Star Trek: Enterprise 2x12

Star Trek: Enterprise 2x12

„Zusammenkunft ist ein Anfang. Zusammenhalt ist ein Fortschritt. Zusammenarbeit ist der Erfolg.“ Henry Ford hatte leider keine Gelegenheit, sich The Catwalk anzuschauen - was den Zusammenhalt der Crew angeht, hätte er sich aber definitiv bestätigt gefühlt. Ein Gastreview von Björn Sülter.

Star Trek: Enterprise / (c) UPN
Star Trek: Enterprise / (c) UPN

Was erwartet uns?

Während sich die Crew auf eine Mission vorbereitet, tauchen drei Fremde auf und warnen vor einem gefährlichen Ionensturm. Gemeinsam mit ihnen will man sich dem Phänomen stellen und in den deaktivierten Warp-Zellen das Ende der Sturmfront abwarten. Leider stellt sich heraus, dass diese Aktion noch andere Probleme mit sich bringt, als nur die beklemmende Enge des Zufluchtsortes...

Dies & das

  • Das aktuelle Datum ist der 18.-26. September 2152.
  • Reed (Dominic Keating) hatte einen „unrühmlichen Zwischenfall“ während seines Zero-G-Trainings (laut seiner medizinischen Dienstakte). Deswegen wird der Simulator wohl als „Vomitorium“ bezeichnet.
  • Solkar war der erste vulkanische Botschafter auf der Erde.
  • Denobula hat über 12 Milliarden Einwohner - man ist an enge Räume zum Leben gewöhnt.
  • T´Pol (Jolene Blalock) hat das Kahswan Ritual durchlebt - dabei muss man zehn Tage alleine in der Wüste überleben.
  • Die Enterprise ist nun über 100 Lichtjahre von der Erde entfernt.
  • Jeden Dienstag ist Filmnacht an Bord. Außerdem spielt die Crew regelmäßig Poker.
  • Wir bekommen hier erstmals den Koch des Schiffes ("Chef") zu sehen. Leider jedoch nur vom Hals abwärts. Immerhin wissen wir nun, dass er im Dienst weiße schlichte Kleidung trägt, eine helle Hautfarbe hat und eher "stämmig" wirkt.

Enterprise-Humor

You're the captain, can't you order the storm to calm down a little?“ (Sato)

This is almost like going on a camping trip." - "Perhaps we can sing a few songs later.“ (Archer & T´Pol)

I'm not skilled at fraternizing.“ (T´Pol)

You knew we would be stuck in here for over a week, you might have given a little thought to making it tolerable! - 'I only had four hours, you're lucky you got a toilet!'“ (Reed & Trip)

Zickzack und zurück

Herzlich Willkommen zu der neusten Ausgabe einer Serie, die sich in ihrer zweiten Staffel einfach nicht für eine gleichmäßige Qualität entscheiden mag.

Nachdem man den starken Cliffhanger Shockwave brauchbar beendet hatte, schossen die Produzenten mit Carbon Creek, Minefield und Dead Stop direkt mal drei äußerst unterhaltsame Vertreter der Serie auf uns ab. Mit A Night in Sickbay zog zumindest das Stirnrunzeln in die Staffel ein und wurde prompt mit Marauders zu einem Angstschrei. The Seventh beruhigte die Gemüter mit einer starken Charakterepisode, während The Communicator zeigte, dass gute Ideen nicht zwingend zu guten Episoden werden müssen. Dennoch folgten mit Singularity und Vanishing Point erneut zwei tolle Dreiviertelstunden um das Ganze dann mit Precious Cargo mit dem Hintern, mit Anlauf und ohne Not erneut in Schutt und Asche zu kloppen. Was ist hier los?

Wir kommen in Frieden!

Nun also The Catwalk - die Zeichen scheinen zu Anfang nicht auf ein freudiges Erlebnis hinzudeuten. Kommen doch nicht zum ersten Mal irgendwelche unbekannten Fremden an Bord, die zwar friedlich aussehen und die Crew warnen, aber dem Zuschauer dennoch nach kurzer Zeit bereits ein düsteres - und unbekanntes - Geheimnis offenbaren. Generell ist Verschlagenheit ein Charakterzug, den unsere Recken in den bisherigen Episoden nicht zu durchschauen lernten.

Jedoch fesselt die Handlung fraglos an den Schirm - ein Sturm, dem das Schiff nicht mal mit Höchstgeschwindigkeit entgehen kann und der alle an Bord töten würde, naht. Die innere Logik diese Sturms mal Beiseite lassend, handelt es sich hier um eine wirklich originelle Idee, die unsere Helden in eine ausweglose und vor allem natürlich auftretende Gefahrensituation bringt und somit deutlich die gerade erst beginnende Raumfahrt der Menschheit thematisiert.

Waren die Schiffe von Picard (Patrick Stewart) und vor allem auch Janeway (Kate Mulgrew) fast gegen alle lauernden Gefahren immun, so ist die NX-01 eben doch noch ein wirklicher Prototyp - mit all seinen Macken und Unausgereiftheiten. Klar spielt die Serie diese Karte sehr selten aus - aber wenn es wie hier überzeugend geschieht ist das ein Grund zur Freude.

Das war es nämlich auch, was mir in der ersten Staffel zum Beispiel in Episoden wie Fight or Flight oder Silent Enemy sehr gefiel - die Unterlegenheit des jungen Schiffes gegenüber widrigen Umständen. Schön, dass die Autoren auf diesen wichtigen Aspekt der Reise hier zurückgekommen sind.

Die Lösung für das Problem: alle sollen in den sogenannten Catwalk des Schiffes evakuiert werden. Gesagt, getan schreiten die Ereignisse mit großen Schritten voran. Die Crew bei den Vorbereitungen zu beobachten macht schlicht Spaß. Elementare Fragen, wie der Standort und die Installation einer Toilette verdeutlichen den bodenständigeren Trek, für den die Serie von Beginn an steht. Man denke hierbei auch an die Szene aus Breaking the Ice, in der Archer (Scott Bakula) die Fragen einer Schulklasse beantworten muss.

Die provisorische Kommandozentrale wirkt in ihrer ganzen Enge und Unfertigkeit völlig überzeugend - ein auf die Schnelle zusammengeschusterter Notbehelf. Klasse!

Ebenso die persönlichen Probleme der Crewmitglieder prägen diesen Aspekt der Handlung. Zum Beispiel Reeds Schwindelgefühle während des Sturms (ein bestimmt wichtiger Grund für seinen Entschluss, nicht der Familientradition zu folgen und zur See zu fahren ist somit gefunden), Dr. Phlox´ (John Billingsley) Weigerung, seine Tiere zurückzulassen und die auf den ersten Blick wenig sinnvoll erscheinende Einrichtung eines kleinen Kinos (jedoch allzu menschlich) - alles simpel gestrickte aber wirkungsvolle Einfälle, die an ähnliche Qualitäten der Episoden Dear Doctor und Vox Sola anknüpfen.

Szenenbild aus %26bdquo;The Catwalk%26ldquo; © UPN
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Auch generell erhalten alle Charaktere wieder einmal ausreichend Platz, sich zu entfalten. Mayweather (Anthony Montgomery) zum Beispiel fällt in derart gleichmäßig geschriebenen Episoden überhaupt nicht negativ auf - im Gegenteil. Einzig seine bisher recht betrübliche Vorgeschichte hängt ihm noch nach. Archer gibt den starken, mitfühlenden und hier sogar weisen Captain - sein Rundgang durch den Catwalk lässt ihn in einem sehr positiven Licht erstrahlen und macht ihn zu einem wahren Leader.

Nebenbei bemerkt finde ich Szenen wie die, in der Archers Logbuch über den Zwischenfall mit Botschafterin V´Lar (Fallen Hero) abgespielt wird, immer sehr willkommen!

Ebenfalls nicht wichtig für die Handlung, aber doch erwähnenswert ist der erste Auftritt des Schiffskochs - im Original als „Chef“ bekannt. Ein Running-Gag, der - zumindest was mich betrifft - seit Beginn der Serie immer besser und charmanter wird. Mein geschätzter Morn aus Star Trek: Deep Space Nine hat einen würdevollen Nachfolger gefunden!

Das angedeutete - und lauwarme - Konfliktpotential durch die an Bord genommenen Fremden fällt bei all den positiven Charaktermomenten gar nicht mehr wirklich ins Gewicht. Der Clou, dass sie in Wirklichkeit gar nichts Böses im Schilde führen, sondern sich auf der Flucht befinden ist dabei sicherlich hilfreich - und willkommen.

Ein Ende muss noch fix her

Die wahre Gefahr droht durch weitere Mitglieder ihrer Rasse, die während des Sturms das Schiff kapern und die Crew im Catwalk nicht entdecken.

Hierbei muss gesagt werden, dass die nötige Rückeroberung des Schiffes weder der interessanteste Aspekt der Folge ist, noch über das Prädikat „routiniert“ hinauswächst. Allerdings bleibt der Unterhaltungsfaktor bis zum Schluss hoch - was in diesem Zusammenhang schon ein Erfolg ist. Dazu tragen in großem Maße die interessanten Fremden bei, deren charismatischer Leader eine ganz besondere Aura besitzt. Auch Archers Versuche, die ungewollten Besucher in die Irre zu führen, machen Sinn.

Im Weltall hört dich niemand schreien

Anders als Lt. Ripley in der Alien-Reihe hat die Crew der Enterprise einen ganz entscheiden Vorteil: Kameradschaft, Zusammenhalt, Familie. Episoden wie The Catwalk nutzen diesen Aspekt der Serie, eine kleine und unerfahrene Crew in die Weiten des Alls zu schicken und mit Gefahren zu konfrontieren auf eine sehr organische Art und Weise. Und die Crew beweist, dass sie in etwas über einem Jahr gelernt hat, dass nur Zusammen und als Einheit ein Überleben überhaupt möglich ist. Jeder hat seine Qualitäten, jeder hat seine Stärken - und bringt sie ein. Und wieder fühlt es sich einfach sympathisch an, dieser Truppe zuzusehen.

Ich gönne mir einen Tellerrand - und den Blick darüber hinaus

Sicher muss man sagen: hier wurde nicht das Fernsehen revolutioniert. Nicht mal im Bereich SF. Aber für Genrefans bietet die Serie hier wie schon einige Male vorher eine absolut gelungene Mischung aus einem interessantem Konzept, hohem Produktionsniveau und Feelgood-Atmosphäre. Was will man mehr? Heute, am 14. Mai 2015, und somit fast auf den Tag genau zehn Jahre nach Ende der Serie ist es das, was mir persönlich im Serienbereich fehlt. Perlen wie Breaking Bad, Game of Thrones oder House of Cards hin oder her. Das ist alles grandioses TV - keine Frage. Aber dennoch: Eine schlicht und ergreifend gut gemachte, liebenswerte Serie über die Wunder des Weltalls. Über die Reise und den Weg dorthin. Über die Gefahren und eben vor allem über die Menschen, die diesen Traum Leben. Wo kommen wir her und wo gehen wir hin? Und wer sind wir in dieser Welt? Mikrokosmos Mensch. Fragen, die Star Trek (oder auch Babylon 5 und Stargate SG-1) immer stark gemacht haben. Antworten, die so vielen Menschen Denkansätze geschenkt haben, die ihre Sichtweise auf sich selbst und die Welt um sie herum verändert haben. Und was mehr kann eine Fernsehserie leisten?

Gib dem Kind einen Namen

Der Titel „The Catwalk“ war zum Glück kein Hinweis auf einen Right Said Fred-Gastauftritt... schlicht aber durchaus gelungen, weil inhaltlich völlig unklar im Vorfeld. Das deutsche Pendant "Der Laufsteg" klingt zwar nicht wirklich klasse, aber kann man nichts dagegen sagen. Persönlich hätte ich das Beibehalten der englischen Variante bevorzugt.

Fazit

The Catwalk ist Star Trek: Enterprise wie es im Normalfall sein sollte. Wenn nicht nachdenkliche Charakterstudien oder bedeutungsschwere Themenfolgen auf der Karte stehen, müssen es derartig überzeugende und SF-lastige Abenteuer mit Herz, Witz und guten Ideen sein. Nach Dead Stop die zweite starke Episode aus dieser Kategorie.

Verfasser: Tim Krüger am Donnerstag, 14. Mai 2015
Episode
Staffel 2, Episode 12
(Star Trek: Enterprise 2x12)
Deutscher Titel der Episode
Der Laufsteg
Titel der Episode im Original
The Catwalk
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 18. Dezember 2002 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 7. November 2003
Autoren
Michael Sussman, Phyllis Strong
Regisseur
Michael Vejar

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x12

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