Star Trek: Enterprise 3x04

Star Trek: Enterprise 3x04

Sorge um Archer! Nachdem er zuletzt unbedingt ein gefährliches Virus als Andenken an eine vergangene Zivilisation behalten wollte, nimmt er sich diesmal einfach eine Sklavin mit. Hat die Expanse vielleicht einen unguten Einfluss auf den Chef der Enterprise-Crew?

Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Rajiin“ / (c) Paramount, Fotorausch Kiel
Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Rajiin“ / (c) Paramount, Fotorausch Kiel

Was erwartet uns?

Auf einem Weltraumflohmarkt versucht die Crew Informationen über die Xindi zu sammeln und einen bestimmten Chemiker zu finden als Archer an eine Sklavin gerät, die ein wichtiges Geheimnis mit sich herumträgt... doch hat man sich mit ihr das berühmte Trojanische Pferd aufs Schiff geholt und muss sich nebenbei auch noch mit attackierenden Xindi herumschlagen. Gut wenn nebenbei noch etwas Zeit für ein paar nächtliche Massagen bleibt…

Habt Ihr schon über Eure Lieblingsepisoden abgestimmt?

Dies & das

  • Für Randy Oglesby (Degra) & Tucker Smallwood (ebenfalls ein humanoider Xindi ohne Namen), Rick Worthy (namenloses Xindi-Faultier) und Scott MacDonald (namenloses Xindi-Reptil) ist es der zweite Auftritt nach dem Staffelstart - die Xindi-Insekten und Xindi-Amphibien wurden erneut per CGI erzeugt.
  • Der Weltraumflohmarkt befindet sich in einer künstlich erbauten Stadt, die auf einem riesigen Ozeanplaneten schwimmt. Ein Konzept, das bereits in der Star Trek: Voyager-Episode Thirty Days Anwendung fand und auch dort überzeugen konnte.
  • Trellium liegt in flüssiger Form vor.
  • Trellium-A ist sehr verbreitet und einfach herzustellen.
  • Trellium-D ist dagegen sehr rar und gilt als sehr instabil.
  • Rajiins Heimatwelt heißt Ohran´tahku.

Szenenbild 1 aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Rajiin%26ldquo; © Paramount
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Viele Brandherde

Think what you're asking me to do: build a weapon to destroy an entire world. Do you understand how difficult, how dangerous this project is?“ (Degra)

People are talking… about us… about me coming to your quarters at night. They think there's more going on than… neuropressure.“ (Trip)

I keep seeing myself back… at that alien city.” - “You were transformed into an alien species. Don't expect to recover overnight.“ (Archer und Phlox)

After an hour in this place I can't wait to get back to decon.“ (Reed)

Forgive me if I don't take your word on that! But they murdered seven million people on my planet!“ (Archer)

There's more to these humans than you can learn from a set of bio-metric scans.“ (Rajiin)

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Der Rezensent tut sich schwer

Der vierte Versuch der dritten Season lässt sich nur schwer an bisherigen Serienmaßstäben messen oder bewerten kann.

Insgesamt zeigt die neue und epischere Erzählweise der Serie die typischen Merkmale eine Arc-Serie - und das gilt sowohl für die positiven als auch für die negativen Merkmale. Genauer sind das in diesem Fall die ineinanderfließenden Handlungsstränge, die in den jeweiligen Episoden ausschließlich der Kontinuität und Fortführung übergeordneter Themen dienen, aber keinen immanenten Bezug zur aktuellen Episode besitzen.

In einer idealen Serienwelt könnten die fortlaufenden Handlungsstränge unterschwellig auf die aktuelle Handlung einwirken - hier ist das jedoch nicht der Fall.

So beginnt Rajiin was die Crew der Enterprise angeht auch mit zwei Szenen, die auf der einen Seite auf amüsante Weise die nächtlichen Sitzungen zwischen T´Pol Jolene Blalock und Trip Connor Trinneer auf die Schippe nehmen, indem das Duo ihre Sorgen über mögliches Getratsche an Bord teilt, und auf der anderen Seite einen Archer Scott Bakula zeigen, der noch unter den Auswirkungen seiner Transformation aus Extinction zu leiden hat. Ein Umstand, der bei Ereignissen dieser Art in Trek-Serien bisher viel zu selten zu sehen war. Danke dafür.

Szenenbild 2 aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Rajiin%26ldquo; © Paramount
Szenenbild 2 aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Rajiin%26ldquo; © Paramount

Erwähnen sollte ich aber, dass mir das ewige Massieren als Aufarbeitung des Todes seiner kleinen Schwester auch hier nicht ausreicht. Trips einziges Problem scheint seine Müdigkeit zu sein. Jedoch spricht er (noch) mit niemandem über seine Sorgen und seine Wut - letztlich geht es nur ums Rumfummeln und Nackideimachen - ausbaufähig.

Zu diesen Nebengeschichten gesellt sich die Rahmenhandlung um den Xindi-Rat, den wir seit der Auftaktepisode nicht mehr zu Gesicht bekommen haben. Dieser berät über einen mysteriösen Plan B, sollte die vom Humaoiden Xindi Degra entwickelte Waffe nicht rechtzeitig einsatzbereit sein. Dieses Element bringt eine spürbare Weite in die Handlung, die man nur begrüßen kann. Effekte und Make-up sind außerdem erneut herausragend.

Dieser Handlungs- und Episodenrahmen (erneut finden sich die Szenen am Anfang und am Ende der Episode) wird ergänzt durch die Suche der Crew nach einem Chemiker, der zu Trellium D verhelfen könnte. Eine Fortführung des Themas aus The Xindi und Anomaly. Auch diese Szenen, in denen das Rezept erworben und durch T´Pol und Trip getestet wird, laufen nebenher - ohne Bezug zu irgendetwas - und unterstreichen die lose Episodenhaftigkeit der Handlung.

Auffällig ist auch, dass auf ein erstes Zusammentreffen zwischen Chemiker und Crew verwiesen wird, von dem wir jedoch nichts mitbekommen haben. Pseudo-Kontinuität, die natürlich keine ist und mir immer etwas missfällt, da ich ungern von Ereignissen höre, die gar nicht zu sehen waren. Ein gutes Beispiel dafür ist auch die Szene aus Dead Stop, in der Hoshi über den verstorbenen Travis spricht und nur Ereignisse zitieren kann, die nie jemand auf dem TV-Schirm hatte erleben dürfen.

Da ist ja noch eine Geschichte versteckt

Eingebettet zwischen Nebenplots und Arc-Handlung, findet sich auch noch die eigentliche Haupthandlung der Episode - die Rettung der asylsuchenden Sklavin Rajiin, die sich mit der Zeit als Bedienstete der Xindi entpuppt und Informationen über die Menschen sammeln soll.

Dieses Element, immerhin titel- und tonangebend innerhalb der 42 Minuten, kommt jedoch leider äußerst dünn daher. Zwar wurde für Rajiin eine fähige und überzeugende Darstellerin gefunden - ihr Handlungsspielraum beschränkt sich aber auf laszives Herumlaufen und Verführen von Archer, Sato und T´Pol. Hierbei sammelt sie Biodaten mit ihren körpereigenen Kräften, was wiederum mit dem Plan B der Xindi zu tun haben dürfte (Rajiin gibt zum Schluss auch den Hinweis, es handele sich um eine Biowaffe).

Das ist sicher eine interessante und auch überzeugende Idee, wirkt hier aber vollkommen verloren zwischen all den kleinen Randnotizen. Rajiin ist für den Zuschauer einfach nicht interessant genug, da sie, kaum angekommen, schon Verdacht erregt und somit keine Sympathie aufkommen kann. Das ganze Spiel wirkt so dermaßen abgekartet, dass der weitere Weg vorgezeichnet erscheint. Uns - nur der Crew leider nicht...

Außerdem wäre es sinnvoll gewesen, den Chemiker noch in einer kleinen Szene als zusätzlichen Kontaktmann der Xindi zu enthüllen - somit hätte der Plan an sich ein wenig mehr Sinn ergeben. Was wäre nämlich zum Beispiel passiert, hätte jemand anderes Rajiin kaufen wollen? Woher wusste man, wann Archer und Co. über den Bazar schlendern würden? Oder wenn man sie gar nicht „befreit“ hätte? Alles Fragen, die nicht geklärt, aber auch gar nicht erst aufgebracht werden. Manche Sachen sollte man gelegentlich einfach auch mal on-screen erleben dürfen.

Zudem wirft die Wahl der Opfer Rajiins Fragen auf. Archer, T´Pol und Hoshi wurden schließlich gerade erst zu einer außerirdischen Form verwandelt. Verfälscht das unter Umständen die gesammelten Daten? Hat Rajiin rein zufällig diese drei aus der kompletten Besatzung gewählt? Na... ich weiß ja nicht. Und warum sollte sie - wenn ihr die Ereignisse aus Extinction bekannt sind - das Risiko in Kauf nehmen, dass die Daten nicht akkurat sind und letztlich nicht weiterhelfen? Sollte sich in einigen Wochen herausstellen, dass Rajiins dummer Zufallsfehler zu einer Fehlkonstruktion der Biowaffe bei den Xindi führt, wäre das auf jeden Fall aufgrund genannter Überlegungen kaum glaubwürdig...

Sex sells (and wins the Captains heart)

Zu Archer gibt es diese Woche zu sagen, dass er scheinbar Unterschiede zwischen Verrätern macht, die entweder hässlich und männlich sind - oder hübsch und weiblich. Waren Todesdrohungen und die Sache mit der Dekompressionskammer in Anomaly noch seine Reaktion, so zögert der gute Captain nun bei Rajiin. Die Tatsache, dass sie schließlich von selbst zu Reden beginnt, macht es nur oberflächlich besser. Zu aufgesetzt wirkt an dieser Stelle die Doppelmoral des Captains.

Diese zeigt sich auch in seinem Verhalten, Rajiin einfach mitzunehmen. Hatte er Trip in Cogenitor noch einen bitterbösen Vortrag über die Nichteinmischung gehalten, nimmt er nun einfach eine Sklavin (!) mit, die ihn (verständlicherweise) darum bittet. Will er ab sofort jede unglückliche Sklavin mitnehmen, die ihm über den Weg läuft? Oder nur besonders Hübsche? Ist es neuerdings seine Aufgabe, auf fremden Welten Sklaverei zu bewerten, zu beurteilen und einzugreifen? Ist Rajiin anders als Cogenitor „Charles“ aus genannter Episode? Hier genügt den Autoren ein viel zu simpler Kniff, der Archer im Rückblick mal wieder als einen unbelehrbaren Idioten und Egomanen charakterisiert. Und das nach seinem geistigen Totalausfall vergangene Episode. Armselig!

Überhaupt ist die Darstellung der Sklavin ein weiteres Mal ein allzu deutliches Zugeständnis an die Zielgruppe der ewigen oder wirklichen Teenager - zwar bemühen sich alle Schauspieler um Professionalität und Ernsthaftigkeit, überdecken jedoch nicht die eigentliche Intention, einen sexy-coolen Trailer aus der Folge schneiden zu können. Hätte man aus der Sklavin eine, der Ketzerei angeklagte alte und schrumpelige Hexe gemacht, wären diverse Schwächen der Episode unter den Tisch gefallen und man hätte sich auf die wirklich elementaren Fragen konzentrieren können... aber in was für einer Welt glaube ich denn zu leben...

Es ist aber auch eher eine Beobachtung als ein kritischer Ansatz - die sexuellen Untertöne der Serie spalten zwar das Lager der Trekkies bis heute, lassen mich jedoch in doppeltem Sinne völlig kalt. Nur wenn - wie hier - die Gedankengänge der Produzenten allzu offensichtlich werden, spüre ich den Drang, zumindest mal auf die „Problematik“ hinzuweisen...

Action sells too

Aus dem Bereich „erwähnenswert“ findet sich noch der rasante Angriff der Xindi, welcher zur Rettung Rajiins führt und einige Fragen aufwirft.

Ist es wirklich schlau, sich der Crew der Enterprise so früh zu zeigen? Die Xindi lassen sogar einen weiteren ihrer (toten) Männer zurück. Ob der Rat mit diesem plumpen Aktionismus einverstanden ist?

Und haben die MACOs in ein paar Wochen bereits alles verlernt? In The Xindi wirkten sie cool, überlegen, brutal. Hier nun wird die Mini-Truppe aus lauter unbekannten No-Names völlig übertölpelt und kann den Xindi nie das Wasser reichen. Schwaches Bild.

Außerdem scheint man das immense Konfliktpotential der MACOs mit Reed und seinem Team aktuell völlig zu ignorieren. Außer für coole Action (die ja diesmal nicht mal cool ist) werden die Elitesoldaten nicht genutzt. Wir lernen niemanden kennen, lauschen keiner Unterhaltung über die Mission und der Wiedererkennungswert ist durch viel zu viele unbedeutende Gastschauspieler gleich null. Wenn das so weiter geht verpuffen die MACOs wie der Maquis-Konflikt einst auf der Voyager. Traurig.

Führen soll diese gewählte Darstellung zwischen MACOs und Xindi aber natürlich zu Angst und Schrecken vor der Überlegenheit des Gegners - dieses Motiv schlägt jedoch in der präsentierten Form kaum durch und verpufft.

Technisch im Soll

Die Technikfront bedarf keines weiteren Kommentars (doch folgt er natürlich dennoch): Die Optik ist und bleibt eine Trumpfkarte der Serie. Hingegen lassen die musikalischen Leistungen erneut ein wenig nach. Mit dem Highlight Anomaly konnte man zuletzt wieder zweimal nicht mithalten. Schade drum. Schauspielerisch gibt es jedoch nichts zu meckern - wenn auch sicherlich keiner wirklich an sein Limit gehen musste.

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Nicht Fisch, nicht Fleisch

Die „sex-slave“-Episode der dritten Season (Trailertext dank UPN) landet in gewisser Weise zwischen den Stühlen. Als Einzelepisode wird man sie schnell vergessen haben. Die Haupthandlung kommt viel zu blutleer daher und schwindet schon im Moment des Abspanns aus dem Gedächtnis. Als Arc-Episode bietet sie jedoch eine Fülle an Informationen, Setup und Fortführungen etablierter Themen. Das Kunststück Arc und Stand-Alone innerhalb einer Episode auf hohem Niveau zu kombinieren ist bisher noch nicht gelungen. Und mit Anomaly hat auch erst eine Folge auf ganzer Linie überzeugen können.

Was zudem ein wenig bitter schmeckt ist die Tatsache, dass Pluspunkte und Minuspunkte in Sachen Arc und Ausnutzung des Potentials sich bisher die Waage halten. Die Produzenten und Autoren schöpfen noch immer zu sehr an der Oberfläche und trauen sich nicht, in die Tiefe zu gehen.

Ob das letztlich nur Startschwierigkeiten sind, meine Messlatte vielleicht ein wenig zu hoch liegt oder die Produzenten einfach nicht die nötigen Fähigkeiten haben... das alles wissen wir in einigen Wochen.

Gib dem Kind einen Namen

Die Episode hieß ursprünglich "Enemy Advances" - wurde aber kurzfristig umbenannt. Vermutlich war den Produzenten ein derart langer, verkopfter und interpretationsfähiger Titel nicht geheuer. Somit einigte man sich dann zuerst auf "Rajiin", um den Titel schließlich noch einmal in "Raijin" zu ändern (man beachte die äußerst geschickte Verdrehung von i und j). Ganz zum Schluss wurde er dann doch wieder zu "Rajiin" geändert. Puh, nochmal gut gegangen. Man merkt: Hier wurde sich mit den wirklich wichtigen Dingen auseinandergesetzt. Auf Deutsch gab es eine 1:1-Übertragung - alles im Lot.

Fazit

Rajiin zeigt die Problematik der bisherigen Season auf - ein gemischtes Vergnügen, das sich einiger deutlicher Unebenheiten in der Komposition und einer noch zu flach ausgearbeiteten Haupthandlung erwehren muss, dagegen aber mit überzeugender Kontinuität, starken Darstellerleistungen und viel Atmosphäre punkten kann. Der Weg ist sicher der Richtige... aber noch fehlen einige Zentimeter.

Habt Ihr schon über Eure Lieblingsepisoden abgestimmt?

Star Trek - Next Generation (Blu-ray Complete Box)

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 19. September 2015
Episode
Staffel 3, Episode 4
(Star Trek: Enterprise 3x04)
Titel der Episode im Original
Rajiin
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 1. Oktober 2003 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 11. Dezember 2004
Autoren
Penny Johnson, Leslie Hope
Regisseur
Michael Vejar

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x04

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