Star Trek: Enterprise 3x13

Was erwartet uns?
Die Xindi werden ungeduldig, weil Degra immer noch keine fertige Waffe zur Vernichtung der Erde herstellen konnte. Er versichert jedoch, dass es in Kürze so weit sein wird. Die Enterprise-Crew ist währenddessen auf die Hilfe eines alten Bekannten angewiesen, der aus dem Nichts auf der Bildfläche erscheint: Shran, der Andorianer. Doch sind seine Motive unter Umständen nicht so einfach ersichtlich, wie man meint…
Dies & das
- Endlich! Nach The Andorian Incident, Shadows of P'Jem und dem Meisterwerk Cease Fire kehrte Jeffrey Combs endlich als Andorianer Shran zurück.
- Für Randy Oglesby war es bereits der vierte Auftritt als Degra.
- Seine Mitstreiter Scott MacDonald, Tucker Smallwood und Rick Worthy sahen wir zum jeweils dritten Mal.
- Die Tatsache, dass Chris Black nach The Shipment erneut eine reine Arc-Episode schreiben durfte, zeigte sich als gute Idee. Da zudem auch noch genau in dieser Episode Shran sein Comeback feierte, machte es umso mehr Sinn. Black schrieb schließlich auch schon die großartige Folge Cease Fire.
- Komponist John Frizzell gab hier sein Serien- und Franchise-Debüt.
- Das aktuelle Datum ist der 6. Dezember 2153.
- Der Xindi-Rat wird ungeduldig, weil Degra immer noch nicht bereit ist, die Waffe einzusetzen.
- Shrans Bruder wurde während Grenz-Streitigkeiten mit den Vulkaniern getötet.
Synchro-Anomalien
Zu Beginn der Episode befiehlt T'Pol „Hart Steuerbord!“ woraufhin das Schiff prompt nach Backbord fliegt. Nun will ich nicht ausschließen, dass Travis um T'Pols Rechts-Links-Schwäche weiß, die deshalb stumm einkalkuliert und ausmerzt. Im Englischen sagt sie dennoch „Hard to port.“. Wenn man sich einige Film-Übersetzungen anschaut, kann man froh sein, dass am Ende kein „Ab zum Hafen“ daraus geworden ist…

Markante Worte
„Captain Archer! Look at the trouble you've gotten your pink skin into this time.“ (Shran)
„We keep doing each other favors. - Isn't that how alliances are born?“ (Archer & Shran)
„I'd love to get my hands on whoever ordered that attack. But that's not why we're here. I just want to make sure they don't get the chance to finish what they started.“ (Trip)
„No great victory comes without sacrifice.“ (Shran)
„No offense, but when it comes to our weapons frequencies, I wouldn't trust my own mother.“ (Reed)
„It's not the weapon. It's the soldier who wields it.“ (Talas)
Raus aus dem Loch
Okay, etwas Zeit ist vergangen, ich habe das „Chosen-Realm-Desaster“ dank meines kompetenten Therapeuten erschöpfend verarbeiten können und fühle mich nun in der Lage, mich wieder ohne Angst einer neuen Episode auszusetzen.
Und heureka! Es hat sich gelohnt!
Das Gelingen der Episode kann man dabei genauso kurz wie prägnant zusammenfassen: Jeffrey Combs.
Niemandem, und ich wiederhole gerne, niemandem aus der zweiten Reihe der Trek-Darsteller schulden die Fans so viel Huldigung wie diesem begabten Mimen. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass Combs so tief mit „Star Trek“ verwurzelte?
Eine kurze Huldigung
Blicken wie zurück in das Jahr 1994. Auf „DS9“ befand man sich gerade in der zweiten Staffel, als innerhalb der eigentlich grottenschlechten Episode Meridian ein Mann Namens Jeffrey Combs in der Rolle des schmierigen Tiron durchaus zu gefallen wusste. Zwar wurde er vom eher mittelprächtigen Make-up fast erschlagen, konnte aber dennoch ausreichend Eindruck hinterlassen, um später in anderer Funktion zurückzukehren.
Denn als der Dominion-Konflikt immer deutlichere Formen annahm, castete man Combs erneut: In der Rolle des mysteriösen Vorta Weyoun. Erst hier konnte der Mime sein Potential wirklich ausspielen und machte die Figur zu einer der besten aller Trek-Serien. Er kehrte fortan regelmäßig zurück und wurde in den letzten Jahren sogar zu einer zentralen Figur der Handlung. Erstaunlicherweise erlaubten die Produzenten es ihm sogar, nebenbei noch einen zweiten wiederkehrenden Charakter zu übernehmen: Den verschlagenen Ferengi Brunt. Nun konnte der Darsteller zeigen, wie differenziert er Figuren darstellen und abgrenzen konnte. Auch Brunt hatte unzählige Auftritte bis zum Ende der Serie und bleibt ebenso wie Weyoun ganz eng mit der hohen Qualität der Serie verbunden. In diesem Zusammenhang geschah es im Übrigen, dass Combs in der Episode The Dogs of War gleich beide Charaktere auf einmal spielen konnte!

Seine vierte Rolle innerhalb des Trek-Franchise erhielt er dann nach dem Ende von „DS9“ im Rahmen der sechsten Staffel von Star Trek: Voyager. Die Episode Tsunkatse mag nicht jedem besonders positiv im Gedächtnis geblieben sein, dennoch wusste der beliebte Mime auch hier in der Rolle des Sklaventreibers Penk zu gefallen. Niemals hätte ich damals geglaubt, dass es fortan noch viele weitere Gelegenheiten geben würde, einen meiner Trek-Lieblingsdarsteller in neuen Episoden bewundern zu können - doch weit gefehlt!
Bereits in der siebten Episode der damals brandneuen Nachfolge-Serie erhielt Combs einen Auftritt als Andorianer Shran und erweckte somit eine höchst amüsante Rasse des Trek-Universums zu neuem Leben. Diesen Umstand erkannten auch die Produzenten und ließen ihn seitdem in zwei weiteren Episoden und nun in Proving Ground zurückkehren. Zusätzlich durfte er sich in der ersten Staffel noch in einer Art Franchise-Hommage an einem weiteren Ferengi versuchen und porträtierte den etwas zurückgebliebenen Krem mit einer Leichtigkeit, dass eine Verwechslung mit Brunt völlig ausgeschlossen war. Sechs Charaktere in zehn Jahren, davon drei Wiederkehrende mit unzähligen Auftritten. Das ist Jeffrey Combs und einer der Hauptgründe, warum auch dieses neue Abenteuer so blendend funktioniert.
Aber das ist natürlich nicht alles, was die Episode gelingen lässt.
Da gibt es noch mehr zu sehen
Alleine schon die Tatsache, dass die schwelende Andorianer-Thematik innerhalb des Xindi-Arcs behandelt wird, macht Freude. So sind die blauhäutigen Antennenträger doch definitiv die interessantesten Außerirdischen seit Langem.
Hierbei kommt es auch zu einigen gehaltvollen Szenen, in denen sowohl Shrans Assistentin Talas ihre reine Freude an Reeds kleinkariertem Verhalten zeigen darf (mal wieder großartig: Dominic Keating) und auch Shran selbst sich mit T'Pol und Archer über Vertrauen, Allianzen, Respekt und Moral austauschen darf. Besonders gelungen ist hierbei das gemütliche Beisammensein zwischen Archer und Shran, das eindeutig erste Vorzeichen für die nahende Föderation enthält. Die Anspielungen auf bisherige Begegnungen (besonders in „Cease Fire“) sind dabei natürlich willkommen.
Ebenfalls großartig, weil emotional von Grund auf ehrlich, kommt eine Szene zwischen Shran und Trip daher. Der Austausch über verlorene Familienmitglieder ist Trek pur und greift endlich einmal wieder Trips Situation auf. Leider wurde hier in den bisherigen Episoden viel Potential verschenkt, so dass man sich fragen kann, wieso der sympathische Ingenieur von seinem ursprünglichen puren Hass zu einem nun tieferen Verständnis für den Sinn der Mission gefunden hat. Hier nimmt Black eine Entwicklung mit dem Holzhammer vor, die aber durch das phantastische Spiel beider Mimen nicht sinnlos verpufft.

An diesen Beispielen zeigt sich eindeutig, warum Combs Anteil am Gelingen nicht zu unterschätzen ist. Sollen Szenen wirklich berühren, müssen auch die schauspielerischen Möglichkeiten seitens der Protagonisten vorhanden sein. Da zudem Shran ein äußerst detailliert gezeichneter Charakter geworden ist, beinhaltet die Episode auf dieser Ebene alles, was notwendig ist, um einen Eindruck beim Zuschauer zu hinterlassen.
Seine beste Szene ist sicherlich der Versuch, Degra davon zu überzeugen, er sei ein Händler des Andorianischen Minen-Konsortiums, der auf der Suche nach Archerite ist, einem sehr seltenen Stoff. Combs spielt diese Szene fast wie eine Hommage an Brunt, vollkommen überzeichnet, mit einem enormen Schuss Comedy-Relief und vollkommen out of character. Ganz groß!
Sicherlich kann man darüber streiten, ob es richtig war, Shran am Ende gegen die Crew arbeiten zu lassen. Sein finales Engagement in Form der Übermittlung (wobei ich vollkommen sicher bin, dass er die Daten gesendet hat) einmal mit einbezogen, zeichnet sich hier natürlich dennoch ein eher zwiespältiges Bild. Genau das ist aber der Schlüssel zu echtem Drama: Konfliktbeladene, innerlich zerrissene aber durchaus lernfähige Figuren mit eigenen Vorstellungen und äußeren Einflüssen, die sie nicht immer kontrollieren können - das ist starke Charakterzeichnung, das macht Lust auf mehr.
Auf jeden Fall kann eines nach dieser Episode gesagt werden: Sowohl Andorianer als auch Vulkanier haben allen Grund sich gegenseitig zu misstrauen. Dass beide Seiten später mit den Menschen und vielen anderen zusammen die Föderation bilden werden, kann man dabei natürlich immer im Hinterkopf behalten. Es ist fraglos interessant mit anzusehen, wie sich die Gründungsmitglieder in diesem Stadium verhalten, entwickeln und sich zunehmend aufeinander zu bewegen. Die Autoren nutzen also entgegen vieler Vorurteile den Xindi-Arc durchaus auch, um Motive der ersten beiden Staffeln voranzutreiben: Und das ist gut so!

Der Rezensent stellt mal wieder unbequeme Fragen
Nicht vergessen sollte man natürlich den zentralen Plot der Episode: Die Tests am Prototyp der Xindi-Superwaffe. Mir erschien es ja bisher nie sehr logisch, dass die Xindi überhaupt eine Art „Warnung“ in Form der ersten Waffe losgeschickt hatten und so die Menschen geradezu zwangen, ihr Territorium aufzusuchen. Wenn man nun noch sieht, dass sie aktuell wieder dabei sind, einen Prototyp zu testen, fragt man sich doch willkürlich: Was zur Hölle ist da los? Ist Degra schlicht inkompetent? Haben die Xindi noch nie etwas von Kriegsführung gehört?
Mein Versuch (und nein, es sollte nicht meine Aufgabe sein müssen) das Ganze irgendwie sinnvoll darzustellen lautet folgendermaßen: Die Xindi haben durch die Sphere-Builder von den falschen Fakten über die zukünftigen Taten der Menschen erfahren (also über die Zerstörung der späteren, neuen Xindi-Heimatwelt, die aktuell ja nur angedacht ist). Sie erhalten zu wenige Informationen, um sofort eine passende Waffe planen oder gar bauen zu können. Da sie auch nicht die nötigen Ressourcen besitzen, entwickeln sie auf der Basis der ihnen bekannten Fakten die erste Waffe, um auszutesten, ob es auf diese Art funktionieren würde. Ob das sinnvoll ist oder nicht lasse ich mal dahingestellt. Auf jeden Fall sehen sie den Erfolg und beginnen, den Prototyp der Superwaffe zu bauen, der hier getestet wird.
Nebenbei entwickeln sie auf Azati Prime scheinbar schon die endgültige Fassung - vermutlich nur ohne die finale Abstimmung. Warum die Sphere-Builder allerdings heimlich den Xindi-Reptilians erlaubt haben, eine Biowaffe als Notplan in der Vergangenheit zu basteln, anstatt gleich die ganze Aktion in die Vergangenheit zu verlegen um die Gegenwehr zu minimieren, werden wir wohl nie erfahren - es ergibt einfach keinen Sinn. Warum die Xindi zudem selbst diesen eher umständlichen Weg gehen, ob sie vielleicht einfach nur sicher sein wollen oder ob sie sich schlicht dumm anstellen, mag jeder selber entscheiden. Meine zusammengereimte Erklärung reicht mir allerdings für den Moment, wenn ich auch einige dieser Entwicklungen gerne erlebt und die eine oder andere Antwort gerne erhalten hätte.
Was die technische Seite angeht, bleiben keinerlei Wünsche offen. Das Test-Gebiet sieht fantastisch und farbenfroh aus, die Waffeneffekte ebenso. Musikalisch geht es auf gutem Niveau zu, wobei es Neuling John Frizzell durchaus schafft, Bekanntes mit Innovativem zu vereinen - sicher nicht so spektakulär wie ein Brian Tyler bei seinen ersten beiden Versuchen in Canamar oder Regeneration, aber durchaus brauchbar.
Proving Ground ist Arc pur. Doch im Gegensatz zu Chosen Realm spielt Chris Black hier nicht mit einer klischeetriefenden Situation, sondern konzentriert sich auf die Stärken der Serie: Charaktere und Kontinuität. Mit dieser Mischung gelingt ihm der zweite richtig gute und reine Arc-Beitrag. Das größte Lob gebührt jedoch natürlich - und damit endet meine Kritik, wie sie begonnen hat - dem jederzeit herzlich willkommenen Jeffrey Combs.

Gib dem Kind einen Namen
Ein Titel der fast schon Meta-Ebene schreit. Neben dem Testgebiet für die Xindi, in dem die Qualität der Waffe bewiesen werden soll, beweist Chris Black anhand seines Drehbuchs eben auch, was die Serie in Sachen Arc leisten kann. Nicht unbedingt so gemeint, aber dennoch zum Schmunzeln gut.
Die deutsche Übersetzung gibt keinen Anlass zu Kritik, wenngleich die Doppeldeutigkeit des Wortes „to prove“ hier natürlich rausfällt.
Fazit
Unter Mitwirkung des grandiosen Jeffrey Combs kommt der „Season-Arc“ wieder auf die Spur. Autor Chris Black setzt seine Trümpfe gezielt ein und verknüpft Elemente der ersten und zweiten Staffel mit dem groben Setup der Serie und der immanenten Bedrohung durch die Xindi. Proving Ground ist eines der geschicktesten Beispiele, wie Kontinuität und Spannung ausgebaut und präsentiert werden müssen. Für die Zukunft der Staffel gilt: So und nicht anders bitte!
Morgen starten wir im Review-Countdown in die sechsten Plätze. Los geht's mit dem wohl bedeutendsten Gegenspieler der Serie.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 23. Januar 2016(Star Trek: Enterprise 3x13)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?