Star Trek: Enterprise 3x10

Star Trek: Enterprise 3x10

Wenn eine Episode ein schwieriges Thema aufgreift und handwerklich kompetent umsetzt, kann doch eigentlich kaum etwas schiefgehen. Leider doch. Denn wenn die Prämisse so fehlgeleitet ist, dass es dem Rezensenten die Gesichtsfarbe raubt, muss die Frage erlaubt sein: Was sollte Star Trek sein?

Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Similitude“. / (c) Paramount
Offizielles Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Similitude“. / (c) Paramount

Was erwartet uns?

Während Trip nach einem Unfall auf der Krankenstation um sein Leben kämpft, erschafft Phlox, aus der Not einen passenden Organspender finden zu müssen, durch eines seiner exotischen Tiere einen mimetischen Klon des Ingenieurs. Dieser hat jedoch nur 15 Tage zu leben, stellt unbequeme Fragen über seine Existenz und möchte zuerst nicht als Ersatzteillager missbraucht werden…

Dies & das

  • Manny Coto war Schöpfer und Produzent der kurzlebigen Serie Odyssey 5 - er gibt hier sein Autoren-Debüt in Sachen Trek.
  • LeVar Burton nimmt erneut auf dem Regiestuhl Platz.
  • Adam Taylor Gordon spielte den jungen Trip bereits in der Traumsequenz aus The Xindi - ein gelungener Schachzug und eine sehr gute Wahl.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Similitude%26ldquo;. © Paramount
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Durchaus gute Gedanken

Symbionts are living, conscious entities. We'll be growing a sentient being for the sole purpose of harvesting its tissue. - I'm aware of the ethical implications. If we weren't in the Expanse maybe my decision would be different, but we've got to complete this mission. Earth needs Enterprise, Enterprise needs Trip. It's as simple as that.“ (T'Pol und Archer)

… so I'm just some kind of copy of him? - You're more than that, Sim. You have Trip's memories, but you also have your own memories, the ones you're making here on Enterprise.“ (Sim und Archer)

Do these memories just come to you? - Well, the older I get, the more I remember. It's like I've lived this whole other life. Can't explain it. - I can't imagine it.“ (Reed und Sim)

Was there ever anything between you and Trip? - If you're referring to a romantic relationship, no. - The reason I ask is, well, you're all I think about, if you know what I mean. And I'm not talking about an adolescent crush, that was, well, that was 2 days ago. This is much more serious, the way I feel about you. What's driving me crazy is that I don't know if these feelings are mine, or his. - I can't answer that.“ (Sim und T´Pol)

I have his memories, I have his feelings, I have his body. How am I not Trip? - Commander Tucker is lying in Sickbay. - Then what am I? Just something you grew in a lab? Does that make it easier for you to condemn me to death?“ (Sim und Archer)

I'll take whatever step's necessary to save him. - Even if it means killing me? - Even if it means killing you. - You're not a murderer. - Don't make me one.“ (Acher und Sim)

Neue Männer braucht das Land

Manny Coto, Schöpfer der kurzlebigen Serie Odyssey 5 lieferte mit Similitude sein Enterprise-Debüt als Autor ab.

Bereits während der letzten Staffel hatte das Aufnehmen eines relativ bekannten Autoren, namentlich John Shiban, für hoffnungsfrohe Erleichterung bei einigen (teilweise doch arg) frustrierten Fans gesorgt. Letztlich konnte dieser seinen Vorschusslorbeeren jedoch nie gerecht werden und verschwand nach nur einem Jahr und einer Reihe durchschnittlicher Episoden wieder in der Versenkung.

Wie würde es nun also Coto ergehen?

Der Neue entschied sich bei seinem Erstling für eine Stand-Alone-Episode, die den Arc der Staffel zwar nur am Rande berührt, aber ohne ihn nicht denkbar wäre. Nur die Extremsituation, genauer die Mission der Crew machen die gezeigten Handlungen möglich.

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Klau, schau, wem

Erneut gelingt es der Serie, einen starken Teaser vor dem Vorspann zu platzieren. Trip ist scheinbar tot - seine Freunde und Kollegen nehmen Abschied. Doch die Frage, warum und vor allem ob Trip sterben wird, stellt sich natürlich nie. Zum Glück versucht Coto auch gar nicht, der Episode diese Richtung zu geben.

Aufhänger des Dramas ist ein Antriebstest, der bei der Mission hilfreich sein könnte. Durch das Scheitern von Trips Kalkulationen fällt dieser nicht nur in eine Art Koma, sondern lässt die Enterprise auch ohne Antrieb in einer purpurnen Wolke stranden. Ausreichend Zeit also, den Mikrokosmos Schiff und Besatzung in Ruhe und doch unter latentem Druck zu beleuchten.

Diese häufig angewandte Symbiose aus oft blutleerer Action-Handlung und tiefgründiger Charakterisierung verpufft in vielen Fällen auf Grund der Episodenhaftigkeit der einzelnen Versatzstücke. Hier jedoch gelingt es Coto und Regisseur Burton die beiden Elemente zu verknüpfen und sich gegenseitig unterstützen zu lassen.

Absolute Priorität besitzt aber eindeutig die Handlung um Sim, den Klon von Trip. Hierbei kommt das Thema des Klonens auch etwas besser zum Tragen, als im dreimal so lang geratenen letzten Leinwandausflug der Picard-Crew. Was dort nur Mittel zum Zweck war und in den Untiefen der Materialschlachten abtauchte, wird hier zumindest durch diverse äußere Faktoren zum Leben erweckt.

Da ist zum einen das rein technisch gesehen griffige Drehbuch von Manny Coto. Der Neuling beweist nicht nur in dieser Disziplin durchaus sein Können, sondern baut zudem noch viele liebenswerte Querverweise auf frühere Episoden ein (Sims Anspielung auf Shuttlepod One, Archers Schiffsmodell aus Broken Bow, die Cochrane-Statue in Archers Quartier). Hier wirkt sich scheinbar seine gute Vorbereitung aus - er ist in der Materie angekommen und setzt sie um.

Ein Lob geht aber auch an die Schar von Darstellern. Hoshi und Travis erhalten zwar kaum Beteiligung, aber davon möchte ich diese Woche einmal absehen. Immerhin ist der Grinsebär des Schiffes präsenter als die Wochen zuvor.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Similitude%26ldquo;. © Paramount
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Was jedoch Billingsley, Trinneer, Blalock und Bakula diesmal vorzuweisen haben, kann man durchaus als gehobenes Niveau bezeichnen. Die vier erwecken eine offene Emotionalität, die mitreißt. Man denke an den Austausch zwischen Sim und Phlox („You'd make an excellent father. - „And you an excellent son.“) oder die Konfrontation zwischen Archer und Sim über dessen Leben (“… I'll take whatever step's necessary to save him.” - “Even if it means killing me?” - “Even if it means killing you.” - “You're not a murderer.” -  “Don't make me one.”). Die brodelnde Wut in Archer, die Zerrissenheit seiner Figur wird physisch spürbar - eine starke Leistung des oft unterforderten Bakula.

Außerdem gelingt es Coto nach langer Zeit einmal wieder die völlige Andersartigkeit des Doktors an Bord des Menschenschiffes herauszustellen. Man achte auf die Begeisterung, die kindlich-naive Faszination mit der Phlox dem neuen Lebewesen begegnet. Die Sorge und Trauer der Crew und besonders von Archer tangieren ihn scheinbar nur am Rande - sein Enthusiasmus für diese medizinische Großtat überragt alles und er genießt nicht nur seine eigene Leistung, sondern auch das Gefühl, wieder ein Vater zu sein. Hier zeichnet Coto einen brutalen Kotrast zwischen der Ernsthaftigkeit der Mission und Situation und der vollkommen anders gearteten Werteebene des Doktors. Hier hätte es einen starken Anführer gebraucht, den Arzt in seinem Enthusiasmus zu stoppen.

Klingt, als käme nun die Kritik

Schon bei Cogenitor hatte Burton es mit einem Drehbuch zu tun, das mit relativ großen Sprüngen operierte - auch dort gelang es ihm, eine gewissen Harmonie zu erschaffen, bei der sich die Lücken nicht negativ auswirkten. Und obwohl es einen zweiwöchigen Zeitraum zu überbrücken gilt, wirken die Überblendungen selten störend oder deplatziert.

Besonders die ersten Schritte des Neugeborenen, unterlegt mit Kommentaren von Dr. Phlox, gewinnen durch besondere Kamerafahrten eine ganz eigene Dynamik. Hier zeigt Burton sein Können am Deutlichsten. Zwar kann man mit Fug und Recht behaupten, dass einige Zwischenschritte der Handlung sicher gut getan hätten, dafür ist die Episode allerdings zu fokussiert und verliert auch nie Zeit mit unwichtigen Füllszenen.

Inhaltlich gesehen erinnert die Episode natürlich an Tuvix - die Ähnlichkeiten sind sogar überdeutlich, wenn der man der Episode etwas Negatives unterstellen möchte.

Doch könnte man über diesen Ideenklau hinwegsehen, wenn der Rest ein stimmiges Bild ergeben würde. Aber zu einer gelungenen Episode gehört neben der Verpackung eben auch der Inhalt.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Similitude%26ldquo;. © Paramount
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Archer, der schon oft durch eine schier hanebüchene Cowboy-Mentalität und wechselnde Prinzipien auffällig geworden ist, scheint (mal wieder) zu allem entschlossen zu sein. Er lässt einen Klon als Ersatzteillager für Trip erschaffen und ist offenbar bereit, diesen Plan auch bis zum Ende durchzuziehen. Nach viel Hin und Her nimmt Sim ihm die finale Entscheidung über sein Schicksal jedoch dankenswerter Weise ab. Ein durchaus feiges Hintertürchen der Autoren, das zeigt, warum es schon bei Tuvix so schwierig war, ein gelungenes Ende für die Episode zu finden. Dort brachten die Produzenten alle Figuren in eine vollkommen starre und ausweglose Situation. Das mag an einigen Stellen gutes Drama hergegeben haben, konnte zum Schluss jedoch nur verärgern, als Janeway selbstherrlich gegen alle ihre Führungsoffiziere und speziell den Willen von Tuvix entschied, alles rückgängig zu machen. Cotos Lösung ist zwar im Vergleich definitiv die Bessere, aber eben auch nur, solange man das Ganze nicht weiterdenkt.

Was hätte Archer denn in letzter Instanz getan? Meine Vermutung ist, dass er seine harte Linie durchgezogen hätte. Exakt wie Janeway. Nur, dass er hier noch obendrauf für die Erschaffung dieser Lebensform die Verantwortung trug. Gott spielen im ganz, ganz großen Stil. Selbstreflexion? Fehlanzeige. Moral? Fehlanzeige.

Und wofür? Weil man auf dieser wichtigen Mission den Chefingenieur einfach braucht? Weil niemand an Bord kompetent genug ist, seinen Job zu erledigen? Weil der Zweck eben immer die Mittel heiligt? Weil es egal ist, wie viel wir von unserer Identität aufgeben, solange wir am Ende nur überleben?

Die Episode stellt hier durchaus komplexe und interessante Fragen - gibt meiner Ansicht nach aber leider in jeder Hinsicht die falschen Antworten. Archer und alle anderen sind hier auf dem Holzweg und führen ihre eigenen Werte (und die Werte von Star Trek) ad absurdum. Wenn es das ist, was die Xindi-Bedrohung aus uns Menschen macht, gehören wir eventuell schlicht und ergreifend ausgelöscht. Wenn man sich vor Augen führt, wieviel differenzierter ein moralisches Dilemma zum Beispiel in In the Pale Moonlight beleuchtet wurde - es ist zum Heulen.

Die Frage nach der Moral des Klonens an sich wird dennoch zu großen Teilen dem Zuschauer überlassen. Obwohl ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die Autoren ihre und Archers Sache im Kern für gerecht und gerechtfertigt erachtet haben. Eine erschreckende Vermutung.

Was dank der Episode aber zumindest deutlich wird: Star Trek: Enterprise war auch nach vierzig Jahren Franchise immer noch eine Serie über Menschen, Emotionen, Schicksale, Problembewältigung, Lebenshilfe und das Reflektieren gesellschaftlicher und sozialer Themen. Der Mut der Produzenten, diesem Pfad noch regelmäßig zu folgen, ist absolut erfreulich. Ihren Umgang mit diesem speziellen Thema und ihren Charakteren darf man aber gerne und nachdrücklich anzweifeln.

Offizielles Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Similitude%26ldquo;. © Paramount
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In kurzen Sätzen zusammengefasst: Coto macht nicht alles falsch. Er liefert sogar eine handwerklich starke Episode ab, die jedoch inhaltlich so oft falsch abbiegt, dass sie sich am Ende mit Fug und Recht auf dem Friedhof der traurigsten Trek-Momente wiederfindet. Der schönste Kuchen der Welt nützt eben leider nichts, wenn er schon auf zwei Meter Entfernung stinkt und obendrein furchtbar schmeckt.

Gib dem Kind einen Namen

Der Begriff „Similitude“ stammt aus der Physik und macht, je genauer man sich in die Theorie einliest, zunehmend weniger Sinn im Kontext mit dieser Episode. „Klingt gut und wichtig“ hat hier eventuell als Argument gereicht. Vielleicht habe ich Physik in meiner Schulzeit aber auch einfach zu früh abgegeben. Im Deutschen entschied man sich für den Begriff „Ebenbild“ und traf damit dann was mich angeht eher ins Schwarze.

Fazit

Nach Twilight ist Similitude oberflächlich betrachtet eine weitere abgehobene Konzeptepisode, die mit den Motiven der Charaktere, ihren Emotionen und sogar dem Arc der Staffel spielt. Mit schonungsloser Offenheit werden Einblicke auf die intimsten Schichten einiger Charaktere gewährt und zeichnen dabei durchaus ein zwiespältiges Bild von deren Wertesytemen. Die Serie gewinnt letztlich somit zwar an Dimension und der Arc an Dramatik, die Charaktere - besonders Archer - verlieren jedoch auch in gleichem Ausmaß an Sympathiepunkten und lassen uns ob ihrer Motive und Überzeugungen ratlos zurück. Ob das am Ende wirklich noch gutes Star Trek ist?

Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 29. November 2015
Episode
Staffel 3, Episode 10
(Star Trek: Enterprise 3x10)
Deutscher Titel der Episode
Ebenbild
Titel der Episode im Original
Similitude
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 19. November 2003 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 9. Januar 2005
Autor
Manny Coto
Regisseur
LeVar Burton

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x10

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?