Star Trek: Enterprise 2x08

Star Trek: Enterprise 2x08

Reed hat's verbockt! Die Crew plagt sich mit einer aus dem Ruder laufenden Erstkontaktsituation herum und muss am Ende feststellen, dass wiederholte Einmischung und Verschlimmbesserung wohl doch das Gleiche sind. Ein Gastreview von Björn Sülter.

Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „The Communicator“. / (c) UPN
Szenenbild aus der „Star Trek: Enterprise“-Episode „The Communicator“. / (c) UPN

Was erwartet uns?

Als die Crew zu einer prä-Warp-Zivilisation zurückkehrt, um einen verlorenen Kommunikator zu bergen, zeigt sich, dass sich ihre Mission nicht ganz so leicht bewerkstelligen lässt...

Dies & das

  • Die Episode bezieht sich auf eine Unterhaltung zwischen McCoy (DeForest Kelley) und Kirk (William Shatner) aus der Episode „Scott Bakula“ der Originalserie. Dort reagierte Kirk nur belustigt auf einen von McCoy bei der Mission verlorenen Kommunikator. Hier hat das von Reed (Dominic Keating) verlorene Gerät aber leider katastrophale Auswirkungen.
  • Archer (Scott Bakula) versteht langsam, warum die Vulkanier mit den Menschen so zögerlich umgegangen sind.
  • Trip (Connor Trinneer) hat in seiner Freizeit die Tarnvorrichtung des geklauten sulibanischen Rettungs-Shuttles erforscht.
  • T'Pol (Jolene Blalock) bemerkt Archer gegenüber, dass er anscheinend aus Fehlern lernt.

Mr. Mayweather hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen

This would be a lot easier if there was a button marked 'Cloak'.“ (Dann doch lieber gar nichts sagen...)

Having a cloaked hand could have its advantages; it'd be useful in a poker match... it might be helpful on movie night - if you bring a date... in case you want to steal some popcorn...“ (Es wird nicht besser.)

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Communicator%26ldquo;. © UPN
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Die kleine Schwester von Scheiße

Rauf und runter - was für eine holprige Phase. Die Staffel, die zuerst wie aus einem Guss wirkte, kommt aktuell etwas ins Stottern. Das heißt zwar nicht, dass es radikal schlechter wird, aber eben leider doch, dass das Niveau sich nicht so recht für einen Level entscheiden kann. The Communicator ist nach dem sicherlich diskussionswürdigen Klamauk „A Night in Sickbay“, der hirnlosen Haudrauf-Episode „Marauders“ und der tollen Charakterstudie „The Seventh“ ein erneutes - wenn auch dieses Mal nur moderates - Tief.

Dabei ist die Folge wirklich - naja - „nett“. Doch was heißt heutzutage noch „nett“ für eine „Star Trek“-Episode?

Konventionell, amüsant, unterhaltsam, leichtgewichtig, risikolos, liebevoll - alles Bezeichnungen, die durchaus auf die Jagd nach dem verlorenen Kommunikator zutreffen. Doch reicht das aus? Und wofür? Oder für wen?

Drama, baby!

Einerseits ist die Idee, die legendäre Abschlussszene aus „A Piece of the Action“ (Star Trek), in der McCoy zugibt, seinen Kommunikator verloren zu haben, aufzugreifen und an den Anfang zu stellen, wirklich klasse. Erschöpft kehren Archer, Hoshi (Linda Park) und Reed von ihren Erkundungen zurück und entdecken Reeds Verlust. Sofort wird eine Bergungsmission eingeleitet. Was damals bei Kirk nur ein verschmitztes Grinsen hervorrief, wird hier zum Problemfall: was kann ein Stück fortschrittliche Technologie in einer kriegerischen Kultur anrichten?

Ich frage mich jedoch, ob das Risiko, bei einem weiteren Besuch noch mehr Schaden anzurichten, nicht größer ist. Es ist schließlich nur ein Kommunikationsgerät und keine Waffe. Aber gut, lassen wir es gelten. Ich bin kein Experte der Technik des 22. Jahrhunderts und nachdem Daniels (Matt Winston) aus Archers Kommunikator eine Zeitreisevorrichtung gebaut hat („Shockwave, Part II“), ist mein Respekt vor diesem Gerät enorm gestiegen. Die Tatsache, dass Reed und Archer aber beim erneuten Besuch sofort in Gefangenschaft geraten und somit doch alles viel schlimmer machen, spricht für sich und ist leider auch höllisch vorhersehbar.

Außerdem wird eben jenes „in Gefangenschaft geraten“ und „eine Rettungsmission starten“ fast schon zum Running-Gag - wobei die Betonung meinerseits definitiv nicht auf Gag liegt. Ich befürchte, dass die Autoren es gar nicht absichtlich machen, sondern es nur einfach nicht merken. Macht es das besser? Hmm.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Communicator%26ldquo;. © UPN
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Supersoldaten & SS-Schergen

Die Aliens, die sich erneut nur durch ihre Stirnplatte von den Menschen an Bord der Enterprise unterscheiden, benehmen sich wie eindimensionale Schlimmlinge und wollen unsere Helden hinrichten lassen, da diese sich nicht freiwillig zur verhassten Allianz bekennen und ihre wahre Identität auch nicht preisgeben wollen. Nach eingehender Untersuchung durch den eigenen Doktor (köstlich besetzt!) werden jedoch ihre körperlichen Anomalien festgestellt und unser Kreativduo outet sich mal eben als das Prototypenpaar Supersoldaten der Gegenseite (makaber aber durchaus gewitzt angelehnt an die verschlagenen Suliban).

Ob das im Sinne einer Erstkontaktsituation jedoch wirklich eine gute Idee ist - zweifelhaft. T'Pol hätte sicher mit den Augen gerollt. Es verschiebt in jedem Fall die Verhältnisse auf dem Planeten und bedeutet somit einen starken Eingriff in die Entwicklung. Aber mit sowas hat Archer ja ohnehin wenig Probleme. Schließlich werden die Gegner dieser ominösen Allianz (über die wir nichts erfahren) nun sofort aufrüsten müssen und vielleicht überreagieren.

Außer diesen kleinen Scharmützeln auf dem Planeten passiert inhaltlich wenig. Reed sinniert (erneut) sehr überzeugend über den Tod und den Sinn darin. Archer gibt den toughen und überzeugten Verfechter der gerechten Sache, der Rest der Crew wartet und hofft und wartet und hofft und... tja... und bastelt am seit über einem Jahr nicht mehr gesehenen „Cell-Ship“ der Suliban rum - welches Schiff?? Genau! Das, in dem Klaang von der Helix gerettet wurde. Mannomann - ist ja nachvollziehbar, dass sie es behalten haben, ja sogar, dass Trip seitdem in seiner Freizeit daran rumbastelt und nun kurz davor steht, die Tarnung zu verstehen. Aber all das in einer Folge, in der es Gebrauch wird zu erzählen - das ist blödeste Star Trek: Voyager-Kontinuität. Andeutungen vorher (bisher sogar zeitweise eine Stärke der Serie) sind immer das bessere Mittel. Gelegenheitsseher übergehen diese Art der Vorbereitung eh, die interessierteren Fans freuen sich dafür umso mehr. Ärgerlich!

Wie auch immer. Natürlich kriegen Trip und Travis (Anthony Montgomery) das Shuttle zum Laufen, retten die beiden Gefangenen in letzter Minute und unter Einsatz eines Feuergefechts und alles ist gut. Der Schaden für die Kultur dürfte allerdings größer sein, als es am Ende der Folge für den Zuschauer wohl wirken soll. Vielleicht sehen wir ja noch etwas davon. Oder eben auch wieder mal nicht.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;The Communicator%26ldquo;. © UPN
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Gib dem Kind einen Namen

„The Communicator“ ist ganz klar ein Vorzeige Berman/Braga-Titel! Wir verlieren einen Kommunikator und nennen die Folge dementsprechend. Was ein Spaß. Und was das Deutsche angeht: die beste Karikatur bleibt eben doch immer die traurige Realität. So heißt die Episode in völlig angemessener Weise „Der Kommunikator“. Danke.

Fazit

The Seventh“ zeigte, wie kleine Episoden über sich hinaus wachsen können. „The Communicator“ steht für das Gegenteil. Wenn alles nur im spannungsfreien Raum dahindümpelt, ist ein mäßiger Ansatz kaum zu retten. Hier haben wir den neuen Gradmesser für Durchschnitt.

Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 2. Mai 2015
Episode
Staffel 2, Episode 8
(Star Trek: Enterprise 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Der Kommunikator
Titel der Episode im Original
The Communicator
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 13. November 2002 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 10. Oktober 2003
Autor
Kiefer Sutherland
Regisseur
James A. Contner

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x08

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?