Star Trek: Enterprise 2x11

Star Trek: Enterprise 2x11

Wunder gibt es immer wieder, sang einst Katja Ebstein. Und Recht hat sie. Schade nur, dass sogar ein übergroßes Wunder dieser Episode keinen Funken Hirn einhauchen könnte. Ein demoralisiertes Gastreview von Björn Sülter.

Szenenbild aus der Episode „Precious Cargo“ / (c) UPN
Szenenbild aus der Episode „Precious Cargo“ / (c) UPN
© (c) UPN

Was erwartet uns?

Die Crew trifft auf zwei merkwürdige Außerirdische, die eine junge Frau im Kälteschlaf transportieren. Während Trip bei Reparaturen hilft, erwacht die Frau jedoch und erklärt ihm, dass sie in Wirklichkeit eine Gefangene ist...

Dies & das

  • Padma Lakshmi moderierte in den USA eine Kochsendung und spielte auch im Mariah-Carey-Flop "Glitter" mit.
  • Nur nebenbei: Der Trailer zu Precious Cargo ist für mich der schlechteste der kompletten Serie - schlicht peinlich.
  • Man muss aber hinzufügen: Angesichts der Qualität der Episode war gar kein besserer Trailer möglich.
  • Das aktuelle Datum ist der 12. September 2152.
  • Trip (Connor Trinneer) spielt Mundharmonika. Er hat seine Dates auf der Erde immer in seinem Kleinwagen nach Chatkin Point gefahren, um dort den Mond zu bewundern.

Ja, für die Serie ist es ein ganz schlechter Moment.

Trip? Is this a bad time?“ (Archer)

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie...

Ein Telefon klingelt. Jemand nimmt ab. „Brannon? Du, wir sehen gerade, dass wir zu wenig Folgen für die Staffel haben und…“ - „Wie? Zu wenig Folgen? Ich hab doch gerade erst diesen Plünderer-Mist abgeliefert!“ - „Ja ja, das ist auch schon im Kasten. Danach brauchten die Schauspieler den Seelsorger. Leider fehlt nun aber immer noch eine Folge...“ - „Ach Mist... äh... und was ist mit dieser dämlichen Hundefolge? Die mit Sex und Brüsten und so? Könnt ihr die nicht schnell runterkurbeln?“ - „Nee, nee, die ist doch auch schon im Kasten. Seitdem hat die ganze Crew Flatulenz.“ - „Oh, okay, Moment, also, äh, also, hast du was zum Schreiben? Prinzessin äh im Kälteschlaf äh wurde entführt äh schläft mit Trip... ach, fangt schon mal an zu drehen, ich komme gleich vorbei!“ - „Warte, wer soll die Prinzessin denn spielen?“ - „Was weiß ich! Nebenan drehen die doch diese bekloppte Kochsendung mit dieser, dieser... ach keine Ahnung wie die heißt, nehmt die einfach, die ist heiß! Bis gleich!“ *klick*

Es ist, wie es ist. Und es ist schlimm.

Herzlichen Glückwunsch! Die Produzenten haben es mit der 37. Episode der Serie endlich geschafft, einen neuen und absoluten Tiefpunkt der Star Trek-Geschichte auf die Beine zu stellen. Das verdient Respekt!

Bisherige Highlights in dieser Kategorie waren für mich zum Beispiel Spock's Brain (Star Trek), Shades of Gray (Star Trek: The Next Generation) sowie Threshold und The Fight (Star Trek: Voyager). Keine Sorge - es gibt selbstverständlich noch einige mehr. Dennoch herzlich willkommen in diesem erlauchten Kreis!

Ich wusste beim Abspann nicht, ob ich schamlos weinen (ob der herzzerreißenden Dämlichkeit) oder laut schreien sollte (ob der Schmerzen in dem Bereich, wo bei manchen das Hirn sitzt).

Precious Cargo schafft problemlos den Spagat, eine unfassbar klischeeüberladene Handlung mit vollkommen unbrauchbaren Dialogen, schwächstem Set-Design, einer gruselig überforderten Gastdarstellerin und unerträglichem Kitsch zu paaren.

Ruhig, Björn - ganz ruhig. Durchatmen und dann noch einmal der Reihe nach...

Hilft nicht.

Die Crew trifft auf die stereotypen Stirnhuckel-Aliens der Woche, die angeblich eine junge Frau als Fracht in Stasis transportieren, dabei aber wenig glaubwürdig wirken. Trip hilft bei Reparaturen, als just in diesem Moment das Kühlaggregat ausfällt und die attraktive und leicht bekleidete Frau erwacht. Natürlich ist sie eine Gefangene und eine Prinzessin noch dazu.

Es kommt, wie es kommen muss. Ein Alien überwältigt Trip bei dem Versuch, die Frau zu befreien und flieht mit den beiden. Sein Kollege bleibt an Bord der Enterprise als Gefangener zurück. Trip bastelt am Ausbruch, die Prinzessin benimmt sich arrogant und herablassend und flieht schließlich doch mit ihm in einer Rettungskapsel, die so eng ist, dass Hautkontakt unvermeidlich ist. Der Schmerzen noch nicht genug, landen sie auf einem studio-morastigen Dschungelplaneten, geraten in Streit, fallen in den Matsch, küssen sich, schlafen miteinander und liegen schließlich erschöpft, aber glücklich am Lagerfeuer, während ihre Kleidung auf Büschen trocknet.

Nach einem finalen - und mörderisch spannenden - Kampf werden die beiden von Archer (Scott Bakula) und Co. gerettet, wobei sich der Captain eine lustige Bemerkung über die leichte Bekleidung seines Kumpels nicht verkneifen kann.

Sagt alles, der Absatz.

Die Tatsache, dass Autoren sich trauen, in einer Star Trek-Serie des Jahres 2002 so viele Klischees aus so vielen Serien und Filmen zusammenzuklauen und zum zigsten Mal aufzuwärmen, ist schlicht eine Frechheit. Wenn dann auch noch eine so grottenschlechte „Akteurin“ wie Padma Lakshmi gecastet wird, ist der Gipfel erreicht. Ihre Ausstrahlung liegt im nicht mehr messbaren Bereich, was vor allem an ihrem hölzernen Sprechstil liegen dürfte. Hoffentlich bleibt sie in Zukunft wieder bei ihrer Kochsendung...

Connor Trinneer bemüht sich sichtlich, kann jedoch nichts mehr rausreißen, obwohl seine Darstellung selbst hier charmant sein könnte. Wenn man sich vor Augen hält, dass Rick Berman und Brannon Braga höchst selbst diese Episode geschrieben haben, wird es zappenpappenduster. Hier wird erneut die Qualität der eigenen Serie auf ein Level abgesenkt, das niemand mehr gutheißen kann.

Die Nebenhandlung um den dusseligen und leichtgläubigen Gefangenen, dem Archer und T'Pol (Jolene Blalock) ein völlig an den Haaren herbeigerissenes Theater vorspielen, dass nicht einmal Neelix (Ethan Phillips aus Star Trek: Voyager) geglaubt hätte, ist zwar im Gegensatz zur Haupthandlung noch irgendwie witzig (nein, nicht wirklich), fällt aber zusammen mit dem Rest ohne jegliches Bedauern durch den Rost.

Nein, nein, nein.

Hier entsteht gar nichts - keine Spannung, keine Situationskomik, keine knisternde Erotik (wie es wohl beabsichtigt war), kein Charme, kein Interesse beim Zuschauer. Hier wird man gepflegt vergrault. Sollten in den USA tatsächlich Menschen gerade bei dieser Episode die Serie ausgetestet haben, sie werden nie mehr wiederkommen. Ein Eigentor allererster Kajüte - gerade in dieser quotenmäßig ohnehin schwierigen Phase.

„Precious Cargo“ ist dümmste Unterhaltung und hat mit Star Trek ungefähr so viel zu tun wie die Teenage Mutant Ninja Turles. Und die wären noch zurecht beleidigt. Sollte das hier ernsthaft die Vorstellung der Produzenten von Star Trek: Enterprise sein - gute Nacht.

Selbst wenn es ein einmaliger Ausrutscher wäre, könnte man nur schwer ein Auge zukneifen - jedoch ist es ja nicht mal einer. Mit A Night in Sickbay haben die Produzenten in dieser Staffel bereits eine zumindest sehr ungünstig platzierte und qualitativ diskutable Episode abgeliefert (und hier formuliere ich äußerst vorsichtig) - um mit Marauders dann kurz danach noch einen neuen Level von „dumm“ zu definieren. Und jetzt „Precious Cargo“. 11 Folgen in Staffel 2 - drei Ausflüge in tiefste Untiefen. Und dreimal kam die Ideen von Berman & Braga. Autsch.

Eigentlich müsste man hierfür exklusiv eine negative Sternewertung einführen. Nur dadurch könnte man sie in einen fairen Kontext zum Rest der Serie setzen. Wir werden uns jedoch mit den absolut verdienten vollen null Punkten begnügen müssen. Ende und aus.*

Gib dem Kind einen Namen

Der Titel „Precious Cargo“ ist mindestens genauso geistreich wie die Folge an sich - JEDER denkt sofort: Da ist doch bestimmt was im Busch! Keinen Vorwurf gibt es für die 1:1-Übersetzung in „Kostbare Fracht“ - der Episode ist eh nicht zu helfen. Dennoch hätte ich mich fast über etwas Trashigeres gefreut...

Fazit

Jedes weitere Wort wäre reine Zeitverschwendung: Wenn man eine Folge verpassen muss, bitte diese.

*Anmerkung der Redaktion: Björn wollte diese Episode mit 0 Sternen bewerten, was derzeit aber leider technisch nicht möglich ist. Deshalb die Wertung mit einem halben Stern.

Verfasser: Axel Schmitt am Sonntag, 10. Mai 2015
Episode
Staffel 2, Episode 11
(Star Trek: Enterprise 2x11)
Deutscher Titel der Episode
Kostbare Fracht
Titel der Episode im Original
Precious Cargo
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 11. Dezember 2002 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 31. Oktober 2003
Autor
Xander Berkeley
Regisseur
David Livingston

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x11

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