Star Trek: Enterprise 1x21

Star Trek: Enterprise 1x21

Achtung, Achtung! Es folgt eine wichtige Durchsage: Allen außerirdischen Spezien wird dringend geraten, ihre Planeten im tiefsten schwarzen Loch zu verstecken: Die gefĂŒrchtete Weltraumpolizei unter der Leitung von Sherriff Jonathan „Yes we can!“ Archer ist im Sektor. Ein Gastreview von Björn SĂŒlter.

Scott Bakula und Anthony Montgomery als Archer und Mayweather in „Detained“. / (c) UPN
Scott Bakula und Anthony Montgomery als Archer und Mayweather in „Detained“. / (c) UPN

Was erwartet uns?

WÀhrend die Enterprise-Crew einen Planet erkundet, betreten Archer und Mayweather aus Versehen eine militÀrische Zone und werden in eine GefÀngniseinrichtung gesteckt. Die verantwortlichen Tandaraner befinden sich im Krieg mit den Suliban. Obwohl Archers Zusammentreffen mit den Suliban bisher desaströs waren, teilen er und Mayweather sich eine Zelle mit offensichtlich unschuldigen und scheinbar ungefÀhrlichen Vertretern dieser Rasse...

Dies & das

  • Der aus Quantum Leap bekannte Dean Stockwell, der dort neben Scott Bakula spielte, erhĂ€lt hier eine Gastrolle.
  • Diesmal werden wir die Finsterlinge der Suliban von einer anderen Seite kennenlernen. Es handelt sich bei dieser Episode sicherlich um ein politisches Statement zu den Nachwehen des 11. Septembers 2001 - nĂ€mlich die generelle Ablehnung aller Moslems in den USA.
  • Suliban sind nicht alle genetisch verbessert - auch nicht arbeiten alle fĂŒr die Cabal. Nur ein Bruchteil hat etwas mit dieser Organisation zu tun.
  • Grat glaubt, dass Archer mit der Cabal zusammenarbeitet oder zumindest sympathisiert.

Heul.

T'Pol: „I thought you decided not to interfere with other cultures.

Archer: „In this case I'm making an exception.“ 

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Detained%26ldquo;. © UPN
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Der Rezensent möchte mal wieder was Positives schreiben, bitte

Wenn eine Serie vier Wochen am StĂŒck langweilige Episoden von der Stange prĂ€sentiert, kann dies natĂŒrlich einerseits ein Vorteil, wie auch ein Nachteil sein. Manche Zuschauer mögen gar nicht mehr bereit sein, vollkommen offen dem Geschehen zu folgen, da sie ihre negative Erwartungshaltung nicht ĂŒberwinden können - die anderen könnten eine nur wenig bessere Folge im Vergleich gar als MeisterstĂŒck ansehen. Somit ist es auf jeden Fall schwieriger, eine angemessene Kritik zu Detained zu verfassen, da man sich von beiden Verdachtsmomenten nicht ganz freisprechen kann.

Alle Vorsicht ĂŒber Bord werfend möchte ich hier jedoch klar Stellung beziehen. „Detained“ ist eher positiv zu bewerten - und im Rahmen der bisherigen Staffel ein durchaus sehenswertes StĂŒck Star Trek: Enterprise, „Star Trek“ an sich und sogar SciFi im Allgemeinen. Manko dabei ist natĂŒrlich, dass die Aussage des Ganzen - die Intoleranz und Angst gegenĂŒber einer ganzen Rasse, von der nur ein kleiner Teil zu einer gefĂ€hrlichen Gruppierung zu zĂ€hlen ist - so sehr mit dem Holzhammer vorgefĂŒhrt wird, dass man sich von dem Schlag bis zum Abspann kaum erholen kann. Aber letztlich war „Star Trek“ auch in den Sechzigern (oder spĂ€ter) nie bis selten fĂŒr SubtilitĂ€t bekannt. Sicherlich haben gerade Star Trek: The Next Generation und Star Trek: Deep Space Nine da andere Seiten gezeigt, aber im Großen und Ganzen wurden wichtige Aussagen auch weiterhin oftmals deutlich kommuniziert. Und das muss man auch gar nicht als Kritik auffassen.

Mayweather lebt!

Diese Holzhammer-Methode tut der Episode auch keinen Abbruch. Im Gegenteil: zwischen Archer und dem von Anthony Montgomery gespielten Travis Mayweather (Ja richtig! Genau der! Schon wieder!) sowie den WĂ€rtern und den Insassen entwickelt sich eine skurrile Spannung, die von allen Beteiligten sehr effektvoll portraitiert wird. Dabei gelingt es besonders Mayweather (Ja! Du liest richtig!) in einigen Szenen aus der bisher sehr engen Umgrenzung seiner Rolle auszubrechen und wirklich positiv aufzufallen. Möglicherweise haben wir es hier mit der Neugeburt dieses Charakters zu tun - ernsthafter, kritischer, markanter - das wĂ€re wirkliche eine freudige Überraschung gen Ende des ersten Jahres. Anthony Montgomery widerlegt zumindest erstmals die aufgebauten Vorurteile, er wĂ€re schauspielerisch ein absoluter Fehlgriff - Anschuldigungen, die auch ich schon des Öfteren getroffen habe. Mich wĂŒrde einen Kehrtwendung wirklich freuen - warten wir ab, wie es mit ihm weitergehen wird.

Die netten Suliban von Nebenan

Vor Ansicht der Folge hatte ich auf jeden Fall die BefĂŒrchtung, die Suliban wĂŒrden durch eine zu menschliche Betrachtungsweise zu viel von ihrer geheimnisvollen Aura, die besonders Silik (John Fleck) umgibt, verlieren. Ich wollte einfach noch keine weichgespĂŒlten Finsterlinge, keine menschelnden Bösewichte - jede bedeutende (feindliche) Rasse im „Trek“-Universum wurde zu irgendeinem Zeitpunkt in einem ganz anderen Licht dargestellt - sogar die Borg erhielten mit Hugh und Seven (Jeri Ryan) sympathische Vertreter und wurden durch die Unimatrix Zero sogar zu tragischen Figuren, die ihr Schicksal nicht selbst beeinflussen können.

Hierbei ist es ja durchaus erfreulich, dass auf simple Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet wird, allerdings muss man einen Gegner erst einmal wirklich fĂŒrchten, bevor man sich auf weitere, vielleicht völlig andere Charakteristika einlassen kann.  Dieses Kliff umschiffen die Autoren jedoch sehr geschickt, indem sie die Cabal als grausame Splittergruppe darstellen und die Suliban an sich als völlig normale, humanoide Wesen, die den Verbrechen einiger Fanatiker zum Opfer fallen. Hier ergĂ€be sich die Chance fĂŒr einen wirklich interessanten Nebenkriegsschauplatz, der gerne von Zeit zu Zeit wieder aufgegriffen werden kann. 

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Detained%26ldquo;. © UPN
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Unvermeidbar muss ich an dieser Stelle natĂŒrlich auf die oben bereits genannte Parallele eingehen, die hier weder unbeabsichtigt noch rein zufĂ€llig zu Tage tritt. Sicher kann man in der Geschichte der Menschheit oder auch einfach der Vereinigten Staaten andere, ebenso passende ZwischenfĂ€lle finden - dennoch doubeln die Suliban definitiv fĂŒr die Moslems in den USA, die als Konsequenz der AnschlĂ€ge vom 11. September 2001 in einem anderen Licht gesehen werden als vorher - und das nur aufgrund der Taten einiger Fanatiker.

Solch politische Statements waren jeher eine DomĂ€ne von „Star Trek“ - lange Zeit schien diese Eigenschaft jedoch eher unterschwellig behandelt zu werden. Hier jedoch geht es wieder ĂŒberdeutlich zu, fast so, als schrie die Episode „Hört alle her - hier wird etwas Wichtiges mitgeteilt!“ Das mag einigen nicht subtil oder feingeistig genug sein, andere möchten vielleicht heute gar keine sozialpolitischen AnsĂ€tze in einer solchen Serie sehen - ich jedoch freue mich, dass hier mal wieder zu den Wurzeln zurĂŒckgekehrt wird. Und auch wenn es wirken mag, als nĂ€hme „Trek“ sich hier selbst zu wichtig, als wĂŒrde die Serie sich berufen fĂŒhlen, den moralischen Zeigefinger zu heben - so begann in den Sechzigern genau dieses Abenteuer, fesselte die Menschen und so darf es auch gerne von Zeit zu Zeit heute noch sein.

Stimmiger Rest

Vom technischen Aspekt kann man Detained ebenfalls keinen Vorwurf machen. Das GefĂ€ngnis wurde stimmungsvoll und ĂŒberzeugend umgesetzt. Die Außenansichten sind hervorragend und bleiben im GedĂ€chtnis. Make-up, Musik und Effekte passen sich nahtlos in das - generell in Star Trek: Enterprise - gute Produktionsdesign ein. Die (vom Standpunkt der Handlung wichtigen) Suliban werden durchweg von guten Darstellern verkörpert. Allen die Show stiehlt aber natĂŒrlich Dean Stockwell. Die erwartete Wiedervereinigung zwischen Scott Bakula und dem charismatischen Mimen wirkt zwar eher ĂŒberraschend routiniert, gewinnt aber dadurch eher an Energie. Die beiden stehen auf unterschiedlichen Seiten und bringen sich zwar eine gewisse Achtung, aber auch UnverstĂ€ndnis entgegen. „Quantum Leap“-Fans, die auf Revival-Feeling mit Zitaten und lustigen Anspielungen gehofft hatten, werden enttĂ€uscht. Stockwell ist ein Gastdarsteller wie jeder andere - nur eben ein sehr guter seines Fachs. Da der Krieg zwischen Cabal und Tandaranern sicherlich weitergehen wird, könnte man Colonel Grat durchaus in zukĂŒnftigen Episoden wiedersehen - vielleicht als einer der wichtigen AnfĂŒhrer seines Volkes im Kampf gegen die MĂ€chte aus der Zukunft


Mehr als nur ein Tropfen Wermut

Leider, leider kommt am Ende wieder das große Aber. Ich finde es absolut nachvollziehbar, dass Trip (Connor Trinneer) und T'Pol (Jolene Blalock) alles unternehmen, um ihre Crewmitglieder zu retten. Keine Frage. Aber dass in diesem Zuge auch direkt das Lager zerbombt und die Inhaftierten befreit werden, ist dann doch wieder zu viel des Guten. Und nein - hier geht es wie so oft nicht um die Frage, was richtig ist. Es geht darum, dass Archer und seine Crew zum x-ten Male Ermittler, Verteidiger, Richter und Einsatzkommando in einer Person spielen. Sie schauen, bewerten, richten und setzen um. Das kann einfach nicht der Ernst der Autoren sein. Der gleiche Archer, der vor einigen Folgen zu der bedeutungsschwangeren Erkenntnis kam, nicht hier draußen zu sein, um Gott zu spielen, tritt diese Erkenntnis mit FĂŒĂŸen. Zum wiederholten Male. Und niemand gebietet ihm Einhalt. Nur T'Pol fĂ€llt die Sprunghaftigkeit auf - ĂŒber einen schnippischen Kommentar (siehe auf der ersten Seite von dieser Kritik) geht ihr Einsatz aber auch nicht hinaus.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Detained%26ldquo;. © UPN
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Dieser Habitus ist unerklĂ€rlich und unverzeihlich. Die Serie nimmt hier eine Position ein, die weit ĂŒber die Grenzen des ertrĂ€glichen hinausgeht. Eine Episode, die politische MissstĂ€nde anprangert und dann mit fehlgeleiteter Selbstjustiz löst, braucht keiner. Einen AnfĂŒhrer, der sich nicht um sein GeschwĂ€tz von gestern schert und einfach draufhaut, wenn ihm etwas stinkt, auch nicht. Klar - auch in den Sechzigern gab es bei „Star Trek“ diese Momente zuhauf. Aber wir sind nicht mehr in den Sechzigern. Nur die Autoren vielleicht noch - im Kopf. Ein absolutes Armutszeugnis.

Gib dem Kind einen Namen

Detained“:  GÀÀÀÀhn... Okay, die deiden sind "eingesperrt" oder "inhaftiert". Richtig, richtig. Man, was bin ich auf einmal so mĂŒde? Nun gut. GÀÀhn.. warum also immer so simple Titel? Warum muss
 (Rezensent eingeschlafen)

In sicherem Gewahrsam“: Oha! (Rezensent schreckt hoch) Wer spricht denn da auf einmal so perfektes Amtsdeutsch? Ist doch immer wieder niedlich, wie entweder tolle Originaltitel simplifiziert werden oder - wie bei diesem Beispiel - ein total lahmer zu einem unzĂ€hmbaren Etwas aufgebauscht wird - „Eingesperrt“ oder „Barrieren“ hĂ€tte es dann doch auch getan.

Fazit

Wenn man sich mal auf die positiven Aspekte beschrĂ€nkt könnte Detained die Staffel wieder auf Kurs bringen - sofern die kommenden Abenteuer diese kleine Vorlage nutzen können. Zwar werden viele Kritiker (wie auch ich) auch diesmal wieder dies und das vermissen oder verdammen. Und das zu Recht! Die Folge stellt fĂŒr mich aber zum jetzigen Zeitpunkt immerhin eine kleine, aber ĂŒberfĂ€llige Steigerung dar. Gute Action, tolle Kulissen und Effekte, der Versuch einer sozialkritischen Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen und wie immer starke Darstellerleistungen - kein tumbes Ideenrecycling wie zuletzt, sondern ruhige, storylastige Science-Fiction - „Star Trek“ eben. Dass es dennoch nur fĂŒr eine mittemĂ€ĂŸige Wertung reicht, haben die Autoren sich erneut selber zuzuschreiben.

Verfasser: Felix Böhme am Sonntag, 25. Januar 2015
Episode
Staffel 1, Episode 21
(Star Trek: Enterprise 1x21)
Deutscher Titel der Episode
In sicherem Gewahrsam
Titel der Episode im Original
Detained
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 24. April 2002 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 16. August 2003
Autoren
Fyvush Finkel, Jessalyn Gilsig
Regisseur
David Livingston

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x21

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