Star Trek: Enterprise 2x05

Star Trek: Enterprise 2x05

Wer lachen kann, ist klar im Vorteil: Irgendwo zwischen Kettensägengejaule, spätpubertären Witzen und einer Prise Sigmund Freud rollt die Episode wie eine ungebremste Humorlawine über uns hinweg. Entzückend! Eine doppelte Gastreview von Björn Sülter.

Szenenbild aus der Episode „A Night in Sickbay“ / (c) UPN
Szenenbild aus der Episode „A Night in Sickbay“ / (c) UPN

Was erwartet uns?

Porthos infiziert sich auf dem Heimatplaneten der Kreetassaner mit einem Virus. Als sich sein Zustand immer mehr verschlechtert, verbringt Archer die Nacht bei ihm und Dr. Phlox in der Krankenstation…

Dies & das

  • Erstmals gibt es bei einer Episode aus einer Star Trek-Serie durchlaufende Uhrzeiteinblendungen, die das Fortschreiten der titelgebenden Nacht verdeutlichen.
  • Dr. Phlox (John Billingsley) ist offenbar eine ganze Ecke älter, als er aussieht. Er hat drei Frauen, die jeweils noch zwei weitere Männer haben. Er hat fünf Kinder. Davon zwei Töchter (eine Chirurgin und eine Biochemikerin) und drei Söhne (der älteste ist Künstler und lebt bei seiner Mutter, die anderen beiden sind jünger und verstehen sich nicht mit ihrem Vater - er hat sie lange nicht gesehen). Er vermisst seine Kinder, seine Frauen und auch deren andere Männer, kann sich in dieser Phase seines Lebens aber nichts Besseres vorstellen, als auf der Enterprise Dienst zu tun.
  • Der Fitnessraum des Schiffes wird erstmals gezeigt. T´Pol (Jolene Blalock) und Archer (Scott Bakula) nutzen ihn.
  • Neben dem bereits aus „Broken Bow“ bekannten Grinsen des Doktors bekommen wir diesmal auch seine recht lange Zunge (die er angestrengt pflegt) und seine schillernd-gelben Fußnägel zu sehen.
  • Des Weiteren taucht seine geliebte Fledermaus erstmals in voller Pracht auf.
  • Captain Archer hatte immer Hunde - Porthos kam bereits mit sechs Wochen zu ihm.
  • Porthos gehörte vorher der Mutter seiner Ex-Freundin, mit der er auch nach der Trennung noch guten Kontakt pflegte.
  • Die vier Beagles in Porthos' Wurf wurden alle nach einem der vier Musketiere benannt.
  • Ein kleines Update über Vaughn Armstrongs Aktivitäten: insgesamt sahen wir ihn bereits siebenmal als Admiral Forrest (Broken Bow, Fortunate Son, Shadows of P´Jem, Fusion, Fallen Hero, Shockwave, Part I, Shockwave, Part II). Dazu nun zum zweiten Mal als kreetassanischen Captain (Vox Sola, A Night in Sickbay) und einmal als klingonischen Captain (Sleeping Dogs) - 10 Auftritte in 31 Folgen. Wow!

Pubertär aber herrlich

When you get back to the bridge send me your lips, lisp, list!“ (Archer)

I'm doing the breast ... the best, I can.“ (Archer)

Two Pillarian slips in thirty seconds, interesting.“ (Phlox)

This isn't so bad. I was sure there would be something in here about standing on one foot with my eyes shut, reciting 'The Night Before Christmas'.“ (Archer)

There are more important things than plasma injectors!“ (Archer) - „Like your pride?“ (T´Pol)

Ya didn't eat cabbage before ya went over there, did ya?“ (Trip)

Mein 3. Vorschlag für die 'Beste Szene der zweiten Season':

 

Archer und die Kettensäge - eine innige Liebe dürfte sich daraus nicht entwickeln, aber beim Anblick des wunderschön geschmückten Captains, der einen Baum rituell zersägen muss, ist Schmunzeln erlaubt - eine gerechte Strafe nach seinem arg schrägen Verhalten zuvor.

Aufruhr im Fandom

Diesmal macht das Rezensieren einer Folge wirklich besonders großen Spaß - ich finde es beachtlich, wie viele sogenannte Fans des Star Trek-Franchise sich seit der Ausstrahlung der Episode vor nunmehr fast dreizehn Jahren als stupide, verbohrte und vollkommen weltfremde Spaßbremsen geoutet haben.

Wer damals (und selbst heute noch) aufmerksam die weltweiten Foren gelesen hat, wird das Gefühl nicht los, dass das Fandom wirklich zu großen Teilen nur aus dieser Art Zuschauer besteht - selten gingen die Meinungen über 45 Minuten Star Trek jedoch auch so weit auseinander. Man lese und staune:

"Das Ende von Star Trek.“

"Der Gipfel der Peinlichkeit.“

"Ich schäme mich, Star Trek-Fan zu sein."

"Archer ist erledigt!"

"Lieber kein Star Trek als so etwas.“

Nur ein kleiner Teil der noch druckbaren Aussagen über A Night in Sickbay.

Aller Humor fängt damit an, dass man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt

So sprach einmal Hermann Hesse. In diesem Sinne: Was ist dran an dieser Episode? Warum polarisiert sie dermaßen? Handelt es sich nicht schlicht um eine recht einfach gestrickte Comedy-Episode? Die Antwort lautet natürlich: Doch!

Das wiederum wirft die Frage auf, ob eine einfach gestrickte Comedy-Episode im Normalfall überhaupt solche Wellen schlagen darf? Auch diese Antwort liegt auf der Hand: Nein!

Eines sollte sich jeder einfach klarmachen: über Humor lässt sich wie über kaum etwas anderes streiten - und zwar aufs Herrlichste! Es ist doch ein Phänomen, wenn man sieht, dass Menschen, die sich von Bildung, Herkunft, Prägung und Lebensstil noch so ähnlich sind, dennoch über die unterschiedlichsten Dinge lachen können. Humor ist ein vollkommen undefinierbares Feld - alles kann lustig sein, alles darf Spaß machen.

Umso schwieriger war es schon immer, humorvolle Episoden innerhalb einer ansonsten nicht primär auf Humor festgelegten Serie zu etablieren. Bei einer explizit auf Humor ausgelegten Serie wie zum Beispiel Friends wird sich mit der Zeit ein Publikum finden, dass diesen Humor teilt. Bei Star Trek jedoch schaut wohl kaum jemand primär wegen des Humors zu. Somit versammeln sich von diesem Standpunkt aus betrachtet die unterschiedlichsten Charaktere vor dem Fernsehschirm - geteilte Meinungen sind hierbei gar nicht zu vermeiden.

Wenn dann eine Episode auch noch die Grenze des bisher bekannten in jeder Hinsicht sprengt und die sonst eher ernsthaften Charaktere in Situationen bringt, die an Slapstick grenzen - dann kann man als Autor nur noch hoffen und beten. Mutig ist das aber allemal!

Natürlich ist Archer kein Egomane, der eher die Galaxie zerstören würde, als seinem Hund zu schaden. Er ist auch kein spätpubertärer Lüstling, der sich durch T´Pols Outfit von der drohenden Zerstörung seines Schiffes ablenken ließe - er ist nur ein Mensch.

Ein Mensch, der Fehler besitzt, Triebe, Verlangen, Sorgen, der manchmal einsam ist, manchmal unter dem Druck zusammenzubrechen droht und mit sich selbst hadert - ein MENSCH!

Und in „A Night in Sickbay“ hat er einfach eine verdammt schlechte Zeit - alles kommt zusammen und schließlich führt er sich wie ein Idiot auf - das Gute: er weiß es, geht am Ende ans Limit seines Schamgefühls als er sich zum Deppen für die Kreetassaner macht und kann sich in den Dienst des größeren Ziels stellen und entschuldigen.

Ich finde diese Präsentation enorm gelungen und kann nur hoffen, dass der menschliche Kurs, auf dem Archer sich befindet ihn weiterhin prägt. Nicht in dieser übersteigerten Art und Weise - klar - aber dennoch immer sichtbar.

Janeway war über die sieben Jahre in Star Trek: Voyager oftmals so irrational, dass es weh tat. Das Problem war, dass sie ihre wechselnden Standpunkte immer vollkommen überzeugt vertrat und verteidigte. Das ist zwar auch sehr menschlich, wurde aber so bierernst vorgetragen, dass der liebe Captain dort einfach immer unsympathischer wurde. Wer mag schon einen Kollegen oder Vorgesetzten, der jeden Tag eine andere Meinung vertritt und sich an sein Geschwätz von gestern nicht mehr erinnert? Okay, es gibt gerade unter den Vorgesetzten diverse Vertreter dieser Art, aber das ist nicht das Thema.

Archers Schwäche liegt hier nur darin, dass er sich um seinen Hund Sorgen macht, genervt von den erneut völlig irrationalen und beleidigten Kreetassanern ist (die sein Schiff schon einmal in Gefahr gebracht haben), schlecht schläft und von Dr. Phlox auch noch zu hören bekommt, er hege sexuelles Verlangen nach T´Pol - also ich nenne das einen Scheißtag und kann ihn sehr gut verstehen. Sein Ausspruch „... then I piss on their planet.“ ist der perfekte Ausdruck seiner Laune. 

A Night in Sickbay liegt mit allem was vor sich geht völlig abseits ausgetrampelter Trek-Pfade - im kaum mehr messbaren Bereich zwischen Wahn- und Irrsinn.

Wenn der Captain beim Fitnesstraining mit T'Pol um die bessere Kondition rangelt, er mit dem Doktor eine Fledermaus jagt, die Hoshi mit der Hand fängt, wenn er von der Beerdigung seines Hundes träumt und schließlich mit T'Pol alleine in der Dekontaminations-Kammer seinen Trieben nachgibt, wenn der Doktor seine schrillen Fußnägel schneidet (und verfüttert) oder seine lange Zunge säubert (?) - dann muss auch der letzte begriffen haben, dass diese Episode nicht das Ende von Star Trek ist.

Wer den Humor nicht teilt - was soll´s! Schaltet einfach nächste Woche wieder ein und freut Euch über ernsthafte Meisterleistungen wie z. B. Dead Stop vergangene Woche. Wieso kann und darf nicht Platz für die ganze Palette sein?

Star Trek: Enterprise bietet in dieser Season bisher eine solche Vielfalt, die man erst einmal erreichen muss. Charakterentwicklung, Rückblick, Gefühl, Action, Drama, Suspense, Horror und nun Humor - alles drin - und das in bisher gerade einmal fünf (!) Episoden.

Die ewigen Nörgler tun mir wirklich leid, obwohl ich selber jahrelang über Star Trek: Voyager gelästert habe (und auch bis heute Teile meiner Anti-Haltung bewahrt habe) - aber jeder bekommt was er verdient. Und wer sich über Episoden wie diese vor Aufregung ein Magengeschwür züchten will - gerne. Auch darüber kann bestimmt der eine oder andere herzlich lachen.

Was bleibt bei all diesem allgemeinen Gefasel noch zu sagen?

John Billingsley und Scott Bakula beweisen höchstes komödiantisches Talent und Timing - ihre gemeinsamen Szenen sind echte Highlights. Scheinbar genießt es Bakula förmlich, vollkommen aus sich herauszugehen - peinliche Momente wie die kindischen Versprecher über Lippen und Brüste machen ihm spürbar Vergnügen. Die Nase vorn hat aber klar Billingsley, dessen Dr. Phlox nach seiner Winterschlaf-Szene in Two Days and Two Nights erneut an Skurrilität zulegt. Dieser Charakter kann wirklich eine ganz große Nummer werden, sollte er weiterhin so sorgsam aufgebaut werden.

Aber auch der Rest der Crew macht munter mit - Linda Park hat einige reizende Szenen, bei denen man ihr die Genervtheit über ihren Captain richtig anmerkt. Auch Jolene Blalock darf in der Rolle der in ihren Vorurteilen über Archer bestätigten T´Pol glänzen.

Ob aus der erotischen Spannung zwischen ihr und Archer etwas wird? Ich glaube nicht. Vielleicht wollte sie am Ende nur höflich sein - vielleicht aber auch einfach nichts zugeben...

Die Kreetassaner sind erneut (wie in Vox Sola) nur am Rande wichtig - es wäre interessant zu erfahren, wie sie überhaupt in der Galaxis klarkommen, ohne sich ständig Feinde zu machen. Das schlussendliche Entschuldigungsritual war auf jeden Fall ein faszinierender Einblick in ihre Kultur.

Womit wir beim letzten Thema wären.

Kaum eine Szene in der Trekhistorie war wohl jemals so „over the top“ - Archer mit Tätowierungen, komischen Tüdeln im Haar und einer Kettensäge beim eigenhändigen Entweihen des von Porthos angepinkelten heiligen Baum... ein Ritual zum Verlieben und eine perfekte Demütigung für Archers kindisches Verhalten - und das sage ich aus reinem Spaß an der Szene.

Bei den anderen Serien (und auch schon in der letztjährigen Folge Strange New World) hätte sich das Verhalten der Crew am Ende als Auswirkung eines Giftes oder etwas Ähnlichem herausgestellt - hier bleibt alles offen und das ist auch gut so. Und wer es denn trotzdem gar nicht ertragen kann - wer sagt denn, dass der Virus bei dem Rest der Crew nicht vielleicht genau dieses Verhalten ausgelöst hat? Bei Porthos fast tödlich, bei den anderen gerät einfach der Hormonhaushalt durcheinander... wer doch möglich, oder?

Cheers!

Gib dem Kind einen Namen

Der Titel „A Night in Sickbay“ macht die Gangart der Episode sofort klar - leicht, locker, humorvoll. Auf Deutsch ereilt uns die Kreation "Eine Nacht Krankenstation". Grundsätzlich natürlich völlig okay, aber hat das Geld nicht mehr für den Zusatz "in der" gereicht? Oder wird hier neue deutsche Umgangssprache geübt? „Ey T'Pol, isch geh eine Nacht Krankenstation.“ Keiner weiß es...

Fazit

Ein Ritt auf der Rasierklinge. Bei mir hat „A Night in Sickbay“ wunderbar funktioniert - Eindeutig eine der mutigsten und besten Trek-Komödien, die keine Rücksicht auf sich selbst nimmt und jeden Ernst außer Acht lässt. Mutig, provokativ - auf ihre Weise ein Genuss!

Du denkst, der Rezensent hat Unrecht? Das denkt er selber vielleicht auch. Auf den nächsten Seiten kannst Du eine etwas andere Bewertung der Geschehnisse lesen...

Star Trek: Enterprise: A Night in Sickbay - Review, die Zweite

Ohne Alkohol nicht zu ertragen: wenn Produzenten und Autoren keinen Respekt vor ihrer eigenen Serie haben und eine frühzeitige Absetzung auch in Hinblick auf wegfallende Arbeitsplätze zum Kugeln lustig fänden, dann ist man ganz sicher in der neuen Folge von Star Trek: Enterprise gelandet. Eine bodenlose Frechheit! 0 Sterne - das zweite Gastreview von Björn Sülter.

Was müssen wir erdulden?

Porthos pinkelt an einen Baum, Archer & Co cremen sich gegenseitig ein, Phlox hält sich für Siegmund Freud und am Ende wünscht sich die Kettensäge, sie wäre doch lieber für einen neuen Teil von Maniac Mansion gebucht worden...

Dies & das

Siehe Review zuvor.

Achtung, Achtung - tiefer runter geht das Niveau nicht mehr

When you get back to the bridge send me your lips, lisp, list!“ (Archer)

I´m doing the breast ... the best, I can.“ (Archer)

Ya didn't eat cabbage before ya went over there, did ya?“ (Trip)

Mein 3. Vorschlag für die 'Beste Szene der zweiten Season':

Der Abspann. Das Grauen hatte endlich ein Ende.

Ey.

Das Rezensieren von Star Trek: Enterprise macht mir eigentlich eine Menge Freude. Auch wenn der bisher letzten Serie des Star Trek-Universums definitiv leichte Abnutzungserscheinungen nicht abzusprechen waren, kann und konnte ich mich heute wie damals immer wieder in die Charaktere, die liebevolle Umsetzung und das Flair der Serie verlieben. Gelegentliche Aussetzer hier und da waren für mich immer zu tolerieren. Wenn jedoch der Zuschauer das Gefühl vermittelt bekommt, dass die Produzenten und/oder Autoren einer Serie ihre eigene Kreation mit Füßen treten und ihre Charaktere verraten, ist es Zeit die Alarmglocken heulen zu lassen.

Und nein - das hat nichts damit zu tun, dass es sich bei mir um eine stupide, verbohrte und vollkommen weltfremde Spaßbremse handelt. Hier wird die Serie mit Füßen getreten - und somit jeder Fan. Und an dieser Stelle muss ein Schlussstrich gezogen werden (das wussten schon Captain Picard und Quark).

Wer zu Zeiten der Erstausstrahlung (und selbst heute noch) aufmerksam die weltweiten Foren durchforstet hat, konnte zum Beispiel folgende Meinungsbekundungen über A Night in Sickbay finden:

"Das Ende von Star Trek.“

"Der Gipfel der Peinlichkeit.“

"Ich schäme mich, Star Trek-Fan zu sein."

"Archer ist erledigt!"

"Lieber kein Star Trek als so etwas.“

Und was soll ich sagen: sie haben alle Recht.

Das Banale zum Existenziellen zu erheben, ist die Königsdisziplin der Dummen

So sprach einmal der deutsche Schriftsteller Stephan Sarek. Und sicher gab und gibt es Menschen, die selbst im Humor von A Night in Sickbay noch ein Comedy-Highlight erkennen wollen. Jedoch - darf man das? Handelt es sich nicht vielmehr um die vollkommene und endgültige Demontage des Captain Jonathan Archer? Die Antwort lautet natürlich: Doch!

Und das ist etwas, was kein Fan akzeptieren sollte.

Captain Archer wurde uns schon zu Beginn der Serie gerne als sehr geerdeter Mann präsentiert. Er trug sein Herz auf der Zunge, handelte ohne Nachzudenken, vertraute oft seinem Instinkt und schlitterte dabei ein ums andere Mal selbstverschuldet in Schwierigkeiten. Das alles war bisher aber noch irgendwie akzeptabel. Hier jedoch durchlebt er leider die Talsohle seiner bisherigen Serienexistenz: der Archer aus A Night in Sickbay ist ein unbelehrbarer Egomane, der eher die Galaxie zerstören würde, als seinem süßen, kleinen Hund zu schaden. Er ist ein spätpubertärer Lüstling, der sabbernd Worte verdreht nur weil sein erster Offizier erkennbar Brüste besitzt und auch sonst keinen Kartoffelsack als Dienstkleidung trägt. Das ist eindeutig zu viel Mensch. Das ist peinlich und lächerlich.

Archer führt sich von der ersten bis zur letzten Minute wie ein Idiot auf. Eine vollkommen unpassende Präsentation für den Charakter eines Raumschiffcaptains, für den Menschen Jonathan Archer an sich und für den bemitleidenswerten Schauspieler Scott Bakula im Besonderen, der sein Möglichstes tut um das Ganze irgendwie mit Würde über die Bühne zu bringen. Eine Chance hatte er jedoch in diesem Drehbuch nie.

Wenn man Dummheiten macht, müssen sie wenigstens gelingen

Und dabei versucht die Episode frei nach Napoleon mit aller Macht, uns diverse Erklärungen für Archers abstruses Benehmen an die Hand zu geben.

Klar - er macht sich Sorgen um seinen Hund. Ich hatte selber immer Hunde, für die ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen würde, um ihnen zu helfen. Aber bin ich ein Raumschiffcaptain in den Tiefen des Weltalls? Mitten in einer diplomatischen Mission mit einer außerirdischen Spezies? Und überhaupt - wenn man dieses Fass aufmacht, muss man direkt hinterfragen, was zur Hölle dieser Hund überhaupt auf dem Schiff zu suchen hat? Ob er wohl ein erfülltes Leben im Quartier des Captains führt? Ein wenig Käse hier, ein wenig Käse da. Und Gassi durch die Gänge. Großartig. Hier liegt die Antwort auch wieder nahe am Wort „Egoismus“. Keine neue Erkenntnis im Zusammenhang mit Archer. Leider.

Und natürlich - Archer ist schwer genervt von den erneut völlig irrationalen und schnell beleidigten Kreetassanern - jedoch: ER hat seinen Hund auf den Planeten mitgenommen. ER ist das Risiko eingegangen. ER hat nicht verhindert, dass Porthos auf Bäume uriniert, von denen keiner wissen kann, wie wertvoll sie sind. Es geht immer wieder um ihn - Archer jedoch sieht nur „die bösen Anderen“.

Und sicherlich - der arme Captain schläft schlecht. Aber hey, das geht uns allen mal so. Get over it, Captain! Wenn ich jedes Mal nach einer miesen Nacht Kolleginnen auf ihre Brüste ansprechen würde, hätte ich vermutlich viel mehr Zeit, Serien zu schauen.

Und zugestanden - Archer muss sich zu allem Überfluss von Dr. Phlox auch noch anhören, er hege sexuelles Verlangen nach T´Pol. Jedoch: Dass er seinem Arzt diese unfassbar debile Counselor-Session nicht schlicht und einfach direkt verbietet, zeigt auch wieder nur die Schwäche des Charakters. Phlox ist mit seinem Gesabbel zudem so weit außerhalb dessen, was ihn sonst als intelligenten Ruhepol des Schiffes ausmacht. Es ist fast tragisch. Hier ruinieren sich Charaktere gegenseitig, als wenn es kein Morgen gäbe. Dabei fällt mir auf, dass sich ruinieren auf urinieren reimt. Wie lustig. Archers Ausspruch „... then I piss on their planet.“ ist in diesem Zusammenhang dann nur der Tiefpunkt am unteren Ende der Niveauleiter.

Ach, und apropos Phlox - ich mochte seinen skurrilen Auftritt in Two Days and Two Nights wirklich - aber hier tut man ihm definitiv keinen Gefallen damit, seine Fußnägel-Pflege und das Bürsten (?) seiner Zunge in die Handlung zu integrieren. Der Ekelfaktor ist hier definitiv zu hoch. Und helfen tut es Keinem.

Man könnte endlos so weitermachen: das peinliche Gerangel mit T´Pol beim Fitnesstraining, das ewige Eincremen in der Dekontaminations-Kammer, die bemühte Jagd auf die ausgebrochene Fledermaus, bei der Phlox einen Eimer Schleim auf den Kittel bekommt (höhö), der völlig entrückte Traum, der die Beerdigung seines Hundes mit knisternder Erotik zu paaren versucht. Fehlgeleiteter kann Humor nicht sein. Man kann nur hoffen, dass die beiden Autoren beim Schreiben nicht nüchtern waren.

Dass die Kreetassaner zudem nur eine sinnlose Randnotiz bleiben und auch in ihrem zweiten Auftritt keinerlei Kontur gewonnen haben - geschenkt. Dass die erotische Spannung zwischen T´Pol und Archer mit vollkommen absurd kaum mehr zu beschreiben ist und am Ende dennoch nicht gänzlich weggewischt wird? Aua, aber ebenfalls geschenkt.

Schön, dass es on top und zu unser aller Freude dann aber auch noch die bemitleidenswerte Schlussszene gibt: ich sage nur Kettensäge. Aber vielleicht war das ja der Kern der Idee. Archer mit Kettensäge. Und mit Dreadlocks. Und Tattoos. Brumm, brumm. Geile Idee, Beavis. Höhö. Danke, Butthead.

Dumm ist der, der Dummes tut

Sogar Forrest hats gemerkt: Diese Episode zu schreiben war vielleicht das Dümmste, was Rick Berman und Brannon Braga in ihrer Zeit als Serienschaffende getan haben. Sogar im Vergleich zu allem, was sie in der Zukunft noch tun werden (frei nach Sarah Knappik). Und für eine Serie, die händeringend um Zuschauer buhlt und sich am Anfang ihrer zweiten Season befindet, haben sie hier einen Todesstoß abgeliefert, der seines Gleichen sucht. Selten ist eine Serie mit einer einzigen Episode so dermaßen über den Hai gesprungen wie hier.

Dabei hat Star Trek: Enterprise schon mehrfach bewiesen, dass die Serie zu Humor fähig ist. Und ebenfalls zu Gefühl, Action, Horror, Suspense, Mystery - die gesamte Crew der Serie kann es liefern. Dass man dieses Potential jedoch derartig mit Füßen tritt ist mir ein Rätsel. Da könnte man sich glatt ein Magengeschwür drüber züchten.

Ich habe fertig.

Gib dem Kind einen Namen

Der Titel „A Night in Sickbay“ macht sofort klar - da kann eigentlich nix Relevantes passieren. Zudem wieder mal eine Enterprise-typische Inhaltsbeschreibung im Titel. Auf Deutsch ereilt uns die Kreation "Eine Nacht Krankenstation". Grundsätzlich natürlich völlig okay... aber hat das Geld nicht mehr für den Zusatz "in der" gereicht? Oder wird hier neue deutsche Umgangssprache geübt? „Ey T´Pol, isch geh eine Nacht Krankenstation.“ Keiner weiß es...

Fazit

Was für eine Bankrotterklärung. Rick Berman und Brannon Braga zelebrieren die Hinrichtung ihres Hauptcharakters Captain Jonathan Archer unter Zuhilfenahme von pubertärem Humor, Albernheiten und hundsdämlichen Dialogen und zeigen somit den Fans und ihrer eigenen Crew mit Anlauf den Mittelfinger. Nach dieser Entgleisung kann man keinem mehr das Wegschalten verübeln.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 25. April 2015
Episode
Staffel 2, Episode 5
(Star Trek: Enterprise 2x05)
Deutscher Titel der Episode
Eine Nacht Krankenstation
Titel der Episode im Original
A Night in Sickbay
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 16. Oktober 2002 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 20. September 2003
Autoren
Rick Berman, Brannon Braga
Regisseur
David Straiton

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x05

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?