Star Trek: Enterprise 3x03

Was erwartet uns?
Die Suche nach den Xindi geht weiter und führt die Crew diesmal auf einen exotischen Dschungelplaneten. Dort werden Archer, Reed und Sato während ihrer Suche nach einem Xindi-Schiff mit einem biologischen Wirkstoff infiziert und in außerirdische Frühformen der einst auf dem Planeten ansässigen Rasse zurückentwickelt... als dann noch eine weitere fremde Spezies auftaucht und droht, die infizierten Crewmitglieder aus Gründen der Quarantäne zu ermorden, muss Trip Führungsstärke beweisen und Phlox schnellstmöglich ein Gegenmittel finden…
Dies & das
- Ein weiteres Mitglied der MACOs wird hier eingeführt: Palmer, der mit dem bereits bekannten Chang auf eine Mission geht. Für Daniel Dae Kim als Chang ist dies der zweite Auftritt nach The Xindi.
- Seit dieser Episode hieß die Serie nicht mehr schlicht „Enterprise“ sondern „Star Trek: Enterprise". Ein Geniestreich des Senders UPN der damit alles konterkarierte, was Rick Berman vor Beginn der Serie über die Wahl des Namens zu sagen hatte.
- LeVar Burton kehrte hier bereits für seine fünfte Regiearbeit an der Serie zurück. Qualitativ hatte er bisher die ganze Palette drauf: Einen glatten Rohrkrepierer mit Terra Nova, zwei richtig gute Episoden mit First Flight und Cogenitor und mit Fortunate Son einmal die Variante jenseits von Gut und Böse.
- Trip Connor Trinneer ist sehr kitzlig.
- T'Pol Jolene Blalock ist mal wieder immun gegen einen außerirdischen Virus.
- Archer Scott Bakula behält am Ende das Virus in Stasis - er möchte es scheinbar zum Gedenken bewahren.
Hast du schon über deine Lieblingsepisoden abgestimmt?
Applaus für Trip, Buhrufe für Archer
“Your ship is in restricted airspace.” - “Sorry. It wasn't very well marked.” (Alien und Trip)
“You wanna come over to discuss the situation, fine. But if you try to force your way onto this ship you're gonna have one hell of a fight on your hands.” (Trip)
“This was created as a final effort to preserve a civilization of people. That species we became... they cease to exist the moment this virus is gone. We came out here to stop the Xindi from destroying humanity, I'll be damned if I'm going to have a hand in destroying another race in the process.” (Archer)

Äh - nein.
Es gibt so Episoden, denen man mit einer allzu ausführlichen Besprechung keinen wirklichen Gefallen tut. Extinction ist leider eine dieser Episoden... der Rezensent wird versuchen, sich kurz zu fassen.
Nach dem zumindest nicht berauschenden Staffelauftakt The Xindi und dem erstaunlich spektakulären Nachfolger Anomaly, kehrt die Serie viel zu schnell wieder auf einen inhaltlichen Level zurück, der seine traurigen Vertreter bisher zum Beispiel in Rogue Planet, Oasis oder The Crossing gefunden hatte: Im Volksmund ist dieses Niveau als tristes Mittelmaß bekannt. Dass man darüber hinaus erneut in genau der Dschungellandschaft drehte, die schon in genannter Episode Rogue Planet unecht aussah (und natürlich auch war), macht es nicht besser.
Das alleine würde ja vielleicht noch zu einer moderaten Wertung führen. Doch was ist es, das die Episode wirklich in den Keller zieht?
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Positive Bestandsaufnahme
Zumindest nicht die brauchbare Musikuntermalung, das fantastische Make-up der transformierten Crewmitglieder, die definitiv starken Darstellungen von Scott Bakula als Archer, Dominic Keating als Reed und Linda Park als Sato und auch nicht der (kaum spürbare) Aufhänger der Story: Nämlich die traurige Geschichte der einst heimischen Zivilisation.
Auch Regisseur LeVar Burton darf man keinen Vorwurf machen. Er holt raus, was geht. Mein Mitleid ist ihm dafür sicher.

Alles Aspekte, die Lob verdienen könnten. Tja... könnten. Doch, liebe Produzenten... meint ihr etwas, dass es damit getan ist? Wie gesagt: Äh - nein.
Die dunkle Seite
Nach der Transformation der Crewmitglieder beginnt für den Zuseher eine kaum erträgliche Leidenszeit. Archer, Sato und Reed turnen herum wie berauschte Ferengi aus den Anfängen von Star Trek: The Next Generation und sprechen Kauderwelsch. Im hinterletzten und abgewracktesten Zirkus dieser Welt könnte es nicht schlimmer sein.
Unter Einsatz des Universalübersetzers (nette Idee immerhin) wird das Ganze dann aber etwas erträglicher und die überzeugenden Schauspielleistungen entfalten sich. Wer besonders Bakulas Fähigkeiten bisher anzweifelte, wird hier klar eines Besseren belehrt.
Fast hatte man kurz Hoffnung geschöpft: Leider tauchen kurz darauf die uninteressanten Aliens der Woche auf, die (1.) völlig banal aussehen, sich (2.) unerträglich stereotyp verhalten sowie (3.) nur der Action dienen und (4.) den Einsatz der tickenden Uhr (wichtig!) notwendig machen. Neue Ideen? Neue Ausrichtung der Serie? Ha!
Während Trip einmal mehr beweisen darf, was für ein starker Captain er wäre, findet Archer später noch in einem Traum die einstmals blühende Hauptstadt des Planeten (immerhin versehen mit ganz netten Effekten) und nach ein wenig Streit um das Mittagsmahl, dem Verlust von Reed an Phlox John Billingsley (der ja schnell ein Gegenmittel brauen muss) und dem Start der für die Crew gefährlichen Mission durch die Aliens der Woche auch die inzwischen leider nicht mehr so blühenden Überreste der Stadt.
Nun gut. Die Zivilisation ist schon lange ausgelöscht. Nun hat sich dieses rasend spannende Element auch erledigt und es geht nur noch darum, die Freunde zu retten, zurück zu verwandeln und die bösen, bösen Jäger aufzuhalten.
1... 2... 3… fertig. Ein weiteres Mal hat der Storybausatz funktioniert. Alles ist gut, jeder hat sein Gegenmittel bekommen, Archer, Reed und Sato erholen sich und die Suche nach den Xindi kann weitergehen.
Das große Ganze
Mehr lässt sich in Bezug auf den großen Handlungsbogen der Season übrigens auch kaum sagen. Die Datenbank aus Anomaly wird zwar erwähnt und führt uns erst in das unfreiwillige und sinnfreie Abenteuer (böse, böse Datenbank! Pfui!) und auch T´Pol und Trip sind wieder bei ihren Massage-Arbeiten zu erleben (diesmal aber definitiv eher humorig) - das war es aber auch schon. Extinction ist ein für sich stehendes und für sich schwaches Abenteuer ohne nennenswerten Gesamtzusammenhang, das weder die Besonderheiten der Ausdehnung aufzeigt oder ausnutzt, noch irgendetwas oder irgendjemanden voranbringt.
Zwangseinweisung
Zum Schluss erwartet uns dann aber sogar noch der Gipfel der Dummheit: Archer - mal wieder völlig desillusioniert und irrational - will das Virus als letztes Überbleibsel an die ausgelöschten Zivilisation behalten. Seine Begründung zum Mitschreiben für die Ewigkeit: Wir sind eben besser als die Xindi! Wir zerstören keine Zivilisation!
Entschuldigt mich bitte kurz, ich muss mich sammeln.
So, nun geht es wieder. Also nochmal ganz langsam.
Archer behält ein Virus, das die Loque'eque (so hieß die Rasse) selber erzeugten um andere Humaoide in ihre Spezies durch Zwang zu transformieren und sich auf diese Weise selber vor der Ausrottung zu schützen. Und darauf nehmen wir aus der Tiefe unserer guten Herzen Rücksicht und zeigen Verständnis für diesen versuchten und teilweise erfolgten Völkermord.

Bravo, Captain. Willkommen in ihrer eigenen Welt. Das muss man erstmal sacken lassen.
Extinction kam zu einem Zeitpunkt, da die Serie händeringend versuchen musste, Zuschauer zu halten und für die neue Ausrichtung zu begeistern. An dieser Stelle, so früh in der Staffel ein unverzeihlicher Fehlschlag, der auch heute noch in der Rückschau richtig weh tut.
Gib dem Kind einen Namen
Natürlich passt der Titel, so simpel er auch sein mag. Doch irgendwie ist es auch reichlich makaber, dass gerade in einer Episode die "Extinction" (also Ausrottung) heißt, die ikonischen Worte "Star Trek" in den Serientitel aufgenommen werden. Im Deutschen wurde mit „Auslöschung“ gut und passend 1:1 übersetzt.
Fazit
Was soll ich sagen? Die Folge ist schlecht. Schlecht, schlecht, schlecht. Aber: Ich bin nicht eingeschlafen, ich habe keine Kopfschmerzen und mir ist nicht übel. Sollte ich mich deswegen zu einer annehmbaren Punktzahl durchringen? Nein. Extinction ist ein reiner Füller - und als solcher sogar noch unterirdisch. Vom völlig debilen Ende ganz zu schweigen. Den halbe Punkt gibt es für alle, die bedauernswerterweise nichts am Geschehen ändern konnten und trotzdem ihr Bestes dabei gaben.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 19. September 2015(Star Trek: Enterprise 3x03)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?