Star Trek: Enterprise 2x01

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Was erwartet uns?
Captain Archer ist mit Daniels im zerstörten 31. Jahrhundert gefangen und muss einen Weg zurĂŒck finden, um den bekannten Zeitablauf wiederherzustellen. WĂ€hrenddessen setzt sich die restliche Crew mit Silik und seinen Soldaten auseinander...
Dies & das
Durch die verĂ€nderte Zeitlinie erfahren wir, wie wichtig Archer (Scott Bakula) fĂŒr diese ist. Nach seinem Verschwinden verĂ€ndert sich alles - sogar die Föderation wird nie gegrĂŒndet.
Archer findet in der Bibliothek ein Buch mit dem Titel âThe Romulan Star Empireâ ĂŒber eine Rasse, die ihm noch nicht bekannt ist. Daniels (Matt Winston) lĂ€sst es ihn jedoch nicht lesen...
Zitatefieber
„The Science Vulcan Directorate has determined that time travel is.... not fair.“ (TÂŽPol unter Drogen)
„I still don't believe in time travel. (TÂŽPol muss es nochmal loswerden) - The hell you donÂŽt.“ (Archer)
„I don't want to hear it, just get me a shirt.“ (Hoshi oben ohne zu Reed)
„The 'Romulan Star Empire'... what's that?“ (Archer hat ein Buch gefunden)
„I can't be certain but Crewman Fuller might have seen me coming in here.“ (Archer im Schlafanzug) - „She tends to be discreet.“(TÂŽPol scheint hĂ€ufiger derartigen Besuch zu bekommen)
„You may have overdone your pyrotechnic display, the scorching on the starboard nacelle is extensive.“ (TÂŽPol) - „I'll try to remember that the next time we have to fake a reactor breach.“ (Trip)
„Learning from one's mistakes is hardly exclusive to humans“ (TÂŽPol)
AnspruchâŠ
„Ich hoffe zumindest, dass sich die Autoren die Zeit nehmen und die MĂŒhe machen, diese vertrackte Situation nicht auf die konventionellste Weise aufzulösen. Es stellen sich so viele Fragen, die es zu beantworten gilt. Wenigstens auf einige sollte in angemessener Form eingegangen werden. Ansonsten wĂ€re Shockwave nur eine ReiĂer-Episode unter vielen, die nur auf Schauwerte und den Effekt ihres Seins schaut - und die Logik und das Herz bei Seite lĂ€sst.“
Manchmal ist es höchst interessant einen Schritt zurĂŒckzutreten und aus dieser Perspektive eine Kritik aufzubauen. Besonders bei Cliffhanger-Doppelfolgen (die sich ĂŒber zwei Seasons erstrecken) ist dies natĂŒrlich problemlos möglich.Â
Meistens enden die ersten Teile mit einer an Dramatik nicht zu ĂŒberbietenden Situation, die allerdings mindestens genauso hĂ€ufig unlösbar erscheint.
Danach folgen dann Monate des RĂ€tselns. Wie werden unsere Helden dieser vertrackten Situation entfliehen können? Was werden wir erfahren? Was erleben? Mit der Zeit baut sich ein geradezu monströses Etwas auf, das aus Erwartungshaltung, purer Neugierde und viel zu viel Fantasie einen explosiven Cocktail mixt, dem der Ottonormal-Autor der Serie in letzter Konsequenz nur selten gerecht werden kann. Zumindest dann nicht, wenn er den ersten Teil ausarbeitet ohne sich ĂŒber die FortfĂŒhrung genauere Gedanken zu machen.
 Dieses PhĂ€nomen ergibt dann die ĂŒbliche enttĂ€uschende Fortsetzung. Ein PrĂ€dikat, die genau genommen alle zweiten Teile von Cliffhangern innerhalb der Trek-Geschichte von verschiedenen Seiten verliehen bekommen haben. Nicht immer fair, aber leider zu oft.
Auch ich habe in obigem Zitat deutlich werden lassen, dass ich eine eben nicht gerade geringe Erwartungshaltung fĂŒr die zweiten 45 Minuten des ersten Enterprise-Zweiteilers bereithalte.
Nun gilt es, diesem Zitat und der RealitĂ€t - also der Episode - gleichermaĂen gerecht zu werden.
⊠und RealitÀt
Die Handlung setzt genau am Ende der ersten Episode an und legt auch gleich ein enormes Tempo vor. Konzentrieren wir uns zunĂ€chst auf die Geschehnisse an Bord der Enterprise.Â
TŽPols (Jolene Blalock) Entscheidung, die Soldaten der Suliban an Bord zu lassen, nimmt der explosiven Ausgangssituation (alle hatten ihre Waffen auf den Warpantrieb des Schiffes gerichtet) zwar etwas die Dringlichkeit, ist aber dennoch die einzig logische Alternative zur Zerstörung der Enterprise.
Was folgt ist eine durchaus rasante RĂŒckeroberung des Schiffes, die zeigt, wie gut die Crew inzwischen harmoniert. Die geheime Kommunikation der Verbliebenen, Reeds (Dominic Keating) âfreiwilligesâ Verhör, TÂŽPols Drogenerfahrung und Hoshis (Linda Park) Tour durch enge SchĂ€chte gehören zwar eher in die Rubrik stromlinienförmige Unterhaltung, sind aber dennoch sehenswert. Sogar die erzwungene Shirt-Szene, in der man die junge Japanerin (teilweise) nackt zu sehen bekommt ist zumindest eines: charmant - wenn auch absolut ĂŒberflĂŒssig.
Nimmt man ein wenig Abstand fĂ€llt natĂŒrlich sofort auf, wie hĂ€ufig wir in Star Trek schon Episoden gesehen haben, in denen eine Crew ihr Schiff oder ihre Station durch trickreiche Zusammenarbeit zurĂŒckerobern muss. FĂŒr KreativitĂ€t gewinnt die Serie hier leider ĂŒberhaupt keinen Blumentopf. Neue Ideen sind Fehlanzeige.
Die zweite Handlungsebene, das völlig zerstörte 31.Jahrhundert, welches ich als Hauptschauplatz fĂŒr den zweiten Teil der Episode erwartet hatte, kommt zudem leider arg zu kurz.
Zwar gibt es einige schöne optische Effekte zu sehen (die Bibliothek von innen und auĂen), einige ansprechende (und erneut reichlich kryptische) Unterhaltungen zwischen Archer und Daniels (z. B. zum Thema âRomulan Star Empireâ), jedoch wird hier eine faszinierende Horrorvision verschenkt. Die Odyssee der Beiden durch diese erschreckende Ruinenlandschaft hĂ€tte viel mehr werden können, als ein kurzzeitiger Besuch mit neckischen Plaudereien. Wirkliche Gefahr oder Hoffnungslosigkeit kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Hier sind sich die Charaktere sich so sicher wie die Autoren, dass sie am Ende wohlbehalten zurĂŒckkehren werden. Schade.

Es bleibt das verschwundene Föderations-Denkmal, die Suche nach Antworten in der Bibliothek und eine haarstrĂ€ubende MacGyver-Hommage, die irgendwo zwischen albern und witzig liegt. Wer sollte Daniels schon ernsthaft abnehmen, dass er aus Archers Communicator und Scanner, sowie anderen scheinbar nutzlosen Teilen mit seinem Highschool-Wissen (!) eine Kommunikationsverbindung zur Enterprise in der Vergangenheit basteln kann? Keiner - klar. Aber wenn es ĂŒberhaupt jemand schaffen kann, dann er. Und mit einem Augenzwinkern dargeboten, störe ich mich ausnahmsweise mal nicht weiter daran - was jedoch durchaus nur an meiner Begeisterung fĂŒr den Charakter des Daniels liegen mag, der hier erneut undurchschaubar und interessant bleibt. Ein Kompliment auch an den groĂartigen Matt Winston, der trotz seines fast schon aggressiv unscheinbaren ĂuĂeren groĂ aufspielt.
AuĂerdem sei an dieser Stelle zu sagen, dass selbst Kirk (William Shatner) und Spock (der kĂŒrzlich verstorbene Leonard Nimoy) in einer der beliebteste Folgen der Originalserie The City on the Edge of Forever aus einem Radio der 20er Jahre einen Fernseher bauen, mit dem sie den Computer der Enterprise in der Zukunft anzapfen. Hey, wer so etwas akzeptieren kann, sollte sich hier eines bösen Kommentars lieber enthalten, da Daniels schlieĂlich aus dem 31.Jahrhundert stammt und Technologie des immerhin 22.Jahrhunderts benutzt. Schwamm drĂŒber.
Bei Ansicht dieser Basteleinlage fiel mir auch wieder auf, wie hĂ€ufig statt Technikgeschwafel die eher humorvolle Schiene die Szenerie beherrscht. Als Archer spĂ€ter seinen Kommunikationsversuch mit der Vergangenheit startet, liegt TÂŽPol nach ihrem Verhör durch Silik (John Fleck) noch vollkommen unter Drogen auf ihrem Bett und wundert sich darĂŒber, dass ihr Captain an der Decke schwebt... herrlich! Dennoch treffen die beiden ErzĂ€hlstrĂ€nge hier aufeinander und ergĂ€nzen sich. Reed zieht los, ein GerĂ€t aus Daniels Quartier zu holen, dass Silik in die HĂ€nde fallen soll. Scheinbar handelt es sich dabei um eine Art tragbares Zeitportal - erklĂ€rt wird es jedoch nicht.Â
Angemerkt sei hier, dass fĂŒr ErklĂ€rungen generell wenig Zeit bleibt - zu rasant schreitet die Handlung voran. Ein Manko, dass nur durch einen dritten Teil eventuell hĂ€tte verwĂ€sstert werden können.
Nachdem der etwas zu gutglĂ€ubige Silik (der allerdings auch leicht panisch wirkt) das GerĂ€t dann tatsĂ€chlich erhalten hat und eine Chance sieht, seinen verschwundenen Informanten aus der Zukunft zu kontaktieren, nimmt das Schicksal seinen Lauf.Â
Erneut muss der Zuschauer sich hier einiges zusammenreimen, was zwar durchaus Sinn ergibt, aber nicht durch Worte oder Bilder belegt wird.
Armer Silik: Captain Archer erscheint anstatt des Future Guy (James Horan) im Zeitstrahl auf Siliks Plattform und ĂŒberwĂ€ltigt ihn. Dank Daniels GerĂ€t und dessen Wissen konnte Archer somit zurĂŒckkehren. Daniels sehen wir nicht wieder - es ist aber anzunehmen, dass seine Zeit damit wiederhergestellt wurde. Man wird abwarten mĂŒssen.
Folgende Fragen bleiben am Ende somit gÀnzlich unbeantwortet:
- die IdentitÀt des Future Guy und seine Rolle im Krieg (weiterhin)
- Daniels Rolle im temoralen kalten Krieg (weiterhin)
- Daniels Schicksal bzw. seine Gegenwart
- und ganz wichtig: warum wurde Silik letztlich freigelassen?
Antworten gab es also erneut wenige. Immerhin weiĂ Archer, dass er eine bedeutende Rolle in der Zukunft der Sternenflotte spielen wird und, dass es irgendwann eine sogenannte Förderation geben wird (zumindest laut Riddler Daniels).Â
Soviel zur Auflösung des Zweiteilers... das vollkommen ĂŒberraschende Ende folgte jedoch auf den FuĂ.

5 Minuten aus einer anderen Liga
Mit diesem Action-Feuerwerk war es dann scheinbar doch noch nicht genug. Die Produzenten rĂ€umten einer Szene Platz ein, die ich wirklich nicht erwartet hatte. NĂ€mlich der Forderung der Vulkanier, die Mission abzubrechen, da schlieĂlich noch der Tod der Kolonisten im Raum stand.
Diese erstaunlich ausfĂŒhrliche Szene, in der TÂŽPol nach einer eher kindischen Analogie des wohl noch erschöpften Captains fĂŒr ihre Crew Partei ergreift und somit Soval (Gary Graham) vorerst ruhigstellt, ist dann auch ein willkommenes Highlight der Episode und kulminiert in einer wirklich passenden und niedlichen Szene in TÂŽPols Quartier, als Archer im Schlafanzug hereinkommt um ihr mitzuteilen, dass es vorerst weitergehen kann.
Was bleibt unterm Strich?
Es ist generell schwierig, dieses eigentlich ambitioniertes StĂŒck Star Trek: Enterprise zu beurteilen, da man bei der FĂŒlle der Ideen und vor allem Möglichkeiten Abstriche bei der AusfĂŒhrlichkeit nicht vermeiden kann. Die Autoren haben sich den einfacheren Weg ausgesucht und die Handlung rasant vorangetrieben und beendet. Weniger hĂ€tte wahrscheinlich mehr sein können - wer sich auf das Tempo und einige notwendige eigene Ăberlegungen jedoch einlĂ€sst, kann zufrieden sein.
Shockwave ist im Ganzen betrachtet eine brauchbare Doppelfolge - jedoch auch wieder eine typische Event-Folge, die viel Wert auf ihre Verpackung legt und dabei leider ab und an das Herz und den Kern des Ganzen vergisst. Zum ZurĂŒcklehnen und vorbeiziehen lassen jedoch ein SpaĂ und keineswegs enttĂ€uschend. Sind wir damit wieder am Anfang?
Gib dem Kind einen Namen
Da es sich diesmal schlicht um den zweiten Teil handelt und der Titel bis auf die ErgĂ€nzung âPart IIâ und âTeil 2â nichts zu bieten hat, verweise ich auf die Rezension zum ersten Teil.
Fazit
Ein typischer zweiter Teil: Action, Spannung, tolle Effekte, spielfreudige Darsteller und Humor. Aber auch ein paar mittelschwere Fragezeichen und Schweizer-KĂ€se-Löcher im Plot. Eindeutig Star Trek fĂŒr die groĂe Leinwand aber fĂŒr den kleinen Hunger.
Verfasser: Tim KrĂŒger am Samstag, 11. April 2015(Star Trek: Enterprise 2x01)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 2x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?