Star Trek: Enterprise 1x24

Was erwartet uns?
Nachdem die Crew einem Außerirdischen geholfen hat, sein Schiff zu reparieren, lädt dieser Archer und Trip auf einen Wüstenplaneten ein. Dort angekommen schöpfen sie jedoch den Verdacht, dass es sich bei dem Gastgeber um einen Terroristen handeln könnte, der sie in eine Falle gelockt hat...
Dies & das
- In der Episode werden sowohl die Ereignisse aus Silent Enemy und [episode: Detained, Star Trek: Enterprise] erwähnt wie auch die Geschehnisse rund um den Erstkontakt mit den Vulkaniern aus „Star Trek: First Contact“.
- Drei Crewmitglieder der „echten“ USS Enterprise namens Robert Pickering, Timothy Whittington und Sara Elizabeth Pizzo durften als Gastdarsteller fungieren, nachdem sie zu einem Setbesuch eingeladen worden waren.
Nicht fragen - essen!
Trip: „What are these, uh, little chunks?“
Zobral: „The essence of the male. Chopped and seasoned.“
Langsam wird's lächerlich
T'Pol: „What you told him was correct. Decisions to get involved in the conflicts of other worlds should be left to governments, not starship captains.“
Archer: „I know. The irony is I have the feeling his cause is worth fighting for.“

Optische Pracht
Ein fantastischer Trailer ist fast immer eine negative Ausgangsposition für eine Episode . Der Trailer zu Desert Crossing hätte dem Gesamtwerk einen Bärendienst erweisen können, wäre - ja: wäre die Episode nicht so interessant und ansprechend ausgefallen.
Zwar ist das Produktionsdesign in „Star Trek“ und besonders jetzt in Star Trek: Enterprise ohnehin von der besten Sorte - gelegentlich fehlt mir jedoch dennoch die schiere optische Größe und Weite von Produktionen wie „Star Wars“ (wobei der Vergleich zwischen Serien und Filmen selten fair ist). Endlich einmal gab es somit heute richtig etwas für das verwöhnte Auge - weite Wüstenabschnitte, wundervoll gestaltete Lager, die nicht nur andeutungsweise an den Raumhafen Mos Eisley aus dem oben genannten Konkurrenzprodukt zu stammen scheinen, und ein höchst einfallsreiches Wüstenspiel, das einerseits an Rugby, andererseits an eine Variante des Quidditch (aus „Harry Potter“) ohne Besen erinnert. Ich kann gar nicht genau bestimmen warum, aber solche Spielereien heben die Serie noch eine Stufe höher, was die Wirkung auf den Zuschauer angeht - keine klaustrophobischen Sets, kein Planetenkulisseneinerlei - pure Weite. In dieser Hinsicht hat die Folge ihre Arbeit also bereits vollkommen zufriedenstellend erledigt.
Inhalt stark, Charakterkontinuität schwach
Erfreulicherweise gesellt sich jedoch auch eine ansprechende Geschichte dazu, die sogar dank eines überraschenden Querverweises auf die Episode Detained zur inhaltlichen Kontinuität der Serie beiträgt. Dort hatte Archer (Scott Bakula) bekanntermaßen einige Suliban aus ihrer Gefangenschaft befreit - und „bekanntermaßen“ ist hier genau das entscheidende Wort, denn Zobral (Clancy Brown), der Archer und Trip (Connor Trinneer) in seinem Lager empfängt, hat genau diese Geschichte des mutigen und kampfstarken Captain Archer bereits gehört und will ihn nun als Verbündeten gewinnen.
Schön, dass die Präsenz der Enterprise-Crew nicht unbemerkt bleibt und zumindest hier einen Einfluss auf andere Völker zu haben scheint. Zudem ist es sehr erfreulich, dass die Produzenten sich anscheinend dazu entschlossen haben, auf die regelmäßigen Zuschauer einzugehen und nicht nur abgeschlossene Abenteuer der Woche zu präsentieren, die nach einiger Zeit (wie leider besonders zum Ende bei Star Trek: Voyager) einfach nur noch langweilen würden. Ich hätte nie erwartet, dass auf den Zwischenfall mit den Tandaranern so schnell wieder so intelligent Bezug genommen würde - Kompliment.
Natürlich ist Archer aber nicht dieser furchtlose Krieger - und in jedem Konflikt mitzumischen ist seine Sache auch nicht. Hat sich Zobral also verkalkuliert? So stellt den Konflikt zumindest die Episode da. Dass Archer leider innerhalb dieser Staffel mal so, mal so handelte und kaum eine konsequente Haltung in seine Entscheidungen bekommen hat, kann man Desert Crossing aber natürlich nicht direkt anlasten. Hier geht der Vorwurf weiterhin an das Autorenteam und das Gesamtbild der Serie. Für den Moment - also rein für diese Episode - müssen wir den gewählten und aufgezeigten Status Quo einfach akzeptieren.

Nun hätten die Autoren es sich ganz einfach machen können: Zobral ist ein gefährlicher Terrorist, schart eine Horde blutrünstiger Krieger um sich und kämpft für seine eigene, ungerechtfertigte und unmoralische Sache. Somit wären Archer und Trip nun die Opfer einer (weiteren) Entführung und die Episode hätte eine (weitere) simple Rettungsmission werden können mit viel Action und Schusswechseln in toller Wüstenlandschaft. Okay, ich überzeichne hier natürlich, aber ich finde es eben gerade erfreulich und angemessen, dass Zobral kein schlichter Finsterling ist. Er behauptet, er kämpfe gegen die Unterdrückung, falsche Zusicherungen und Rassismus und für sein Recht, so zu leben, wie und wo er will. Wer hier die recht deutliche Verbindung zu Konflikten auf der Erde im Jahr 2002 (und natürlich auch noch heute im Jahr 2015) ziehen will, ist dazu herzlich eingeladen.
Sogar Archer gibt gegenüber T'Pol (Jolene Blalock) am Ende der Episode zu, dass Zobrals Kampf es möglicherweise wert ist, geführt zu werden. Allerdings gibt er auch zu bedenken, dass man sich nicht in solche innerplanetarischen Dinge einmischen darf, nur weil man für eine Seite gewisse Sympathien entwickelt hat (oder sie schlicht als erste getroffen hat und über die andere Seite oder den Konflikt an sich einfach viel zu wenig weiß). Diese Erkenntnis hatte Archer innerhalb der Staffel ja schon einige Male. Und vergaß sie dann leider wieder. Vielleicht können wir uns aber ab heute mal darauf einigen, dass sein Wort nun gilt. Schön wäre es.
Erinnert hat mich die Thematik auch an die Episode The High Ground aus Star Trek: The Next Generation, die allerdings eher als Allegorie auf Irland/Nordirland angelegt war. Dort wurden jedoch beide Seiten sehr differenziert beleuchtet - etwas, das mir in „Desert Crossing“ fehlt. Die Regierung bezeichnet Zobral und seine Gefolgsleute nur als Terroristen - wir erfahren aber keine Hintergründe, keine Fakten, keine Vergehen. Alles, was wir inhaltlich erfahren, stammt ausschließlich von Zobral - und auch das ist nicht viel (und somit auch nicht völlig überzeugend). In der deutlich älteren Episode erhielt man Informationen der einen Seite über die gefangene Crusher (Gates MacFadden), die Beleuchtung der anderen Seite wurde durch den Kontakt der restlichen Crew mit der Polizeichefin erreicht - ein starkes Stück politisch brisante Science Fiction. Auch heute noch.
Somit will ich dieses Abenteuer - ohne es abwerten zu wollen - als Light-Version auf dem Gebiet der politischen Konfliktbewältigung bezeichnen. Man entschied sich hier definitiv dafür, das Augenmerk auf andere und vor allem mehrere Dinge gleichzeitig zu richten: den Zusammenhang zu Detained, die tolle Optik, eine politische Message UND vor allem - und somit komme ich zum letzten Punkt - eine großartige Charakterbetrachtung von Archer und seinem langjährigen Freund „Trip“ Tucker.

Dass eine engere Beziehung zwischen den beiden Männern besteht, war bisher schon deutlich gemacht worden. So erfuhren wir zum Beispiel, dass Archer Trip einmal vor dem Tode bewahrt hatte. Diesmal durfte er es wieder tun und zeigte dabei eine sehr besonnene, verletzliche und behutsame Weise - fast so, wie sich ein großer um den kleinen Bruder kümmern würde. Die Szenen mit den beiden sind für mich somit die Highlights der Episode. Scott Bakula spielt seine Szenen wie so oft mit einer ungeheuren Feinfühligkeit für die Situation und überlässt seinem Kollegen Connor Trinneer die vordergründig sichtbaren Glanzpunkte in der Darstellung eines völlig erschöpften und mutlosen Mannes. Die beiden gehören sicherlich mit zum Feinsten, das „Star Trek“ jemals an Bord hatte - eine tolle Casting-Leistung der Produzenten.
Gib dem Kind einen Namen
„Desert Crossing“ ist erneut einer dieser wenig subtilen Titel. Das Hauptthema, die Durchquerung der Wüste, wird freundlicherweise im Titel erläutert. Klingt aber dennoch gut und macht Appetit, da man zumindest schon vorab erfährt, dass die Folge mal eine Abwechslung im Set-Design zu bieten hat...
„Durch die Wüste“: Ja, klar - aus simpel mach simpel. Kann man nix gegen sagen.
Fazit
In der Summe bleibt eine durchweg flüssig erzählte, optisch großformatige, darstellerisch herausragende und storytechnisch zumindest ambitionierte Dreiviertelstunde - ein Mix, den Star Trek: Enterprise gerne häufiger so unterhaltsam anwenden darf. Der Durchhänger ist vergessen und man spürt: Die Serie nimmt nun Kurs auf das Staffelfinale.
Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 7. Februar 2015(Star Trek: Enterprise 1x24)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x24
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?