Star Trek: Enterprise 2x16

Star Trek: Enterprise 2x16

3 Fragen zum Sonntag: Kann ein Schiff innen größer sein als außen? Kann der TCW-Arc ohne bekannte Gastdarsteller und tiefere Informationen funktionieren? Und kann der Rezensent am Ende ein ehrliches Fazit ziehen, ohne von irgendwem atomisiert zu werden? Ein Gastreview von Björn Sülter.

Ein tholianisches Schiff in „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN
Ein tholianisches Schiff in „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN

Was erwartet uns?

Die Crew findet ein im All treibendes Schiff - an Bord befindet sich eine menschliche Leiche. Da noch nie ein Mensch so weit in die Tiefen des Weltalls vorgestoßen ist, ein schier unmöglicher Fund. Plötzlich taucht ein sulibanischer Frachter auf, der sein Anrecht für die Cabal geltend machen will. Und auch die Tholianer mischen auf einmal mit. Die Crew gerät erneut zwischen die Fronten des Temporal Cold War...

Dies & das

  • Die Episode hieß eigentlich „Crash Landing“ - wurde aber vermutlich aufgrund der Columbia-Katastrophe umbenannt.

  • Es ist soweit! Die Suliban sind zurück, nachdem man sie seit Shockwave (2) nicht mehr gesehen hat.

  • Die Hauptfiguren des Temporal Cold War, Silik alias John Fleck und Daniels alias Matt Winston nehmen ebenso wie der mysteriöse Future Guy alias James Horan diesmal eine Auszeit. Dafür ist jedoch erneut Vaughn Armstrong als Admiral Forrest zu sehen - sein somit neunter Auftritt in dieser Rolle. Dazu gesellen sich drei weitere Gastrollen - also insgesamt zwölf.

  • Außerdem werden wir erstmals in Star Trek: Enterprise eine weitere Spezies der Originalserie zu sehen bekommen - die Tholianer! Laut Produzent Brannon Braga sollten sie eine wichtige Rolle im Temporal Cold War spielen.

  • Hierbei handelt es sich um die sechste richtige Episode des Mythologie-Bogens um den Temporal Cold War, wobei Detained eher unterschwellig auf das Thema einging und mehr zur Vertiefung der Suliban diente.

  • Zum ersten Mal ist ein tholianisches Schiff zu sehen.

  • T'Pol (Jolene Blalock) erklärt, dass die Vulkanier bisher nur begrenzten Kontakt mit den Tholianern hatten.

Zitate der Woche

  • You might have solved the greatest missing persons case of the century.“ - „If we haven't, we've discovered and even bigger mystery.“ (Forrest & Archer)

  • What's the fun in exploring if you know how it all turns out?“ (Trip spricht ein Problem von Prequels an)

    I wonder if they will believe that humans and vulcans will be swapping chromosomes one day?“ - „They're more likely to believe in time travel.“ (Archer & T'Pol)

Mein 4. Vorschlag für die "Beste Szene der zweiten Season":

Trip (Connor Trinneer) und Malcolm (Dominic Keating) öffnen eine Bodenluke in dem kleinen Schiff und finden eine Treppe, die knapp zwanzig Meter nach unten führt... Man schaue in die Gesichter der beiden: preisverdächtig! Ebenso Trips typisch naive Reaktion. Keiner kann das so gut wie er!

It's back!

Nachdem uns schon die letzten beiden Episoden eine erstaunliche Qualität auf völlig unterschiedlichen Gebieten beschert haben, kehrt Star Trek: Enterprise nun mit Future Tense zu dem in dieser Season noch brach liegenden Handlungsbogen um den Temporal Cold War zurück.

Und wie!

Geschickt werden frühere Äußerungen (zum Beispiel von Daniels) und Brocken an Informationen genutzt, um eine eigenständige Handlung auf der Grundlage bekannter Fakten zu schaffen. Die Idee, ein kleines und scheinbar zerstörtes Erkundungsschiff (?) aus dem 31. Jahrhundert, das scheinbar eine Bruchlandung in Archers Zeit hingelegt hat, aus dem Nichts auftauchen zu lassen, ist an sich schon originell. Dazu gesellen sich aber vor allem mit den Suliban und den erstmals seit Classic-Zeiten auftauchenden Tholianern zwei Spezies, die scheinbar keine Zeit verlieren wollen, das Schiff in ihre Hände zu bekommen. Somit könnten die Tholianer eine den Suliban verfeindete Gruppe in diesem Krieg sein - was sie aber natürlich noch längst nicht zu Freunden der Enterprise-Crew macht.

Überhaupt ist es geschickt, neben Daniels einerseits und den Suliban mit Silik und Future Guy andererseits endlich eine weitere Fraktion einzuführen, um so die Palette der Akteure in diesem Verwirrspiel zu erweitern. Wie Daniels zu dem ganzen steht, ob der mysteriöse Future-Guy ausschließlich für die Suliban in Aktion tritt oder wer sich eigentlich hinter seiner Gestalt verbirgt - auf all diese Fragen erhalten wir weiterhin keine Antworten. Auch, weil beide - genauso wie Silik - nicht auftauchen. Letzterer wird aber immerhin kurz erwähnt. Somit breitet sich das Thema aus und nimmt an Unübersichtlichkeit zu - genau das richtige Feeling für einen Plot dieser Art. Zumindest in diesem frühen Stadium.

Another Appetizer

Future Tense dient allerdings weitestgehend - wie auch schon Cold Front - „nur“ als Set-up, als Spannung erzeugender Appetithappen für etwas Größeres, von dem wir nicht wissen oder erahnen können, was es ist. Wäre die Grundstory der Episode nicht so gelungen und die Ausführung nicht dermaßen überzeugend - man könnte ob der fehlende Erkenntnisse leise hüsteln. Für sich funktioniert die Geschichte jedoch perfekt und lässt den Zuschauer eher neugierig als frustriert zurück.

Der Fokus der Handlung liegt dabei lange Zeit auf dem Schiff und seiner Wirkung auf die Crew. Trip und Reed versuchen, mehr darüber in Erfahrung zu bringen, während Archer (Scott Bakula) und der Rest der Besatzung sich mit ersten Angriffen der alten und neuen Gegenspieler herumschlagen müssen. Der Plan, das Schiff den Vulkaniern zu übergeben, bindet perfekt das letzte Woche erlebte „neue“ Vertrauen zwischen den beiden Spezies in die aktuelle Handlung ein. Obwohl erstgenannte nicht an Zeitreisen glauben, sind sie bereit, den Menschen zur Hand zu gehen und das vermeintliche Zeitschiff zur Erde zu bringen. Ein weiterer kleiner Schritt in eine bessere (gemeinsame) Zukunft der Völker.

Die Untersuchung des Wracks bringt dann auch einige der besten Szenen - alleine der Gesichtsausdruck des Duos Reed/Tucker beim Entdecken des jede Vorstellung sprengenden Geheimganges ist preisverdächtig. Generell trägt diese Enthüllung extrem zur Stimmung rund um das Schiff bei - hierbei handelt es sich endlich einmal wieder um wirklich fremdartige und nicht in die Zeit passende Technik. Zu vergleichen am ehesten mit Daniels futuristischen Vorrichtungen. Auch das Mysterium um das vermeintliche Logbuch, welches sich schließlich als Signal-Boje für den Notfall herausstellt, lässt die Crew wie Marionetten, wie vollkommen überforderte Statisten dastehen - ein cleverer Schachzug, der uns in eine Position bringt, in der wir mitleiden und mitfiebern können, anstatt der Crew nur bei ihrer Tätigkeit zuzusehen. Wir wissen genauso wenig wie sie - und das ist zu diesem Zeitpunkt auch gut so.

Continuity-Gag

Eine weitere herausragende Szene, die für nicht umfassend informierte Zuschauer eine interessante Theorie darstellt, und gleichzeitig Kennern der Classic-Serie ein befriedigtes Lächeln abringt, ist Archers Vermutung, bei dem toten Piloten handele es sich um den einst unter mysteriösen Umständen bei einem Testflug verschollenen Dr. Zephram Cochrane. Dieser war in der Classic-Serie in der Episode Metamorphosis von Kirk und Co. lebend auf einem Planeten aufgefunden worden - nun wissen wir auch, wie sein Verschwinden - nicht nur laut Geschichtsbüchern - überhaupt zustande kam.

Cochranes Charakter wird dadurch auf geschickte wie großartige Weise um eine Facette bereichert, da wir nun wissen, was ursprünglich seine Motivation war („Star Trek: First Contact“), wie er zu dem geschichtsträchtigen Mann wurde, der den ersten Warp-Flug durchführte und den ersten Kontakt herstellte (ebenfalls „Star Trek: First Contact“), dass er dann den Warp-5-Komplex mit errichtete (Broken Bow), schließlich - unter Umständen aufgrund von schwindendem Lebenswillen - verschwand und durch den „Companion“ auf dem Planeten Gamma Canaris N verjüngt wurde („Metamorphosis“).

Somit ist nicht nur seine Biographie nun, dank eines Kinofilms und zweier Serien nach knapp 35 Jahren besser bekannt, sondern es sind sogar letztlich alle Probleme in der Kontinuität beseitigt. Eine herausragende Leistung der Autoren Strong & Sussman, die mehr und mehr zu meinen Favoriten werden, nachdem sie bereits für Folgen wie Dead Stop und The Catwalk verantwortlich zeichneten. Nebenbei macht dieses Spiel mit dem Unwissen der Crew und dem potentiellen Wissen der Zuschauer schlicht Spaß und funktioniert beidseitig perfekt. Ihn als den Leichnam zu vermuten, ist erst einmal eine vollkommen logische Annahme des Captains - zumindest bis entdeckt wird, dass es sich um keinen Menschen, sondern eine Mischform aus Mensch, Vulkanier und anderen Spezies handelt.

Bild aus der Episode %26bdquo;Future Tense%26ldquo; der Serie %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo; © UPN
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Überhaupt hat Archer einen weiteren starken Auftritt - endlich zeigt er deutlich, dass er mehr über die Hintergründe dieses Kriegs herausfinden möchte. Genau wie die Zuschauer zehrt die Ungewissheit an ihm, gleichzeitig fasziniert ihn alles, was mit den Vorgängen zu tun hat. Der Captain wird auf diese Art der Darstellung zum Anwalt der Fans und gewinnt erneut an Format. Hoffentlich ist sein „It's time to take a more active role“-Ausspruch nicht nur eine hohle Phrase, sondern markiert wirklich den Beginn einer intensiveren Beschäftigung mit dem Thema. Die völlige Abstinenz in den 14 Episoden nach Shockwave fing - zugegebenermaßen - bereits an, mich zu frustrieren, da gerade zum Ende der ersten Season in so vielen Folgen geschickte Anspielungen eingewoben wurden, die nun vollkommen fehlten. Hoffentlich wird sich das nun aber wieder zum Besseren wenden.

Einziger Makel der Episode ist das etwas überstrapazierte Element des Flüchtens, das bereits in einigen Folgen zum Tragen kam. Hier kann es jedoch nicht wirklich stören, da einerseits die Verfolger auch untereinander noch ihre Kämpfe austragen und ihren Fokus gar nicht primär auf die Enterprise richten, und weil das vermeintliche Ende der Jagd vollkommen aus dem Rahmen des Erwarteten fällt. Beim Anblick des kampfunfähigen Vulkanierschiffes registrierte ich bei mir Überraschung. Solange sich die Handlung abseits ausgetrampelter Pfade bewegt und wie hier völlig unberechenbar und das Risiko nicht kalkulierbar wirkt, wird dieser Handlungsteil der Serie nur besser werden. Ein ähnliches Gefühl baute sich bei mir in Sachen SF-Serien vorher nur bei Babylon 5 (Schattenkrieg) und Star Trek: Deep Space Nine (Dominionkrieg) auf. Klasse!

Dazu gibt es eine zur Abwechslung mal wieder perfekte Art des Recyclings. Die völlig unerklärbaren Zeitphänomene, die sich in der Nähe des Zeitschiffes abspielen, sind nicht nur aus Star Trek hinlänglich bekannt. Hier werden Erinnerungen an „Cause and Effect“ (Star Trek: The Next Generation) oder Filme wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ oder den kaum bekannten „12:01“ wach. Dennoch passen sich die Szenen perfekt in das Mysterium ein, welches das Schiff umgibt. Hier macht das ganze Zeitreise-Konzept über mehrere Episoden für mich erstmals einen schlüssigeren und einheitlicheren Eindruck. Zwar ändert das nichts an den paradoxen und oft wirren Erklärungsansätzen, dennoch kann man sich besser in das Thema hineinfühlen als je zuvor.

Eine Frage werden wir uns aber bestimmt bei jeder neuen TCW-Folge stellen müssen...

Wo stehen wir jetzt?

War bereits „Cold Front“ in dieser Hinsicht wenig ergiebig und beantwortete „Shockwave“ andere Fragen als erwartet, bringt „Future Tense“ eigentlich gar kein neues Wissen. Alles, was bleibt, sind willkommene Randnotizen (die Verbindung verschiedener Spezies, inklusive der Menschen; die Existenz von potentiellen Zeitschiffen; die Tholianer als neue Fraktion).

Zehn Fragen beantwortet - fünfzehn neue aufgeworfen. Halleluja.

Das hat „Akte X“ bis zum Exzess getrieben - wenn die Produzenten hier aus diesem Fehler gelernt haben, stehen uns noch viele spannende Storys bevor. Solange ist „Future Tense“ zumindest für sich genommen kaum angreifbar.

Gib dem Kind einen Namen

Weder der Titel „Future Tense“ noch der ursprüngliche Titel „Crash Landing“ gewinnen Lorbeeren für Kreativität - wenngleich die Ur-Idee durch die Vermischung des Begriffs „Bruchlandung“ mit einer Zeitreise vielleicht sogar besser gewesen wäre. Allerdings muss man den Versuch einer Doppeldeutigkeit loben - einerseits „Zukunft“, andererseits aber auch „Angespannte Zukunft“. Nicht übel. Auf Deutsch bleibt es bei einer klaren Bezeichnung: „Die Zukunft“. Passt auch nicht wirklich, was aber natürlich auch für die englische Version gilt. Sicher bietet das Schiff einen Blick auf die Technologie der Zukunft, aber das war es dann auch schon. „Das Zeitschiff“ oder „Das Schiff“ hätten für mich besser gepasst - wenngleich schlichter.

Fazit

Fast in einer Liga mit „Cold Front“ bereichert „Future Tense“ den Handlungsbogen um den Temporal Cold War eher unterschwellig; das aber auf derart spannende und rasante Weise, dass man beim Abspann nach Mehr rufen möchte. Und das ist auf jeden Fall ein sehr gutes Zeichen.

Star Trek - Next Generation (Blu-ray Complete Box)

Verfasser: Lenka Hladikova am Sonntag, 24. Mai 2015
Episode
Staffel 2, Episode 16
(Star Trek: Enterprise 2x16)
Deutscher Titel der Episode
Die Zukunft
Titel der Episode im Original
Future Tense
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 19. Februar 2003 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 5. Dezember 2003
Autoren
Michael Sussman, Phyllis Strong
Regisseur
James Whitmore Jr.

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x16

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