Star Trek: Enterprise 1x19

Was erwartet uns?
Die Enterprise wird von Fremden durch ein Betäubungsgas außer Gefecht gesetzt. Die Angreifer kommen an Bord, um das Schiff zu plündern. Nur Trip, der gerade in der Decon-Kammer war, ist wach geblieben und weckt Archer und T'Pol. Ihre Aufgabe ist nun, das Schiff still und heimlich wieder in ihre Gewalt zu bringen.
Dies & das
- Der erste - und völlig inoffizielle - Kontakt zwischen Menschen und Ferengi findet statt. Allerdings wird der Name Ferengi nie erwähnt, damit die Kontinuität des Erstkontakts mit den anderen Serien zumindest halbwegs (oder sollte ich sagen: halbseiden) gewahrt bleibt.
- Anscheinend haben Ferengi zu diesem Zeitpunkt noch keine Transporter.
- Die aus Star Trek: The Next Generation bekannten Waffen kommen wieder (beziehungsweise erstmals) zum Einsatz.
Jaul!
Grish: „Where is the vault? Do you understand me?“
Porthos: „Woof! Woof!“
Grish: „I can't lock onto its language.“
Muk: „It's a lower life form you fool. Probably the Captain's next meal.“
Grish: „Don't be so sure. Look at the size of its ears!“

Continuity Alert!
Der Titel sprach bereits weit vor irgendwelchen inhaltlichen Ankündigungen Bände. Auf wen könnte sich dieses Wort im Trek-Universum besser beziehen als auf die hinlänglich bekannten großohrigen... aber Moment! Ferengi? Wird nicht in einer fernen Zukunft Captain Picard (Patrick Stewart) den ersten Kontakt zu diesen raffgierigen Zwergen herstellen? Oh weh! Wütende Verfechter der (immerhin fiktiven) Trek-Historie krochen aus ihren Löchern, um sich an den bösen, bösen Produzenten zu rächen, die es wagen würden, alles, was wir lieben und schätzen, durcheinander zu bringen - nein schlimmer: zu zerstören. Lässt man unbedarfte Menschen Auszüge aus den Foren lesen, die sich schon Wochen vor Ausstrahlung der Folge mit Hasstiraden füllten - es würde nur wieder den eh schon schlechten Ruf der Trekker bestätigen. Weltfremde Irre, denen ihre Traumwelt wichtiger ist als alles andere.
Nun, zu den Fakten: Captain Picard hat laut Star Trek: The Next Generation also den ersten Kontakt herzustellen - und er wird es auch tun können. Archers (Scott Bakula) Crew erfährt nie, mit wem sie es zu tun hatte. Ob das sinnvoll, logisch, konstruiert oder schwachsinnig ist, lasse ich mal dahingestellt, eines ist es nämlich ganz sicher: ein Hintertürchen. Eine Gratwanderung zwar, aber dennoch nicht von der Hand zu weisen. Ich persönlich finde den Dreh clever, aber überflüssig. Aber ich will nicht vorgreifen.
Lehnen wir uns also zurück und lassen wir der Episode das zukommen, wonach sie verlangt: eine faire Besprechung.
Faire Rezension - jetzt
Im wohl kürzesten und auch sinnbefreitesten Teaser der Trek-Geschichte wird bereits die Gangart der Episode deutlich - eine reine Ferengi-Komödie á la „Star Trek: Deep Space Nine“ erwartet uns. Dazu muss ich sagen, dass ich zumeist ein Freund dieser herrlich ulkigen Episoden war, obwohl das bestimmt viele anders sehen. Die Charaktere haben es oft rausgerissen - ob nun Quark (Armin Shimerman), Rom (Max Grodénchik) und Nog (Aron Eisenberg) oder sogar Nagus Zek (Wallace Shawn) und Ishka (erst Andrea Martin, später Cecily Adams) - es war meistens herrlich albern und charmant.
Und gemessen an diesen Vorbildern braucht sich Acquisition auch gar nicht zu verstecken. Die Ferengi sind überdreht, gierig und tölpelhaft. Sie versuchen, Porthos Sprache per Universalübersetzer zu verstehen, rauben sogar Sandwiches aus dem Restaurant und streiten mehr, als dass sie produktiv arbeiten. Was jedoch am meisten auffällt, ist der Wiedererkennungswert der Darsteller. Als da wären:
- Clint Howard: Als Kind sah man ihn bereits als Balok in der Classic-Serie, und zuletzt hatte er einen niedlichen kurzen Auftritt in der herausragenden Episode aus Star Trek: Deep Space Nine namens Past Tense. Man erkennt den markanten Mimen sofort wieder! Leider ist seine Rolle recht klein und wirkt somit etwas verschenkt. Dennoch, Danke für das Wiedersehen.
- Ethan Phillips: Als Neelix in Star Trek: Voyager spaltete er die Fans - obgleich ihn wahrscheinlich die Mehrheit hasste. Als Ferengi macht er eine sehr gute Figur, allerdings ist seine Stimme gelegentlich zu verräterisch und der Neelix in ihm bricht heraus. Ob es klug ist, Darsteller mit solch markanten Stimmen wieder zu verwenden? Die Gefahr, dass der Charakter nicht ernst wahrgenommen wird, ist groß, aber hier steht definitiv die Freude an erster Stelle.
- Jeffrey Combs: Welche Rolle spielt der wohl begabteste Nebendarsteller aller Trek-Zeiten eigentlich nicht? In „Star Trek: Deep Space Nine“ war er Tiron, Brunt und Weyoun - in „Star Trek: Voyager“ der Sklaventreiber Penk und nun in „Star Trek: Enterprise“ nach dem Andorianer Shran der Ferengi Krem. Doch - wie immer - schafft er es, eine völlig neue Figur mit einer eigenen Seele zu kreieren. Seine Stimme ist zwar unverkennbar, aber sein Spiel jedes Mal vollkommen neu. Ein Riesenkompliment! Er schafft sogar, eine immense Distanz zu seinem ersten Ferengi Brunt. Toll.

Was die Crew angeht, so bekommen wir diese Woche nur Archer, Trip (Connor Trinneer) und T'Pol (Jolene Blalock) zu sehen. Alle anderen sind entweder bewusstlos oder gar nicht in Sicht. Trip (der als einziger am Anfang nicht vom Betäubungsgas betroffen ist) läuft circa 30 Minuten in Unterwäsche durchs Schiff (man muss ja auch mal die weiblichen Fans zu ihrem Recht kommen lassen), Archer wird gefangen genommen und T'Pol darf sich in Omox versuchen und sogar Humor beweisen.
Dabei sind die besten Szenen zweifellos Trips Führung zur Schatzkammer (immer im Kreis), T'Pols „Rache“ an Archer am Ende der Episode, der Einsatz einer fast vergessen Ferengi-Waffe aus frühsten Star Trek: The Next Generation-Zeiten und der gespielte Streit zwischen Trip und Archer um Trips „Frau“ Hoshi (Linda Park). Wenn es denn unbedingt eine Ferengi-Komödie sein soll - dann ruhig so. Die Frage ist nur: Muss eine Ferengi-Komödie überhaupt sein?
Genug Fairness, nun mal ernsthaft
Leider schwenkt diese Besprechung jetzt nach fast schon eimerweise Lob in einen Verriss um. Ich hätte auf die Großohren in dieser Serie nämlich sehr gut verzichten können. Wirklich. Es scheitert ja gar nicht an mangelnder Sympathie - nein. Nur würde mich mehr Kreativität langsam doch freuen. Eine Rasse wie die dauerunterforderten Andorianer auszupacken und auszubauen - ok. Meinetwegen. Aber die bereits jahrelang verheizten Ferengi? Bitte! Fällt euch denn wirklich gar nichts mehr ein? Hat Michael Westmore denn keine Lust, wenigstens neue, kleine, gierige Zwerge zu erfinden? Ist das zu schwer? Ich finde diese Haltung einfach enttäuschend. „Star Trek: Enterprise“ soll bitte keine Aufbereitung der vergangenen Trek-Jahrzehnte werden. Das wäre schade. Vor allem, da man ja ursprünglich neue Zuschauer gewinnen wollte. Aber mit „Hihi - die-Ferengi-sind-zurück!“-Folgen holt ihr keinen Neuen an Bord. Die Alten mögen bleiben (scheinbar ja auch nicht) - aber das war es dann auch.
Schade, dass diese Tatsache an sich die Episode bereits völlig mit sich in den Keller reißt. Comedy-Treffer oder lauwarme 1000-Mal-gesehen-Posse? Ich tendiere zu Letzterem. Jede Woche denke ich: Beim nächsten Mal, Leute, bei der nächsten ausgelutschten Idee, da bin ich dann mal richtig sauer. Immer in der Hoffnung, die Autoren mögen die Handbremse doch endlich mal lösen. Leider Fehlanzeige.
Und es gibt auch darüber hinaus noch andere Kritikansätze:
- Ist es wirklich glaubhaft, dass die Ferengi die Crew mit einem so simplen Trick außer Gefecht setzen? Hier werden unsere Helden mal wieder als absolute Dumpfbacken charakterisiert. Als Einfaltspinsel, die eigentlich nichts im All zu suchen haben.
- Passend dazu werden die Ferengi (die immerhin schlau genug waren, diesen Plan auszuhecken und umzusetzen) dann von den Einfaltspinseln auf albernste Weise vorgeführt und ausgetrickst. Jaja. Wie man es halt braucht.
- Und: Kann Archer allen Ernstes am Ende diese Gruppe von Dieben einfach gehen lassen und mit dem erhobenen Zeigefinger wedeln ohne sie zumindest nach ihrer Rasse oder Herkunft zu fragen? Braucht er diese Info nicht vielleicht für sein Logbuch? Interessiert das niemanden? Und lässt man in diesem Jahrhundert hinterhältige Räuber, Geiselnehmer und Einbrecher einfach so gehen und sagt „... aber beim nächsten Mal werde ich böse.“? Was für ein Schwachsinn.

Gib dem Kind einen Namen
Langsam mag ich gar nichts mehr dazu sagen... was ist der erste Titel, der einem in den Sinn kommt, wenn es um eine Ferengi-Episode geht? Na? Acquisition, Star Trek: Enterprise! Klar, dass man den dann auch sofort nehmen muss . Ist ja anscheinend auch egal, wie der Kram heißt. Hauptsache die Folge ist gut. Hmm. Ist sie aber nicht. Seufz. Ja, okay. „Raumpiraten“ kann man die Ferengi natürlich nennen... gähn. Hey, warum nicht was total Lustiges wie "Auf Gedeih und Erwerb"? Meine Begeisterung will sich nicht legen.
Fazit
„Star Trek: Enterprise“ fühlt sich mit den letzten beiden Episoden wie eine Serie an, die ihr Gnadenbrot in der siebten Staffel verspeist. Die sinkenden Quoten sprechen Bände und haben nichts mit Franchise-Müdigkeit, sondern schlicht mit mangelnder Qualität zu tun. Für den Moment begnüge ich mich gezwungenermaßen mit den intelligenteren Versuchen der ersten Season und hoffe, dass sich dieser elendige Recycling-Trend nicht immer weiter fortsetzt. „Acquisition“ ist in sich beurteilt durchaus auf eine neckische Art lustig doof. Im Gesamtbild jedoch lahm, unkreativ und hohl. Das macht dann in der Note leider fast nichts. Trotz Fairness.
Verfasser: Felix Böhme am Sonntag, 18. Januar 2015(Star Trek: Enterprise 1x19)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x19
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?