Star Trek: Enterprise 1x18

Star Trek: Enterprise 1x18

Reed ist scheinbar einer der wenigen Menschen, der sich im Jahr 2151 noch für die Jagd begeistern kann, Archer träumte schon als kleiner Junge von blonden Frauen und die just heraufbeschworene Erste Direktive hat heute mal wieder Pause. - ein Gastreview von Björn Sülter.

John Billingsley und Scott Bakula als Phlox und Archer in „Star Trek: Enterprise“-Episode „Rogue Planet“. / (c) UPN
John Billingsley und Scott Bakula als Phlox und Archer in „Star Trek: Enterprise“-Episode „Rogue Planet“. / (c) UPN

In aller Kürze

Die Crew besucht die Heimatwelt der Eska, die als wichtigen Teil ihrer Tradition und Kultur eine Art rituelle Jagd abhalten, was T'Pol (Jolene Blalock) als Vulkanierin natürlich wenig begeistert. Reed hingegen ist von der imposanten Ausrüstung der Jäger fasziniert und schließt sich ihnen an. Archers Zurückhaltung schwindet ebenfalls, als er auf eine wunderschöne Frau trifft, die anscheinend das Ziel dieser brutalen Jagd ist...

Dies & das

  • Tucker (Connor Trinneer) scheint sich sehr für Photographie zu interessieren.
  • Im Starfleet-Hauptquartier zieren Bilder der Captains die Korridore - bei den Vulkaniern ist so etwas nicht üblich.
  • Reed (Dominic Keating) hat 28 Abzeichen als Pfadfinder erreicht, Archer (Scott Bakula) nur 26.
  • Eines der Abzeichen, die Reed erreichte, war das in Exobiologie.
  • Die Jagd geriet auf der Erde vor knapp 100 Jahren aus der Mode.
  • Irgendwann muss Archer mal auf der Jupiter-Station bei einem Pokerspiel etwas wirklich Dummes getan haben...

Schöner Humor

T'Pol (zu Archer): „With respect, captain, I wonder if you would be so determined to find this apparition if it were a scantily clad man.

Reed: „Follow me.“ - Archer: „Why don't you let me play Captain for a while, Malcolm?

Retro!

Ich muss gestehen: Weder die Vorschau, noch die vorab veröffentlichten Informationen ließen mein Herz für Rogue Planet in irgendeiner Form höher schlagen. Meiner Ansicht nach sollten zwar gerne hin und wieder Verweise auf bekannte Rassen oder Geschehnisse zu finden sein, aber diese inzwischen doch arg strapazierende Häufung (gerade wenn man die Vorabinfos für die nächsten Folgen mit einbezieht) mit Andorianern, Ferengi, Jeffrey Combs, Ethan Phillips, Rene Auberjonois, den Regisseuren Dorn, Burton, Dawson und McNeill und nun hier den Formwandlern - ich weiß nicht, ob das so geballt notwendig ist, um die Serie in ihrer ersten Staffel (!) am Laufen zu halten. Nett gemeint ist es sicher und zumeist kann ich mich auch an vertrauten Gesichtern und Anspielungen erfreuen, aber weniger (bzw. dosierter) wäre denke ich mehr (und besser).

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Rogue Planet%26ldquo;. © UPN
Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Rogue Planet%26ldquo;. © UPN

Doch man sollte ja nicht voreilig urteilen... wobei ich weiß, dass ich genau das zuletzt häufig getan habe. Allerdings möchte ich die Schuld daran zumindest zum Teil an die schlechten UPN-Promos weitergeben, die wirklich wenig vom Sinn (oder Unsinn) einer Episode zu verstehen scheinen.

Von Würmern und Jägern

Dennoch - und leider - aller Bemühungen meinerseits zum Trotz: In der Gesamtheit habe ich mit „Rogue Planet“ einfach ein dickes Problem. Die Folge ist schlicht erneut viel zu belanglos. Die Storyidee ist an sich gar nicht mal schlecht, die Dramaturgie nie total langweilig, die Atmosphäre gut, die Kulissen stimmungsvoll und die Darsteller allesamt überzeugend. So weit so gut. Oder eben auch nicht. Es gibt genau genommen keine wirklich fassbare Angriffsfläche. Ich fühlte mich 42 Minuten lang durchaus unterhalten und schaute weder auf die Uhr noch aus dem Fenster. Allerdings merkte ich erst nach der Episode, dass sich die wirkliche Handlung erneut auf ein Minimum beschränkte. Ankunft auf dem Planeten, Jäger treffen, Jagdszenen, Archer trifft sonderbare Frau, Jagdszenen, Archer trifft sie wieder, Jagdszenen, Entwicklung des Hilfsstoffes, Jäger gehen, Archer erhält seinen Dank und die liebe Frau verwandelt sich in eine Art Riesenwurm... Normalerweise trägt so etwas keine ganze Folge - oder die Folge wird schrecklich schwach. Hier ist leider Letzteres der Fall.

Archer*2=?

Was Archer angeht sehen wir hier ein weiteres Beispiel für die gnadenlose Arroganz und gleichzeitig furchteinflößende Engstirnigkeit im Umgang mit fremden Kulturen. Und dafür, dass offenbar kein Plan existiert, den Captain der Enterprise mit einer gewissen Konstanz in seinem Handeln zu schreiben.

Natürlich ist es generell richtig, den Wesen zu helfen. Und natürlich wurde Archer auch um Hilfe gebeten - aber das Verhältnis der Eska zu den mysteriösen Wesen ist weit davon entfernt von der Crew der Enterprise beurteilt werden zu können. Noch ist absolut unklar, ob es eine Vorgeschichte gibt oder wie diese rituelle Jagd an sich im Kontext dieser fremden Wesen zu beurteilen ist. Eine ähnliche Situation wurde in Dear Doctor aufgebaut, zu einem großen Konflikt der Ideologien stilisiert und am Ende mit dem Fazit „Wir sind nicht draußen um Gott zu spielen“ ohne einen Eingriff durch die Crew beendet. Hier nun ist es scheinbar keine Frage, dass Archer mit Phlox' (John Billingsley) Hilfe in die seit Jahrhunderten existierende Lebensweise dieser Außerirdischen eingreift - rein auf der Basis seiner eigenen Moralvorstellungen.

Ich will gar nicht sagen, dass er es hätte lassen müssen, darum geht es wie auch schon in „Dear Doctor“ gar nicht. Solche Konflikte sind schwer bis kaum zu bewerten und zu entscheiden, und niemand wäre darum zu beneiden. Archer sollte jedoch langsam zu einer etwas konsistenteren Beurteilung dieser Sachverhalten gelangen. Hier tickt in den Köpfen der Autoren zu oft die „Menschen wissen eben wie es richtig geht“-Doktrin. Schön immer aus dem Bauch heraus entscheiden. Immer so wie es gerade in den Kram passt. Hauptsache mit dem Segen von Papa Archer, dem Vorzeigemensch und Retter des Universums. Ein schaler Geschmack bleibt.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Rogue Planet%26ldquo;. © UPN
Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Rogue Planet%26ldquo;. © UPN

Wieso, weshalb, warum?

Über die gepflegte Leere und diese generell vermurkste Grundthematik hinaus bleiben noch diverse Kritikpunkte, die sich ebenfalls nicht auslöschen lassen. Zum Beispiel: Warum versucht Archer nichts über die Wesen herauszufinden? Gut, wir als Trek-Kenner wissen über Formwandler dank Iman im sechsten Kinofilm und vor allem den Gründern in „Star Trek: Deep Space Nine“ ziemlich gut Bescheid. Aber Archer? Hat er so etwas jemals gesehen? Ich denke nicht. Dennoch gibt er sich damit zufrieden, der Verwandlung am Schluss beizuwohnen und zieht beeindruckt und bezaubert von dannen? Ha! Sowas will ein begeisterungsfähiger Forscher sein? Schwaches Bild, Captain! Und auch hier die Anmerkung: Er ist nur am Rande interessiert - und doch maßt er sich einen Eingriff an.

Zweitens: Wieso wird eine Art Konflikt zwischen Reed und Archer angedeutet, der zudem auch noch viel Potential zeigt und verpufft dann unbehandelt? Reed scheint mehr als fasziniert von der rituellen Jagd der Eska zu sein - Archer hingegen diese rigoros abzulehnen. Hier standen den Autoren alle Türen offen, den Beiden wirklich substanzielle Szenen einzuräumen. Reeds Begeisterung für Waffen wurde bereits mehrfach angedeutet - hier wurde eine Chance vertan, genauer darauf einzugehen und Reeds unterschwellige Waffenaffinität für einen Konflikt zu nutzen. Charakterentwicklung: Zero.

Ein weiteres Problem betrifft die Story an sich. Warum zur Hölle spricht die seltsame Frau in Rätseln? Sie will doch Archers Hilfe - oder nicht? Warum verschwindet sie und äußert nicht einmal einen konkreten Wunsch? Will sie damit warten, bis alle Artgenossen tot sind? Es kann kaum daran liegen, dass sie nicht will, dass Archer ihre wahre Natur erkennt - sie zeigt sich ihm schließlich am Ende ganz offen. Also was soll das Ganze? 

Der letzte Makel betrifft die Jäger. Als Archer zuerst von seiner unglaublichen Begegnung berichtet, verweisen sie die Geschichte ins Reich der Träume. Jedoch - sie wissen von den gestaltwandlerischen Fähigkeiten. Wollen sie das Geheimnis nicht preisgeben? Weit gefehlt! Gegen Ende der Folge erzählen sie plötzlich alles - als würde die Crew der Enterprise keine Gefahr mehr für ihre Pläne darstellen. Warum dieser Sinneswandel? Es ist immer schade, wenn solch offensichtliche Ungereimtheiten einfach nicht beseitigt werden, da sonst die Folge hinfällig wäre. Aber wäre sie ein großer Verlust gewesen? Ein klares Nein. Rogue Planet verpufft vor unseren Augen.

Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Rogue Planet%26ldquo;. © UPN
Szenenbild aus der %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;-Episode %26bdquo;Rogue Planet%26ldquo;. © UPN

Gib dem Kind einen Namen

Willkommen auf dem „Rogue Planet“ - Leute, Leute… Langsam wird es richtig schwach! Es ist klar, dass auf Milch-Flaschen „Milch“ draufsteht, aber das gilt noch lange nicht für TV-Serienfolgen! Wie sehr ich mich langsam nach den göttlichen „DS9“-Titeln zurücksehne...

Gesetze der Jagd“: Wow! Eine Glanzleistung! Weg vom mauen Original, hin zu einer geradezu grandiosen Kreation! Der Titel verspricht nur leider irgendwie mehr, als die Folge inhaltlich halten kann...

Fazit

Der nächste Füller - und diesmal wieder ein ganz fieser. Schon dank der schwachen Ausarbeitung der Idee nahe dran an grottenschlecht, jedoch marginal noch im erträglichen Bereich. Dazu jedoch auch noch ohne Charakterentwicklung, voller verschenkter Möglichkeiten und angereichert mit Recycling. Zu allem Überfluss schießt sich die Serie auch noch inhaltlich gepflegt ins Bein. Es bleibt ein Planetenabenteuer mit etwas Stil und Atmosphäre - aber ohne jeglichen Wert. Schade.

Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 17. Januar 2015
Episode
Staffel 1, Episode 18
(Star Trek: Enterprise 1x18)
Deutscher Titel der Episode
Gesetze der Jagd
Titel der Episode im Original
Rogue Planet
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 20. März 2002 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 8. August 2003
Autor
Leslie Hope
Regisseur
Allan Kroeker

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x18

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?