Star Trek: Enterprise 3x07

Was erwartet uns?
Die Crew erreicht den von Tarquin benannten Planeten, auf dem eine Gruppe von Xindi-Faultieren Teile für die finale Waffe der Xindi produzieren sollen - Captain Joanthan Archer ist fest entschlossen, die Anlage zu zerstören, muss jedoch herausfinden, dass diese Splittergruppe der Xindi vielleicht gar nichts mit den Aggressionen gegen die Menschheit zu tun hat...
Dies & das
Nicht alle Xindi-Fraktionen wissen offenbar, dass eine Waffe zur Zerstörung der Erde gebaut wird.
Ein Bürgerkrieg auf der Xindi-Heimatwelt zerstörte den Planeten - verantwortlich waren die Insekten und die Reptilien.
Einst gab es noch eine sechste Xindi-Rasse. Doch die Vogelrasse wurde durch den Bürgerkrieg ausgelöscht.
Die Reptilien mögen die Faultiere nicht - sie halten sie für lethargisch.
Major Hayes, Kopf der MACOs und von Steven Culp verkörpert, erhält hier seinen zweiten Auftritt.
Außerdem sehen wir den Xindi-Humanoiden Degra (Randy Oglesby) nach The Xindi und Raijin erneut wieder.
In the face of the enemy
“Congratulations, Sir. Three months ago we entered the Expanse with no idea who these Xindi were, or how to find them, and now we're about to destroy one of their weapons facilities.” - “By destroying this complex, we'll be confirming their worst fears about humanity.” - “Let's not forget the seven million people who were killed.” (Reed schleimt, Archer menschelt und muss sich dann von Reed auch noch eine Lektion anhören)
“I'm proud of my craft, captain. I've practiced it for many years. I won't let my work be corrupted in this way. Seven million people. If I'd chosen my clients more carefully, that tragedy might not have happened. I don't intend to let it happen again.” (Gralik)
“If everything you've told me is true of the attack on your world, then I hope you remember that not all Xindi are your enemy.” (Gralik)
Raus aus dem Mittelmaß
Was habe ich nicht über die letzte Episode wieder geschimpft - über verschludertes Potential, eine langweilige und völlig uninspirierte Handlung, die wieder einmal nichts zu gar nichts beitragen konnte, außer dem Arc in letzter Minute ein entscheidendes Stichwort zu geben. Nun ist wieder alles ganz anders.
Autor Chris Black, der bisher mit seinen Episoden noch nie enttäuschte und sogar für Glanzlichter wie Singularity und Cease Fire verantwortlich zeichnete, hat in Kooperation mit Neuling Brent V. Friedman eine stimmige Episode erdacht, die sich nicht von einer befremdlich öden Hauptnebenirgendwasgeschichte vom eigentlichen Ziel ablenken lässt sondern stattdessen genau das macht, was nach Anomaly überfällig war: Eine reine Arc-Episode zu präsentieren, die auf organische Art und Weise wichtige Informationen mit einer straffen Handlungsführung, starken Effekten, überzeugenden Darstellerleistungen und wiederkehrenden Figuren kombiniert. That´s more like it!
Diese Art der Maßarbeit im Umgang mit bedeutenden Ereignissen der Mission muss zur Gewohnheit werden. Gegen Einzelepisoden ist dabei - wie schon oft erwähnt - natürlich nichts einzuwenden, sofern diese dann eine zumindest interessante, amüsante oder spannende, lieber aber noch intellektuell fordernde Handlung vorweisen können. Keinen Füllstoff eben.
The Shipment jedoch ist Xindi-Arc pur. Und das ist gut so! Wir sehen den Humanoiden Xindi Degra wieder, der scheinbar wirklich von einer immanenten Gefahr durch die Menschen überzeugt ist. Hier wird interessant zu sehen sein, wie es sich in diesem Zusammenhang mit dem Temporal Cold War verhält und wer den Xindi ihre ja offensichtlich falschen Informationen zukommen lässt.
Ebenfalls bekommen wir einen weiteren - und erneut ungleich negativeren - Eindruck eines Xindi-Reptils angeboten. Dass bei den Xindi somit definitiv die optisch sympathischsten Rassen auch wirklich ihrem Erscheinungsbild entsprechen und vis versa ist natürlich wenig subtil - man sollte aber eventuell darüber hinwegsehen. Subtil war bisher keine Stärke der Serie und gerade in der SF oder auch im Fantasy/Comic-Sektor sind klischeehafte visuelle Darstellungen nicht unüblich. Als dritte Rasse der Xindi lernen wir zudem endlich die charmanten Faultiere näher kennen. Ihr Vertreter Gralik, dessen Darsteller John Cothran in jeder Hinsicht überzeugen kann, rückt das Bild der bisher eher noch eindimensional bösen Gegenspieler der Season Trek-typisch ins rechte - und ausgewogenere - Licht. Nicht alle Xindi sind böse, nicht alle über die Waffe informiert und sicherlich wären auch nicht alle damit einverstanden, würde man ihre Meinung einholen.
Somit bereiten die Produzenten den Boden für möglicherweise sehr interessante Verwicklungen zwischen den einzelnen Xindi-Rassen mit der Crew der Enterprise in der Mitte. Dieses Potential kombiniert mit der Rahmenstory um den TCW könnte sich zu einem explosiven Gemisch verbinden, das - präsentiert wie in hier - dann auch funktionieren könnte.
Natürlich leben emotionale Episoden aber auch immer von den beteiligten Personen. Degra und sein Reptil-Freund bilden dabei das instabile Element der Gefahr, ohne dass die beiden Darsteller besonders glänzen könnten. Sie funktionieren - und das ist hier völlig ausreichend. Gralik hingegen ist dafür ein fassbarer, realistischer und glaubwürdiger Charakter, der einen perfekten Aufhänger für diverse starke Dialogszenen mit Archer Scott Bakula bietet.
Ein Kompliment gebührt dabei erneut jenem oft auch von mir kritisierten Bakula, dessen Captain Archer - wie auch in Anomaly - hart an der Grenze des Nervenzusammenbruchs zu stehen scheint. Er ist angespannt, ungeduldig, kann aber trotzdem noch unter Druck schwierige Entscheidungen treffen und sich auf seinen Instinkt verlassen. Archer ist trotz seiner oft sehr diskutablen Entscheidungen durchaus ein Leader geworden - es hat ein bisschen gedauert, aber der langsame Aufbau der Figur hat doch noch zu einer akzeptablen und facettenreichen Figur geführt. Wenn jetzt noch die regelmäßigen Unebenheiten (die man leider auch in den letzten Episoden immer wieder erleben durfte) endlich aufhören oder zumindest überzeugender gerechtfertigt werden, gäbe es auch hier weniger Angriffsfläche.
In der Nebenhandlung bemühen sich Trip alias Connor Trinneer, Phlox alias John Billingsley und T´Pol alias Jolene Blalock um die Erforschung einer Xindi-Waffe, die scheinbar organische Bestandteile besitzt.
Dieser - erneut erfolglose - Versuch, die fortschrittliche Technik zu verstehen, setzt die mögliche technische Übermacht der Xindi in den richtigen Kontext. Außerdem bietet sich die seltene und erfreuliche Gelegenheit, die Charaktere Trip und Phlox zu kombinieren - eine gute Idee, wie sich hier zeigt.
Das Drumherum
Was die technische Seite angeht, haben wir es ein weiteres Mal mit einer Referenz im Genre zum Zeitpunkt der Ausstrahlung zu tun. Die CGIs sind wunderschön, die Masken einfallsreich und technisch perfekt, die Kulissen überzeugend und stimmungsvoll. Auch heute, fast 15 Jahre später, bereit die Serie noch ein großes Vergnügen.
Zu bemerken ist in diesem Zusammenhang auch noch die großformatige Präsentation, die vom Flair und den idyllischen Planeten-Effekten sicherlich nicht zufällig an die Star Wars-Reihe erinnert. Hier wird endlich mal wieder geklotzt. Einzig der immer gleiche Paramount-Blätterwald entlockte mir aus Gewohnheit ein leises Grummeln. Aber Schwamm drüber.
Hinzu kommt ein dynamischer, zurückhaltender und reduzierter Score, der zwar Längen hinter dem aus zum Beispiel Anomaly (Chattaways letzte Episode) zurückbleibt, aber dennoch erneut den Fortschritt in der Arbeit des altgedienten Komponisten zeigt.
Als Randnotiz sei noch gesagt, dass Steven Culp zu seinem zweiten Einsatz in der Rolle des MACO-Majors Hayes kommt, dessen Szenen sich jedoch auf das Nötigste reduzieren und ihm nicht wirklich zu weiterer Kontur verhelfen. Jeder andere seiner Truppe oder auch der farbige Steuermann der Enterprise, dessen Name mir langsam zu entfallen droht (...), hätten diesen Part ebenso gut ausfüllen können. Ein kleines Minus am Rande.
Dennoch: The Shipment ist der zweite Gewinner der Season. So und nicht anders muss der Arc behandelt werden.
Gib dem Kind einen Namen
Worum geht es heute nochmal? Ach ja, richtig. Um eine Ladung. Soso. Hier vielleicht mal im Titel auf die gesellschaftlichen Implikationen für die Xindi-Fraktionen einzugehen oder die langsam fruchtenden Bemühungen der Enterprise-Crew einzufangen… zu viel verlangt. Butter steht drauf, Butter ist drin. Deutsch macht mit - fertig.
Fazit
Heureka! Mit The Shipment beweist das Team nach einer Durststrecke, dass es doch mit dem Arc umzugehen weiß. Die üblichen technischen Stärken erhalten geschliffene Dialoge, gute Charakterisierungen und eine sinn- und stilvolle Fortführung der Story an die Hand - und schwupp - schon klappt es auch spielend mit einer überdurchschnittlichen Episode. Mehr bitte!
Verfasser: Björn Sülter am Sonntag, 1. November 2015(Star Trek: Enterprise 3x07)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?