der letzten Jahrzehnte heran, um seine Flickschusterei abzurunden. 

Die Eröffnungsszene mit Porthos erinnert nicht nur zufällig an den buggyfahrenden Jungen aus „The Shining“ und die entstellte Hoshi in der Dusche ist exakt der Bewohnerin aus dem verbotenen Zimmer aus eben demselben Film nachempfunden. 

Dazu kommt, dass T´Pol während der gesamten Episode keine Tür öffnet, nichts berührt, beim Abendessen ihr Gedeck ignoriert und sich auch sonst durch erstaunliche Passivität auszeichnet. Eine klare Anlehnung an den Stil aus M. Night Shyamalans Meisterwerk „The Sixth Sense“.

Zugegeben: Diese drei Quellen sind nicht die schlechtesten Aufhänger, um sich daraus ein Skript zusammen zu klauen. Aber für meinen Geschmack bedient sich Black hier einer zu stark ausgeprägten Lässigkeit im Umgang mit den Ideen anderer.

Bis zu diesem Moment würde ich alleine aus der Verärgerung über diesen Versuch der Publikumsverarschung kaum mehr ein Pünktchen für die Episode zusammenbekommen.

Der Rezensent sagt aber

Doctor´s Orders hat - alles bisher Genannte einmal außer Acht gelassen - einiges zu bieten.

Da wäre zum einen die grandiose Vorstellung von John Billingsley. Seine Leistungen konnte man zwar bisher schon regelmäßig als herausragend ansehen, da er es wie kein Zweiter versteht, aus jedem noch so durchschnittlichen Material gehobene Qualität herauszudestillieren. Diesmal jedoch bereichert er den „lachenden Buddha“ Phlox noch um einige weitere interessante Facetten. Seine Nacktszene ist zum Schreien gut, die Versuche Porthos zu kontrollieren aufs Schrägste amüsant. Dazu kommen seine Panikattacken, die den sonst eher beruhigten Denobulaner von einer ganz anderen - nämlich unsagbar verletzlichen -  Seite zeigen. Billingsley spielt alles wie gewohnt großartig - der Vorteil dieser Episode liegt aber natürlich darin begründet, dass Phlox eine One-Man-Show abziehen darf, die problemlos gelingt.

Dazu kommt die - auf jeden Fall - interessante Vorstellung Jolene Blalocks, die es versteht, T´Pol vollkommen differenziert darzustellen. Sie gibt in keiner Szene ein vertrautes Bild ab - sondern agiert lediglich als Abbild einer Person, der Phlox vertraut - ein Bild, dessen Charaktermerkmale verdreht, verfälscht und deplatziert erscheinen. Wie in einem bösen Traum ist Phlox jedoch nicht in der Lage, die „falsche“ T´Pol zu erkennen.

Auch technisch gibt es nichts zu bemängeln.

Roxann Dawson schafft es endlich einmal wieder, eine visuell ansprechende Episode auf die Beine zu stellen, die aus den gegebenen Szenen das Maximum herausholt. Sie hat zwar erneut kein großes Glück mit dem zugeteilten Material, schafft es aber dennoch aus dem eigenen Qualitäts-Loch herauszuklettern und zumindest ihre eigene Leistungsfähigkeit auszureizen. 

Dennis McCarthy steuert einen charismatischen, weil nicht zu einförmigen und immer wieder überraschend-spritzigen Score bei, der sowohl die eher beruhigten Momente, als auch die Schockeffekte effektiv unterstreicht.

Die Effekte und Kulissen liegen vollkommen im gewohnten Bereich und gewinnen durch die Ausleuchtung des Schiffes nur noch an Gewicht - das Wiedersehen mit einem Xindi-Insekten schließlich funktioniert in dieser (fiktiven) Form ebenfalls perfekt.

Und zuletzt: die Idee, erneut auf die Form eines Briefes an Phlox´ menschlichen Kollegen Dr. Lucas zurückzugreifen (Dear Doctor) hatte ich lange herbeigesehnt, da sich so für den Zuschauer die Möglichkeit bietet, an den skurrilen Gedanken des außerirdischen Arztes teilzuhaben.

Auf den Punkt gebracht bedeutet das: hätte ich One nicht gekannt, wäre die vorliegende Episode deutlich besser weggekommen. Die geborgten Szenen und Motive aus „The Shining“ und „The Sixth Sense“ wären bei Weitem nicht so stark ins Gewicht gefallen und hätten sich eher in den Bereich versuchter und teils geglückte Hommage eingereiht.

Unter Einbeziehung des Voyager-Vorbilds muss ich die Episode jedoch leider als das bewerten, was sie ist: Ein an Dreistigkeit und Einfallslosigkeit nicht zu überbietendes Plagiat, das seine Eigenständigkeit nicht einmal im Detail verdienen kann. 

Gleichzeitig ist sie aber zweifelsfrei auch ein angenehmes, willkommenes und durchweg spannend und unterhaltsam inszeniertes Vehikel für den oft unterforderten Billingsley. 

In der Summe macht das eben nur Mittelmaß.

Diese lässige Art des Ideenklaus durfte sich die Serie an dieser Stelle schon lange nicht mehr erlauben - und die Tatsache, dass mit Chris Black einer meiner Lieblingsautoren solch ein Machwerk zu verantworten hatte, stimmte mich schon damals traurig.

Die letzte Bottle-Show der Season blieb somit auf emotionaler Ebene als Phlox-Highlight im Gedächtnis, auf intellektueller Ebene jedoch auch als Ärgernis allererster Güte.

Gib dem Kind einen Namen

Autor Chris Black verschreibt uns mit dieser Episode die volle Ladung Plagiat und hat jedes Recht, einen angemessenen Namen zu wählen. Vielleicht ja gar ein Seitenhieb auf eine Anordnung von Oben? Das wäre vielleicht zu viel Mulder. Im Deutschen ließ man keine Abweichung zum Original erkennen - geht klar.

Fazit

Ich weiß ganz sicher, ich habe diese Episode schon einmal kommentiert - Damals war Seven of Nine noch schlanker und der Holodoc hatte weniger Haare, er war aber nur halb so niedlich. Und irgendwie kam mir das Schiff auch moderner vor. Ansonsten bin ich aber sicher, das alles schon einmal gesehen zu haben. Muss ich mich schämen, dass ich mich erinnere?

Keine Frage: Die Episode an sich ist wahrlich nicht schlecht - die Art des Ideenklaus aber beschämend. Das darf eben leider nur für eine durchschnittliche Wertung reichen.

Nächste Woche darf die TNG-Crew auf eine alte Bekannte treffen, während es auf Archers NX-01 Stunk gibt.

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 27. März 2016
Episode
Staffel 3, Episode 16
(Star Trek: Enterprise 3x16)
Deutscher Titel der Episode
Auf ärztliche Anweisung
Titel der Episode im Original
Doctor's Orders
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 18. Februar 2004 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 30. Januar 2005
Autor
Leslie Hope
Regisseur
Roxann Dawson

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x16

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