Star Trek: Enterprise 3x06

Star Trek: Enterprise 3x06

Aufgemerkt: Hoshi spielt einen wohlbekannten Disney-Klassiker nach während Captain Justice & sein Attaché mit einem Shuttle Flummi spielen. Konnte nur schiefgehen? Ist es auch.

Star Trek: Enterprise: Exile / (c) UPN
Star Trek: Enterprise: Exile / (c) UPN

Was erwartet uns?

Die Besatzung der Enterprise erhält ungewollt telepathischen Besuch: Ein mächtiger, aber sehr einsamer Telepath namens Tarquin bietet an, der Crew bei der Suche nach den Xindi zu helfen, wenn Hoshi ihm in seinem Schloss für eine Weile Gesellschaft leistet. Diese willigt ein. Die restliche Crew untersucht währenddessen eine weitere Sphäre…

Habt Ihr schon über Eure Lieblingsepisoden abgestimmt?

Dies & das

  • Hier handelt es sich um eine Art "Die Schöne und das Biest"-Story für Hoshi Sato Linda Park und somit nach langer Zeit (Vanishing Point) mal wieder um eine nähere Beschäftigung mit der jungen Frau.
  • Für Autorin Phyllis Strong ist es die erste Arbeit, die sie für die Serie alleine beisteuerte - vorher war sie nur im Team mit Mike Sussman aktiv gewesen und zeichnete für einige der besten Episoden verantwortlich. Alleine gelingt ihr diesmal keine Offenbarung.
  • Regisseurin Roxann Dawson (besser bekannt als Chefingenieurin Torres von der Voyager) liefert ihre sechste Arbeit für die Serie. Nach drei großartigen Episoden zum Auftakt hatte sie mit Dawn etwas weniger, mit Bounty gar kein Glück bei der Zuteilung der Folgen. Und auch dieses Mal kann sie dem Mittelmaß nicht entfliehen.

Jeder hat so seine Probleme…

The captain's always a part of First Contact missions. Starfleet regulations…“ (Archer)

Sometimes I don't know what is worse: being alone or having to bury the people I've come to care about.“ (Tarquin)

The next time you invite someone for a visit, you might want to let them know you're looking for a lifelong companion.“ (Hoshi)

Why would someone want to create a web of crippling anomalies?“ (T'Pol)

Good Vibrations

Nachdem Mike Sussman mit Anomaly bereits bewiesen hatte, dass er auch ohne Phyllis Strong für starke Episoden verantwortlich zeichnen kann, versucht sich seine bisherige Autoren-Partnerin nun an ihrer ersten Solo-Episode. Unterstützt durch die eigentlich verlässliche Roxann Dawson auf dem Regiestuhl und den erfreulich frischen und fintenreichen Klängen des Komponisten Velton Ray Bunch konnte da doch eigentlich wenig schief gehen.

Star Trek: Enterprise: Exile © UPN
Star Trek: Enterprise: Exile © UPN

Könnte, hätte, wenn und aber

Leider gelingt es Strong jedoch nicht, die Krux der dritten Season zu umschiffen. Scheiterte bereits Extinction an einer viel zu schwachen Haupthandlung, die nur in unwesentlichen Punkten die Rahmenhandlung vorantrieb, sackt Exile sogar in die Untiefen der Belanglosigkeit ab, ohne dabei jedoch irgendjemandem wirklich weh zu tun.

Traurig ist das vor allem, wenn man bedenkt, wie selten Linda Park alias Hoshi Sato die Gelegenheit erhält, aus dem Schattendasein ihrer Rolle herauszutreten.

Eine Prise Disney schadet nie

Aufhänger der Abhandlung über Einsamkeit und die Suche nach Gesellschaft ist die leicht angestaubte "Die Schöne und das Biest"-Geschichte, zu der Phyllis Strong jedoch nichts, aber auch gar nichts Neues beizutragen weiß.

Der von Maury Sterling entnervend eindimensional verkörperte und unter Tonnen von mimik-hemmenden Latex begrabene Tarquin wohnt alleine auf seinem im ewigen Eis angesiedelten Gothic-Schloß, dessen Interieur wie aus dem IKEA-Plastik-Möbel-Katalog aussieht. Das wohl beabsichtigte urige und romantische Feeling kommt in den seltensten Fällen ausschließlich durch den erwähnt guten Score des Velton Ray Bunch zustande. Die Kulissen mögen teuer gewesen sein, besitzen jedoch nicht das geringste Flair.

Und auch Park kann in keiner Szene die notwendige Emotionalität aufbringen, die der Situation angemessen gewesen wäre. Im Vergleich zu der tollen Leistung von Kollegin Jolene Blalock in Impulse wirkt die sympathische Darstellerin der Hoshi Sato hier nur bemitleidenswert mittelmäßig. Schade.

Der Vorwurf geht hier jedoch erneut primär an Phyllis Strong, die scheinbar nicht in der Lage war, die nötigen Dialoge so zu straffen, dass die Kürze der Zeit ausgereicht hätte, irgendeinen Eindruck beim Zuschauer zu hinterlassen. Außerdem ist die Rolle der Hoshi innerhalb der Handlung schlicht zu passiv angelegt. Inhaltlich macht ihr Verhalten zwar Sinn, es leuchtet ihren Charakter aber leider kaum aus.

Dabei sind durchaus Ansätze vorhanden: Tarquin hält durch sein Eindringen in ihren Geist der schüchternen Linguistikerin einen Spiegel vor und zeigt ihre Isolation auf dieser Mission, auf dem Schiff, ja sogar im Kreise ihrer Crew auf. Hoshi ist offensichtlich noch immer nicht auf der Enterprise und im Weltall angekommen und kämpft weiterhin mit ihrer Rolle an Bord. Hätte man hier den Hebel deutlicher angesetzt, wäre eventuell eine brauchbare Fortsetzung zu den gezeigten Gefühlen aus Vanishing Point entstanden. So muss man die Chance jedoch als vergeben bezeichnen.

Zudem entsteht weder Gefahr noch Suspense - und von Gefühlsregungen beim Betrachter will ich erst gar nicht anfangen. Fehlanzeige.

Star Trek: Enterprise: Exile © UPN
Star Trek: Enterprise: Exile © UPN

Wer sich selber eine Grube gräbt

Erneut tappt das Autorenteam also in eine selbstgestellte Falle. Einen Arc wie diesen auszuführen, verlangt auf verschiedenen Ebenen ein hohes Maß an Präzision. Star Trek: Deep Space Nine verstand es (wie übrigens auch Babylon 5) überwiegend meisterhaft, völlig isolierte Einzelepisoden hoher Qualität mit stark Arc-basierten Highlights zu mischen und auf diese Weise ein homogenes Bild abzuliefern, dass beiden Seiten gerecht wurde. Das Team um die Produzenten Rick Berman & Brannon Braga versucht nun jedoch auf Krampf, in jeder Episode kleine Hinweise auf die Gesamtgeschichte einzubringen und diese in bestenfalls banale Stories zu betten, die im Falle von The Xindi, Extinction, Rajiin und nun Exile einfach nicht genug hergeben, um für sich alleine erinnerungswürdig zu sein.

Einzig Anomaly überzeugte bisher - hier wurde allerdings auch gänzlich auf eine Alibi-Story verzichtet und nur der Arc vorangetrieben. Und Impulse wählte genau den richtigen Weg eine (zwar einfach gestrickte) aber spannende und unterhaltsame Einzelepisode zu präsentieren. Zwei Treffer aus sechs Episoden. Das ist weniger als zu wenig.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Nebenhandlung um das Auffinden einer weiteren Sphäre ohne jeglichen Tiefgang abgehandelt wird. Die Szene mit Trip Connor Trinneer und Archer Scott Bakula und dem Flummi-Shuttle kann höchstens als amüsante Randnotiz gewertet werden. Hier wurde ebenfalls geschludert.

Was bleibt?

  • Es scheint mindestens fünfzig Sphären zu geben.
  • Irgendjemand könnte die Expanse künstlich erschaffen haben.
  • Die Crew hat nun die Koordinaten eines Planeten, auf dem Teile der Waffe gebaut werden.

Für diese Erkenntnisse, die keinerlei Bezug zur Tarquin-Geschichte besitzen, hätte ich mir keinen lauwarmen Aufguss einer vollbärtigen Story antun müssen. Wirklich nicht.

Ich kann die Episode allerdings trotz der genannten Schwächen nicht völlig disqualifizieren. Mittelmäßigkeit anzugreifen ist keine besonders angenehme Aufgabe. Im Vergleich mit Extinction ist hier sicherlich eine Steigerung vorhanden. Nur leider konnte sich die Serie zum damaligen Zeitpunkt dieses langsame Herantasten an eine ausgefeilte Form nicht leisten. Die Geduld vieler Zuschauer war bereits am Ende und Episoden wie diese brauchte niemand mehr, der bereits einen Großteil der Vorgängerserien hinter sich gelassen hatte.

Star Trek: Enterprise: Exile © UPN
Star Trek: Enterprise: Exile © UPN

Es ist für meinen Geschmack geradezu fahrlässig, diesen wirklich interessanten Xindi-Arc dermaßen blutleer abzuhandeln. Der rote Faden der Serie erscheint mir aktuell eher blassrosa.

An der Liebesfront

Ach ja - eines noch: Stutzig gemacht hat mich, dass erneut eine engere Verbindung zwischen Hoshi und Travis angedeutet wurde. Sollte hier vielleicht eine Romanze im Busch sein? Schon in Star Trek: Voyager verhalf dieser Kniff den chronisch unterbeschäftigen Tom Paris und B'Elanna Torres zu mehr Gewicht. Lassen wir uns überraschen...

Gib dem Kind einen Namen

Wenn man Episoden wie diese hier ins Exil schicken würde, wäre der Schaden für das Gesamtkunstwerk Star Trek: Enterprise vermutlich eher gering. Und da man diese Erkenntnis auch auf Englisch gewinnen kann, sind die beiden verwendeten Titel natürlich wieder absolut treffend gewählt worden.

Na gut - fairerweise muss man gestehen, dass das titelgebende Exil sowohl auf Tarquin, wie auch eher metaphorisch auf Hoshi (auf der Enterprise) als auch auf die Crew (in der Expanse) zutreffen könnte. Einsamkeit allerorten. Kann man machen.

Fazit

Der Arc wird minimal vorangetrieben und nur durch eine vorhersehbare und dünne Story gestützt, die zudem ihre nicht vorhandene Originalität ausschließlich durch eine maximal gefällige und uninspirierte Gangart definiert. Die Serie bewegt sich mit Episoden wie dieser auf dem dünnen Eis der Durchschnittsware und würde gut daran tun, den Fokus etwas mehr auf die nicht uninteressante Rahmenhandlung zu legen.

Habt Ihr schon über Eure Lieblingsepisoden abgestimmt?

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 17. Oktober 2015
Episode
Staffel 3, Episode 6
(Star Trek: Enterprise 3x06)
Deutscher Titel der Episode
Exil
Titel der Episode im Original
Exile
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 15. Oktober 2003 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 18. Dezember 2004
Autor
Phyllis Strong
Regisseur
Roxann Dawson

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x06

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?