Star Trek: Enterprise 1x22

Star Trek: Enterprise 1x22

MĂ€nner der Zukunft sitzen immer noch bei Bier, Chips und Wasserball (!), Außerirdische zum Essen einzuladen sollte man sich in Zukunft genauer ĂŒberlegen und ab heute steht fest: Porthos ist definitiv der bessere Sicherheitschef. Ein Gastreview von Björn SĂŒlter.

Hoshi (Linda Park) und Trip (Connor Trinneer) in „Vox Sola“. / (c) UPN
Hoshi (Linda Park) und Trip (Connor Trinneer) in „Vox Sola“. / (c) UPN

Was erwartet uns?

Eine symbiotische Lebensform gelangt unbemerkt auf die Enterprise und spinnt einige Mitglieder der Crew in einer Art Netz ein. Hoshi muss versuchen, so schnell wie möglich mit der Kreatur zu kommunizieren, um das Leben ihrer Kollegen zu retten und die fremde Lebensform nach Hause zu bringen...

Dies & das

Klare Worte

Porthos (zum Wesen hinter der Wand): „Woof, woof!

„Torres“ rockt die Serie

Die zweite Star Trek: Enterprise-Regiearbeit von Roxann „Torres“ Dawson stellt sich erneut als positive Überraschung der Staffel heraus. Bereits mit ihrer ersten Folge „The Andorian Incident“ landete sie fĂŒr mich einen Gewinner, an den man auch spĂ€ter noch gerne denken wird. Vox Sola schafft zusĂ€tzlich noch das KunststĂŒck, eine kleine aber reife Story mit Charakterentwicklung UND starker Science-Fiction im wahrsten Sinne zu kombinieren.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Vox Sola%26ldquo;. © UPN
Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Vox Sola%26ldquo;. © UPN

Niners-Feeling

Auf der einen Seite haben wir da die vielen kleinen - aber extrem wichtigen - fast schon Star Trek: Deep Space Nine-artigen Charaktermomente. Der misslungene Erstkontakt mit den schrillen Kreetassanern (deren AnfĂŒhrer erneut hervorragend von Vaughn Armstrong verkörpert wird), Hoshis (Linda Park) Frustration, T'Pols (Jolene Blalock) gelassene, aber verletzende RatschlĂ€ge, die von allen Crewmitgliedern freudig erwartete Filmnacht an Bord, Archers schlechte Laune wegen des verpatzten diplomatischen Einsatzes, Trips Aufheiterungsgeschenk und der daraus resultierende MĂ€nnerabend mit Chips, Bier und Wasserball (wer hat da wohl im Writers Room seine persönliche Sportvorliebe auf Archer projiziert?) und die Szene mit den Nebencharakteren Rostov (der auch gerne wiederkehren darf) und Kelly.

Alles herausragende Beispiele, wie man eine Crew als Einheit, als Familie zeigt, ohne in Kitsch abzugleiten. Mein Lieblingsmoment - und wohl einer der besten im Bereich Charakterentwicklung der Serie bisher - ist jedoch ohne Zweifel die Unterhaltung zwischen Hoshi und T'Pol: Erstere beklagt sich, dass T'Pol sie unfair behandele und ihr stĂ€ndig ĂŒber die Schulter schaue, als sei sie vollkommen inkompetent. T'Pol entgegnet ungewohnt sanft, dass sie die junge Frau nur an dem messe, was sie ihr zutraue - und das sei sehr viel. Wunderbar geschrieben und wunderbar gespielt - ganz große Klasse!

Heute im Bordkino: „Die Crew vs. Das glibberige Tentakelmonster“

Jedoch bleibt auch das Spannungsmoment natĂŒrlich nicht außen vor. WĂ€hrend all diese kleinen Geschichten ablaufen, sehen wir immer wieder, dass irgendetwas an Bord sein Unwesen treibt - eine glibberige, fast durchsichtige Kreatur, die anscheinend von den Kreetassanern zurĂŒckgelassen wurde. Bis sie jedoch bemerkt wird, ist es schon zu spĂ€t und schwupp fallen Archer, Trip, Rostov und Kelly ihr zum Opfer. Dass alle vier den Rest der Zeit im Kokon des Wesens hĂ€ngen und wenig tiefsinnige Unterhaltungen zum Besten geben dĂŒrfen, tut dem unterhaltsamen Treiben jedoch keinen Abbruch.

Die zweite Garde der Crew kommt auf diese Weise dazu, einmal richtig Gas zu geben! Reed entwickelt ein stabiles Kraftfeld (wohl das erste dieser QualitĂ€t), Phlox (John Billingsley) versucht hĂ€nderingend mehr ĂŒber das Wesen zu erfahren, Mayweather (Anthony Montgomery) muss die Kreetassaner um Hilfe bitten und Hoshi bastelt mit T'Pol an einer Möglichkeit mit dem ungebetenen Gast zu kommunizieren.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Vox Sola%26ldquo;. © UPN
Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Vox Sola%26ldquo;. © UPN

All diese interessanten Aspekte der Rettungsmission laufen zum Schluss vollkommen organisch zusammen und fĂŒhren zu einem ĂŒberzeugenden Showdown, in dem klar wird, dass ohne das Wirken eines funktionierenden Teams, einer Einheit, ein solcher Erfolg nicht hĂ€tte erreicht werden können. Hoshi und T'Pol haben sich zusammengerauft und einen Weg gefunden, Phlox und Reed haben sich arrangiert und ihr Ziel erreicht, und Mayweather liefert durch seinen Alleingang noch im richtigen Moment den Weg zum Heimatplaneten der Kreatur - wobei er ebenfalls noch erfĂ€hrt, dass sich die Kreetassaner zu Beginn der Episode vom öffentlichen Essen der Crew beleidigt fĂŒhlten (fĂŒr diese Rasse scheinen Essen und Sex zu den intimsten Dingen zu zĂ€hlen). Somit siegt am Ende die Familie und man befreit die bedrohten Kameraden - das Ganze jedoch ohne Kitsch und triefende Dialoge.

Rein technisch betrachtet

Auch in Sachen Effekte und Score punktet Vox Sola auf ganzer Linie - sicher kann man der technischen Umsetzung der außerirdischen Lebensform einen gewissen Trashfaktor nicht ganz absprechen, sie punktet jedoch einfach durch ihre Andersartigkeit. Die Musik untermalt alle Phasen der Episode perfekt und die Darstellerriege gibt sich fast keine BlĂ¶ĂŸe. Fast. Anthony Montgomery erhĂ€lt aktuell definitiv mehr Chancen, sich einzubringen. Und zuletzt sah das auch wirklich ganz brauchbar aus. Hier jedoch fĂ€llt er leider erneut durch sein Ă€ußerst hölzernes Spiel auf, als er ĂŒber den Bildschirm auf der BrĂŒcke mit den Kreetassanern spricht. Der sympathische Mime kann solche Momente schlicht nicht tragen - er ist und bleibt das schwĂ€chste Glied in der Kette der Schauspieler. Damit wird man wohl leben mĂŒssen.

Dreingabe zum Verwöhnen

Zu guter Letzt bietet man uns dann noch ein wunderschönes Finale, in dem die Crew in SchutzanzĂŒgen mit der außerirdischen Lebensform im GepĂ€ck, auf deren Heimatwelt ankommt und sie in mĂ€rchenhafter Kulisse nach Hause bringt. So funktioniert Science Fiction, so funktioniert das oft zitierte awe and wonder. Kudos!

Dass die Lebensform nur Teil eines viel grĂ¶ĂŸeren Ganzen ist, passt außerdem perfekt zum Tenor der Episode und unterstreicht die mĂŒhevolle Kleinarbeit in Sachen Charakterentwicklung. So konstruiert man eine richtig gute Ensembleshow - jeder erhĂ€lt Raum fĂŒr seine Rolle, jeder leistet einen relevanten Beitrag und die finale Aussage der Haupthandlung lĂ€uft parallel zu den Erkenntnissen der Charaktere. Ich fĂŒhlte mich nach Ansicht der Episode extrem verwöhnt von einer wirklich tollen - weil klassischen - „Star Trek“-Episode, die Star Trek: Enterprise auf den rechten Weg zurĂŒck gebracht hat.

Gib dem Kind einen Namen

Vox Sola“: Einfach schön: Die einsame Stimme. Zur Abwechslung mal wieder ein ĂŒbertragend gemeinter etwas abgehobener Titel. Auch wenn Latein mir immer etwas pseudo-originell erscheint, ein richtig schöner Versuch, mehr Abwechslung zu schaffen.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Vox Sola%26ldquo;. © UPN
Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Vox Sola%26ldquo;. © UPN

Auch auf Deutsch entschied man sich fĂŒr den lateinischen Titel „Vox Sola“ - und es ist zum MĂ€usemelken: Seit JAHREN warte ich darauf, dass mal ein lateinischer (oder anderweitig nicht englischer) Titel im Deutschen einfach beibehalten wird - in den Staaten ist Latein bestimmt nicht verbreiteter als hier. Doch bisher wurde in der Regel entweder eine neue Kreation oder eine gestelzte Übersetzung vorgezogen. Besonders lustig sind in diesem Kontext die Versuche der The X-Files-Übersetzer gewesen, die es tatsĂ€chlich schafften, gelegentlich vorkommende deutsche Originaltitel mit anderen deutschen oder gar anderssprachigen (!) Titeln zu versehen! Wie dem auch sei - aus oben genannten GrĂŒnden werde ich mich hier nicht beschweren.

Fazit

Wunderschönes und sehr sensibles Charakterportrait der kompletten Crew, gewĂŒrzt mit klassischer Science Fiction, jederzeit passender Action, mĂ€rchenhaften Momenten und DenkansĂ€tzen von bleibendem Wert. Kompliment und Dank!

Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 31. Januar 2015
Episode
Staffel 1, Episode 22
(Star Trek: Enterprise 1x22)
Titel der Episode im Original
Vox Sola
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 1. Mai 2002 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. August 2003
Autor
Nicky Katt
Regisseur
Roxann Dawson

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x22

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?