Star Trek: Enterprise 2x07

Was erwartet uns?
T´Pol wird auf eine Mission geschickt, die mit einem unerledigten Auftrag aus ihrer Zeit als verdeckte Ermittlerin zu tun hat. Sie bittet Archer und Mayweather, sie zu begleiten...
Dies & das
- T'Pol (Jolene Blalock) war Teil des Vulcan High Command, genauer: des Ministry of Security, und beendete ihre Ausbildung dort vor siebzehn Jahren.
- Sie wurde damals beauftragt, sieben abtrünnige Vulkanier zu finden. Einen tötete sie auf Risa und musste aufgrund dieser Erfahrung eine Zeit lang im Kloster P´Jem betreut werden.
- Bruce Davison (Menos), der zum Beispiel aus The X-Men, zahllosen Serienauftritten und auch Rohrkrepierern wie 8mm II und Titanic II bekannt ist, spielte bereits auch einmal in Star Trek: Voyagers Episode Remember mit.
Trip in Höchstform
„I'll get back to ya on that!“ (da ist jemand das Kapitänsamt schon leid)
„You look young for a starship captain.“ - „Healthy living.“ (Wortgefecht mit einem Vulkanier)
„There are a lot of definitions of unfinished business - could you be more specific?“
Brainwashed
Nachdem nun eine Woche vergangen ist und ich mein Gehirn nach dem intellektuellen Knock-out namens Marauders wieder mühevoll auf Touren bringen konnte, muss ich zugeben, dass sich der Aufwand gelohnt hat. The Seventh entschädigt voll und ganz und setzt den eigentlich positiven Trend der Pre-A-Night-In-Sickbay-Ära der zweiten Season glücklicherweise fort.
Eine Entwicklung finde ich jedoch nur bedingt erfreulich - und weise ihr deshalb auch gleich das Prädikat „bedenklich“ zu.
Harry Kim ist überall
Charakterepisoden, die Jolene Blalock alias T´Pol in den Mittelpunkt der Handlung rücken, haben inzwischen eine erstaunliche Anzahl erreicht. Und vor allem: Sie besitzen durchaus eine gleichmäßig gute Qualität. Trotz meiner zu Beginn der Serie massiven Vorbehalte gegen die schauspielerischen Qualitäten Blalocks, muss ich zugeben, dass sich die junge Frau inzwischen sehr gut in ihre Rolle eingefühlt hat. Sie spielt mit Intensität und beeindruckt von Folge zu Folge mehr. Was Seven of Nine (Jeri Ryan) für „Star Trek: Voyager“ war, ist sie für „Star Trek: Enterprise“. Ein Außenseiter, der lernen muss, sich in einer neuen Lebenssituation zurechtzufinden; der seine Zweifel, seine Prägung überwinden muss und Stück für Stück einen anderen Blickwinkel gewinnt. Ich weiß durchaus, dass ich schon mehrfach in Kritiken geäußert habe, nicht wieder genau das Gleiche sehen zu wollen, was schon mit Seven of Nine durchexerziert wurde. Doch obwohl hier deutliche Gemeinsamkeiten unübersehbar sind, genieße ich die Rolle der T´Pol inzwischen in vollem Umfang.
Die Kehrseite der Medaille ist jedoch - wie ebenfalls bei Star Trek: Voyager - die im Gegensatz dazu auffällige Vernachlässigung der restlichen Crew. Selbst Trip (Connor Trinneer) tritt bisweilen ins zweite Glied. Klar müssen die interessantesten Charaktere die erste Geige spielen - die anderen sollte man aber dennoch gezielt weiterentwickeln, damit sie einen ähnlichen Status überhaupt erreichen können. Hier fehlt mir gerade in Bezug auf Sato, Phlox, Reed und Mayweather jedoch eindeutig weiterhin eine Ausgewogenheit in der Behandlung der Stammcrew.
Augenscheinlich wird das Ganze diesmal (leider erneut) durch die Beteiligung von genanntem Travis Mayweather (Anthony Montgomery) an der Mission mit Archer (Scott Bakula) und T´Pol. Von einer Beteiligung zu sprechen grenzt nämlich leider fast an Hohn. Seine Aufgabe beschränkt sich auf Herumstehen, Hinterherlaufen, sich von Archer von A nach B schicken lassen, einige kurze Sätze ableisten und sonst - nichts! Er ist der austauschbare Mitläufer des Trios. Jeder andere (sogar namenlose Crewman) hätte seinen Part übernehmen können. So etwas ist sträflich und tut mir für den sympathischen Montgomery schon seit der Premiere der Serie leid. Pure Arbeits-Beschaffungs-Maßnahme ohne Sinn.
Dieser Makel ist jedoch grundsätzlicher Natur und beeinflusst nicht die Qualität der Episode.
Dark´Pol
The Seventh präsentiert uns nach der Episode Fusion erneut eine sehr düstere, verletzliche Seite von T´Pol und einen scheinbar dunklen Fleck in ihrer höchst interessanten Vergangenheit. Dazu erhalten wir nach einem knappen Jahr einen Hinweis darauf, warum sie nicht sehr begeistert von einem Besuch im Kloster P ´Jem war (The Andorian Incident). Sie unterzog sich dort einem Ritual, das ihre Erinnerung an das Töten eines der Abtrünnigen auslöschte, da sie mit den Folgen nicht zurechtkam. Das nenne ich schöne Kontinuität, die nicht einmal explizit angesprochen werden muss, sondern zum Nachdenken anregt. Ein kleiner, liebevoller Hinweis für aufmerksame Zuschauer. Danke!
Die ganze Rahmenhandlung über die Motive der Vulkanier bleibt im Hintergrund - was auch eine gute Entscheidung darstellt. Das Drama spielt sich sowieso im Kleinen ab - und natürlich in T´Pols Kopf. Hier geht es nur um sie.
Dabei kommt es zu einigen sehr ansprechenden Szenen, die ebenfalls alle für gute Kontinuität sorgen. Zuerst will T´Pol sich nicht zur Mission äußern und verweist auf die Befehle. Archer ist frustriert (verständlicherweise!) und - ich liebe das - zieht sich mit seinem Wasserball und einem aufgezeichneten Spiel in sein Quartier zurück. Das wirkt zwar immer etwas zu sehr wie Kleinkind-Verhalten, ist jedoch auch irgendwo nachvollziehbar, da er es immer wieder mit einer Spezies zu tun hat, die sich perfekt auf das Bevormunden versteht und ihn einfach nur auf die Palme bringt. Reagierte er bisher zumeist eher aggressiv und verärgert, ist er inzwischen so weit, dass er zwar verärgert wirkt, aber das Ganze eher belustigt und zynisch kommentiert. Ich an seiner Stelle würde genauso empfinden und handeln.
Die Tatsache, dass T´Pol sich ihm schließlich doch anvertraut und ihn als Vertrauensperson bittet, sie zu begleiten, setzt das enger werdende Verhältnis zwischen den beiden Protagonisten der Serie fort. Wo früher eifrige Fans zwischen Kirk und Spock starke emotionale (bis sexuelle) Spannungen erkennen wollten, gibt es diese heute bei Star Trek: Enterprise tatsächlich. Auch irgendwie eine Verneigung vor dem Original, wenngleich der in „A Night in Sickbay“ angesprochene sexuelle Aspekt mir immer noch nicht wirklich ersichtlich ist.
Passend in jedem Fall ist auch die sehr intensive Schlussszene, in der T´Pol sich Archer ebenfalls als Vertrauensperson anbietet.
Summe der Teile + mehr = gut
Die Mission, die den Großteil der Episode einnimmt, wurde in vielerlei Hinsicht gut umgesetzt. Der Raumhafen wirkt phantastisch - eine verschneite Einöde. Dazu die Kneipe mit einer Vielzahl uriger außerirdischer Figuren, die raue Atmosphäre, die immer wieder tollen Missionsjacken (die auch wirklich wärmend aussehen) und natürlich der starke Gaststar Bruce Davison als Menos. Alles Zutaten, die das Niveau der Episode über den Durchschnitt heben und gemeinsam mit der flüssigen Story, den superben Leistungen aller Beteiligten und der stilvollen Musik ein in sich sehr gelungenes Bild erzeugen. Andere Episoden waren vielleicht im Gesamtbild noch stärker, weil risikofreudiger oder schlicht großformatiger. The Seventh ist jedoch eine „kleine“ Dreiviertelstunde, die durch das komplette Drumherum über ihr Setting hinauswächst.
Die Frage, ob man Archers Rat am Ende der Episode gutheißen sollte oder nicht ist sicher berechtigt. Natürlich ist es nicht T´Pols Aufgabe, zu richten. Weitergedacht wäre jedoch ein gedankenloses Befolgen von vielleicht falschen Befehlen die Konsequenz. Da Archer zusätzlich gerade kein Freund der Vulkanier ist, hätte ich diese Argumentation von ihm nicht erwartet. Allerdings könnte es auch wieder dafür sprechen, dass er tatsächlich etwas dazugelernt hat und außerdem an T´Pols Karriere (auf dem Schiff) denkt. Ich würde hier mit der Meinung des Captains ausnahmsweise mal wieder konform gehen - eine in dem Moment vielleicht harte, für ihn glücklicherweise am Ende aber richtige Entscheidung.
Hierbei sollte ganz allgemein angemerkt werden, dass sich bei Babylon 5 oder Star Trek: Deep Space Nine die Figur des Menos am Ende vielleicht doch noch als ehrenwerter Mann herausgestellt und Archer somit einen Schuss vor den Bug erhalten hätte. Doch Star Trek: Enterprise geht bisher weniger Risiken ein. Ob das so schlecht ist, wird nur die Zeit zeigen - hier ist es kein akutes Problem.
Meanwhile on Starship Enterprise
Einzig die Nebenhandlung an Bord, die primär für einige Schmunzler und Zerstreuung gedacht scheint, fällt etwas ab. Sicher ist es äußerst charmant, mit anzusehen, wie Trip ständig alle Fragen seiner Crew und der Vulkanier mit smarten One-Linern abblockt. Als Chef des Maschinenraums und dritter Offizier sollte er jedoch eigentlich ein wenig stressresistenter und befehlsgewohnter sein - und hat das ja auch bereits bei vielen Gelegenheiten bewiesen. Hier benutzen die Autoren ihn als puren Comic relief und kratzen damit leider seine Autorität und Kompetenz unnötig an.
Gib dem Kind einen Namen
Heute gibt es mit „The Seventh“ nach langer Zeit einen halbwegs kryptischen Titel, der seine Bedeutung erst in der Folge entfaltet - ein kleiner Aha-Effekt, der vor allem Spaß macht, da die Folge als Siebte der zweiten Staffel natürlich auch schlicht und platt deswegen so hätte heißen können... man weiß ja nie! Auf Deutsch kein Risiko: "Der Siebente", übersetzt 1:1 - völlig okay. Ich muss jedoch zugeben, dass ich erst dachte, der Artikel sei falsch. Doch dann gelang es mir doch noch, aus der in meiner Phantasie manifestierten extrem niedlichen Sieb-Ente einen Siebenten zu machen.
Fazit
Charakterentwicklung in stimmungsvolle Story verpackt, dazu eine immerhin humorvolle, aber nicht absolut gelungene Nebenhandlung, tolle Kulissen, ein herausragender Gastdarsteller und Topleistungen aller Beteiligten - ganz klar eine „große“ unter den „kleinen“ Folgen!
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 1. Mai 2015(Star Trek: Enterprise 2x07)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?