Star Trek: Enterprise 1x16

Star Trek: Enterprise 1x16

Merke: Nicht nur einen schönen Busen hat die gute T'Pol, auch einen schönen Hintern; Reed hat mehr Ex-Freundinnen als Travis Textzeilen und William Shatner hat in Dominic Keating einen würdigen Nachfolger in Sachen Overacting gefunden. Ein Gastreview von Björn Sülter.

Bild aus der Episode „Shuttlepod One“ der Serie „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN
Bild aus der Episode „Shuttlepod One“ der Serie „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN

Was erwartet uns?

Trip und Reed befinden sich auf einer Shuttle-Mission, als sie aufgrund technischer Probleme gezwungen sind, zu den Koordinaten des Treffpunkts mit der Enterprise zurückzukehren. Jedoch scheint diese zerstört worden zu sein. Da sie nur noch für einige Stunden Sauerstoff besitzen, müssen sie gemeinsam mit dieser Situation umgehen... 

Dies & das

  • Superman wird von Tucker (Connor Trinneer) erwähnt.
  • Laut Reeds (Dominic Keating) Logbucheintrag haben wir aktuell den 9. November 2151 - damit ist die Enterprise nun knapp sieben Monate unterwegs.
  • Shuttlepod One besitzt eine Art Mini-Mikrowelle und eine Auswahl an Rationen.
  • Reed erklärt, er habe seinem Vater zweimal geschrieben. Er kann nicht verstehen warum dieser behauptet, gar nicht zu wissen, wo er stationiert sei (Silent Enemy).
  • In Mill Valley scheint es eine sehr beliebte Bar zu geben - Tucker nennt sie die „602 Bar“ - dort lernten Tucker und Reed beide unabhängig voneinander die Bedienung Ruby kennen.
  • Tucker will seinen späteren Sohn „Charles Tucker IV“ nennen.
  • Laut Reed ist Zephram Cochrane aus Montana.
  • Reed redet im Schlaf. Außerdem mochte er den Namen Malcolm nie besonders. Sein ehemaliger Spitzname scheint „Stinky“ gewesen zu sein.
  • Travis (Anthony Montgomery) und Sato (Linda Park) sind laut Reed um die 25 Jahre alt.

Reed sieht es offenbar wie die Autoren

Reed (über T'Pol): „I think she´s pretty.

Mehr Reed!

Abgesehen von dem kaum vorhandenen und bemitleidenswerten Anthony Montgomery alias Travis Mayweather wurde bisher vor allem ein Crewmitglied sträflich vernachlässigt: Malcolm Reed. Okay, zugegebenermaßen hatte er schon einige markante und größere Auftritte - die seiner Figur und vor allem seinen schauspielerischen Möglichkeiten angemessene und noch ausstehende Reed-Folge blieb bisher jedoch aus. Bis jetzt. Denn Shuttlepod One gibt Dominic Keating erstmals wirklich die Chance, diverse Facetten des Malcolm Reed zu beleuchten. Und ich habe mich nicht in ihm getäuscht.

Der Trailer - der allerdings handwerklich großartig war - ließ allerdings Schlimmes vermuten. Da sowieso kein Zweifel daran bestand, dass die Enterprise nicht zerstört wurde, befürchtete ich eine völlig an den Haaren herbeigezogene Erklärung in den letzten zwei Minuten der Episode; ein temporales Paradoxon, Subraumspalten oder ähnliches. Der Verdacht lag vor allem deshalb nahe, da Brannon Braga bisher häufig der Mann für sonderbare SF-Phänomene mit mehr F als S gewesen war. Doch es kam sehr zu meiner positiven Überraschung völlig anders.

Der von mir erwartete Dreh der Folge, also das Schicksal der Enterprise-Crew herauszufinden, verpuffte bereits nach dem Vorspann - das Schiff hatte nur einen Unfall, Reed und Tucker waren durch ihre eigenen Probleme schlicht zu früh zum Treffpunkt zurückgekehrt und hatten durch die Trümmerteile den falschen Schluss gezogen. Da nun auch eigentlich kein Zweifel an der späteren Rettung der beiden bestehen konnte, war die Frage nach dem Sinn der Folge zu diesem Punkt jedoch durchaus berechtigt.

Die simple Antwort: Es geht ausschließlich darum, Reed und Tucker näher kennenzulernen. Eine reine Charakterfolge ohne Action, ohne Kampfszenen, ohne großen Konflikt - nur zwei Besatzungsmitglieder in einer Extremsituation: Menschen unter Lupe. Nicht das Schlechteste.

Tucker hatten wir ja bereits einige Male näher erleben dürfen. Connor Trinneers schauspielerische Qualitäten stehen längst nicht mehr zur Debatte und auch seine raubeinige, zynische, oft sehr direkte Art wurde schon mehr als einmal gut in die Handlung eingebracht. In vielen Szenen erinnert mich Trinneer in seiner Mimik, Gestik und Betonung an Brad Pitt in Filmen wie zum Beispiel „Sieben“.

Shuttlepod One aus %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo; © UPN
Shuttlepod One aus %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo; © UPN

Reed hingegen hatte in der bisherigen Staffel keine besonders gehaltvollen Auftritte. Jedes Mal wenn er jedoch in den Mittelpunkt trat, war er voll da und überzeugte. Nun jedoch durfte Keating sich endlich total ausleben und das Innerste seines Charakters nach Außen kehren. Und anstatt irgendeine 0815-Klischeetype offenbart sich uns ein komplizierter, nachdenklicher, schüchterner, problembeladener Mann - eine tolle Leistung der Autoren und natürlich auch besonders von Keating selbst. Ein wenig erinnert er in seiner Verschrobenheit an Reginald Barclay (Dwight Schultz) aus Star Trek: The Next Generation. Auch dort war im Zusammenspiel aus Charakter und Darsteller eine klasse Kombination entstanden.

Die vielen hochinteressanten Szenen aufzuzählen würde der Episode nicht gerecht werden - nur so viel: Seine Selbstzweifel, die vielen  Abschiedsbriefe, sein Schwärmen für T'Pol (wer hätte das gedacht!) - all das sind tolle Einfälle, die er aufs überzeugendste rüberbringt. Einzig in einigen Momenten der Bourbon-Szenen könnte man ihm definitiv Shatnersches Overacting vorwerfen - jedoch: ein besoffener Reed, der sich korrekt und vorhersehbar verhält wäre vielleicht weniger schräg - dieser völlig enthemmte, lallende, wilde Reed ist jedoch weitaus realistischer und unterhaltsamer.

Meanwhile back on the Enterprise

Die Szenen an Bord der Enterprise können mit den Geschehnisse an Bord des Shuttles leider nicht mithalten. Es ist generell willkommen, dass durch die Info, dass jede Sorge über den Verbleib der Enterprise unberechtigt ist, kein unnötiger Spannungsbogen erzeugt wird - dann jedoch Archer und T'Pol über wissenschaftliche Überzeugungen diskutieren zu lassen die am Ende einfach zu nichts führen ist verschenkte Zeit. Zum Glück nehmen diese Sequenzen jedoch kaum Screentime in Anspruch. Schwamm drüber.

Skurril war es in diesem Zusammenhang jedoch, dass in einer Talkshow bei der Scott Bakula die Serie promoten sollte ausgerechnet eine dieser absolut stinklangweiligen Unterhaltungen zwischen Archer und T'Pol über schwarze Löcher als Ausschnitt gezeigt wurde. Das fühlte sich in etwa so an, als würde man einen neuen Kinoreißer mit dem Zeigen des Abspanns bewerben. Verrückt.

Plus und Minus

Positiv herausheben möchte ich noch:

  • die Loch-Stopf-Szene (ich will jedoch lieber gar nicht die Meinungen der Fachleute hören...)
  • Reeds Traum (auch wenn ihn viele anscheinend peinlich fanden, ich mochte die Szene)
  • die Kälte-Szenen - großartig umgesetzt (Erinnerungen an Apollo 13 mit Tom Hanks wurden wach)
  • die Anspielung auf Reeds Vater, der nicht wusste, dass sein Sohn auf der Enterprise ist
  • das Ende: „may I call you Trip?“ zum noch bewusstlosen Tucker in der Krankenstation

Nicht so schön hingeben:

  • nur aufgrund so weniger Wrackteile anzunehmen, dass die Enterprise zerstört wurde halte ich gelinde gesagt für gewagt. Muss eine Art latente Angst bei beiden gewesen sein... oder mal wieder lazy writing auf Seiten der Autoren.
  • wie bei 45-Minuten-Folgen üblich kommt ein Teil der Handlung naturgemäß immer etwas kurz; hier ist es das Ende, das sehr abrupt hereinbricht (aber ja sowieso vorhersehbar war)

Gib dem Kind einen Namen

Shuttlepod One ist sicher der simpelste Titel der hier möglich war (was aber keine Kritik sein soll).

Allein“: Auf diese Variante wäre ich nun nicht gekommen und hätte für eine wörtliche Übersetzung gestimmt, da ja gerade die ungewollte Gesellschaft der beiden das wichtigste Thema ist und nicht die Isolation von den anderen. Aber wenn schon kreativ, dann ist es so feinfühlig willkommen...

Fazit

Ein richtiger Gewinner! Braga & Berman haben bewiesen, dass sie doch wissen, was Star Trek ausmacht - menschliches Drama; und zwar ohne Rücksicht auf den Mainstream oder auf Konventionen. Shuttlepod One wird sicherlich stilistisch eher die Ausnahme bleiben - als solche ist sie jedoch aufs herzlichste Willkommen und hat sich einen Platz bei meinen Lieblingen innerhalb der Trek-Historie verdient!

Verfasser: Lenka Hladikova am Samstag, 10. Januar 2015
Episode
Staffel 1, Episode 16
(Star Trek: Enterprise 1x16)
Deutscher Titel der Episode
Allein
Titel der Episode im Original
Shuttlepod One
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 13. Februar 2002 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 4. Juli 2003
Autoren
Michael Rapaport, Natalia Baron
Regisseur
David Livingston

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x16

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