Star Trek: Enterprise 2x04

Was erwartet uns?
Schwer gezeichnet von der Auseinandersetzung mit den Romulanern sucht die Crew eine Art vollautomatische Raumschiff-Werkstatt auf. Über den Preis hätte man vielleicht aber vorher Klarheit schaffen sollen…
Dies & das
- Roxann Dawson (B´Elanna Torres aus Star Trek: Voyager) führt nicht nur Regie, sondern spricht auch den Computer der Station.
- Die Handlung der Episode beginnt vier Tage nach dem Vorfall mit den Romulanern (Minefield, Star Trek: Enterprise). Seitdem waren Einsatzkräfte rund um die Uhr damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen.
- Das Schiff wäre in diesem Zustand nur zu Warp 2.1 fähig und damit knapp 100 Jahre von der Jupiter-Station entfernt.
- Weder Starfleet noch die Vulkanier können erreicht werden, da die Subraum-Antenne beschädigt wurde.
- Reed (Dominic Keating) befindet sich wegen seiner Beinverletzung noch immer in Behandlung bei Dr. Phlox (John Billingsley).
- Porthos ist erstmals diese Season mit von der Partie.
- Das in Unexpected erstmals aufgetretene Quietschen in Archers (Scott Bakula) Büro ist wieder zu hören...
- Im Innern der Station bekommen wir ein Holo-Bild des Schiffes zu Sehen.
- Wir erfahren, dass Trip (Connor Trinneer) den Kratzer aus Broken Bow nie beseitigt hat...
- Die Station hat es letztlich sogar geschafft, das Quietschen in Archers Raum zu beseitigen.
- T'Pol's (Jolene Blalock) Blick, als Reed und Trip auf der Brücke materialisieren, ist unschlagbar.
- Archer benutzt Reeds Kommentar über fehlende Disziplin an Bord (Minefield) gegen ihn.
- In Mayweathers (Anthony Montgomery) Quartier scheint ein kleines Modell von Nomad zu stehen (Star Trek).
- Archer scheint mit seinen Führungsoffizieren einzeln zu frühstücken - wir erfahren, dass er den Termin mit Mayweather absagen musste (dem bleibt aber auch nichts erspart). Am Ende verabredet er sich mit ihm erneut für kommenden Freitag.
Phlox - immer mit einem Lächeln
„You're not putting anymore of those things inside my leg. You still didn't find the last one.“ (Reed) - „He will come out on his own ... eventually.“ (Phlox)
Mein 2.Vorschlag für die „Beste Szene der zweiten Season“:
Das Ende: die Service-Station beginnt sich selbst zu reparieren - Stück für Stück. Perfekter Ausklang á la Akte X. Ob hier John Shiban die Finger im Spiel hatte?
Torres in da house
Roxann Dawson, deren Alter Ego B´Elanna Torres für knapp sieben Jahre zu den Highlights auf der Voyager gehörte, kehrt mit Dead Stop für ihre dritte Regiearbeit bei Star Trek: Enterprise zurück. In Season 1 gelang ihr mit The Andorian Incident die erste vom Feeling her richtig gute Episode der Serie - ein actionreicher Entführungsplot, schönes Ambiente und gut umgesetzt. Danach baute sie ihren guten Ruf mit der in allen Belangen faszinierenden Folge Vox Sola aus, die nicht nur starke Kameraeinstellungen und Effekte bot, sondern auch viele sehr willkommene menschliche Momente unter den Crewmitgliedern erlaubte. Nun also ihre erste Arbeit in Season 2 - und überraschenderweise steigert sie sich erneut und liefert erneut eines der bisher fünf absoluten Highlights der Serie ab (neben Cold Front, Dear Doctor, Shuttlepod One und Vox Sola).
Minefield, Part II
Wie bereits im Review zu Minefield angedeutet, beginnt Dead Stop wie eine verkappte Fortsetzung - nämlich mit den Reperaturbemühungen der Crew unter erneutem Einsatz des Inspektions-Shuttles (aus Broken Bow und Shuttlepod One). Die Situation ist nicht sehr günstig für unsere Helden und somit kommt der Tipp, eine Art Weltraum-Werkstatt in der Nähe aufzusuchen natürlich wie gerufen. Bei dieser Gelegenheit spielen übrigens die Tellariten erneut eine kleine Rolle - zu Gesicht bekommen wir sie jedoch nicht - dafür aber immerhin zu Gehör (wobei am Ende unklar bleibt, ob sie es auch wirklich waren; aber dazu später mehr).
Die Werkstatt entpuppt sich als wahre Wundertüte im All, und somit als Glücksfall für das gebeutelte Schiff - sie gibt sich zwar reichlich wortkarg (an Bord befindet sich niemand und der Computer der Anlage kennt anscheinend kein „Willkommen“), passt sich aber mit ihrem Weltraumdock der Form und Größe der Enterprise an, stellt die Umweltbedingungen auf ein erträgliches Maß ein und bietet somit indirekt ihre Gastfreundschaft an.
An Bord wird noch eine schnelle, formelle Verhandlung mit einem nicht zu hohen Preis für die Leistungen abgewickelt und schon soll es losgehen - ein Freizeitraum mit unseren Helden bis dato noch unbekanntem Replikator inklusive.
Die Stimme der Station sollte übrigens bekannt vorkommen - es ist oben angesprochene Regisseurin und Torres-Darstellerin Roxann Dawson - ein schöner kleiner Gag, der Freude macht.
Trust noone
Die Tatsache, dass nicht alles glatt über die Bühne geht und irgendwo ein Haken im System sein muss, dürfte jeder erraten. Was uns jedoch geboten wird, ist kein konventioneller Plot, sondern ein feines Spiel mit dem Feuer, bei dem die Crew leicht hätte verlieren können - genauer, das Leben von Travis Mayweather. Dieser stirbt nämlich, nachdem er von einer Art „Phantomstimme“ alias Captain Archer angelockt wurde, in der Shuttlesektion einen unglücklichen Tod.
Diese „Phantomstimme“ wird zwar nie aufgeklärt, könnte aber darauf hindeuten, dass auch die Übertragung der Tellariten zu Beginn der Episode nur durch die Station selbst erzeugt wurde. Eine Vermutung - mehr aber nicht.
Die Plotentwicklung um den bedauernswerten Mayweather ist vielleicht - wenn überhaupt - der schwächste Part der Episode. Erstens halte ich die Idee, ein Crewmitglied scheinbar sterben und die Leiche sich dann als Klon entpuppen zu lassen für wenig originell und nebenbei für eine viel zu simple Irreführung der Zuschauer. Zweitens sollte es eine bessere Wahl für ein mögliches Opfer geben, da man den bisher immer noch viel zu schwachen Charakter & Darsteller des Mayweather nicht für einen solchen Kniff verheizen sollte. Dieser Mann hat eine solch große Kritikerschar, dass wohl die Mehrheit der Zeugen seines Ablebens eher belustigt als schockiert oder betroffen gewesen sein dürfte...

Abgesehen von dieser - zugegeben - etwas makabren Haltung empfand ich die Sterbebettszene mit Hoshi und Phlox als sehr gelungen. Der ungewollte Witz dabei ist natürlich, dass die junge Frau uns ein bisher gänzlich unbekanntes und blasses Crewmitglied als guten Bekannten verkauft und sich an Dinge erinnert, die wir im Ansatz bisher nicht gesehen haben oder nachempfinden können...
Hier müssen die Produzenten endlich einmal aufwachen und sich nicht nur auf die anderen Crewmitglieder konzentrieren. Eine gehaltvolle Mayweather-Episode ist wirklich wieder notwendig - keiner an Bord hat Entwicklung so nötig wie er. Dabei sei im Übrigen nicht eine Szene wie sein Auftritt ohne Shirt gemeint - zwar reiht sich Travis somit in die lange Liste der halbnackt herumlaufenden Crewmitglieder ein - Charakterentwicklung sollte man das aber eher nicht nennen müssen...
Dr. Phlox bekommt durch den Zwischenfall auf jeden Fall wieder einmal Gelegenheit, seine medizinischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen - wenn ich auch anmerken muss, dass seine Entdeckung recht zufällig wirkt und die Erklärung mir nicht stichhaltig erscheint. Er müsste wissen, dass immer Anomalien auftreten können - auch in der Medizin. Dennoch ist für ihn sofort die Sachlage klar und er brauch keinerlei weitere Tests, die seine These untermauern.
Klar drängt die Zeit (der Episode) - aber ein, zwei weitere Sätze über eine Bestätigung und eine genauere Untersuchung hätte ich willkommen geheißen, da mir persönlich eine - natürlich ebenso wenig definierbare - Anomalie mehr einleuchten würde, als das völlig aus dem Nichts gegriffene Akte X-Konstrukt eines Klons, der zur Vorspiegelung falscher Tatsachen... ich denke das macht es deutlich.
Mit dieser Erkenntnis, dass eben nicht Mayweather gestorben ist, sondern ausgetauscht wurde, wird dann allerdings der Showdown der Episode auf den Weg gebracht, in dem die Crew hinter das schreckliche Geheimnis der Station kommt - und natürlich kommen muss.
Dabei wird aber auch klar, dass sich die Stationslogik doch als recht löchrig erweist. Trip diskutiert den Computer in den Wahn - eine Kunst, die schon Kirk (William Shatner) beherrschte - Archer, Reed und T´Pol tricksen die Sicherheitssysteme aus und dringen schließlich (recht schnell) in das Zentrum der Anlage ein. Ob das realistisch ist, sei mal dahingestellt. Ein wirklich sicherer Abwehrmechanismus sieht anders aus - und wäre den gezeigten technischen Möglichkeiten angemessener gewesen.
Die Enthüllung, dass die Station Gehirne von armen Hilfesuchenden (und ebenfalls ausgetauschten) Crewmitgliedern diverser Schiffe angesammelt und zu einem Großrechner zusammengeschlossen hat überrascht sehr. Die Idee ist klasse, wenn auch reichlich makaber.
Wer hier den Ursprung der Borg vermutet, dürfte zwar falsch liegen - eine mögliche Idee für die Entstehung dieser Rasse ist aber sicherlich gegeben - und lässt die Maschinenwesen im Nachhinein noch wirkungsvoller, weil realistischer erscheinen.
Vielleicht täusche ich mich ja aber auch und die Borg haben zu Archers Zeit bereits Feldtests im Alphaquadranten vorgenommen...
Warum Archer und Co. jedoch davon absehen, die anderen Gefangen zu befreien sondern stattdessen nur Mayweather mitnehmen bleibt zunächst unverständlich. Erst im Nachhinein wird erklärt, dass sie schon zu lange dort waren - vielleicht wäre ein direkter Hinweis in der Szene besser gewesen.
I´ll be back
Das Ende der Episode - der beginnende Wiederaufbau der dank der Enterprise zerstörten Station durch sich selbst ist ein perfekter Ausklang. Hier ziehen die Produzenten der Serie alle Register und liefern nach Cold Front das beste Episodenende der bisherigen Serie.
Suspense, Horror, Dramatik sowie das wohlige Gefühl von Panik - ein offenes Ende par Exellence.
Auch wenn es müßig wird, es zu erwähnen - das Produktionsniveau der kompletten Episode ist (erneut) bombastisch. Die Station sieht verdammt gut aus und alle benutzten Effekte gehören in ein Lehrbuch.
Sogar das sterile, weiße Innere der Station drückt ideal aber die reine Zweckmäßigkeit aus, die von den unbekannten Betreibern sicherlich beabsichtigt war. Man weiß ja nie, wer die Pforten des Komplexes durchschreitet - weiß und schlicht ist in diesem Fall bestimmt eine sinnvoll erscheinende Wahl.
Ebenso anzumerken sind die Darstellerleistungen - es gibt keinerlei Schwächen unter den Crewmitgliedern, die diesmal erneut ohne Gaststars auskommen.
Besonders Hoshis oben genannte Abschiedsszene, T´Pols Reaktion auf die „ertappten“ Reed und Trip, die auf dem Brückenboden in Krabbelhaltung materialisieren und Archer im Allgemeinen stechen für mich heraus.
Dead Stop macht deutlich, dass es doch immer noch wirklich neue Ideen gibt (wobei ich nicht behaupten will, dass der Plot so noch nie vorgekommen ist). Für Star Trek ist diese Episode ein weiterer Meilenstein in der langen und serienübergreifenden Geschichte von erinnerungswürdigen Missionen.
Ich freue mich schon auf die nächste Regiearbeit von Roxann Dawson - sie scheint viel Glück bei der Zuteilung der Episoden zu haben. Hoffentlich bleibt es ihr hold...
Gib dem Kind einen Namen
Der Titel „Dead Stop“ ist schon viel besser (begnüge ich mit zu wenig?). Endlich mal wieder ein Titel, der keine reine Handlungsbeschreibung darstellt. Denkbar wäre sonst zum Beispiel etwas wie "The Evil Service-Station" gewesen. Inzwischen muss man den Produzenten alles zutrauen. Aber nein: Knackig, rätselhaft und passend diesmal. Aufwärts geht´s! Im Deutschen grüßt Star Wars überdeutlich - „Todesstation“ heißt es da unnötig dramatisch.
Fazit
Der erste Hammer der zweiten Season - ein Stück pure SF, das durch Story, Originalität, greifbare Charaktere, geschliffene Dialoge und eine vollkommene Optik glänzt. So macht Star Trek Spaß, so kann die Franchise auch nach über 600 Episoden noch überraschen. Mehr!
Verfasser: Tim Krüger am Sonntag, 19. April 2015(Star Trek: Enterprise 2x04)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?