Star Trek: Enterprise 2x13

Was erwartet uns?
Trip stürzt mit seinem Shuttle alleine auf einem ungastlichen Planeten ab. Mit ihm ein Außerirdischer, der ihn vorher beschossen hatte. Gemeinsam müssen die beiden Kontrahenten versuchen, dem sicheren Tod zu entgehen... Währenddessen versucht Archer, sich mit dem Rettungstrupp der Gegenseite zu arrangieren...
Dies & das
- Autor und Co-Produzent John Shiban liefert nach Minefield seine zweite Arbeit ab. Dass er ausgerechnet eine so ausgelutschte SF-Idee variiert, ist dabei allerdings wenig nachvollziehbar.
- Roxann Dawson führt bereits zum vierten Mal Regie - bisher in The Andorian Incident, Vox Sola und Dead Stop.
- Trip (Connor Trinneer) wird in Kürze eine Art Autopilot in den Shuttles installiert haben.
- Der erste Kontakt zwischen Vulkaniern und Arkonianern liegt 100 Jahre zurück. Die Beziehungen zwischen den beiden Völkern sind nicht besonders entspannt, was laut T´Pol auch daran lag, dass sich die Gegenseite den guten Ratschlägen der Vulkaniern nicht beugen wollten...
Jemand möchte diesem Recycling-Alptraum entfliehen
„We can fight some more if you want - or we can try and get the hell out of here!“ (Trip)
Shiban findet Bragas Story-Zufalls-Generator
Die erste Arbeit des Neuzugangs im Produzentenstab, John Shiban, fiel mit Minefield ja bekanntlich nur mittelprächtig, weil zwar durchaus unterhaltsam, aber doch eher konventionell aus. Für seinen zweiten Beitrag erhoffte ich mir deshalb auch eine etwas innovativere Idee.
Leider jedoch würde Dawn bei einem Abkupfer-Contest jeden Preis gewinnen - und das spielend. Der definitiv als Klassiker der SF geltende Streifen Enemy Mine mit Dennis Quaid stand in diesem Fall nicht nur Pate, sondern liefert fast jede Szene frei Haus. Nur, dass dieses Mal der beliebte Trip Tucker in die Rolle des Bruchpiloten schlüpfen durfte und nur knappe 45 Minuten zur Verfügung hat, die lebensbedrohende Situation zu überstehen...
Dabei war bereits der Aufhänger „Trip testet vollkommen alleine irgendwas im Shuttle“ aus den tiefsten Star Trek: Voyager-Standardplots entnommen worden. Es scheint für derartige Szenarien keine neuen Aufhänger mehr im Trek-Universum zu geben.
Nebenbei fällt natürlich auf, dass Trip innerhalb von drei Folgen zum zweiten Mal in Gefangenschaft gerät, mit einem Unbekannten zusammenarbeiten muss, was sich zuerst recht schwierig gestaltet und somit erneut in der Handlung die Hauptrolle einnimmt. Schade, dass nicht wenigstens gelegentlich mal stattdessen (nur zum Beispiel) Travis Mayweather (Anthony Montgomery) eingesetzt wird - hier wird überdeutlich, wer an Bord und am Set welchen Stellenwert genießt.
Dennoch bietet Dawn natürlich willkommene Charakterentwicklung. Und mit jeder weiteren Episode wird Trip, der für mich sowieso schon immer unter den Top 3 rangierte, besser und greifbarer ausgearbeitet. Wir haben es hier definitiv nicht mit einer eindimensionalen Figur zu tun.
Die restliche Crew erhält erneut wenig zu tun. Die Rettungsversuche sind routiniert und der gelungene Erstkontakt der Menschen solide heruntergespielt. Auch hier leistet Shiban also keine wirklich außergewöhnliche Arbeit.
Währenddessen mischen sich auf dem Planeten die bereits genannten Enemy Mine-Elemente mit bekannten Szenen und Motiven aus Klassikern wie The Enemy und Darmok. Das sind zwar beileibe keine schlechten Referenzquellen, dennoch bleibt alles im vorhersehbaren Bereich und versprüht somit auch keinerlei Spannung. Trips Rettung ist von Beginn an eine Randnotiz (wie immer in einem solchen Fall), das Finden einer gemeinsamen Basis nur eine Frage der Zeit.
Connor & Kleinkram
Alles könnte auf einen wirklich völlig unbefriedigenden Aufguss hindeuten, wenn - ja wenn - da nicht einige wirklich ungewöhnliche Entscheidungen im Kleinen wären. So zum Beispiel die Tatsache, dass Trip das Wasser des Außerirdischen nicht trinken und dass dieser die Nahrung von Trip nicht essen kann. Außerdem entwickeln beide entgegen ersten Erwartungen keine sprachliche Basis - die Verständigung bewegt sich auf einem absoluten Minimum, wobei einige Szenen allerdings auch nicht wirklich überzeugen können.
Dazu gesellt sich eine Szene in der Trip (ganz der Weltverbesserer) seine Waffe wegwirft und Freundschaft anbietet. Als er den Widersacher losbindet entbrennt jedoch ein Kampf auf Leben und Tod. Eine erfreuliche, weil nicht so extrem klischeehafte Darstellung.
Diese „Kleinigkeiten“ heben Dawn jedoch noch nicht auf ein brauchbares Maß. Ebenfalls Connor Trinneers Arbeit macht - wie immer - Spaß. Hatte sogar er in Precious Cargo noch auf völlig verlorenem Posten gekämpft, rettet er hier, was noch zu retten ist. Sein sehr differenziertes Spiel überzeugt durchweg - er kann sich definitiv mit den Besten der Trek-Historie messen.

Sein Charakter erlebt hier auch endlich mal wieder einen - notwendigen - ernsten Moment. Er bleibt nicht nur der spitzbübische Spaßvogel, sondern zeigt seine nachdenkliche Seite, sein Verständnis für die Mission und seine Verpflichtung. Ein klarer Pluspunkt, den man schon aus Fairness John Shiban zuschreiben muss. Dazu gehören auch die willkommenen Anspielungen auf frühere Missionen (Suliban-Cell-Ship, Schwangerschaft etc).
Was diese Teilbereiche jedoch retten, wird von den sehr schwachen Sets und dem unglaubwürdigen Ende (Trip will nicht beamen, bekommt aber auch keinen Nachschub an Verpflegung oder Schutz gegen die Sonne...) wieder teilweise eingerissen. Hier verfällt Dawn erneut ins trübste Mittelmaß.
Schade - Roxann Dawson hatte bisher ein glückliches Händchen mit ihren Episoden bewiesen. Hier zeichnet sie für ihren ersten Fehlschlag verantwortlich. Jedoch: sie hätte auch nicht viel mehr herausholen können.
Gib dem Kind einen Namen
Man sollte diese Rubrik zwangseinstampfen. Titel bei Enterprise sind oft so innovativ wie Witze über Frauen und Technik. Auf Deutsch ist natürlich keine Kritik angebracht. Titel im Original lahm, Titel auf Deutsch lahm - alles gut.
Fazit
Sicherlich keine Episode zum Vorzeigen. Durch einige brauchbare Zutaten, die aber vermutlich nur aufmerksamen Zusehern auffallen und den immer verlässlichen Connor Trinneer aber haarscharf noch im Bereich des Erlaubten. Purer Mainstream-Trek mit marginalen Ambitionen, viel zu viel Ideenklau und ohne Fortune in der Ausführung.
Verfasser: Tim Krüger am Samstag, 16. Mai 2015(Star Trek: Enterprise 2x13)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?