Star Trek: Enterprise 2x25

Star Trek: Enterprise 2x25

Jetzt kann sich die Episode Precious Cargo aber warm anziehen! Mit Bounty legen die Produzenten nach und würden sich glatt noch unterbieten, wenn man nicht schon längst das tiefste Tiefgeschoss des Niveaus ausgelotet hätte. Ein zerknirschtes Gastreview von Björn Sülter.

Archer (Scott Bakula) in der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Bounty“. / (c) UPN
Archer (Scott Bakula) in der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Bounty“. / (c) UPN

Was erwartet uns?

Nachdem T'Pol mit einem Virus infiziert wurde, beginnt sie starke Symptome des Pon Farr zu durchleben. Zur gleichen Zeit wird Archer von einem Kopfgeldjäger entführt - er soll den Feind des Imperiums für die Klingonen zurückzuholen...

Dies & das

  • Es handelt sich hier teilweise um eine Fortsetzung zur Episode Judgment, in der Archer (Scott Bakula) vom hohen Rat der Klingonen angeklagt und verurteilt wurde. Eine weitere Fortführung der Geschehnisse werden wir in der letzten Episode der zweiten Staffel The Expanse erleben.
  • Roxann Dawson und kein Ende - „Bounty“ ist bereits ihre fünfte Regiearbeit für die Serie.
  • Die Tellariten haben wir seit „Journey to Babel“ (Star Trek) nicht mehr wirklich präsentiert bekommen. Zwar stehen durchaus einige Auftritte im Hintergrund zu Buche - dennoch kann man erst hier das neu gestaltete Make-up richtig bewundern.
  • Ein weiterer Gaststar aus der Rubrik „Geschenk für Fans“: Der ehemalige klingonische Kanzler Gowron alias Robert O'Reilly darf sich hier nun als Kopfgeldjäger versuchen.
  • Das aktuelle Datum ist der 23. März 2153.
  • Das Kopfgeld auf Archer beträgt laut dem Tellariten 9.000 Darceks. Möglicherweise wird es verdoppelt.
  • Denobulanische Männer sind sexuell sehr zurückhaltend - Phlox (John Billingsley) hat keine guten Erinnerungen an seinen Starfleet-Gesundheitscheck.

Fragen, die die Welt bewegen

How long has it been since you've mated?“ (T´Pol zu Reed)

Tiefpunkt, die Zweite

Wow! War das überflüssig! Okay, zugestanden, man kann einige positive Aspekte an „Bounty“ - der vorletzten Episode der zweiten Season - finden. Doch heißt es bei mir vorab erst einmal Frust abbauen. Deshalb zuerst die Auflistung aller Minuspunkte... das wird ein Spaß!

Wie oft wurde Archer in den bisherigen zwei Staffeln nun schon entführt? Keiner kann es mehr zählen. Dieses serieneigene Klischee wandelt hart auf den Spuren der vergleichbar ermüdenden 578 Krycek-Tode in The X-Files. Es scheint das beliebteste und leichteste Hobby des Universums zu sein, den armen Captain von seinem Schiff zu entwenden.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Bounty%26ldquo;. © UPN
Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Bounty%26ldquo;. © UPN

  • Wieso argumentiert Archer schon wieder einen Kriminellen auf seine Seite? Haben wir das nicht vor kurzem - sogar mit dem gleichen blöden "Ich bin Pilot"-Argument - in Canamar gesehen?
  • Was soll uns die Haupthandlung überhaupt sagen? Abgesehen vom ohnehin überstrapazierten Wir-müssen-den-Captain-retten baut sich hier nie irgendeine Spannung auf. Archer ist cool ohne Ende. Der Kopfgeldjäger ist ein verweichlichter und inkonsequenter Sympath und die Klingonen stellen sich am Ende wieder einmal richtig doof an. Nebenbei: Klingonen und Rettungskapseln? Na ja... Und dazu Goraths Schiff, das wir vor zwei Episoden noch als Frachter erleben durften - nur anders gestrichen und beleuchtet. Nö, danke.
  • Und was ist mit dieser total debilen Nebenhandlung? Sollte das etwa eine Komödie sein? Dazu ist es nicht annähernd lustig genug. Nie. Sollte es irgendwie Spannung und Sorge um T´Pol aufbauen? Dazu gleitet alles viel zu sehr in banale Albernheiten ab. Selten haben mir John Billingsley und Jolene Blalock so leidgetan wie hier. Aua! Über das Pon´Farr und eine mögliche Kontinuitätsverletzung will ich mich hier nicht auslassen. Das verdient die Folge nicht.
  • Die beiden Handlungsstränge passen nebenbei so gut zusammen wie Gerhard Schröder und Angela Merkel. Hier wurde einfach nur wild zusammengeklatscht, was nie ein Ganzes werden wollte. Armselig!
  • Wieso wird eine tolle Rasse wie die Tellariten ausgerechnet in so einem Mist verbraten? Keiner weiß es...
  • Und wieso muss der brillante Robert O'Reilly (Gowron) hier einen Part spielen, der für jeden zweitklassigen Gelegenheitsdarsteller zu unbedeutend und lahm wäre? Dazu noch auf einem kleinen Monitor, der nicht einmal genaue Blicke auf ihn zulässt?

Hui... das hat gut getan! Auf jeden Fall besser, als die Folge ansehen zu müssen. Der Fairness halber aber nun noch zu den raren Pluspunkten, die „Bounty“ aber auf keine messbare Wertung hieven dürfen.

Gesagt werden muss es

  • Oben angesprochene Tellariten sind vom Make-up her absolut herausragend gelungen. Dazu wurde mit Jordan Lund ein klasse Darsteller gefunden, der dem Kopfgeldjäger Charisma verleiht. Gerne würde ich diese frische Rasse wiedersehen.
  • Alleine der Ansatz, den Klingonen-Archer-Handlungsbogen weiterzuverfolgen, muss gewürdigt werden. Jedoch: wer ist Gorath? Wo ist Duras? Gerecht wird die Episode dem Setup aus Judgment nie.
  • Die Einblicke auf Phlox' Körper sind lustig, da die Produzenten zumindest selbstironisch die Versuche hochnehmen, T'Pol halbnackt und verschwitzt zu präsentieren. Die Fußnägel des Doktors (bekannt aus A Night in Sickbay), sein Rücken, die Arme und vor allem die zum Schreien gute Brustbehaarung sind Dinge, die wir nie sehen wollten und gerade deshalb so gelungen sind!

Gedanken

Ein Faktor stimmt mich zusätzlich traurig: mit „Bounty“ haben gleich drei - bisher immer verlässliche - Beteiligte ihren Status erstmals verloren. Roxann Dawson hatte bisher mit „The Andorian Incident“, „Vox Sola“, „Dead Stop“ und „Dawn“ nicht enttäuscht - hier hat sie erstmals Pech mit ihrer Folge. An der Ausführung ist „Bounty“ natürlich nicht gescheitert - das muss man ihr zugutehalten. Dafür müssen sich Mike Sussman & Phyllis Strong den Vorwurf gefallen lassen, nichts aus der Storyidee von Berman & Braga herausgeholt zu haben. Da man die Beschränkungen in der Ausführung aber nicht kennt, liegt hier der Fehler vielleicht auch ausschließlich eine Etage höher. Und mal im Ernst: nun schon zwei Episoden Niedrigstpunktzahl in einer Staffel... das muss ich nie wieder haben.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Bounty%26ldquo;. © UPN
Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Bounty%26ldquo;. © UPN

Gib dem Mist einen Namen

Ja ja, kurz vor Ende der Staffel gibt es mit „Bounty“ wieder einen dieser gänzlich platten, kurzen und lahmen Titel (gähn). Im Deutschen schenkt man uns "Kopfgeld" - wird dem Original gerecht - mehr kann man dieser Episode auch nicht wünschen. Für hohe Quoten hätte ich vorgeschlagen: "T'Pol will's wissen" oder "T'Pol liebt's heiß".

Fazit

Bevor es ins große Finale geht, zeigt Star Trek: Enterprise nochmal richtig, wo der Hammer hängt. Nämlich mal wieder unerreichbar hoch. „Bounty“ ist genau das, was „Star Trek“ auf Sicht den schleichenden Tod bringt - platte Sci-Fi von der Stange, ohne Inhalt, ohne Ideen, albern aber nicht lustig, spannend wie Daily-Soaps und so unglaubwürdig, dass es weh tut. Warum kann der Temporal Cold War Episoden wie diese nicht von vorn herein ungeschehen machen? Daniels, übernehmen Sie!

Verfasser: Felix Böhme am Sonntag, 21. Juni 2015
Episode
Staffel 2, Episode 25
(Star Trek: Enterprise 2x25)
Deutscher Titel der Episode
Kopfgeld
Titel der Episode im Original
Bounty
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 14. Mai 2003 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 21. November 2004
Autoren
Dennis Haysbert, Fyvush Finkel, Jessalyn Gilsig
Regisseur
Roxann Dawson

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x25

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?