Star Trek: Enterprise 1x26

Star Trek: Enterprise 1x26

Star Trek: Enterprise packt die großen Kanonen aus: Mit Shockwave (1) endet die erste Staffel mit viel Action, tollen Gaststars, einem WTF-Moment am Ende und - man mag es kaum für möglich halten - sogar mit inhaltlicher Tiefe. Ein Gastreview von Björn Sülter.

Archer (Scott Bakula) in „Shockwave (Part 1)“. / (c) UPN
Archer (Scott Bakula) in „Shockwave (Part 1)“. / (c) UPN

Was erwartet uns?

Starfleet beordert die Enterprise zurück zur Erde, da die Crew anscheinend für die Zerstörung eines ganzen Planeten verantwortlich ist. Doch plötzlich taucht der für tot gehaltene Daniels auf und erklärt, man müssen verhindern, dass die Suliban die Geschichte verändern...

Dies & das

  • Für Vaughn Armstrong ist es bereits der sechste Auftritt als Admiral Forrest - er war schon als klingonischer und als kreetassanischer Captain zu sehen. Er ist inzwischen der meistbeschäftigte Gastdarsteller aller post-classic „Trek“-Serien - und auch sicher einer der besten.
  • Matt Winston kehrt nach Cold Front zum ersten Mal zurück - bisher hatte man seinen Charakter Daniels für tot gehalten.
  • John Fleck nimmt seine Rolle als Silik zum dritten Mal auf (nach Broken Bow und „Cold Front“) - gleiches gilt für den immer noch unbekannten "Future Guy" (James Horan).

Daniels wie er leibt und lebt

Archer: „Can't you ever give a straight answer?

Daniels: „Depends on the question.

Cliffhanger-Alarm!

Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Gerade habe ich noch meine Rezension zum überzeugenden Pilotfilm zu Papier gebracht, schon bin ich am Ende der ersten Staffel angekommen. Den Ausstand gibt Shockwave (1) - in bester Tradition - natürlich mit einem Cliffhanger. Natürlich? Mitnichten! Keine „Trek“-Serie beendete bisher ihr erstes Jahr mit einer solchen Fortsetzungsgeschichte. Während Star Trek (Operation: Annihilate!), Star Trek: The Next Generation (The Neutral Zone) und Star Trek: Voyager (The 37s) reine Stand-Alone-Folgen brachten, gab es in Star Trek: Deep Space Nine (In the Hands oft he Prophets) zumindest eine Folge, die den Tenor der Serie einfing und durchlaufende Handlungen verband. Aber „Star Trek: Deep Space Nine“ ist ja sowieso in jeder denkbaren Kategorie anders als die inzwischen zahlreichen Brüder und Schwestern.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Shockwave (1)%26ldquo;. © UPN
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Hier geht man nun jedoch gleich volle Kraft voraus. Klar, das zweite Jahr ist beschlossene Sache. Die Quoten sind recht niedrig, aber immerhin zuletzt konstant - warum also nicht das Optimum rausholen? Auch die Thematik kann nicht überraschen, denn bereits nach „Cold Front“ war absehbar: der Temporal Cold War könnte das Staffelfinale dominieren - geradezu eine Verpflichtung für den bisher durchaus gelungenen Mystery-Arc der Serie. Und die Rechnung geht auf: „Shockwave (1)“ ist keine blutleere Ballerorgie, keine an Technobabble orientierte Nullnummer und kein dialogminimiertes FX-Vehikel. Es wird zwar geballert, Technobabble ist deutlich zu vernehmen und auch die FX-Crew musste Überstunden schieben - aber eine kantige Story mit tollen Charakteren und geschliffenen Dialogen bildet den Nährboden für furiose 45 Minuten.

Und doch: das spritzige Risa-Abenteuer zuvor machte mir fast noch mehr Spaß. Nicht, weil sich dort Komödie und Action gegenüberstanden - ganz so einfach ist es nicht. Nach so vielen „Star Trek“-Folgen fällt es mir manchmal einfach schwer, mich auf routinierte, aber bombastische Event-Episoden einzulassen. Gut gemachtes Popcorn-„Trek“ zieht einfach - das hat zum Beispiel auch die Dominanz von „Star Trek: First Contact“ gegenüber „Star Trek: Insurrection“ oder auch die Neuausrichtung der Filme unter J.J. Abrams gezeigt. Aber zu viel des Guten ist meistens des Guten zu viel (wer hier ein cleveres Wortspiel vermutet, hat eine zu hohe Meinung von mir).

Fakt ist, dass ich schon bei Star Trek: Voyager gen Ende ein gedämpftes Interesse an Workforce, Unimatrix Zero, Endgame oder wie sie alle hießen hatte. Klar, das waren teils tolle Geschichten mit großen Effekten. Kinoqualität 1000 - aber der Geist von „Star Trek“ umweht eher die kleinen Folgen, die liebevollen Komödien, die kammerspielartigen Moraldebatten. Manchmal glaube ich, mir würden 15 solcher Folgen pro Staffel besser gefallen, als mit elf anderen vermengt und zu 26 aufgeblasen...

Aber das soll nicht das Thema sein

Shockwave (1) funktioniert als Weiterführung des Handlungsbogens um den kalten „Zeitkrieg“ (Temporal Cold War) sehr zufriedenstellend. Alle wichtigen Charaktere sind wieder mit von der Partie: Silik, „Future Guy“, Admiral Forrest und - für mich keine Überraschung - Ex-Crewman Daniels. Somit ergibt sich ein sehr stimmiges und in sich geschlossenes Bild zum Ende der ersten Staffel von Star Trek: Enterprise.

Daniels ist für mich ohnehin der interessanteste Charakter der Rahmenhandlung - allerdings erst seit dieser Episode und auch nur, weil Silik für meinen Geschmack zu stereotyp eingesetzt wurde. In beiden bisherigen Auftritten war er geradezu widerlich düster und verschlagen präsentiert worden. Dieses Mal ist er einfach nur platt böse und unsympathisch - ein krasser Rückschritt, der schnellstens repariert werden sollte. Auch die Identität des „Future Guy“ ist für mich momentan nur von zweitrangiger Bedeutung. Aber Daniels, dieser unscheinbare Mann, weckt mein Interesse. Wer ist er? Ein Mensch? Eine Maschine? Etwas dazwischen? Für wen genau arbeitet er? Und warum? Wie lebt er? Hat er ein normales Leben neben seinem Job? Und wo lebt er? Auf der Erde? Alles sehr gute Fragen, die viel zur Einzigartigkeit dieser Figur beitragen. Ich bin gespannt, was uns da noch erwartet.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Shockwave (1)%26ldquo;. © UPN
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An der Charakterfront gibt es eine der besten Szenen der ganzen Staffel: Archers (Scott Bakula) Reaktion auf den Rückruf der Enterprise zur Erde. Im Besonderen die Szene, in der er Trip (Connor Trinneer) und T'Pol (Jolene Blalock) informiert und sie danach aus seinem Büro schmeißt. Eine großartige Leistung von Bakula, der endlich auch mal emotional wirklich aufdrehen darf. Die ganze Last, der ganze Druck, seine Versagensangst, die Bürde seines übermächtigen Vaters - all das scheint in diesem einen Moment zusammenzukommen und herauszubrechen. Wow!

Auch Admiral Forrest, über dessen Mitwirken ich mich immer wieder freue, hat einen überzeugenden Auftritt. Er steht definitiv zwischen seiner Pflicht den Sternenflotten und der Erde gegenüber und seiner Freundschaft zu Jonathan Archer. Sein Konflikt wirkt greifbar und real. Nebenbei ist Forrest einer der ganz wenigen sympathischen Admiräle in der kompletten „Trek“-Geschichte.

Das Ende der Episode - und bei einem Cliffhanger muss man darauf natürlich besonders eingehen - ist hervorragend umgesetzt und überraschend gewählt. Archer ist mit dem (anscheinend) perplexen Daniels im 31. Jahrhundert (das völlig zerstört ist) gestrandet - das ist schon eine interessante Konstellation. Allerdings sei die Frage gestattet, ob solche Ausflüge, wenn sie zu häufig vorkommen, nicht das eigentlich doch sehr gut gedachte Serienkonzept sprengen und nutzlos machen.

Immerhin steht der Crew somit eine Informationsquelle zur Verfügung, die selbst die anderen Crews nicht hatten. Da heißt es vorsichtig sein und abwarten. Nebenbei: Dass Archer eine solche Zeitreise erleben darf, stand für mich (und vermutlich auch für viele andere Trekker weltweit) schon lange fest - eine wirkliche Überraschung war es somit nicht.

Ich hoffe zumindest, dass sich die Autoren die Mühe machen, diese vertrackte Situation nicht auf die konventionellste Weise aufzulösen. Es stellen sich so viele Fragen, die es zu beantworten gilt. Wenigstens auf einige sollte in angemessener Form eingegangen werden. Ansonsten wäre „Shockwave (1)“ nur eine Reißer-Episode unter vielen, die auf Schauwerte und den Effekt ihres Seins schaut - und die Logik und das Herz beiseite lässt. 

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Shockwave (1)%26ldquo;. © UPN
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Gib dem Kind einen Namen

„Shockwave“ ist natürlich der brutal reißerische Titel am Ende der Staffel. Fast schon zu viel Comic-„Star Trek: Voyager“-Style à la „Killing Game“ oder „Endgame“, aber ungemein passend. Gemünzt auf die Schockwelle, die den Planeten zerstörte, auf die Veränderungen, die langsam wie eine Schockwelle durch die Zeit schwappen, und auf die emotionale Schockwelle, die die Crew und alle auf der Erde heimsucht. Nicht übel!

Wörtliche Übersetzungen entziehen ambitionierten Möchtegern-Episodentitel-Kritikern jegliche Arbeitsgrundlage - man kann einfach nichts dagegen sagen. Alles gut also an dieser Front mit der Schockwelle!

Fazit

Shockwave (1) beendet eine durchaus gelungene erste Staffel mit einem Paukenschlag - erst die Art der Auflösung wird uns Rückschlüsse über die tatsächliche Qualität der Gesamt-Geschichte erlauben. Zu diesem Zeitpunkt gibt es jedoch nicht viel an diesem Staffelfinale auszusetzen. Gern gesehene Gastdarsteller, eine spannende Handlung, tolle Effekte, einige große Charaktermomente und ein sehr ambitionierter WTF-Moment am Ende. Was will man mehr?

Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 14. Februar 2015
Episode
Staffel 1, Episode 26
(Star Trek: Enterprise 1x26)
Deutscher Titel der Episode
Die Schockwelle - Teil 1
Titel der Episode im Original
Shockwave (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 22. Mai 2002 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 5. September 2003
Autoren
Michael Rapaport, Natalia Baron
Regisseur
Allan Kroeker

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x26

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