Star Trek: Enterprise 2x02

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Was erwartet uns?
T´Pol erzählt Trip und Archer bei einem gemeinsamen Essen eine Geschichte, die vom Absturz eines vulkanischen Schiffes auf der Erde des Jahre 1957 handelt. Leiterin des Teams war damals angeblich ihre eigene Ururgroßmutter T´Mir...
Dies & das
- Die Episode spielt im Jahre 1957 - die Sputnik ist zu sehen.
- Während des Dinners trinken alle Rotwein - sogar T'Pol (Jolene Blalock).
- Diese Folge spielt genau ein Jahr nachdem T'Pol an Bord kam - somit also auch ein Jahr nach Start der Mission. Bisher lag der Rekord für die Verweildauer eines Vulkaniers auf einem Erdenschiff bei nur zehn Tagen.
- T´Pol hat den Ort Carbon Creek während ihrer Zeit auf der Erde besucht.
- Das vulkanische Oberkommando existiert 1957 bereits.
- Wie Spock (Leonard Nimoy) in The City on the Edge of Forever aus Star Trek benutzt Mestral eine Wollmütze als Tarnung seiner Ohren.
- Auch Tuvok (Tim Russ) tat dies in Futur's End aus Star Trek: Voyager.
- Die Serie The Twilight Zone wird namentlich genannt.
- Die Serie I Love Lucy wird ebenfalls erwähnt. Sie führte durch ihren Erfolg zur Gründung der Desilu-Studios, die letztlich Star Trek produzierten.
- Neil Armstrong wird als erster Mensch auf dem Mond genannt - was T'Pol jedoch in Zweifel rückt.
- Die Tellariten werden wieder genannt - sie haben den Notruf aufgefangen und den Vulkaniern weitergeleitet.
- Am Ende lügt T´Mir, als sie erklärt, Mestral sei verstorben.
- T'Pol scheint die Handtasche von T'Mir als Andenken aufzubewahren.
- Welche Teile der Geschichte wahr oder T'Pols Phantasie entsprungen sind, bleibt zuletzt völlig offen.
Herz am rechten Fleck
„The game is based on simple geometry. It wouldn't challenge a Vulcan child.“ (Mestral über Pool)
„But „I Love Lucy“ is on tonight ..“. (Mestral hat etwas besseres vor)
„That's like discovering Neil Armstrong wasn't the first man to walk on the moon - 'Perhaps he wasn't.'“ (Trip & T´Pol)
„Two vulcans win a bet at a game of pool and they go buy TV Dinners? Sounds like something out of the Twilight Zone.“(Trip)
„You sit for hours each day in front of this idiotic device. - I am doing research.“ (T´Mir & Mestral über das Fernsehen)
„What are you hiding under that cap? A pointed head? You're not from Mars are you?“ (Maggie)
„Well it's been a while since I kissed a man... but still I was hoping it will be a little bit more than pleasant. -
I did say very pleasant.“ (Maggie & Mestral)
„I've been there. There's a Statue...“ (Trip über den Landeplatz der Vulkanier von 2063)
Mein erster Vorschlag für die „Beste Szene der zweiten Season“:
Der Mann, der zum ersten Mal in seinem Leben einen Klettverschluss sah... zum Schreien komisch!
This is your grandfather´s Trek
Nach der obligatorischen Auflösung des Vorjahres-Cliffhangers startet Star Trek: Enterprise mit Carbon Creek nun also wirklich in die zweite Season.
Und erfreulicherweise schließt sich hier der Rahmen um den reißerischen Zweiteiler - denn nach dem wundervoll dezenten und humorigen Glanzstück Two Days and Two Nights als Einleitung zum Seasonwechsel folgt mit der aktuellen Episode nun eine ebenso schöne Konzeptepisode, die die naturgemäß starren Regeln der Serie ignoriert und durch ihre Andersartigkeit fesselt.
Außer Archer (Scott Bakula), Trip (Connor Trinneer) und T´Pol bekommen wir niemanden der Crew zu Gesicht - die drei Führungsoffiziere begehen gemeinsam T´Pols einjähriges Dienstjubiläum an Bord mit einem kleinen privaten Dinner. Nicht schön für den Stellenwert der restlichen Crew, aber so ist es halt unter Alphatieren. Es sei angemerkt, dass es sich ja auch um das einjährige Jubiläum der Mission handeln müsste. Ein Umstand, den man ruhig ebenfalls hätte anführen können...
Als Archer eine scheinbar unbedeutende Frage äußert - nämlich warum T´Pol während ihrer Zeit auf der Erde ihren Urlaub ausgerechnet in der kleinen und unbedeutenden Bergwerksstadt Carbon Creek verbracht hat –, erfahren die beiden Männer eine völlig neue Wahrheit über den ersten Kontakt zwischen Vulkaniern und Menschen...
First Contact Redux
Die Episode spielt somit geschickt auf den wunderbaren achten Kinofilm „Star Trek: First Contact“ an, in dem die Crew um Captain Picard (Patrick Stewart) dem Start der ersten Warp-Rakete von Erfinder Zephram Cochrane (James Cromwell) beiwohnt und in dem die Vulkanier am Ende in Montana landen und den (uns bekannten) ersten Kontakt herbeiführen.
Bisher schien es, als hätten die Vulkanier die Menschen bis zu diesem Zeitpunkt wegen ihrer Unreife und ihrer technischen Rückständigkeit schlicht ignoriert. Doch erfahren wir nun, dass bereits im Jahre 1957 eine Gruppe Forscher den Start der Sputnik beobachtete, dabei in Carbon Creek abstürzte und einige Zeit in dem Dorf verbringen musste... unter ihnen T´Mir - T´Pols Ururgroßmutter.
Okay - eine derartige Enthüllung wirkt ein wenig aus dem Hut gezaubert, aber wer könnte annehmen, die Vulkanier wären nicht an der Entwicklung anderer Spezies interessiert gewesen? Die Tatsache, dass sie sich schon weit vor dem ersten Kontakt, den die Geschichtsbücher aufgezeichnet haben, mit den Menschen beschäftigten, verdeutlich, warum sie dieser aggressiven Spezies so distanziert und skeptisch gegenüberstehen. Sie kennen die Fakten und sie wissen um die kriegerische Ader und die hohe Rückfallquote nach scheinbar friedlichen Phasen in der Geschichte.
Die vorliegende Geschichte befasst sich jedoch weniger mit der Natur der Menschen als vielmehr mit jener der Vulkanier selbst. Dank ihrer enormen Selbstkontrolle schaffen sie es, sich völlig unentdeckt über Monate in dem kleinen Dorf Carbon Creek aufzuhalten - wobei ja bekanntlich gerade solche Dorfbewohner eher zu den misstrauischeren Zeitgenossen zählen...

Die Vierergruppe verschafft sich sogar eine geregelte Arbeit, bezieht ein hübsches Haus und pflegt soziale Kontakte.
Wobei letzteres besonders dem wohl sympathischsten Vulkanier der Trek-Historie (nach Spock) zu verdanken ist. Die Rolle des Mestral besitzt eine Tiefe, die in der geringen Zeit voll zur Geltung kommt. Dazu ist sie mit J. Paul Boehmer perfekt besetzt.
Jolene Blalock hingegen hinterlässt ein zwiespältiges Bild. Zwar kann sie auch als T´Mir überzeugen, vermag aber auf irritierende Weise keine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln. Für nicht Eingeweihte ist T´Mir schlicht T´Pol, da weder im Aussehen, noch im Verhalten Unterschiede bestehen. Ob es an den Zwängen der Charakterbeschreibung lag oder am zu wenig differenzierten Spiel der Mimin, ist schwer zu beurteilen. Sollten Blalocks schauspielerische Fähigkeiten hier jedoch an eine Grenze gestoßen sein, wäre das für den Fortgang der Serie allerdings ein trauriges Signal. Kate Mulgrew zum Beispiel hat in Star Trek: Voyager in der wunderschönen Episode 11:59 mit ihrer Vorfahrin eine vollkommen eigenständige Persönlichkeit dargestellt - trotz identischem Aussehen.
Die menschlichen Gastdarsteller sind hingegen wiederum allesamt überzeugend gespielt und geschrieben. Der junge wissenschaftlich interessierte Jack, seine Mutter Maggie, die ihm das College ermöglichen will, der in der Mine beschäftigte Billy - Charaktere, die sich perfekt in die Szenerie einpassen und mit ihren persönlichen Geschichten zur Atmosphäre beitragen.
Diese ist im Übrigen der heimliche Star der Episode. Der Schauplatz, das Dorf Carbon Creek wirkt der Zeit vollkommen angemessen. Die Autos, die Kleidung, herrliche Details haben die real existierende Ortschaft zurück ins Jahr 1957 befördert. Eine tolle Leistung der Produzenten. Dazu eine enorm stimmungsvolle Musikuntermalung, die nicht mit Spielereien geizt und eine erneut souveräne Regie von Dear Doctor-Regisseur James Contner.
Insgesamt handelt es sich hier natürlich um keine wirklich relevante Episode. Charakterentwicklung findet nur am Rande statt und dann auch nur bei T´Pol. Man erfährt, dass ihre - für vulkanische Verhältnisse dieser Zeit - überraschend offene Art ihre Wurzeln scheinbar schon bei ihrer Vorfahrin hat, dass sie aus sentimentalen Gründen sogar deren Handtasche aufbewahrt und, dass sie im Vergleich zum Start der Enterprise schon deutlich aufgetaut ist, da sie erstens Wein trinkt und zweitens eine Geschichte erzählt.
Vulkanisches Babe mit Handtasche
Dabei bleibt am Ende jedoch die Frage offen, welchen Wahrheitsgehalt das Erzählte wirklich hat. Ihre Bemerkung, Archer und Tucker hätten eine Geschichte verlangt und bekommen, wirkt im ersten Moment wie ein Schlag ins Gesicht, da das vorher Gesehene anscheinend nichtig ist. Als sie dann jedoch später die besagte Handtasche hervorholt und in der Abgeschiedenheit ihres Quartiers damit alleine ist, erhält die Handlung ihren emotionalen Höhepunkt. Archer und Tucker bleiben jedoch verwirrt zurück, T´Pol hat über etwas gesprochen, was ihr anscheinend sehr viel bedeutet, und behält sich trotzdem ein kleines Mysterium vor. Großartig!

Der Kontrast zum gerade durchlebten Zweiteiler Shockwave macht erneut deutlich, dass „Enterprise“ bereits von Beginn an auf verschiedensten Ebenen funktioniert. Drama, Komödie, völlig abgelöste Konzeptepisoden wie diese, Charakterstücke aber auch Action und SF-Stories. Generell ein optimaler Mix.
Gib dem Kind einen Namen
Wären die Titel nicht fast immer so witzlos, man könnte „Carbon Creek“ als perfekt durchgehen lassen. Aber genau das ist eben das Manko. Alle Titel geben viel zu gut und schlicht den Inhalt wieder. Phantasie ist und bleibt Mangelware. Gilt heute auch mal wieder für beide Sprachen.
Fazit
Ein erster „kleiner“ Gewinner der jungen Season. Eine Geschichte zum Schwelgen und einfach Dahinschauen. Tolles Produktionsniveau, schöne Dialoge, dezenter Humor - ein sehr anregender Start ins zweite Jahr. Weiter so!
Verfasser: Tim Krüger am Sonntag, 12. April 2015(Star Trek: Enterprise 2x02)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?