Star Trek: Enterprise 3x09

Was erwartet uns?
Mitten auf ihrer Mission durch die Delphic Expanse entdeckt die Crew der Enterprise einen Planeten, auf dem Nachfahren von Menschen leben, die im 19. Jahrhundert von einer fremden Spezies entführt und versklavt wurden. Archer und seine Leute begeben sich getarnt auf die Oberfläche und erleben ein Wild-West-Holoabenteuer ganz ohne Holodeck…
Dies & das
- Hier kommen mal wieder Standard-Western-Kulissen zum Einsatz - man konnte sie zum Beispiel auch in der Episode A Fistful of Datas sehen.
- Das Konzept der Parallel-Erde, welches wir auch häufig in den Classics sehen durften, diente hier erneut als Inspiration.
- Die Menschen scheinen um 1800 von den sogenannten Skagarans von der Erde entführt worden zu sein und haben im Verlauf der folgenden drei Jahrhunderte den Planeten übernommen und ihre Entführer zu Wesen zweiter Klasse unterworfen.
- Autor Goodman war für das Teleplay des Offenbarungseides Precious Cargo verantwortlich, aber auch für die tolle Episode Judgment. Hier zeigt er deutlich, dass gleichmäßiges Niveau eher nicht zu seinen Stärken zu zählen ist.
- Regisseur Straiton hat mit A Night in Sickbay sein Talent fürs Skurrile bewiesen, mit Anomaly und Cease Fire seine Fähigkeiten im Bereich Action und Spanung und mit Desert Crossing seinen Umgang mit Location-Shoots. Letzteres kommt ihm hier definitiv zu Gute. Dennoch konnte er über das schwache Drehbuch diesmal nicht hinauswachsen. Schade, aber sicher nicht sein Fehler.
- Glenn Morshower dürfte vielen aus der Serie 24 bekannt sein. Er ist aber darüber hinaus ein vielbeschäftigter Mime in TV & Kino.

Blabla
„Do you have any experience riding these animals? - I've seen every John Ford western. - Who?“ (T'Pol und Trip)
„Excuse me. Do you think I could get some more coffee before you shoot him?“ (Archer)
„You must think we're barbaric. All the things Humanity's accomplished - building ships like this, traveling to other worlds - and we're still down there shooting each other. - The progress on Earth, it didn't happen overnight.“ (Bethany und Archer)
Achtung: Diese Rezension ist vorbei, bevor sie richtig begonnen hat
Wie heißt noch gleich das Gegenteil von nötig? Richtig: unnötig.
North Star ist nach Extinction und Exile nun bereits der dritte große Einbruch in nur neun Episoden. Gerade nach zuletzt zwei Gewinnern in Serie ist das natürlich mehr als ärgerlich. Die Serie kann somit erneut das Momentum nicht nutzen, um den Arc auf Kurs zu bringen und zu halten.
Uns wird ein vollkommen losgelöstes Einzelabenteuer präsentiert, das mit der großen Rahmenhandlung der Staffel rein gar nichts zu tun hat und in seiner Willkür an Terra Nova erinnert. Wie damals setzt die Handlung mitten in der Situation ein und zeigt die Crew bei einem Abstecher in eine Western-Stadt, die sich als ehemaliges Sklavenlager einer fremden Spezies entpuppt.

So so. Es wurden also vor langer Zeit Menschen von der Erde entführt um zu arbeiten - diese übernahmen dann schließlich die Kolonie und die Außerirdischen wurden unterworfen. Und dann? Kam niemand des fremden Volkes auf die Idee, mal vorbeizuschauen und die Situation zu bereinigen?
Egal. David Goodman hat es sich leicht gemacht und versucht keine der durchaus interessanten - und möglichen - Fragen zu beantworten. Er erzählt ausschließlich eine langatmige Abhandlung über Vorurteile, moralische Denkspielchen und verpackt das Ganze in eine optisch und musikalisch ansprechende Hülle. Mehr ist nicht zu holen. Gar nichts.
Positive Erwähnung gebührt ausschließlich Komponist Jay Chattaway, der einen schön-stimmungsvollen Western-Score mit typischen „Trek“-Elementen mischt und somit die Optik perfekt untermalt. Diese Optik wird zudem durch die stimmige Regie des inzwischen unverzichtbaren David Straiton ermöglicht. Mit einer überstrahlten Ausleuchtung und den, zwar altbekannten aber dennoch überzeugenden Kulissen, erreicht er durchaus hohes Flair.
Schauspielerisch gibt es nichts Bemerkenswertes. Alle Beteiligten spielen routiniert mit der Situation, wirken aber dennoch verloren zwischen den durchweg hölzernen Dialogen und vielen, vielen platten Szenen.
Am Ende lässt man die armen Menschen in dem Wissen zurück, ihnen später helfen zu wollen. Die Krise zwischen den Völkern ist ja vorerst bereinigt, alle sind glücklich und die eigentliche Mission kann weitergehen.
Es bleibt die Frage: Wer braucht sowas?

Gib dem Kind einen Namen
Ob nun „North Star“ oder „Faustrecht“, „Fear the walking skags“ oder „Komm hol dein Lasso raus“ - an der Front des Episodentitels war hier leider auch nichts mehr zu retten.
Fazit
Langsam habe ich den Eindruck, mich zu wiederholen. Ausflüge innerhalb eines Arcs abseits der Rahmenstory können durchaus funktionieren, wenn der Inhalt irgendwie bedeutend, die Umsetzung anregend oder auch andere Rahmenbedingungen stimmig sind.
North Star macht aus einem ausgelutschten Thema eine ausgelutschte Baukasten-Geschichte mit vorhersehbaren Ereignissen und keinerlei Tiefgang, die niemand innerhalb der Gesamtstory benötigt hätte und auch später in der Serie nie wieder aufgegriffen wurde.
Dank großartiger Optik und einem wundervollen Score bleibt uns immerhin eine zum Dösen einladende Dreiviertelstunde mit Flair, einer Prise Humor und drei, vier guten Dialogzeilen: Ware von der Stange.
Weiter geht es das nächste Mal mit einem Klon für Trip und vielen Debatten über Recht und Unrecht.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 28. November 2015(Star Trek: Enterprise 3x09)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?