Star Trek: Enterprise 2x09

Star Trek: Enterprise 2x09

Wenn Hoshi wie im Wahn nach Karotten brüllt, der Captain einen Karrierewechsel anpeilt, sein Sicherheitschef lieber in den Krieg ziehen würde und der Chefingenieur einen Becherhalter am Capitänsstuhl befestigt, sind wir in lustigsten Episode der Staffel gelandet. - Ein Gastreview von Björn Sülter.

Jolene Blalock in „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN
Jolene Blalock in „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN
© (c) UPN

Was erwartet uns?

Während die Crew ein schwarzes Loch studiert, beginnt sich das Verhalten der Crew auf ungewöhnliche Art und Weise zu verändern...

Dies & das

Archer (Scott Bakula) schreibt scheinbar schon seit einiger Zeit an einem Vorwort für eine Biographie über seinen Vater - bisher erfolglos.

Reed (Dominic Keating) erfindet hier wohl erstmals eine Art "Roten Alarm" - noch ist er nicht ausgereift, aber Reed ist weiterhin am Basteln.

Dr. Phlox (John Billingsley) spricht die Nachwirkungen der Entführung Mayweathers (Anthony Montgomery) in der Episode Dead Stop an. Bonuspunkt für Kontinuität.

Wir bekommen erstmals die Küche vom mysteriösen Chefkoch zu sehen - Hoshi (Linda Park) vertritt ihn wegen Krankheit.

T´Pol (Jolene Blalock) ist als einzige an Bord immun gegen die Wirkung des schwarzen Lochs.

Ihr vulkanischer Nervengriff funktioniert auch bei Denobulanern - sie muss ihn an Phlox testen.

Archer darf in Uniform duschen... ein Insider-Gag, der vielen etwas sagen dürfte...

An den übersteigerten Verhaltensweisen der Crew kann man einige höchst interessante Charaktermerkmale ablesen…

Zitatfeuerwerk

I thought Vulcans had all this discipline." - "We also have sensitive hearing.“ (Trip & T´Pol)

I appreciate your concern, Malcolm, but this isn´t a warship.“ - „That´s obvious, Sir.“ (Archer & Reed)

And... Malcolm... don´t call it ´battle-stations´. Think of something less... aggressive“. (Archer)

Condition red?

Hum?

What about ´condition red´ for the new security-protocol?

Why don´t you just call it security-protocol?

That´s not very dynamic.

Do you think a cup-holder is too much?

I beg your pardon?

For the captain´s chair. He wanted his seat adjusted ... but while I´m working on it...

Just what the captain needs in a crisis. A place to rest his beverage...

I´m also upgrading the status-displays. He´ll be able to access tactical data from the arm-wrist.

If you really want to improve tactical readiness... why dont´you help me with this protocol?

I´m a little busy right now, Malcolm

It´s a chair.

It´s the captain´s chair... it´s just as important as your... Reed-alert.

Reed-alert? That´s not bad.“ (Trip & Reed)

There is something wrong with you, Ensign - and I intend to find out what it is.“ (Phlox aka Dr. Frankenstein zu Travis)

'Which do you prefer?' - 'For what?' - 'A tactical-alert.' - 'They both sound like a bag full of cats.'“ (Reed & Trip)

'... and hand me the carrots.' - 'There are 25...' - 'CARROTS!'“ (Hoshi & ein armes Crewmitglied)

###quote3### (Reed über Archer)

'You are lucky you´re a decent engineer ... cause you obviously don´t know a thing about writing.' - 'I´m not the only one.'“ (Archer & Trip)

This isn´t a bloody pleasure-cruise! Without proper discipline on this ship, this mission is doomed.“ (Reed)

The crew´s behaviour has become erratic. Even by human standards ...“ (T´Pol)

Same old but new

Bei Episoden, die sich in Grundstruktur und Aussage stark ähneln, ist es immer interessant, sich die Vorgänger ins Gedächtnis zu rufen - zum Vergleich, aber auch um sich wiederkehrende Erzählformen am konkreten Beispiel klar zu machen.

Singularity spielt gekonnt mit dem Thema der durch äußere Umstände beeinflussten Crew, die sich mit fortschreitender Zeit zunehmend merkwürdig verhält und schließlich - zumeist in letzter Sekunde - einen Ausweg finden muss.

Die Schar der Ersttäter zieht sich bei dieser Thematik wie ein roter Faden durch die Serien des Trek-Franchise. Im Gedächtnis geblieben sind zum Beispiel „The Naked Time“ (Star Trek), "The Naked Now" oder "Conundrum" (Star Trek: The Next Generation); "Babel", "Dramatis Personae" und "Fascination" (Star Trek: Deep Space Nine) und der Star Trek: Enterprise-Beitrag aus der ersten Season "Strange New World". Darüber hinaus gibt es aber natürlich auch noch viele Abwandlungen, die sich sowohl in Haupt- als auch Nebenplots wiederfinden lassen.

Somit sollte man eigentlich meinen, dass jede weitere „Die Crew dreht durch“-Story nur ein weiterer (lahmer) Aufguss werden würde - jedoch war bereits "Strange New World" in der ersten Staffel ein gelungener Vertreter des Themas und konnte über die gesamte Zeit durchaus fesseln. "Singularity" hat nun den Vorteil, zwei Rahmenbedingungen grundlegend zu verändern. Die Handlung ereignet sich auf dem Schiff, nicht auf einem Planeten, und somit in den uns vertrauten Sets. Wir sehen nun auch, wie Archer, Phlox, Reed und Hoshi befallen werden (in "Strange New World" waren es Mayweather, T´Pol und Trip gewesen), und die Episode entwickelt sich in Rückblenden - eine Erzählform, die hier hervorragend funktioniert, da sich durch T´Pols Logbucheinträge eine stetige Spannung aufbaut, die auch lange anzuhalten vermag.

Die Autoren spielen auf diese Art geschickt mit einer altbekannten Story und ringen ihr neue und interessante Aspekte ab. Hierbei liegt das Augenmerk jedoch eindeutig auf dem Humor, der sich aus dem absurden Verhalten der Crew ergibt. Archer versucht, das Vorwort für eine Biographie über seinen Vater zu schreiben, und steigert sich dabei in einen Wahn; Reed entwickelt neue Verhaltensprotokolle und ein Notfallsystem (inklusive Audio-Alarm!); Hoshi gibt den Ersatz für den erkrankten Küchenchef (den wir erneut natürlich nicht sehen) und Trip (Connor Trinneer) bastelt wie ein Verrückter am nicht ganz perfekten Stuhl des Captains herum - jeder darf seinen versteckten Spleen ausleben, dass es für den Zuseher eine reine Freude ist.

Szenenbild aus Singularity © UPN
Szenenbild aus Singularity © UPN

Während der ganzen Zeit sammelt sich ein schier unglaublicher Vorrat an herausragenden Wortgefechten an - ich habe weiter oben versucht, eine kleine Auswahl zu präsentieren. Bei allem Ideenreichtum der Autoren in dieser Folge bleibt das aber wirklich nur ein Versuch... Die Charaktere erhalten viel Raum zur Entfaltung, wobei besonders John Billingsley, Dominic Keating, Connor Trinneer und Linda Park in den Vordergrund treten. Dazu gibt Jolene Blalock die irritierte und distanzierte Vulkanierin mit großer Perfektion. Man kann ihr geradezu ansehen, dass sie versucht zu ergründen, ob die Menschen um sie herum nicht vielleicht doch einfach nur ihrem Naturell entsprechend irrational agieren. Gerade wenn man Archers Verhalten in "A Night in Sickbay" als Beispiel nimmt, kein allzu abwegiger Gedanke. Dieses Wissen verhindert für mich auch, Scott Bakula in den Vordergrund zu stellen. Er wirkt zwar auch neben der Spur, aber nur unwesentlich mehr als in der genannten (und kontrovers diskutierten) Episode - und dort war (dem Vernehmen nach) kein äußerer Einfluss schuld... 

Herausragende Szenen sind für mich in all dem Tohuwabohu, Phlox´ Versuch, den Kopf des armen Mayweather zu „öffnen“, um seinen Kopfschmerzen auf den Grund zu gehen (Frankenstein lässt grüßen), Reeds Anti-Archer-Rede, Trips ausfallendes Verhalten gegenüber T´Pol in deren Quartier (welches sie, zum Schreien komisch, schlicht mit einem naiven „Are you feeling alright, Commander?“ beantwortet) und die Auseinandersetzung zwischen Archer und Trip, als beide versuchen, ihre jeweiligen Probleme an den Gegenpart zu bringen. Dies ist jedoch - wie die Zitatsammlung - nur eine kleine Auswahl. Die Episode erreicht mit der Zeit eine solch rasante Fahrt, dass man vollkommen in den Bann gezogen wird. Die vielen kleinen Randnotizen (erster Blick in die Kombüse, der „Reed-Alert“) tun ihr übriges, um bis kurz vor Schluss eine vollkommen perfekte Episode zu erzeugen.

#endeverbockt #schadedrum #mussnichtsein

Leider muss diese Einschränkung gemacht werden: Der letzte Akt der Handlung trübt nämlich das Bild ein wenig - nicht entscheidend, aber doch merklich.

Archer lässt sich etwas zu leicht aus seinem Wahn reißen (Dusche), der manuell durchgeführte Flug sieht zwar gut aus, birgt aber wenig inhaltliche Stärke und lässt auch kaum Spannung aufkommen  und die Tatsache, dass die komplette Wirkung des schwarzen Lochs verschwindet, Sekunden nachdem man den Einflussbereich verlassen hat, wirkt schlichtweg zu simpel. Hier wäre weniger Pathos mehr gewesen. 

Somit bleibt uns ein bärtiges, aber frisch umfrisiertes Setup, ein toller und in jeder Hinsicht bemerkenswert amüsanter Mittelteil und ein leider nicht völlig überzeugender und zu gehetzt wirkender Schlussteil. Bei einer mittelmäßigen Folge wäre dieser wohl kaum auf- oder ins Gewicht gefallen, hier bringt er das Gesamtwerk jedoch (knapp) um die Bestnote.

Der Rezensent muss mal was Positives loswerden

Ich muss es jedoch noch einmal herausstellen: Star Trek: Enterprise hat zusammen mit Star Trek: Deep Space Nine für mich die sympathischste Besetzung der Trek-Geschichte. Fast alle Darsteller geben jeder Szene einen ganz besonderen Charme. Selbst ein „Aye, Sir“ ist bei Dominic Keating oft großes Schauspiel (ich überziehe hier natürlich extrem...). Einzig Scott Bakula (manchmal etwas hölzern, allerdings immer sympathisch) und Anthony Montgomery (der aber zuletzt etwas besser einbezogen wird und auch lockerer wirkt) fallen in den Bereich gutes Mittelmaß zurück. Man kann hier Berman und Braga letztlich doch ein Kompliment machen, dass sie eine solch talentierte Gruppe (größtenteils) unbekannter Darsteller versammelt haben. Hoffen wir, dass die Storys in Zukunft (und wie zum Beispiel dieses Mal) noch besser Schritt halten können.

Haben die Autoren Humor?

Als letzten Aspekt möchte ich noch eine Beobachtung anführen, die sich in den letzten Wochen geradezu aufgedrängt hat. Wenn man wie ich zu Zeiten der Erstausstrahlung der Serie sehr eingehend in den einschlägigen Foren gelesen, fallen immer wieder spezielle Punkte auf, die bei diversen Kritikern der Serie auf Abneigung gestoßen sind (auch bei mir). Genau diese Punkte wurden zuletzt in Episoden durch die Blume auf die Schippe genommen - wobei ich Absicht nicht unterstellen will. Ein sonderbarer Zufall wäre es aber schon.

Alleine das Wortgefecht zwischen Archer und Trip über die Berufung zum Autoren (siehe Zitate) könnte ein perfekter selbstironischer Seitenhieb sein - und wäre als solcher noch besser als ohnehin schon. Außerdem Archers Angewohnheit, Wasserpolo zu schauen - keiner kann das wie Reed herabwürdigen. Toll! Dazu noch zwei weitere Bemerkungen des herben Briten: einmal „This isn´t a bloody  pleasure-cruise“ (gegen den angeblichen Soap-Kitsch der Serie) und seine Entgegnung „That´s obvious, Sir!“ auf Archers „This isn´t a warship“ - falls die Autoren an diesen Stellen (von denen es unzählige mehr gibt und auch schon in vorigen Folgen gab) wirklich auf die eigenen Kritiker anspielen, bewiesen sie definitiv Sinn für Humor, wenn nicht, bleiben immer noch zum Schreien komische Szenen. Egal wie herum es wirklich ist - ein Gewinn für den Zuschauer ist garantiert.

Szenenbild aus Singularity © UPN
Szenenbild aus Singularity © UPN

Gib dem Kind einen Namen

Mit Singularity, fand man einen eher langweiligen, weil wissenschaftlicher Titel, der der Episode nicht gerecht wird. Der Mathematikwitz wird dabei natürlich zur Kenntnis genommen. Dennoch verschenkt und wenig originell. Im Deutschen ist "Eigenarten“ eher ein stimmiger Titel, weil er den spleenigen Charme der Handlung unterstreicht.

Fazit

Star Trek: Enterprise lebt erneut vom Humor und den sympathischen Charakteren (und Darstellern) - die Story ist alt, kommt aber frisch daher und verliert nur in den letzten Minuten ein wenig an Fahrt - dennoch ein galaktisches Vergnügen und ganz klar ein Gewinner!

Verfasser: Tim Krüger am Sonntag, 3. Mai 2015
Episode
Staffel 2, Episode 9
(Star Trek: Enterprise 2x09)
Deutscher Titel der Episode
Eigenarten
Titel der Episode im Original
Singularity
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 20. November 2002 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. Oktober 2003
Autor
Chris Black
Regisseur
Patrick R. Norris

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x09

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?