Star Trek: Enterprise 2x21

Star Trek: Enterprise 2x21

„Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“ In bester Star Trek-Manier muss Dr. Phlox frei nach Albert Einstein eine wichtige Lektion lernen: Vergangenheit ist das, was man in Zukunft daraus macht. Ein Gastreview von Björn Sülter.

Star Trek: Enterprise / (c) UPN
Star Trek: Enterprise / (c) UPN

Was erwartet uns?

Durch einen Staatsstreich auf dem Planeten Xantoras müssen alle außerirdischen Besucher den Planeten verlassen. Trip, Malcom und Travis versuchen, unterirdisch arbeitende denobulanische Geologen zu evakuieren, doch diese wollen den Planeten nicht verlassen. Unterdessen begrüßt die Crew der Enterprise antaranische Besucher an Bord, denen man Hilfe bei der Reparatur ihres Schiffes anbietet. Schnell stellt man fest, dass sie aufgrund eines lange vergangenen Krieges nicht gut auf Denobulaner zu sprechen sind...

Dies & das

  • Nach Dr. Phlox (John Billingsley) und einer seiner Frauen namens Feezal in Stigma bekommen wir weitere Denobulaner zu sehen.
  • Robert Duncan McNeill (Paris in Star Trek: Voyager) führte in der ersten Season bei der grandiosen Episode Cold Front Regie - danach versank er jedoch in der Versenkung - und kehrt nun wieder auf den Regiestuhl zurück.
  • Wir bekommen zu Beginn der Episode einen Tribble zu sehen. Die Tribbles wurden von vielen Planeten verbannt, da sie sich unkontrolliert vermehren. Auf ihrem Heimatplaneten wird ihre Population durch Reptilien in Zaum gehalten.
  • Phlox verfüttert Tribbles - wenn er denn mal an welche herankommt - gerne an seine Fledermaus.
  • Denobulaner und Antaraner haben viele Kriege geführt - den letzten vor knapp 300 Jahren. Insgesamt starben laut Hudak über 20 Millionen Antaraner. Noch heute wird durch Propaganda der Hass und die Ablehnung auf beiden Welten geschürt.
  • Phlox hat noch nie einen Antaraner gesehen. Gleiches galt für Hudak und einen Denobulaner.
  • Phlox wurden als Kind von seiner Großmutter Geschichten über die Antaraner erzählt. Er hatte dadurch oft Albträume. Seine eigenen Kinder hat er aufgezogen, ohne diese Geschichten zu erzählen.
  • Mit seinem Sohn Mettus jedoch hat Phlox seit zehn Jahren nicht gesprochen, da dieser den Vorurteilen gegenüber den Antaranern Glauben schenkt.

    Denobulaner können ohne Ausrüstung steile Wände heraufklettern.

  • Archer (Scott Bakula) sagt, er habe Phlox' Fähigkeiten oder Integrität nie angezweifelt.

Hardliner Trip

We didn't risk our lives to hear you say ‘thanks, but no thanks!“ (Trip)

If you don't start moving in the next 5 seconds I'm going to get out my phaser and shoot you in the ass...one...two...“ (Trip)

Von Phlox & einem starken Team

Doktor Phlox in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen, hatte in der ersten Season für eine der bisher besten Episoden gesorgt. Mit „Dear Doctor“ gelang damals ein typisches Stück Star Trek, das sowohl die darstellerische Klasse Billingsleys als auch das große erzählerische Potential der Figur des Schiffsarztes und der Serie an sich auslotete und offenlegte.

Seitdem geriet die Figur jedoch wieder - wie bereits vor „Dear Doctor“ - eher an den Rand des Geschehens. Umso schöner, sie nun wieder im Zentrum des Interesses zu erleben.

Zudem sorgte Regisseur Robert Duncan McNeill (Tom Paris aus Star Trek: Voyager) ebenfalls in der ersten Season mit seiner bisher einzigen Regiearbeit der Serie für eine weitere Episode aus dem Bereich Highlight. Das TCW-Outing Cold Front wartete sowohl mit starker Atmosphäre als auch mit knackigen Dialogen und einer großformatigen Handlung auf. Ein guter Grund sich auf seine Rückkehr in The Breach zu freuen.

Als dritten Pluspunkt konnte man im Vorwege bereits die Kombination der Autoren Shiban und Black notieren. Hatte John Shiban mit Minefield, Dawn und Canamar bisher dreimal zumindest nicht vollkommen enttäuscht (ohne dabei jedoch zu begeistern), kann Chris Black in der aktuellen zweiten Season mit Singularity & Cease Fire zwei absolute Gewinner vorweisen und arbeitete zudem schon an starken Episoden wie Fallen Hero und Carbon Creek mit.

Star Trek: Enterprise © UPN
Star Trek: Enterprise © UPN

Und tatsächlich: Die Komponenten fügen sich zu einem durchaus überzeugenden Ganzen zusammen. Einzig die Homogenität will sich nicht einstellen - geschuldet der Entscheidung, die Episode aus einer Situation zu destillieren, die sich genaugenommen in zwei Handlungsfäden aufteilt. Eine Praktik, die in der Serie bisher eher eine Seltenheit war.

Unbekannter Feind

Im Vordergrund steht - aus rein emotionalen Gründen - die Handlung um Dr. Phlox und seinen widerwilligen Patienten Hudak (Henry Stram). Hier leisten Black & Shiban großartige Arbeit, eine Situation zu zeigen, in der zwei Völker einen lange vergangenen Krieg nicht verarbeiten konnten und sogar nach 300 Jahren noch nicht in der Lage sind, aufeinander zuzugehen. Phlox und Hudak haben beide noch keine Vertreter der jeweils anderen Rasse kennengelernt - ein Hohn, wenn man bedenkt, auf welch feindseliger Ebene sie sich trotzdem begegnen. Der Horror, den beide empfinden, den anderen nur von Angesicht zu Angesicht zu sehen, wird jedoch von Billingsley und Stram vorbildlich dargestellt. Man kann die jahrzehntelange Prägung durch die Gesellschaft geradezu körperlich spüren und muss erkennen, dass diese beiden intelligenten Männer trotz vielleicht vorhandener Versuche keine angebrachte Reflexion der überlieferten Ereignisse für sich erreichen konnten. Eine Erkenntnis, die sicherlich nicht einfach zu verarbeiten ist.

Der Konflikt, den Phlox mit sich austragen muss ist hierbei auch eindeutig der Kern. Über sein Gegenüber Hudak erfahren wir insgesamt zu wenig. Sein Seelenleben liegt nicht annähernd so offen, wie das, des emotional völlig überforderten Doktors. Auch die Vertrauenskrise zwischen Phlox und Archer kann hier nicht mithalten - wirkt aber dennoch nie unangebracht. Das Lob gebührt hier aber definitiv John Billingsley alleine. Der Mime schafft es generell, aus jeder Situation das Beste herauszukristallisieren. Hier übertrifft er sich jedoch selbst - besonders wenn die ganze Last aus Phlox herausbricht und er den vermeintlichen Feind lautstark beschuldigt, für den fortwährenden Hass verantwortlich zu sein. Er weiß es eigentlich besser: Es gehören immer zwei dazu.

Auch die Kleinigkeiten, die wir wieder über seine Familie und besonders über seinen Sohn Mattes erfahren, bereichern die Figur. Hier bahnt sich nach und nach eine Komplexität an, die wohl keiner der Figur zugetraut hätte. Behutsamen Aufbau vorausgesetzt dürfen wir hier bestimmt noch einiges erwarten.

Der Ablauf dieser A-Handlung ist ideal gewählt worden, besitzt aber in der konsequent auftauchenden B-Handlung ihren einzigen Makel. Dabei kann die Rettungsoperation von Trip (Connor Trinneer), Malcolm (Dominic Keating) und Travis (Anthony Montgomery) sowohl inhaltlich als auch optisch durchaus überzeugen. Hier werden zwar keine Innovationen auf den Schirm gezaubert, aber die handwerkliche Klasse in der Umsetzung ist sichtbar. Besonders die Tatsache, dass Travis erneut einen gewichtigen Anteil an der Mission erhält und nebenbei den starken Leader und Retter geben darf, ist aller Ehren wert. Sollte hier endlich ein Umdenken stattfinden? Zu hoffen wäre es. Den Umstand, dass es erneut er sein muss, der am Ende noch verletzt ausscheidet, lasse ich mal diskret außen vor...

Dennoch: Ohne den Subplot um die störrischen Denobulaner hätte „The Breach“ die Schwelle zur perfekten Episode überspringen können. Erinnerungen an Glanzlichter wie Duet (Star Trek: Deep Space Nine) oder Jetrel (Star Trek: Voyager) werden hier besonders wach. Hätte man der Haupthandlung dieses Potential zugetraut, ihr also den Raum gelassen, dieses auch zu entfalten und den Konflikt auf den Rest der Zeit ausgeweitet - ich hätte jubelnd eine höhere Wertung vergeben.

Fahrstuhlmusik

Nicht vergessen sollte man wie so oft die gelungenen Effekte (Höhlen-Szenen) und die Leistungen der weiteren Darsteller (besonders Bakula, Trinneer und Montgomery). Auf der Minus-Liste steht diesmal jedoch die Musik: Nach den großartigen Scores der letzten Wochen liefert der zwar zuverlässige, aber oft uninspirierte Jay Chattaway nur Dutzendware ab. Schade drum.

Gib dem Kind einen Namen

Fast bin ich titeltechnisch schon eingeschlafen, da kommt mit „The Breach“ mal ein zweideutiger und passender daher. Erstens bezieht er sich natürlich auf den fast auftretenden Bruch des Protokolls, durch Phlox´ Weigerung den Patienten zu behandeln. Dazu wird das Ende der Episode für Phlox und Hudak zu einem Durchbruch in Sachen Vorurteile und Vergangenheitsbewältigung. Vielleicht ja sogar ein Neuanfang für die beiden Spezies. Tja - und kaum gefällt mir mal wieder ein englischer Titel, werden die Synchronleute wieder kreativ. Dennoch: Sie haben mit „Böses Blut“ eine ebenso passende wie einfache Variante gewählt, der allerdings die Doppeldeutigkeit abgeht. Trotzdem eine gute Idee.

Fazit

The Breach“ ist der neue Maßstab für oberes Mittelmaß. Unterhaltsam, durchaus mitreißend, abwechslungsreich und anregend. Zum großen Wurf fehlt es nur an inhaltlicher Ausgewogenheit und an klaren Prioritäten. Ohne Frage haben wir es hier aber mit einem Gewinner zu tun. Kudos an John Billingsley für eine tolle Performance!

Verfasser: Tim Krüger am Sonntag, 7. Juni 2015
Episode
Staffel 2, Episode 21
(Star Trek: Enterprise 2x21)
Deutscher Titel der Episode
Böses Blut
Titel der Episode im Original
The Breach
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 23. April 2003 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 6. November 2004
Autoren
Leslie Hope, Sarah Clarke
Regisseur
Robert Duncan McNeill

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x21

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