Star Trek: Enterprise 1x23

Was erwartet uns?
Als die Enterprise die vulkanischen Botschafterin V'Lar zurück nach Vulkan eskortieren soll, nachdem diese sich anscheinend auf dem Planeten Mazar einige Verfehlungen geleistet hat, wird das Schiff von den Mazariten angegriffen. T'Pol entschließt sich, die Botschafterin zu schützen. Dabei benötigt sie zum ersten Mal wirklich die Hilfe von Archer und ihren menschlichen Kollegen - und vor allem deren Vertrauen. Wie sich herausstellt, sind die politischen Verwicklungen um V'Lar komplexer als angenommen.
Dies & das
- Vaughn Armstrong absolviert seinen fünften Auftritt als Admiral Maxwell Forrest („Broken Bow“, „Fortunate Son“, „Shadows of P'Jem“, „Fusion“, „Fallen Hero“) - außerdem spielte er in Sleeping Dogs den klingonischen und in Vox Sola den kreetassanischen Captain. Sieben Auftritte in 23 Episoden sind wirklich eine reife Leistung! Nebenbei brachte er es übrigens auf fünf Star Trek: Voyager-Auftritte, drei in Star Trek: Deep Space Nine und einen in Star Trek: The Next Generation. Somit beläuft sich seine „Trek“-Historie nun bereits auf 16 Auftritte!
- Fionnula Flanagan spielte in „Star Trek: Deep Space Nine“ in der Episode „Dax die Enina Tandro“ und in „Star Trek: The Next Generation“ in der Episode „Inheritance“ Dr. Soongs Ehefrau.
- Diese Episode startet den kleinen, aber feinen Handlungsbogen um die Reise zum Vergnügungsplaneten.
- Die Episode spielt am 9. Februar 2152. Das Schiff ist also nun seit rund 8 Monaten unterwegs.
- Die Enterprise fliegt zum ersten Mal mit Warp 5.
- In dieser Episode wird das erste Mal in „Star Trek: Enterprise“ der berühmte Satz „Live long and prosper“ benutzt.
Dies & das
T'Pol: „It's my understanding that your mating ritual is effective in easing tension.“
Trip: „That hasn't always been my experience.“
Archer: „They call it a warp 5 engine.“
Trip: „On paper.“
T'Pol: „If you're wearing that to impress the women on Risa, you may as well stay on board.“
Trip: „Rule No. 1 - you gotta be seen to get noticed... and I plan on gettin' noticed.“
Archer: „Don't say she didn't warn you.“
Trip: „Excuse me?“
T'Pol: „I asked if you've...“
Archer: „We heard you. What makes you think we're suffering from a lack of sexual activity?“

Eine Lanze für die Spitzohren
Die Vulkanier haben in „Star Trek: Enterprise“ bisher ja ohnehin eine besondere Behandlung erhalten. Gerade weil wir durch Spock, Valeris, Tuvok, Vorik, Sarek und viele andere diese sehr ruhige und zurückhaltende Rasse schätzen lernten, waren viele durch die „neuen alten“ Vulkanier, mit ihrer unfreundlichen, fast feindselig arroganten Haltung vor den Kopf gestoßen.
Dennoch handelt es sich hier um eines der zentralen Themen der ersten Staffel - sei es durch die Darstellung der Mönche im Kloster von P'Jem, die in Wirklichkeit eine geheime Spionagestation „tarnten“ (The Andorian Incident), in der großartigen Episode Breaking the Ice, in der der Prototyp eines überheblichen und völlig abgehobenen Vulkaniers präsentiert wurde, oder in der Folge Fusion, die uns Einblicke in das Leben einer kleinen Splittergruppe gab, deren Mitglieder versuchen, Emotionen und Logik in Einklang zu bringen.
All diese Beispiele zeigen einen Trend - die Vulkanier sollen undurchschaubarer, unberechenbarer wirken. Die Serie zeigt eine frühere Entwicklungsstufe dieser Spezies, die noch lange nicht so gefestigt ist, wie zu Zeiten von Kirk (William Shatner) und später Picard (Patrick Stewart), Sisko (Avery Brooks) oder Janeway (Kate Mulgrew). Diese Rasse sucht insgeheim noch nach ihrem Weg, und nicht alle folgen demselben Pfad - ein faszinierender Einblick. Bei dieser Entwicklung scheint T'Pol (Jolene Blalock) zudem eine Art Vorzeigemodell zu sein. Man bemerkt deutlich ihre Offenheit anderen Ideen gegenüber. Sonst wäre sie unter anderem sicherlich niemals freiwillig an Bord geblieben - ein Thema, das noch viel Zündstoff für die Zukunft der Serie verspricht.
Dieses Mal haben wir es nun also erneut mit einer Vertreterin der Spitzohren zu tun. Diesmal jedoch mit einer Frau, die sich vollkommen anders verhält, als man es von einem - in allen Ehren gealterten - Vertreter ihrer Zunft erwarten würde. Sie scheint fast menschliche Züge zu besitzen, was teilweise jedoch deutlich „gespielt“ wirkt - eine starke Leistung von Fionulla Flanagan, die genau die richtige Mischung aus Würde und Mysterium mitbringt, um überzeugen zu können.
Eine Vulkanierin darzustellen, die versucht aus Höflichkeit (?) menschliche Züge zu übernehmen, ist eine wirklich reife Leistung. Fionnula Flanagan hatte bereits in „Star Trek: The Next Generation“ und „Star Trek: Deep Space Nine“ fraglos überzeugt. Hier jedoch liefert sie eindeutig ihre beste Leistung ab. Ihre Botschafterin V'Lar besitzt genug Weisheit, den Menschen Respekt entgegenzubringen und sich ihnen anzupassen, sie kennt die Umgangsformen und beherzigt sie - eine seltene Tugend. Vielleicht sollte sie mal mit Captain Vanik (William Utay in „Breaking the Ice“) zu Abend essen. Er könnte eine Menge lernen.

Die Frage, ob V'Lar auf Mazar tatsächlich etwas Unrechtes getan hat oder nicht, erscheint mir eher zweitrangig. Ich für meinen Teil glaubte keine Minute daran und vermute, dass das auch so beabsichtigt war. Sonderbarerweise tut diese Spannungsbremse der Handlung aber keinen Abbruch. Viel interessanter sind da schon T'Pols Verhalten und Archers (Scott Bakula) schwierige Entscheidung, der wortkargen Botschafterin zu vertrauen, ohne zu wissen, warum. Ob V'Lar sich Archer hätte früher anvertrauen können, ist sicherlich eine berechtigte Frage. Wirklich Sinn ergibt ihr Verhalten nicht. Dies schadet der Episode jedoch kaum.
Die Tatsache, dass ausgerechnet T'Pol am Ende für sie eintritt und Archer ausdrücklich um den Gefallen bittet, Schiff und Crew für die Sicherheit V'Lars zu riskieren, erstaunte mich dann doch. T'Pol scheint tatsächlich auf der Suche nach ihrer Identität Risiken eingehen zu wollen - die viel zu abweisende, fast schon beleidigende T'Pol der ersten Folgen ist endgültig verschwunden, wenn auch V'Lars Kommentar über die starke Freundschaft zwischen Archer und seiner Vertreterin arg erzwungen wirkt, ganz so stark ist das Band zwischen den beiden meiner Ansicht nach noch nicht. Aber das nur am Rande.
Dennoch scheint das Zusammenspiel der ganzen Crew immer besser zu funktionieren. Die ganze Zeitspanne, in der händeringend versucht wird, Zeit zu gewinnen wird sehr effektvoll dargestellt. Und selbst als alle Stricke zu reißen drohen, findet Archer noch einen Ausweg, der auch Dr. Phlox (John Billingsley) in einem guten Licht zeigt. Beide bringen eine überzeugende Vorstellung, wenn auch teilweise ein fader Beigeschmack bleibt, da die sehr ruhige und fast schon unaufdringliche Art der finsteren Mazariten doch ein wenig irritiert. Fast so, als hätten sie keine Ahnung, was Zeitschinden bedeutet. Sie provozieren es geradezu, hereingelegt zu werden. Aber dann haben sie es natürlich auch nicht besser verdient...
Einzig störend bei dieser „Tour“ ist das etwas zu lang ausgewalzte Element des Flüchtens. Hier wäre vielleicht mehr Zeit für weitergehende Spannungen zwischen T'Pol und V'Lar oder der Crew untereinander gewesen. Schließlich sollen alle ihr Leben für die unkooperative Frau riskieren! Dieser Kritikpunkt wird jedoch weitestgehend durch die oben genannten sehr unterhaltsamen Versuche der Crew ausgemerzt.
Auf nach Risa
Ein Aspekt der Episode, der mir außerdem sehr gut gefiel, war der Auftakt, in dem T'Pol sich zur „Kreuzfahrtmanagerin“ aufschwingt und einen Urlaub auf dem Planeten Risa (den es anscheinend auch jetzt schon gibt) vorschlägt, damit die Crew unter anderem die sexuelle Unterforderung abstellen kann. Für Trip (Connor Trinneer) natürlich eine klasse Idee, die ihn auch gleich dazu bringt, auf der Brücke ein gruseliges Hawaii-Hemd Marke Magnum zur Schau zu tragen (immerhin verzichtet er auf den Schnauzer) - eine Szene zum Tränen lachen! Da die Enterprise in der bald folgenden Episode 2 Days and 2 Nights dann tatsächlich auf Risa ankommt, finde ich diese frühe Einleitung sehr gelungen, da sie der Serie weitere Kontinuität verschafft - und so etwas ist mir immer willkommen!

Gib dem Kind einen Namen
"Fallen Hero": Ein interessant gewählter Titel, wenn man bedenkt, dass Vulkanier doch eigentlich laut T'Pol keine Helden besitzen. Umso besser passt er aber natürlich, auch weil Botschafterin V'Lar vollkommen anders ist, als man zuerst erwartet hätte.
„Gefallene Heldin“: kein Einwand gegen diese 1:1 übersetzte Variante.
Fazit
Fallen Hero schrammt in der Summe nur ganz knapp an einer richtig guten Episode vorbei, da die vorhandenen Charakterspannungen zwar thematisiert werden, später aber einer etwas zu langen und letztlich inhaltsarmen Verfolgungsjagd zum Opfer fallen. Dennoch eine sehr erfreuliche Fortführung des Vulkanierthemas mit tollen Darstellerleistungen von Fionnula Flanagan und Jolene Blalock. Mehr davon!
Verfasser: Felix Böhme am Sonntag, 1. Februar 2015(Star Trek: Enterprise 1x23)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x23
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?