Star Trek: Enterprise 3x02

Star Trek: Enterprise 3x02

Der Haarschnitt machts: Captain Archer ist auf Bad-Boy-Autopilot und drauf und dran, erste Grenzen zu überschreiten während die Zuschauer erkennen, dass im Xindi-Arc eine Menge mehr Potential steckt, als der Auftakt vermuten ließ.

Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Anomaly“ / (c) Paramount, Fotorausch Kiel
Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Anomaly“ / (c) Paramount, Fotorausch Kiel

Vorwort

Ich habe über eure Anmerkungen zum letzten Review zu Star Trek: Enterprise (The Forgotten) im Rahmen des großen Review-Countdowns nachgedacht - und muss euch Recht geben. Nachdem ich die ersten beiden Seasons komplett besprochen habe, macht es einfach keinen Sinn, nun Episoden aus Season 3 und 4 herauszureißen und einzeln zu besprechen.

Aus diesem Grund setze ich ab heute entgegen meiner eigentlichen Planung parallel zum Countdown mein Enterprise-Review-Projekt mit der dritten Season fort. Neue Rezensionen werden fortlaufend in den Review-Countdown eingestreut - meist wird es direkt zwei neue Rezensionen geben - wie auch heute mit dem Seasonauftakt The Xindi.

Ich denke, dass diese Lösung der Serie am besten gerecht wird. Der restliche Countdown läuft wie geplant ab. Stimmt auch gerne weiterhin für eure Lieblingsepisoden der anderen Serien ab - morgen beginne ich mit Platz 10 der Classic-Serie.

Habt Ihr schon über Eure Lieblingsepisoden abgestimmt?

Was erwartet uns?

Die NX-01 beginnt auf Weltraumverzerrungen zu treffen, welche die Delphic Expanse durchziehen und das Schiff verwundbar für feindliche Plünderer machen. Während sie mit diesen sogenannten Osaarianern zu kämpfen haben, entdeckt Captain Archer, dass seine Gegenspieler Informationen besitzen, die der Crew der Enterprise helfen könnten, die Xindi ausfindig zu machen. Der Captain beginnt, einen der Gefangenen zu verhören...

Dies & das

  • Robert Rusler, der den Orgoth verkörpert, war als Warren Keffer in Babylon 5 mit von der Partie.
  • Nathan Anderson übernimmt ein zweites Mal nach dem Seasonauftakt die Rolle des Sergeant Kemper. Mit McKenzie alias Julia Rose lernen wir ein weiteres Mitglied der MACOs kennen. Außerdem ist erstmals Sean McGowan in der Rolle des Corporal Hawkins zu sehen.
  • Der erste Todesfall auf der Enterprise ist zu beklagen. Crewman Fuller stirbt beim Angriff der Plünderer.
  • Der erste Kontakt mit den Osariaanern findet statt.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Anomaly%26ldquo; © Paramount
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Viel Schwarzmalerei

Where's Isaac Newton when ya need him?“ (Trip)

I need what was stolen from me, there is too much at stake here to let my morality get in the way.“ (Archer)

You're obviously new to the expanse, if you weren't your ship's hull would be insulated with Trellium D. Do you have any idea what a spatial distortion can do to a ship that is not insulated with Trellium D? What it can do to the people inside that ship?“ (Orgoth)

The perimeter, the thermo baric clouds... they let you in but they don't let you out...“ (Orgoth)

Every species we run into seems to be gunnin' for us. We may as well paint a giant bulls eye on the hull.“ (Trip)

All I'm sayin is that this mission, whether it succeeds or not, is lookin like a one way ticket all the time.“ (Trip)

Mercy is not a quality that will serve you well in the Expanse, Captain.“ (Trip)

Zweiter Anlauf für einen ersten Eindruck

Nach der mit Spannung erwarteten - und inhaltlich bekanntlich nur leidlich überzeugenden - Auftaktepisode zur dritten Season, startet man nun mit voller Kraft in den neuen Handlungsbogen der Serie. Oder etwa doch nicht?

Aber hallo!

Anomaly ist weiter von The Xindi entfernt, als man es sich hätte träumen lassen - das betrifft sowohl die Ausführung, beziehungsweise die Rasanz der Handlung, als auch den Inhalt.

Hatte sich der Season-Opener noch wie eine pompöse, aber letztlich blutleere Orgie der Schauwerte angefühlt, kommt man nun mit einer solchen Fülle an Ereignissen und bedeutenden Szenen daher, dass es eine reine Freude ist.

Aufhänger sind dabei die - leider auch wieder einmal titelgebenden - Anomalien, die schon in der vorigen Episode kurz thematisiert wurden. Dabei ist die rasante Auftaktsequenz besonders gelungen - in schnellen Sprüngen sehen wir die Auswirkungen auf verschiedene Crewmitglieder, Phlox' (John Billingsley) Tiere und den Warpantrieb. Mit bedrohlicher Musik versehen baut sich hier genug Spannung auf, um den Zuschauer über den (in seiner neuen Form) erneut völlig unpassenden und kaum mehr atmosphärischen Titelsong hinwegzuretten.

Fight of Flight Redux

Doch ist Anomaly nicht nur eine reine Action-Show über die Auswirkungen der Delphic Expanse auf Mensch und Material. Schon nach kurzer Zeit wechselt das Thema, als die Crew ein mit Leichen übersätes und größtenteils ausgeschlachtetes Alien-Schiff findet. Hier kehren Suspense und Horror zur Serie zurück - ein Konzept, dass ihr bisher immer gut zu Gesicht stand. Zwar werden damit auch ganz klar Erinnerungen an die zweite Episode der ersten Season (Fight or Flight) wach, stören jedoch nicht die Atmosphäre.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Anomaly%26ldquo; © Paramount
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Weiter gesteigert wird die Intensität durch das Auftauchen der Osariaaner. Und endlich kann eine Eroberung (der diesmal schwer beschädigten Enterprise) einmal überzeugen - vom Ausräumen der Vorräte und Technik bis hin zur Festnahme eines des Angreifer bleibt kaum Zeit zum Luft holen.

Bad Boy Jonathan

Und es wird nicht ruhiger! Archer Scott Bakula) will die Osariaaner finden und versucht den Gefangenen - zunächst noch moderat bestimmt - zu verhören. Was sich aus diesem Handlungsstrang im Verlauf der Episode entwickelt, dürfte viele an Janeways (Kate Mulgrew) Verhalten aus Equinox erinnert haben. Dort jedoch gehörte irrationales Auftreten und völlige Unberechenbarkeit ohnehin zur Charakterbeschreibung - hier fällt dem zwar auch oft irrationalen aber zumindest meist vorhersehbar-beherrschtem Archer eine Brutalität im Umgang mit dem Gefangenen zu, dass die gesamte Last der Mission auf seinen Schultern physisch spürbar wird. Scott Bakula scheint sich in der tougheren Version des Captains auch deutlich wohler zu fühlen - sein Spiel ist für mich sogar noch besser als in den vergangenen beiden Jahren.

Ob es aber eine ganze Season zu ertragen ist, den Captain als grimmigen und übellaunigen Motzki zu erleben, wird man sehen. Ich denke aber, dass die Produzenten immer wieder Raum für menschliche, humorvolle und sensible Momente schaffen werden, um Archer nicht gänzlich zu überzeichnen.

Die Figur gewinnt durch diese neue Ausarbeitung jedoch deutlich an Format - schon Sisko (Avery Brooks), der liebevolle Familienvater, hatte durch seine unkontrollierten Wutausbrüche und sein Temperament einen höchst explosiven Charakterzug erhalten, der ihn hervorragend von Vorgänger Picard (Patrick Stewart) abgrenzte. Sollte dieser Spagat auch hier gelingen, kann die Serie davon nur profitieren.

Eines macht mir jedoch Sorgen: Das Verhältnis von T'Pol Jolene Blalock) und Archer ist durch seine neue Fokussierung auf die Mission merklich abgekühlt. War T'Pol zuletzt zu einer wirklichen Vertrauensperson des Captains geworden, wird sie nun eher vom Captain zurechtgewiesen. Man sollte T'Pol weiterhin als Stimme der Vernunft einsetzen, die mit ihren Ansichten auch gelegentlich fruchtbaren Boden findet. Aber dafür ist ja noch genug Zeit...

Fakten

Über die Rahmenhandlung (und die Delphic Expanse) erfahren wir ebenfalls einige interessante Brocken:

  • Man kann scheinbar nur in die Expanse hinein - aber nicht mehr hinaus. Hier deuten die Produzenten vermutlich eine Entwicklung an, die neben dem Entkommen der Enterprise (wann auch immer das sein wird) auch gleichzeitig erklären könnte, warum die Expanse in den anderen Serien nie von Bedeutung war. Ich bin gespannt. In diesem Zusammenhang ist es auch interessant, ob Archer diese deprimierende Information mit jemandem teilen wird... könnte sich sehr negativ auf die Moral auswirken.
  • Der sonderbare künstliche Planet hat scheinbar etwas mit den Anomalien zu tun. Auch hier vermute ich eine größere Bedeutung in Bezug auf das irgendwann zu erwartende Entkommen der Crew aus der Delphic Expanse.
  • Vor den Anomalien schützt nur Trellium D - ein Material, dass bestimmt demnächst einmal im Mittelpunkt stehen wird. In The Xindi war das bereits ein erstes Mal der Fall.
  • Mit den Osariaanern scheinen auch weitere Rassen von außerhalb in der Expanse aktiv zu sein. Wenn auch gegen ihren Willen.
  • Archer steht nun eine Xindi-Datenbank zur Verfügung. Welche Informationen sie birgt, werden wir sicher in Kürze erfahren.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Anomaly%26ldquo; © Paramount
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Aus den genannten Action-Elementen, den gezielt verteilten Hinweisen und einigen tollen Charaktermomenten (man denke da an Reeds Dominic Keating und Trips Connor Trinneer Unterhaltung über den ersten Todesfall an Bord) entsteht ein so flotter Mix, dass nie Langeweile aufkommt.

Dieser Todesfall wird für meinen Geschmack zudem genau richtig behandelt: Nicht überzogen und nicht zu stark im Hintergrund - dazu noch der Hinweis, dass man froh sein kann, dass es nicht bereits jetzt mehr Opfer gegeben hat - perfekt, wenn man bedenkt, wie sehr sich in Fankreisen manchmal schon darüber aufgeregt wurde, dass im Rahmen der Mission bisher nie jemand sein Leben lassen musste...

Bonuspunkte

Der Score der Episode ist das eigentliche Highlight - Jay Chattaway gelingt ein völlig neuartiger Stil der Trek-Untermalung. Donnernd, hart, verspielt, verschnörkelt, mysteriös, dezent, wütend - ein brodelnder Cocktail, den man gerne immer wieder hören möchte. Ohne Probleme einer der bisher besten Scores der Serie und was Trek angeht wahrscheinlich insgesamt ganz oben dabei. Wenn so die Zukunft der Trek-Scores aussieht, kann man nur aufatmen. Vorbei wären die Zeiten, in denen Rick Berman nur Klangteppiche erlaubte, die nie stören und keinem wehtun.

Dass zudem die technische Umsetzung erneut die Messlatte für SF im TV höher legt, dürfte nicht verwundern. Dermaßen viele Aha-Effekte in nur einer Episode gab es lange nicht zu bestaunen.

Negativ fällt nur auf, dass für das Make-up der Osariaaner wieder einmal auf den Standard-Nasenrücken und die kleine Stirnplatte zurückgegriffen wurde. Hier sollte sich das Team um Michael Westmore endlich einmal zwingen, jede Woche auch für unwichtige Rassen einen erinnerungswürdigen und aufwändigen Look zu kreieren - wie gut das aussehen kann, hatte man ja gerade erst mit dem Minenleiter in The Xindi bewiesen.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Anomaly%26ldquo; © Paramount
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Anomaly könnte der Auftakt eines berauschenden Arcs sein. Wenn die Produzenten es schaffen, ihre Ideen und Vorstellungen puzzleartig einzusetzen, dabei auch Einzelepisoden in das Gesamtwerk einfügen und nicht erneut in Stereotypen verfallen... dann könnte uns ein Höllenritt bevorstehen.

Als Einzelepisode ist Anomaly genaugenommen aber natürlich ebenso schwer zu bewerten wie der Abschlusszehnteiler von Star Trek: Deep Space Nine oder jeder beliebige Teil eines anderen Trek-Mehrteilers. Mitten rein und mitten raus - eine Art der Handlungsführung, die fesselt.

Gib dem Kind einen Namen

Nach „Los Leute, ab in die Ausdehnung!“, „Hier kommen die Xindi“ wird uns nun „Achtung Anomalien!“ serviert. Das Ganze natürlich serientypisch in deutlich weniger Worten und ohne blumige Ausschmückungen. Ich freue mich schon auf die Episoden „Danger“, „Alert“, „Weapon“ und das Seasonfinale „Done“. Hach. Die deutsche Version geht mit 1:1 wie so oft ungestraft nach Hause.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Anomaly%26ldquo; © Paramount
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Fazit

Hoffentlich bleibt Anomaly keine solche innerhalb der dritten Season: ein perfektes Beispiel, wie eine technische und actionlastige Episode funktionieren kann und obendrein hoffentlich der Auftakt für eine würdige Behandlung des großen Handlungsbogens. Das ist sicher kein großes Denker-Trek, aber im Rahmen purer SF-Unterhaltung fraglos erstklassig!

Star Trek - Next Generation (Blu-ray Complete Box)

Hier könnt Ihr über Eure Lieblingsepisoden abstimmen.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 29. August 2015
Episode
Staffel 3, Episode 2
(Star Trek: Enterprise 3x02)
Deutscher Titel der Episode
Anomalie
Titel der Episode im Original
Anomaly
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 17. September 2003 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 4. Dezember 2004
Autor
Fyvush Finkel
Regisseur
David Straiton

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 3x02

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?