Star Trek: Enterprise 1x20

Was erwartet uns?
Die Crew untersucht die Absturzstelle eines Shuttles und begegnet dabei einigen geisterhaften Gestalten sowie einer außerirdischen Rasse, die trotz schwierigsten Gegebenheiten überleben konnte. Während einige Crewmitglieder bei Reparaturen helfen, freundet sich Trip mit einer Außerirdischen, die anscheinend Gefühle für ihn entwickelt...
Dies & das
- Die Atmosphäre auf dem Planeten ist dünn (die Story leider auch).
- Mayweather (Anthony Montgomery) darf aktiv an der Handlung teilnehmen (ja, er ist wirklich noch an Bord).
- Die Xyrillianer aus der Episode Unexpected werden erwähnt.
Trip meint etwas anderes, trifft aber den Nagel qualitativ dennoch auf den Kopf
Trip: „There's nothing like a good scare.“

Tief durchatmen
Nun war es also soweit: Der mit viel Spannung und Vorfreude erwartete Gastauftritt von René Auberjonois. Dem Trailer nach zu urteilen schien es auf eine Art Geisterschiff-Variante hinauszulaufen - doch es kam gänzlich anders.
Ich will nicht lange drum herumreden. Oasis wäre an sich vielleicht noch irgendwie im erträglichen Bereich - allerdings setzt sich mit dieser Episode der tiefe Durchhänger der Serie viel zu deutlich fort - Fusion, Rogue Planet, Acquisition und nun „Oasis“ - jede dieser Episoden wäre auch in den anderen „Trek“-Serien nicht weiter aufgefallen - jede dieser vier Episoden ist nicht besonders originell, jede ist schlichtweg uninspirierte Routine. Und teilweise so schlimm zusammengeklaut, dass es schmerzt. Vier Episoden dieser Art hintereinander - das ist absolut fahrlässig.
Nur mal kurz die Folge verreißen
Die Anfangssequenz, so amüsant sie vielleicht gemeint sein mag, könnte fast exakt aus einer beliebigen Star Trek: Voyager-Episode stammen - drolliger Händler macht vage Angebote, Archer (Scott Bakula) spielt Janeway (Kate Mulgrew) in der Rolle des schnippischen und dabei bierernsten Verhandlungsführers, Trip (Connor Trinneer) ist Paris (Robert Duncan McNeill), der neugierige, junge Lebemann, und T'Pol (Jolene Blalock) ist natürlich Seven (Jeri Ryan) - skeptisch, zurückhaltend, desinteressiert. Schade, dass Berman und Braga noch immer nicht bemerkt haben, dass sie nicht mehr für „Star Trek: Voyager“ schreiben und eine neue frische Serie produzieren wollten und sollten - in letzter Zeit vergessen sie es zu häufig. Leider.
Tom Bergeron, ein offenbar relativ bekannter US-Gameshowmoderator gibt als Händler D'Marr eine solide Vorstellung - ein nicht störender Gag für die, die ihn kennen und längst nicht so peinlich erzwungen wie der Auftritt von Dwayne Johnson in „Star Trek: Voyagers“ weitestgehend sinnfreier Prügelepisode Tsunkatse.
Nach dem Vorspann geht dann alles recht zügig voran - das geheimnisvolle Schiff wird betreten, man entdeckt, dass wirklich jemand an Bord ist und - schwupp - finden Trip und T'Pol einen künstlich angelegten Garten an Bord. In diesem Moment fällt die Spannung, die sich durch atmosphärische Bilder und gute Musik durchaus aufbaute völlig ab - grell-grüne Plastik-Pflanzen und die schlechtesten Klischee-Klamotten aus dem ältesten Fundus. Dazu fast komplett menschlich aussehende Fremde (darunter René Auberjonois) und zu allem Überfluss auch keinerlei Spannung mehr... Hervorragend.

Positiv muss man an dieser Stelle jedoch anmerken, dass Anthony Montgomery alias Travis Mayweather von den Produzenten anscheinend endlich wiederentdeckt wurde - er hat seine größte Rolle seit bestimmt acht Episoden und überzeugt dabei erstmals mit ernsthaftem Spiel und einigen sinnvollen Anmerkungen. Hoffentlich setzt sich das fort - es wäre uns und ihm wirklich zu wünschen.
Im Folgenden freundet sich Liana (Annie Wersching), die Tochter des von René Auberjonois gespielten Mannes mit Trip an, der also erneut den galaktischen Playboy geben darf und James Kirk (William Shatner) dabei alle Ehre macht. Dabei findet sich eine kurze, aber herausragende Szene zwischen ihm und T'Pol über den Zwischenfall mit den Xyrillians (Unexpected), bei dem Trip versehentlich geschwängert wurde - T'Pol erscheint tatsächlich ein wenig eifersüchtig zu sein. Bahnt sich da vielleicht etwas an? Insgesamt gewinnt T'Pol wie zuletzt häufig wieder ein Stück an Kontur - da sie ja recht häufig im Mittelpunkt der Handlung steht, eine durchweg erfreuliche Entwicklung.
Als sich dann jedoch andeutete, dass irgendetwas mit den Überlebenden des vermeintlich vor drei Jahren angegriffenen und abgestürzten Schiffes nicht stimmt, kam in mir erstmals ein komisches Gefühl auf. Zu stereotyp erschien mir der Plot der netten, aber etwas verheimlichenden Opfer.
Und es kam noch schlimmer - die Crew (bis auf den von Auberjonois gespielten Mann und seine Tochter Liana) sind ausschließlich Hologramme, die der führsorgliche Vater kreiert hatte, um seine Tochter nicht einsam aufwachsen zu lassen - und um natürlich auch für sich eine Form von Gesellschaft zu erzeugen. Er hatte das Schiff einfach nicht wieder flugtauglich bekommen nachdem es durch seinen Fehler abgestürzt war.
Uff.
Also erstens schon wieder Holotechnologie - und das bereits zum zweiten Mal in der ersten Staffel der revolutionär frischen Serie. Traurig, traurig. Abgesehen davon ist die Idee - einsamer Mann erschafft für jemanden den er liebt holgrafische Freunde - nun wirklich etwas zu alt. Genau acht Jahre nämlich - da lief die sehr schöne Star Trek: Deep Space Nine-Episode Shadowplay, die mit der gleichen Auflösung aufwartete. Damals war natürlich auch René Auberjonois beteiligt - nur dort als Odo, der Mann, der das Rätsel lüftet... was für ein Zufall.
Warum schon in den ersten zwanzig Episoden den Stories derartig die Luft ausgeht ist mir unbegreiflich. Ich hoffe, es handelt sich um einen unglücklichen Durchhänger. Auf diesem Niveau jedoch würde die Serie genau die gleichen Probleme bekommen wie „Star Trek: Voyager“ - und mich mit der Zeit eher langweilen als begeistern können.
Oasis ist grausam unoriginell und ohne große Mühe umgesetzt. Das typische „Mission erledigt - und weiter“ kann ich einfach nicht mehr sehen - dass es ganz anders geht hat Star Trek: Enterprise ja bereits ein paar Male gezeigt. Aber auch Star Trek: Voyager hatte immer mal wieder helle Momente. Ich hoffe, hier wiederholt sich die Geschichte nicht.

Nö.
Ein perfektes Beispiel für viel zu routinierte „Trek“-Kost - aber noch viel mehr für das Problem der Franchise nach 36 Jahren - das Tagesgeschäft scheint den Autoren die Mühe nicht wert zu sein. Falls sich das bestätigt, gibt „Star Trek“ sich selbst den Gnadenschuss. Potential ist wichtig (und hier auch vorhanden), aber wer es nicht zu nutzen weiß, der steht am Ende ganz alleine da. Vor dem vollständigen Notentod bewahrt die Folge am Ende eigentlich nur René Auberjonois (der gerne auch mehr substantielle Momente, wie die Unterhaltung mit Archer hätte haben dürfen) und in Maßen noch ein paar gute Charakterszenen. Das war es aber dann leider auch.
Gib dem Kind einen Namen
Warum eigentlich noch Episodentitel? Die Produzenten haben ja schon keine Lust, originelle Stories zu schreiben. Doch im ernst: Der Titel „Oasis" ist wie so viele bisher schwach - klar haben Elcazar und Liana sich eine Art Oase aufgebaut, aber mein Gott... „Schiff der Geister“ klingt hingeben fast etwas zu geheimnisvoll (man stelle sich hier eine tiefe Stimme und säuselnden Wind vor), ist aber doch ein durchaus passender und guter Titel, wenn auch natürlich recht platt und vorhersehbar.
Fazit
Die Folge ist schlecht. Schlecht, schlecht, schlecht. Hatte ich erwähnt, wie schlecht sie ist? Ist sie wirklich.
Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 24. Januar 2015(Star Trek: Enterprise 1x20)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x20
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?