Star Trek: Enterprise 2x18

Star Trek: Enterprise 2x18

Erstkontakt zum Abgewöhnen: Reed muss sich aufs Peinlichste an T'Pol ranmachen, Trip hat die ganze Zeit ein seliges Lächeln im Gesicht und am Ende kulminiert die Weisheit der jungen Sternenflotte in einem Mordskawumm ohne Reue. Ein Gastreview von Björn Sülter.

Jolene Blalock und Scott Bakula in „The Crossing“. / (c) UPN
Jolene Blalock und Scott Bakula in „The Crossing“. / (c) UPN

Was erwartet uns?

Die Enterprise wird durch ein außerirdisches Schiff außer Gefecht gesetzt. Kurz darauf passieren merkwürdige Dinge an Bord und jegliche Kommunikation mit den Angreifern schlägt fehl. Es stellt sich heraus, dass es sich um körperlose Wesen handelt, die nur die körperliche Existenz ergründen wollen. Archer (Scott Bakula) traut dem Frieden jedoch nicht...

Dies & das

  • Endlich sehen wir Crewman Rostov alias Joseph Will wieder. Er tauchte bisher in „Vox Sola“ und „Two Days and Two Nights“ auf. Crewman Cunningham (Matthew Kaminsky) begegneten wir zuerst in „Singularity“.
  • Tucker (Connor Trinneer) hatte eine Freundin namens Lisa. Er fuhr gerne mit ihr nach Tarpan Springs in Florida.
  • Dr. Phlox (John Billingsley) ist zwar nicht gerade ein Kraftprotz, aber für seine Fingerfertigkeit berühmt.
  • T'Pol (Jolene Blalock) scheint den menschlichen Ausdruck „something smells funny“ zu verstehen, oder sich nicht weiter um die Bedeutung zu kümmern.
  • Die Crew hat den ersten Kontakt der Sternenflotte mit nicht-körperlichen Wesen.

Out-of-body-talk

You're very interesting. Trapped in bodies that need maintenance. You have gender. You require mates to reproduce. You eat food. We were like you once but we evolved. Now we can learn how our ancestors lived.“ (Trip)

You claim to be an explorer Captain - open your mind to new possibilities.“ (Trip)

You are very beautiful. Are you aware that you are the most attractive woman on board this ship?“ (Reed)

Do you think it is appropriate for you to be here at this hour?“ – „Would you mind taking off your clothing. I would like to learn more about your anatomy.“ - „Have you been drinking?“ - „If we are to engage in mating it would be easier if you disrobed.“ (T'Pol und Reed)

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Crossing%26ldquo; © UPN
Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Crossing%26ldquo; © UPN

Back to Belanglosigkeit

Was erwartet man nach einer Reihe wirklich guter Folgen? Ok - ganz eindeutig zu viel. The Crossing kann dieser Bürde nie gerecht werden. Zu lang sind die Schatten von „Stigma“, „Cease Fire“, „Future Tense“ und sogar von dem eine ganze Ecke schwächeren „Canamar“.

Zuerst einmal ist die Übernahme durch Außerirdische natürlich ein uralter Hut, der auch in „Star Trek“ in jeder Serie totgewalzt wurde. Wenn diese Außerirdischen dann auch noch unschuldig tun, aber böse Absichten haben, wird es noch finsterer. Dem Standardmuster folgend, setzt die Crew alles daran, die Angreifer zu stoppen, während man nie wissen kann, wer gerade übernommen wurde. Leider so auch hier. Am Ende werden die finsteren Körperlosen in die Flucht geschlagen oder zerstört und alles ist wieder gut. Tja, es scheint eben nur dieses eine Strickmuster zu geben. 

Der grüne Punkt

Hier zeigt sich wieder einmal, dass Berman und Braga die ungekrönten Könige des Recyclings sind. Wenn beide für einen Plot verantwortlich zeichnen, sind große Überraschungen Mangelware. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel - hier aber leider nicht. Schlimm ist in diesem Zusammenhang auch, dass nicht nur in anderen Serien gewildert wird, sondern hier sogar einige Folgen der eigenen Serie schamlos neu zusammengemischt werden. Im Prinzip sind es Versatzstücke aus „Singularity“ und „The Catwalk“, die hier bemüht werden und locker mal knapp 70% des Inhalts ausmachen.

Mike Sussman und Phyllis Strong, Chris Black und auch John Shiban (wenn auch bisher nur ebenfalls mit Recycling beschäftigt) scheinen alle durchaus talentiert zu sein. Warum zur Hölle müssen Berman und Braga dennoch immer wieder Geschichten bringen, wenn sie nichts zu sagen haben? Warum müssen sie immer noch einen Großteil der Episoden schreiben? Warum nicht einen Schritt zurücktreten und das tun, was besonders Rick Berman erwiesenermaßen kann? Produzieren. Beispiele gefällig? Hier mal die bisher besten Episoden der Serie mit den zugehörenden Autoren:

Broken Bow“: Rick Berman & Brannon Braga & Stephen Beck & Fred Dekker 

Cold Front“:  Steve Beck & Tim Finch (beide nicht mehr dabei ...)

Silent Enemy“: Andre Bormanis (noch dabei)

Dear Doctor“:  Marie & Andre Jacquemetton (beide nicht mehr dabei ...)

Shuttlepod One“:  Rick Berman & Brannon Braga

Vox Sola“: Rick Berman, Brannon Braga & Fred Dekker

Dead Stop“:  Mike Sussman & Phyllis Strong (noch dabei)

Singularity“:  Chris Black (noch dabei)

The Catwalk“:  Mike Sussman & Phlyllis Strong (noch dabei)

Stigma“: Rick Berman & Brannon Braga

Cease Fire“:  Chris Black (noch dabei)

Future Tense“:  Mike Sussman & Phyllis Strong (noch dabei)

Hier könnte man mit Fug und Recht sagen: zwölf wirklich gute Folgen aus dreiundvierzig - und immerhin an vier waren Berman und Braga auch als Autoren beteiligt. Nicht übel!

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Crossing%26ldquo; © UPN
Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Crossing%26ldquo; © UPN

Aber rechnen wir mal anders - es handelt sich hier nämlich nur um ein Drittel von einem Viertel aller Folgen. Ich bin kein Mathegenie - aber das klingt nicht nach etwas, für das man sich gegenseitig auf die Schulter klopfen muss. Wem das aber dennoch nicht aussagefähig genug daherkommt, lasse sich von mir noch einmal die bösesten Aussetzer und schlimmsten Recycling-Fälle der Serie bisher vorstellen:

Terra Nova“: Rick Berman & Brannon Braga

Civilization“: Rick Berman & Brannon Braga

Sleeping Dogs“: Fred Dekker (nicht mehr dabei)

“:  Rick Berman & Brannon Braga & Chris Black

Acquisition“: Rick Berman & Brannon Braga

Oasis“: Rick Berman & Brannon Braga & Stephen Beck

Marauders“: Rick Berman & Brannon Braga

The Communicator“: Rick Berman & Brannon Braga

Precious Cargo“:  Rick Berman & Brannon Braga

Dawn“: John Shiban (noch dabei)

The Crossing“:  Rick Berman & Brannon Braga & Andre Bormanis

Wer will und kann da ernsthaft noch von Pech oder Zufall sprechen? Die Erklärung ist ganz einfach: Rick Berman und Brannon Braga waren zum Start der Serie vom Kopf her einfach gar nicht bereit dafür. Sie hatten schlicht zu wenige Ideen. Dazu kam eine zu hohe Folgenanzahl, ein zu kleiner Autorenstab und Pech mit der Besetzung des Writers Rooms. Das Ergebnis: Die beiden Produzenten mussten zu viele Episoden selber ausarbeiten. Gerade Braga wies darauf auch im Bonusmaterial der Blu-rays oft genug und ehrlich hin. Dadurch leidet die Trefferquote und die Qualität. Dass gerade Braga gut schreiben kann, ist ja kein Geheimnis. Aber hier haben er und Rick Berman sich, der Serie und den Zuschauern wirklich keinen Gefallen getan.

Aber genug davon

Bis zu diesem Punkt hätte „The Crossing“ also ganz eindeutig eine vernichtende Wertung verdient. Glücklicherweise für den Zuschauer finden sich jedoch einige Punkte, die definitiv auf der Habenseite zu verbuchen sind. Als da wären...

  • Sowohl Connor Trinneer als auch Dominic Keating bringen perfekte „böse“ Varianten ihrer Charaktere ein. Trinneer gibt den bedächtigen und vertrauenerweckenden Forscher, den nichts als gute Absichten treiben. Ein großer Kontrast zu seinem sonstigen Spiel als Trip. Keating kehrt die Seite an Reed heraus, die man in „Shuttlpod One“ bereits sehen durfte (siehe Whiskey-Szene). Seine Avancen gegenüber T'Pol passen sowohl zum Interesse der Wesen am Konzept der Zweigeschlechtlichkeit als auch zu Reeds unterdrückten Wünschen.
  • John Billingsley erhält großen Anteil an der Auflösung und darf zum ersten Mal auch einen Action-Part bestreiten. Keiner im Cast kann aus Nichtigkeiten so viel schauspielerische Finesse herauskristallisieren wie Billingsley. Mehr!
  • Sowohl Hoshi Sato (Linda Park) als auch Travis Mayweather (Anthony Montgomery) bekommen wichtige Parts im Ensemble - und das ist der springende Punkt! Die Ensemble-Episoden á la „Vox Sola“ haben mir bisher alle gefallen. Nur wenn - wie hier - die komplette Hauptcrew etwas beisteuern darf, funktioniert das Konzept eines so großen Cast - sogar Anthony Montgomery darf überzeugend wirken.
  • Die erneute Verwendung des Catwalk als Rettungsversteck ist ein willkommener Tupfer in Sachen Kontinuität.
  • Neben den Hauptdarstellern ist sogar Platz für Joseph Will alias Rostov und Matthew Kaminsky als Cunningham. Diese Art der Handhabung ist viel besser geeignet, als jede Woche neue (unwichtige) Crewmitglieder zu zeigen. Dazu ist Rostov wirklich ein sehr interessanter Nebencharakter, den ich gerne häufiger sehen würde.
  • Die Musik: Seit einigen Folgen ist ein stetiger Trend zu erkennen. Weg von den Star Trek: Voyager-08/15-Klängen hin zu opulenten und verspielten Klangteppichen mit überraschenden Instrumenten und Fill-ins. Lange wurde es Zeit - nun scheint es Realität zu werden. Hier darf Paul Baillargeon, der auch schon in „“ und „A Night in Sickbay“ überzeugte, sich ein weiteres Lob abholen.
  • Die Effekte: eigentlich reine Routine, dennoch immer wieder eine Erwähnung wert. Was manche Filme um das Jahr 2000 herum nicht schafften, darf man hier Woche um Woche erleben.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Crossing%26ldquo; © UPN
Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Crossing%26ldquo; © UPN

Um jedoch die ausbrechende Euphorie ob so viel Lobes wieder einzudämmen, kommen wir gleich zu den größten Schwachpunkten.

Es muss leider sein

  • Der Anfang mit seinem „ab in die Handlung“-Feeling ist einfallslos. Warum immer dieses Hauruck-Gehabe? Ich denke wehmütig an die tollen Szenen aus „Star Trek: Deep Space Nine“ zurück, in denen kleine Charakterszenen den Rahmen für eine übergeordnete Handlung bildeten. Schade.
  • Die Aliens, die lange gebraucht haben, endlich körperlos existieren zu können, sind nicht in der Lage, ihr Schiff zu reparieren? Und sie wollen lieber ihre Existenz wechseln und zwei Drittel ihrer Crew sterben lassen? Wie bitte?
  • Der klischeehafte Zufall der Blödheit einer Spezies... Warum übernehmen sie nicht erst einmal die Führungsoffiziere? Nein, wäre zu einfach. Lieber einsperren lassen (ohne viel Gegenwehr) und warten, bis eine Strategie gegen die eigenen Pläne entwickelt wurde. Schon klar.
  • Archer gibt sich wenig Mühe, eine friedlichere Lösung zu finden, als das Schiff zu zerstören. Nebenbei: Dass die Enterprise damit so wenig Probleme besitzt, kann man angesichts des imponierenden Schlachtkreuzers auch nicht wirklich glauben.
  • Das Ende: Aliens tot, alle Crewmitglieder gerettet und Schluss. Mission beendet. Keine Nachwirkungen. Keine Botschaft. Peng und weg. Ganz toll.

Ich denke, das fasst alles ganz passabel zusammen. „The Crossing“ steht mit den Darstellern und dem Grundkonzept einer Ensemble-Show. Die Episode fällt jedoch mit einem unfassbar ausgelutschten Plot, wenig Liebe zum Detail, einer grottigen Behandlung des Themas und einem schlimmen Ende. Versetzung stark gefährdet - setzen!

Gib dem Kind einen Namen

The Crossing“ ist wieder mal ein lauwarmer und recht uninspirierter Titel - eben wenn man keine Lust hat, sich was auszudenken... Die deutsche Variante „Übergang“ ist dann hoffentlich wieder Übergang in eine bessere Titel- und Qualitätszukunft. Keine Einwände hier - trotz allem.

Fazit

Star Trek: Enterprise wabert zurück in den unteren Durchschnitt. Die Darsteller und ihre Charaktere leuchten zuweilen hell, nette Momente sind durchaus vorhanden, der Ensemble-Wert der Handlung rettet einiges. Leider aber nicht die Wertung über diese viel zu vorhersehbare und abrupt beendete Episode. Einschalten, zurücklehnen, vergessen. Peng und weg halt.

Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 30. Mai 2015
Episode
Staffel 2, Episode 18
(Star Trek: Enterprise 2x18)
Deutscher Titel der Episode
Übergang
Titel der Episode im Original
The Crossing
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 2. April 2003 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 19. Dezember 2003
Autoren
Michael Rapaport, Natalia Baron
Regisseur
David Livingston

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x18

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?