Star Trek: Enterprise 3x15

Star Trek: Enterprise 3x15

Wenn eine Episode zwar keine große Kunst bietet, aber durchweg unterhält, zusammenhanglos Storys kombiniert, dabei aber nicht zerfasert und zudem von Berman & Braga stammt, aber nicht unangenehm auffällt - dann darf man auch mal klatschen.

Szenenbild aus der Episode „Harbinger“ / (c) UPN
Szenenbild aus der Episode „Harbinger“ / (c) UPN

Was erwartet uns?

Die Crew trifft auf ein Schiff mit einem sterbenden Alien. Da sein Gefährt aus dem gleichen Material besteht, wie die vielen Sphären der Ausdehnung, ist die Crew bemüht, das Alien am Leben zu halten und zum Sprechen zu bringen. Nebenbei erfährt T'Pol, dass Trip Massage-Sessions mit Amando Cole vom MACO-Team abhält und erkennt, dass sie möglicherweise tiefere Gefühle für den Chefingenieur der Enterprise besitzt - und Malcolm ärgert sich mit dem sehr dominant auftretenden Anführer der MACOs, Major Hayes, herum…

Dies & das

  • T'Pol wollte ihre Sexualität schon erkunden, seit sie dem Oberkommando den Rücken gekehrt hat.
  • Steven Culp alias Major Hayes erhielt seinen dritten Auftritt als Anführer der MACOs.
  • Mit Corporal Amanda Cole, gespielt von Noa Tishby lernten wir eine weitere Mitstreiterin seines Teams kennen.
  • Neu-Co-Produzent Manny Coto lieferte hiermit bereits seine dritte Arbeit ab. Er war jedoch nur für das Drehbuch verantwortlich.

Es menschelt

You two really oughta declare a truce. - Oh no, this is a fight to the death.“ (Trip und Reed)

I suppose I should thank you… - There's no need to thank me. - …for facilitating my exploration of human sexuality.“ (Degra)

I can't believe this. I'm jealous… I'm jealous… of myself?“ (Trip)

Think we're dismissed?“ (Reed)

Until I get the answers I need we're going to have to bend a few ethics.“ (Archer)

Sorgen

Vor Ansicht von Harbinger beschäftigten mich vor allem zwei Fragen: Würden Berman und Braga endlich eine gute Episode innerhalb der dritten Season abliefern können und würde Manny Coto nach Chosen Realm sein selbst gebuddeltes Loch verlassen können?

Die Antworten kann ich völlig schmerzfrei vorwegnehmen: Ja und ja.

Ein Kessel Buntes

Die von den beiden ausführenden Produzenten erdachte Episode ist eine Art Querschnitt durch alle Schichten der Season. Drei Handlungsebenen laufen parallel, kreuzen sich und kommen sich doch nie ins Gehege. Um dieser Form gerecht zu werden, gehe ich mal systematisch alle drei Ebenen nacheinander durch.

Das Arc-Drittel

Schön, dass schon die letzten Episoden wichtige Mosaiksteinchen für den Season-Arc parat hatten. Hier erleben wir nun den ersten Auftritt eines Mitgliedes der mysteriösen Erbauer der Sphären, die von den Triannons in Chosen Realm auch als Schöpfer der Ausdehnung bezeichnet wurden. Die Ähnlichkeit des sterbenden Aliens mit den Suliban ist dabei im Übrigen frappierend - unkreatives Make-up oder pures Kalkül?

Viel erfahren wir naturgemäß nicht... jedoch genug, um die ganze Rahmenstory weiter auszubauen und die Spannung anzuheizen. Scheinbar versuchen diese Schöpfer mit Hilfe der Sphären, bewohnte Planeten innerhalb der Ausdehnung zu transformieren, um dort die ihnen genehmen Lebensbedingungen zu erzeugen. Das gefundene Mitglied dieser Rasse war dabei scheinbar eine Art Versuchskaninchen, das sozusagen die bisher erreichten Bedingungen austesten sollte. Doch warum? Soll die Ausdehnung der neue Lebensraum dieser Rasse werden? Wollen sie alle Bewohner vernichten? Stecken sie vielleicht hinter dem Plan, die Xindi gegen die Menschen aufzubringen? Aber warum? Was könnte ihnen ein solcher Schachzug nützen?

Fragen über Fragen.

Fakt ist, dass die Erbauer von der Menschheit und dem Konflikt mit den Xindi wissen. Die letzten Worte des sich auflösenden Aliens verdeutlichen, dass alles irgendwie seinen Ursprung bei diesem Volk haben könnte. Man wird sehen.

Das Action-Drittel

Normalerweise halte ich den Standard-Action-Anteil ja oft für größtenteils überflüssig. Hier jedoch spielt er eine gewichtige Rolle in dreierlei Hinsicht. Erstens wird der allgemeine Konflikt zwischen Starfleet-Security und den MACOs endlich näher thematisiert. Die Idee, Kampfübungen gemeinsam abzuhalten, ist sicherlich wertvoll - sonderbar nur, dass darauf bisher noch niemand gekommen ist. Zweitens wird Reeds Sonderstellung gegenüber MACO-Leader Hayes verdeutlicht. Dominic Keating spielt das angeknackste Ego des Sicherheitschef mit einer teuflischen Feinfühligkeit, die einfach toll anzusehen ist. Reed war bisher nie so böse, zickig und ätzend wie hier. Klasse! Der steife Brite, den ich schon früh zu meinem absoluten Liebling erkoren hatte, darf endlich einmal wieder seine Bandbreite ausspielen. Drittens verhilft die Episode Steven Culp in der Rolle des Major Hayes endlich zu mehr Profil. Culp ist problemlos in der Lage, die Rolle auszufüllen und spielt den Widersacher Reeds mit genau der richtigen Mischung aus Arroganz, Charme, Witz und professioneller Distanz. Er und Reed treffen sich für den Zuschauer auf Augenhöhe: Genau das macht den gelungenen Konflikt aus. Positiv anzumerken ist auch, dass nach Shran und Degra nun mit Hayes zum dritten Mal hintereinander ein wichtiger Gastcharakter ein geschliffeneres Profil erhält. So sollte es immer sein.

Noch erwähnt sei ebenfalls, dass die Kampfeinlagen allesamt klasse umgesetzt wurden. Ein Kompliment an alle Beteiligten.

Und auch der Abschluss der Thematik, die Verbindung der Kampfszene zwischen Reed und Hayes mit dem vom Alien ausgelösten Alarm und die anschließende Maßregelung durch Archer sind auf den Punkt inszeniert. Archer wandelt erneut auf dem schmalen Grat zum Wahnsinn und lässt seine beiden Offiziere einfach in seinem Büro stehen. Witzig.

Das emotionale Drittel

Ein weiteres wichtiges Thema der dritten Season war bisher das sich entwickelnde Verhältnis zwischen T´Pol und Trip - über das man denken kann, was man will. Während scheinbar das ganze Schiff schon über ihre Sessions zu reden begann, waren die Beiden in Wirklichkeit noch gar nicht richtig zur Sache gegangen. Und viel schlimmer: Wie müssen erleben, dass Trip mit der süßen MACO-Offizierin Amanda Cole „fremdmassiert“. Dies wirkt zwar zu sehr wie eine Notwendigkeit des Plots, um T´Pols Eifersucht anzustacheln, funktioniert dabei aber doch erfreulich gut. 

Diverse vielsagende Blicke später finden sich die beiden bei einer neuerlichen Sitzung wieder. Die folgende Dialogszene hätte besser nicht geschrieben werden können - mit kleinen Sticheleien, der Einbeziehung von Similitude und starken Leistungen von Blalock und Trinneer entwickelt sich der Höhepunkt der Trip/T´Pol-Story im Sauseschritt auf „den Moment“ zu. T´Pol küsst Trip und zieht ihren Bademantel aus... den Rest kann man an den Augen des Ingenieurs ablesen und führt zu einer verwirrenden „Morgen-danach-Szene“, mit deren Ausgang sicherlich nicht alle gerechnet haben. Dennoch: Hier ist das letzte Wort nicht gesprochen und T´Pol wird sich bestimmt erneut in den Armen Trips wiederfinden.

Der Rezensent mag Überraschungen

Somit ist es tatsächlich einmal wieder gelungen: Rick Berman und Brannon Braga haben sich im dritten Anlauf zusammengerissen und eine gute Episode erdacht, die ihre Stärken völlig überraschend in genau den Bereichen besitzt, in denen sie sonst zu oft versagen: Detailverliebtheit, Dialoge, Emotionen, Timing, Konflikte. Vielleicht auch ein Einfluss von Manny Coto? Der „Chosen Realm“-Ausrutscher ist für den Moment vom Tisch. 

Doch trotz dieses Lobes wäre alles für die Katz, wäre da nicht diese Handvoll talentierte Darsteller. Connor Trinneer und Jolene Blalock besitzen eine gute Chemie und spielen ihre delikaten Szenen mit Passgenauigkeit. Dominic Keating ist der heimliche Star der Episode, in der er mehr von der verletzlichen Seite des Malcolm Reed zeigt, als je zuvor. Scott Bakula hat seine neue und durchaus diskutable Gangart bereits seit einiger Zeit gefunden und Archer zum starken, teils hart-ruppigen Captain reifen lassen. John Billingsley und Linda Park machen nichts falsch und holen das Beste aus ihrem etwas weniger gehaltvollen Material heraus. Das Gleiche gilt für Anthony Montgomery, der spürbar beteiligter wirkt.

Die Zusammenführung dreier unterschiedlichen Motive bringt Harbinger zwar nicht auf die Schwelle des ewigen Highlights, ergibt aber einen konstant unterhaltsamen, amüsanten, spannenden und originell geschriebenen Mix, der die komplette Crew in einem interessanten Licht zeigt und jedem von ihnen einen gewichtigen Anteil an der Handlung zuteilt. Eine Kollektiv-Show, die es weder an Humor, Effekten, Action, Suspense oder guten Dialogen und Darstellerleistungen fehlen lässt.

Gib dem Kind einen Namen

Ein brauchbarer Titel, der jedoch nur einen der drei Stränge wirklich beleuchtet und auch kompetent ins Deutsche übertragen wurde („Der Vorbote“) - kein Einspruch. Es hätte mit einer sächsisch ausgesprochenen Variante des Originals („Haarpinscher“) deutlich schlimmer kommen können - dann aber auchzugegebem nur bedingt Sinn ergeben.

Fazit

Ein positiver Trend bahnt sich an! Harbinger hält den guten Flow aufrecht ohne groß zu glänzen und kombiniert problemlos drei eigenständige Handlungen, die jede auf ihre Art die bisherige Season geprägt haben. Versehen mit überzeugenden Leistungen des kompletten Cast und einem wunderbar familiären Gefühl handelt es sich hier um eine kleine Episode, die Freude macht. 

Nächste Woche entern wir die Top5 im Countdown!

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 20. Februar 2016
Episode
Staffel 3, Episode 15
(Star Trek: Enterprise 3x15)
Deutscher Titel der Episode
Der Vorbote
Titel der Episode im Original
Harbinger
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 11. Februar 2004 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 29. Januar 2005
Autor
Greg Ellis
Regisseur
David Livingston

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x15

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