Star Trek: Enterprise 2x24

Was erwartet uns?
Rückblick: Wie war das eigentlich damals bei den ersten Tests mit dem Warp-2-Antrieb? Beim ersten Flug wird das Schiff zerstört - der Pilot überlebt. Die Vulkanier nutzen diesen Umstand, die Menschen für voreilig zu erklären. Doch ein junger Jonathan Archer und sein Kollege Lt. Tucker versuchen, auf eigene Faust einen weiteren Test mit der NX-Beta...
Dies & das
- Endlich erfahren wir mehr über die Anfänge des Warp-5-Programms - ein wirklich toller Ansatz zum Ende der zweiten Staffel.
- Nachdem er bereits in „Cogenitor“ die Verantwortung trug, darf LeVar Burton (Geordi LaForge in Star Trek: The Next Generation) nun auch diese Episode als Regisseur bereichern.
- Vaughn Armstrong kehrt erneut in seiner beliebten Rolle als Admiral Forrest zurück. In den Rückblenden spielt er dazu den jüngeren Commodore Forrest.
- Wie in der ersten Staffel (in „Desert Crossing“) dürfen auch hier wieder die Sieger des „Sailors of the Year“, drei Mitglieder der echten U.S.S. Enterprise, als Statisten mitwirken.
- Die in „Shuttlepod One“ von Trip (Connor Trinneer) und Reed (Dominic Keating) erwähnte Kellnerin Ruby ist ebenso zu sehen, wie der legendäre Club 602.
- In „Shadows of P'Jem“ erwähnte Soval (Gary Graham) gegenüber Forrest, dass Gardner den Vulkaniern besser als Captain der Enterprise gefallen hätte. Hier wird eben dieser Gardner zusammen mit Archer (Scott Bakula), Robinson und Duval erneut genannt - als ein Kandidat für das Kommando des ersten Warp-2-Fluges.
- Robinson wurde der erste Mensch, der mit Warp 2 flog. Außerdem war er der erste, der bei Warp seine Rettungskapsel startete.
- Archer und Trip lernten sich während ihrer Arbeit am Warp-2-Projekt kennen. Tucker gehörte zur Crew von Captain Jeffries.
- Duval war zwei Jahre später der erste, der in der NX-Delta Warp 3 erreichte.
- Tuckers Ur-Großvater hieß Cyrus.
- Der Spitzname Trip hat folgenden Ursprung: sein Vater und Großvater hießen ebenfalls Charles. Somit ist er der Dritte Charles... Triple... Trip.
- Robinson starb bei dem Versuch, Mount McKinley zu besteigen.
- Der Nebel wird - dank T'Pol (Jolene Blalock) - am Ende zum Robinson Nebel getauft.
Von Legenden und über Legenden
„Do you remember what Buzz Aldrin said when he stepped on the moon?... Nobody does, because Armstrong went first.“ (Archer zu Ruby)
„You tried too hard. You did everything by the book. You burned the midnight oil in that simulator. 18-, 20-hour days. You shut everything and everyone, out of your life, just so you could be the first.“ - „And?“ - „You still don't understand. Starfleet doesn't just want a great pilot. They want a great Captain.“ (Robinson und Archer)
Tucker (zum Vulcan advisor): „Just because it took you a hundred years to crack warp 2 doesn't mean it'll take us that long.“
„We're not going to get anywhere without taking risks.“ (Robinson)
„A. G. and I may never fly again, but it's a small sacrifice to make if it keeps this project going. We didn't build this engine to make test runs around Jupiter. We built it to explore! If my father were alive today, he'd be standing here asking, "What the hell are we waiting for?"“ (Archer)
„Hey, I'll see ya out there!“ (Robinson)
„I believe there's a human custom that says when you discover something of merit, you earn the right to name it.“ - „What would you suggest, the ´T'Pol-Archer Nebula´?“ - „I was thinking the ´Robinson Nebula´ would be more appropriate.“ (T'Pol und Archer)

Back to the roots
Mit First Flight erreicht Star Trek: Enterprise in der zweiten Staffel eine erste Jubiläumsmarke - die fünfzigste Episode. Schön, dass die Produzenten es ebenfalls bemerkt haben und nicht nur den stets willkommenen LeVar Burton auf den Regiestuhl setzten (wie bereits in der vorletzten Episode „Cogenitor“), sondern auch eine Handlung entwarfen, die uns zurück zu den Anfängen von Archers Karriere und den ersten Testflügen mit der NX-Alpha katapultiert.
Ausgangspunkt ist jedoch vorerst eine nur leidig interessante Shuttle-Mission, bei der Archer und T'Pol versuchen, einen Dunkle-Materie-Nebel aufzuspüren. Die Vulkanierin fungiert dabei ausschließlich als Initiatorin der Rückblenden. Sie darf in gleichmäßigen Intervallen genau die Fragen stellen, die jedem Zuschauer ebenfalls unter den Nägel brennen würden und ist somit eher ein Stilmittel im Sinne der Handlung, als ein wirklich beteiligter Charakter.
Interessant ist bei dieser Rahmenstory allerdings ein Aspekt, der genau genommen nichts mit „First Flight“ zu tun hat. Es mag meiner Einbildung entspringen, aber ich halte Archers Abfuhr an Trip, was dessen mögliche Beteiligung an der Mission angeht, für sehr rüde. Es klingt fast so, als wäre zwischen den beiden etwas vorgefallen, was noch nicht vollständig geklärt ist. Klar, dass ich hier auf die Geschehnisse aus „Cogenitor“ anspiele - eine Episode, die geradezu nach einer Weiterentwicklung schreit. Zugestanden - in „Regeneration“ war auf Grund der Notsituation kein Platz dafür. Hier jedoch scheinen Trinneer, Bakula und Regisseur Burton (der ja, wie oben bereits gesagt, für „Cogenitor“ verantwortlich war) diese kleine - unbedeutende und unauffällige - Szene bewusst so angelegt zu haben, dass eine Interpretation dieser Art möglich ist. Ich bezweifle jedoch, dass die Autoren selbst diese Art der Darstellung forciert haben. Vielleicht ist es wirklich nur eine persönliche Idee des Trios gewesen - oder pure Einbildung (oder auch Wunschdenken) meinerseits. Was denkt der Rest von euch?
Damals als wir noch jung waren, aber nicht so aussahen
Wirklich zur Sache geht es allerdings im Hauptteil der Episode. Den Rückblenden in eine Zeit, als Archer noch Commander und Anwärter auf die ersten Warp-2-Flüge war, den Ingenieur Trip noch gar nicht kannte und der spätere Admiral Forrest als Commodore bereits einen wichtige Rolle bei Starfleet innehatte. Grundsätzlich ist es immer schön, etwas über den Hintergrund der Charaktere zu erfahren. Ebenso wie „Carbon Creek“ bedient sich „First Flight“ den drei stärksten Individuen der Besatzung. Nur ist es diesmal Archer, der T'Pol eine Geschichte über sich und Trip erzählt. Die Freundschaft der beiden nahm also - ebenfalls interessant in Bezug auf „Cogenitor“ - genau durch eine dieser unüberlegten Aktionen ihren Anfang, die Archer Trip inzwischen nicht mehr verzeihen kann.
Der junge Chefingenieur scheint schon immer ein sehr direkter und furchtloser Typ gewesen zu sein. Seine Umgangsformen haben sich zumindest wenig verändert, wenn man die bisherige Serie als Vergleichsbasis heranzieht. Archer hingegen war vor nicht allzu langer Zeit noch eher ein zurückhaltender, fast ängstlicher Paragraphenreiter, der sich scheute, jegliche Art von Risiken einzugehen. Erst durch den beherzten Trip und den skrupellosen Robinson lockerte er seine Einstellung und wurde von dieser Erfahrung ausgehend (vermutlich) zu dem Captain, den wir als manchmal widersprüchlich aber zumindest immer engagiert und entscheidungsfreudig seit nun zwei Jahren kennen gelernt haben.

Diverses
Dazu erhält endlich auch Vaughn Armstrong alias Forrest einen größeren Anteil an der Handlung. Durfte er in den bisherigen Episoden immer eher den Stichwortgeber spielen, wird er hier endlich zu einem Teil der Handlung und gewinnt an Kontur. Sympathisch und interessant war die Figur ohnehin immer - eine weitere Ausarbeitung kann jedoch bestimmt nicht schaden.
Optisch kann man der Umsetzung ebenfalls wenige Vorwürfe machen. Sowohl das Kontrollzentrum (wenn auch etwas beengt), als auch der Hangar oder die Startrampe machen einiges her. Das Design der NX-Alpha ist dazu eine schöne Hommage an Cochranes Warp-Rakete aus „Star Trek: First Contact“. Begeistern kann aber auch der Club 602, von dem wir ja bereits in „Shuttlepod One“ hörten. Die Kellnerin Ruby, der Trip und Reed nach eigenem Bekunden verfallen waren, hat ebenfalls einen amüsanten Gastauftritt und sorgt für mehr serieneigene Kontinuität.
Aus diesem Bereich entspringt auch die Nennung der Kandidaten für den ersten Flug mit Warp 2. Duval ist uns zwar bisher kein Begriff, dafür scheint es sich bei Gardner allerdings um die Person zu handeln, die Soval gerne als Captain der Enterprise gesehen hätte („Shadows of P'Jem“).
Nicht wirklich glaubhaft empfand ich hingegen die Tatsache, dass die Vulkanier den ganzen Vorfall um die Entführung der NX-Beta nicht dokumentierten. Die beiden „Berater“ werden diese schlimme Befehlsverweigerung bestimmt nicht aus reiner Herzensgüte vergessen haben - gerade weil sie Archer nicht als Captain der späteren NX-01 haben wollten, wäre hier die Möglichkeit, ein gutes Druckmittel zu erhalten, durchaus gegeben gewesen. Die Episode bleibt leider jegliche Antwort schuldig - schade. Auch finden Trip und Archer genau genommen sehr schnell zueinander. Vom Kennenlernen bis zum finalen Versprechen, den jungen Heißsporn für das erste Kommando zu bedenken, lässt Archer kaum Zeit vergehen. Hier wurde weniger Maßarbeit geleistet, als ich gehofft hatte.
Happy birthday
Unter dem Strich bleibt jedoch festzuhalten, dass die Serie sich zur fünfzigsten Episode selbst beschenkt hat. Genau wie „Carbon Creek“ ist „First Flight“ eine äußerst liebenswerte, warmherzige, bedächtige und irgendwie verträumte Episode, die niemals versucht aus ihren Begrenzungen auszubrechen. Die Story und das Gefühl stehen merklich im Vordergrund. Dieses Kompliment gebührt ganz klar John Shiban und Chris Black, die ihr Können erneut unter Beweis stellen. Aber auch Bakula, Trinner und der raubeinige Keith Carradine als A. G. Robinson tragen enorm zum Gelingen bei.
Gerade im Hinblick auf die - doch eher reißerische und actionlastige - dritte Staffel kam mir „First Flight“ wie ein melancholischer Abgesang auf das klassische „Star Trek“ vor. Vielleicht täusche ich mich aber, und die Zukunft hält weitere Ausflüge dieser Art bereit... trotz aller anstehenden Veränderungen.

Wie sagte Quark doch einst so weise: „The more things change, the more they stay the same.“ Vielleicht besitzt dieser Ausspruch ja auch in Bezug auf „Star Trek: Enterprise“ prophetische Qualität...
Gib dem Kind einen Namen
„First Flight“ ist ein sehr passender, weil schon vom klang retrospektiver Titel. Außerdem einmal wieder eine kleine Doppeldeutigkeit in Bezug auf den ersten Flug in einen "Dunkle-Materie-Nebel" durch T'Pol und Archer. Im Deutschen wird es diesmal ungewöhnlich. Statt auf „Der erste Flug“ oder „Jungfernflug“ auszuweichen, wird das im allgemeinen Sprachgebrauch eher selten verwendete "Erstflug" bemüht. Legitim, aber ein wenig ungelenk.
Fazit
Mit „First Flight“ liefert Star Trek: Enterprise einen sehr angenehmen Beitrag zum ursprünglichen Setup der Serie, grundiert einige Charaktere und schafft es durchgängig, ein befriedigendes Gefühl beim Betrachter zu hinterlassen. Erneut eine dieser kleinen Episoden, die den vermeintlich großen dank Warmherzigkeit und Liebe zum Detail spielend das Fürchten lehrt.
Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 20. Juni 2015(Star Trek: Enterprise 2x24)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x24
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?