Star Trek: Enterprise 2x15

Star Trek: Enterprise 2x15

„Die Einheit der Völker war ein Traum weniger. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für alle.“ (frei nach Adenauer). Der Serie fällt plötzlich ein, worum es bei diesem Prequel gehen muss - und zelebriert einen Sieg auf ganzer Linie. Ein Gastreview von Björn Sülter.

Scott Bakula als Archer in der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cease Fire“. / (c) UPN
Scott Bakula als Archer in der „Star Trek: Enterprise“-Episode „Cease Fire“. / (c) UPN

Was erwartet uns?

Ein militärischer Konflikt zwischen Vulkaniern und Andorianern bricht aus. Stein des Anstoßes sind Streitigkeiten über einen kleinen Planeten, den beide Seiten beanspruchen. Shran, Anführer der Andorianer hält ausgerechnet Archer für den idealen Verhandlungsführer - er soll zwischen ihm und Soval vermitteln…

Dies & das

  • Der Streit um den Planeten hat im vergangenen Jahrhundert bereits zweimal fast zum Krieg geführt.
  • Wir erleben das erste Mal, dass Vulkanier Menschen um Hilfe bitten!
  • Dr. Phlox (John Billingsley) war einst Arzt in der denobulaniuschen Infanterie.
  • Soval (Gary Graham) gehörte zur Besatzungsmacht der Vulkanier auf Paan Mokar'a. Er war eine mitentscheidende Figur im Verlauf der Friedensgespräche vor einem Jahrhundert - die Verhandlungen damals dauerten acht Jahre.
  • Seit fünfzig Jahren hat Soval keine Waffe mehr abgefeuert.
  • Wäre T'Pol (Jolene Blalock) in San Francisco geblieben, wäre sie heute Stellvertreterin von Soval oder hätte selbst einen diplomatischen Auftrag.
  • Soval behauptet, T'Pol hätte einen menschlichen Akzent entwickelt.
  • Reeds (Dominic Keating) taktischer Alarm (aus „Singularity“) wird erstmals benutzt.
  • Es handelt sich hier nach „The Andorian Incident“ und „Shadows of P'Jem“ um die dritte Episode, die sich mit der Problematik zwischen Vulkaniern und Andorianern beschäftigt.
  • Jeffrey Combs ist erneut als Shran zu sehen sein (zum dritten Mal nach „The Andorian Incident“ und „Shadows of P'Jem“). Ihm zur Seite steht diesmal die erste Andorianerin der Franchise - dargestellt von Suzie Plakson (bekannt als K'Ehleyr und in weiteren „Trek“-Rollen).
  • Gary Graham erhält einen weiteren Auftritt als Soval - erstmals nicht auf der Erde. Dazu gesellt sich auch mal wieder Vaughn Armstrong als Admiral Forrest. Ein kleines Who-is-who der Gastdarsteller also...
  • Außerdem kehrt Christopher Shea zu „Star Trek“ zurück - er war zum Beispiel Vorta Keevan in Star Trek: Deep Space Nine und Sajen in der Episode „Detained“.

Es ist mal wieder Zitate-Zeit

How do they expect me to help settle a conflict they haven't been able to resolve in a hundred years?“ (Archer)

I don't like pushing the engines this hard. The fuel injectors are running at 110%“ – „They are rated for 120.“ - „And my underwear is flame retardant, that doesn't mean I'm going to light myself on fire just to prove it!“ (Trip und T'Pol)

Ironic... they weren't over enthusiastic about your taking command of the Enterprise in the first place and now your presence is crucial to their interests.“ (Phlox)

Maybe we're not out here to just scan comets and meet new species, maybe we're out here to prove that humanity is ready to join a much larger community. I intend to do that whether the Vulcans like it or not.“ (Archer wird überdeutlich)

For the record the Vulcan High Command doesn't like me very much and frankly, the feeling is mutual.“ (Archer)

No offence but my ears are less likely to draw fire than yours.“ (Archer) - „What is their fixation with our ears?“ (Soval) - „I believe they are envious.“ (T'Pol)

Just because Captain Archer has earned my respect it doesn't mean I've been contaminated by his emotion.“ (T'Pol)

I believe someone once defined a compromise as a solution that neither side is happy with.“ (Archer)

I consider any negotiation that averts war to be a success.“ (Soval)

Captain, your presence here has not been overly meddlesome.“ (Soval) - „I think he likes you pink skin!“ (Shran) - „I wouldn't go that far.“ (Archer)

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This is not business as usual

Neben dem in letzter Zeit etwas in den Hintergrund gerückten Handlungsbogen um den „Temporal Cold War“ sollte man nicht vergessen, dass die Serie im Laufe der Zeit auch einige politische Lücken zu schließen hat, die feststehende - und durch die anderen Serien bekannte - Ereignisse in Gang bringen müssen. Dabei spielt natürlich gerade die Gründung der Föderation eine wichtige Rolle. Wann werden Menschen und Vulkanier ihren gemeinsamen Nenner finden und sich gegenseitig vertrauen und schätzen lernen? Wann und wie werden Andorianer und Vulkanier ihre kriegerischen Aktivitäten überwinden und zu gleichberechtigten Partnern mutieren? 

Gerade in Bezug auf letztere Frage haben die Episoden „The Andorian Incident“ und „Shadows of P'Jem“ aus der ersten Staffel eine gute Basis gelegt. Die Andorianer wurden auf interessant-rasante Art und Weise eingeführt und erhielten mit Shran glücklicherweise einen charismatischen und vor allem wiederkehrenden Anführer, der durch Jeffrey Combs wie immer brillant zum Leben erweckt wurde. Zwar kann man sich ob des doch recht schrillen Äußeren manchmal ein Grinsen nicht verkneifen, dennoch sind sie keine Comic-Kreaturen, sondern gewichtige Gegner in einem politischen Intrigenspiel - bewaffnet mit treffenden Argumenten und berechtigter Paranoia.

Nun geht es mit Cease Fire also in die dritte Runde dieser langsam bedeutender werdenden  Nebenhandlung - und anscheinend starten die Produzenten, hier in Form von Autor Chris Black, nun richtig durch. 

Ein Enterprise who is who

Zuerst einmal ist es natürlich erfreulich, vier hochkarätige Gastcharaktere in einer einzigen Folge antreffen zu können. Admiral Forrest, Botschafter Soval, Shran und die neu eingeführte Tarah hätten allesamt Einzelepisoden tragen können. Hier vertiefen sie jedoch gemeinsam den starken Eindruck, den „Cease Fire“ hinterlässt.

Besonders Gary Graham als Soval gibt einen wirklich perfekten Vertreter dieser hier noch sehr argwöhnischen und unsympathischen Spezies ab. Seine ablehnende Haltung gegenüber Archer (Scott Bakula), sein Unverständnis im Hinblick auf T'Pols Verbleib auf der Enterprise und seine sicherlich berechtigten Zweifel an den Absichten der Andorianer machen ihn zu einem vielschichtigen Charakter - dem perfekten Gegenpart für T'Pol, deren menschlicher Einschlag allem entgegenläuft, woran Soval glaubt. Verschenkt wurde hier nur die Gelegenheit, T'Pols Krankheit erneut anzusprechen. In seiner Position hat Soval sicher diese Information bereits erhalten, gerade weil T'Pol ein Mitglied seines Stabes ist. Vielleicht wäre eine so frühe Thematisierung hier aber auch fehl am Platz gewesen. Für die Zukunft sollte man jedoch (á la Scully bei The X-Files) häufiger Andeutungen fallen lassen.

Die vorhandene kurze - aber sehr intensive - Unterhaltung zwischen ihm und T'Pol, in der er auch auf die Geschehnisse von „Shockwave“ Bezug nimmt, entschädigt jedoch für vieles. Hier hat der Autor definitiv seine Hausaufgaben gemacht. Die Produzenten spielen sehr geschickt mit der Serienkontinuität und bieten immer wieder eine Basis, frühere Abenteuer in die Handlung zu integrieren. Zu nennen sei hier auch die erneute Erwähnung von Botschafterin V'Lar („Fallen Hero“) und ihrer Rolle in der dort dargestellten Krise.

An der Darstellerfront ist neben Gary Graham natürlich weiterhin Jeffrey Combs zu nennen, der es definitiv ein weiteres Mal geschafft hat, einen völlig eigenständigen Charakter zu kreieren, der auf dem besten Weg ist, Brunt und Weyoun (aus Star Trek: Deep Space Nine) Konkurrenz zu machen. Zwar ist sein Shran noch längst nicht so facettenreich wie eben genannter Weyoun, doch ist gerade diese Ungewissheit über den Anführer der Andorianer ein willkommenes, weil instabiles Element.

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Hinzu kommt mit Suzie Plaksons Tarah die erste Andorianerin des Franchise. Schön, dass die Damen dieser Spezies anscheinend (oder hier nur zufällig) größer sind, als ihre männlichen Vertreter. Ihr martialisches Äußeres verstärkt ihren fantastischen Eindruck und lässt uns auf weitere Auftritte in dieser Rolle hoffen. Das letzte Wort zwischen ihr(er Gruppe) und Shran(s Gefolgsleuten) ist bestimmt noch nicht gesprochen.

Aber auch die Crew der NX-01 muss sich vor diesen Ausnahmedarstellern nicht verstecken. 

Scott Bakula gibt eine seiner besten Performances, wenngleich er in der Szene mit Dr. Phlox (die John Billingsley zumindest wieder einmal großartig darbietet) leider recht hölzern wirkt. Allerdings fallen ihm auch oft die extrem eindimensionalen Sätze zu - vielleicht letztlich ein hoffnungsloses Unterfangen, bei dem er nur schlecht aussehen kann. Jedoch scheinen die Autoren ihn nun nach und nach wirklich in die Rolle des geschichtsträchtigen Johnathan Archer verwandeln zu wollen, der für die Gründung der Föderation mitverantwortlich ist. Schön anzusehen, wie ein nicht immer fehlerfreier Mann die Last seiner Verantwortung annimmt und zum Vorteil nutzt. Hier gelingt sowohl Bakula als auch den Männern hinter der Kamera ein geglückter Spagat.

Connor Trinneer darf zu meiner Überraschung ausnahmsweise mal den toughen Vertreter des Captains geben und macht dabei diesmal eine tolle und souveräne Figur.

Style and substance

Aber natürlich kann eine Geschichte nicht ohne spannenden Plot funktionieren - hier in Form einer Abhandlung über „Gegensätze im Krisenzeiten“. Soval hatte sicherlich nicht Unrecht, den Andorianern zu misstrauen. Jedoch will Shran (der von Tarah hintergangen wird) wirklich Gespräche forcieren. Die Barrieren in beiden Gesellschaften kommen hier sehr deutlich zum Tragen. Jahrhundertelange Feindschaft lässt sich nicht in so kurzer Zeit bekämpfen und es gibt immer militante Randgruppen, die für ihre Ziele töten. Deshalb ein ganzes Volk zu verurteilen, ist sicher der falsche Weg (Hallo Zeitgeist). Umso realistischer, dass am Ende eigentlich keiner mit dem Kompromiss zufrieden ist.

Jeder hat etwas bekommen, aber auch Zugeständnisse machen müssen. Ein erster und sehr wichtiger Schritt, aber auf keinen Fall mehr. Die relevante Erkenntnis ist, dass Veränderungen Zeit brauchen und Protagonisten, die daran glauben.

Das ist beste Polit-SF á la „Star Trek: Deep Space Nine“ und Babylon 5 - ein Universum voller Risiken, Fragezeichen und der ständigen Angst, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten könnte. Sollten es die Produzenten verstehen, einerseits diese politische Schiene und andererseits die Zeitreise-Schiene regelmäßig voranzutreiben, kann die Serie einen Quantensprung erleben, der auch Phasen von biedereren Einzelepisoden besser verkraftet.

Erfreulich wäre es, wenn in einer zukünftigen Episode auch oben schon angesprochene Botschafterin V'Lar einen weiteren Auftritt erhalten könnte. Neben dem fast schon üblicherweise großformatigen Produktionsdesign (das sich hier besonders in den Planetenszenen von einer starken Seite zeigt) überzeugen die Soundeffekte des Schlachtfelds, die tollen Schiffe von Andorianern und Vulkaniern und die durchgängig hohe Qualität der Dialoge. Jeder an der Situation beteiligte Charakter erhält seinen Moment, jeder bleibt mit mindestens einer Szene im Gedächtnis (okay - leider mal wieder abgesehen von Travis „Yes, Sir!“ Mayweather alias Anthony Montgomery).

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Cease Fire%26ldquo;. © UPN
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Im Übrigen muss wirklich angemerkt werden, dass die Serie es in in Episoden wie diesen perfekt versteht, haufenweise herausragende Sätze unterzubringen. Hier sind es zum Beispiel Sovals irritierte Reaktion bezüglich der menschlichen Fixierung auf die vulkanischen Ohren und T'Pols Analogie mit der klingonischen Basis auf Pluto. 

Cease Fire“ bringt Star Trek: Enterprise in dieser bisher etwas unrunden Staffel einen ganz gehörigen Schritt voran. Der schwelende Konflikt zwischen Vulkaniern, Andorianer und Menschen nimmt Fahrt auf und schreit nach schneller Fortsetzung. Dazu der „Temporal Cold War“ (der auch gerne in naher Zukunft vorangebracht werden darf) und die latente Gefahr durch die Romulaner - hier ist genug Konfliktpotential vorhanden. Bitte nutzen!

Gib dem Kind einen Namen

Cease Fire“ ist der übliche Baukastentitel von „Star Trek: Enterprise“. Passend, simpel ... zum Vergessen. Früher wurden Titel im Deutschen gerne mal vermurkst - heute ist man auf das Beibehalten der Vorgaben eingeschwenkt. „Waffenstillstand" also. Warum solle man sich hierzulande auch mehr Mühe geben als die Produzenten?

Fazit

Cease Fire zelebriert ein Niveau in Sachen Polit-Trek, das sonst nur Star Trek: Deep Space Nine erreichte. Eine stimmige Symbiose aus Kontinuität, Charakterentwicklung, wiederkehrehrenden Gaststars, tollen Dialogen und einem überragenden Produktionsdesign. Hoffentlich merken die Produzenten, wie gut sie sein können, wenn sie - wie hier - wollen.

Star Trek - Next Generation (Blu-ray Complete Box)

Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 23. Mai 2015
Episode
Staffel 2, Episode 15
(Star Trek: Enterprise 2x15)
Deutscher Titel der Episode
Waffenstillstand
Titel der Episode im Original
Cease Fire
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 12. Februar 2003 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 28. November 2003
Autor
Leslie Hope
Regisseur
David Straiton

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x15

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