Star Trek: Enterprise 1x15

Was erwartet uns?
Archer und seine Crew sind enttäuscht und verärgert, als sie erfahren, dass T'Pol vom vulkanischen High Command den Befehl erhalten hat, die Enterprise zu verlassen. Ihr wird die Zerstörung des Klosters P'Jem durch die Andorianer zur Last gelegt. Ihre letzte Mission führt sie nach Coridan, wo sie und Archer von einer militanten Fraktion gefangengenommen werden. Auf einmal finden sie sich der Gnade der feindseligen Andorianer samt Anführer Shran ausgesetzt...
Dies & das
- Wir bekommen erstmals das aktuelle Hauptquartier von Starfleet in San Francisco zu sehen.
- Botschafter Soval (Gary Graham) ist nach Broken Bow zum zweiten Mal zu sehen.
- Auch Admiral Forrest (Vaughn Armstrong) erhält einen weiteren Auftritt.
- Laut Soval wäre Captain Gardner eine bessere Wahl gewesen als der impulsive Archer.
- Forrest entgegnet, dass die Vulkanier kein Recht hätten, sich in diese Entscheidung einzumischen.
- Soval bedauert, dass die Zeiten, als die Menschen dem Urteil der Vulkanier trauten, wohl vorbei sind.
- Die Andorianer haben P'Jem zerstört - allerdings ließen sie das komplette Personal und die Mönche entkommen.
- T'Pol (Jolene Blalock) soll die Verantwortung für den Zwischenfall übernehmen und versetzt werden - sie scheint diese Sichtweise zu teilen.
- Der Entfesselungskünstler Harry Houdini wird von Archer (Scott Bakula) erwähnt.
- Vulkanier verhandeln grundsätzlich nicht mit Entführern.
- Shrans (Jeffrey Combs) Begleiter haben wir ebenfalls in The Andorian Incident kennengelernt - er heißt Tholos.
- Die Vulkanier behaupten, die Andorianer hätten die „Tau-Ceti-Verträge“ verletzt.
Irgendwie knuffig
Shran: „I'm here for only one reason: to get a good night's sleep! My debt is repaid!“
Noch sprechen wir nicht über die Sache mit dem Busen
Bevor ich auf die Episode an sich eingehe - erst einmal eine generelle Feststellung.
Nachdem Star Trek: Voyager sieben lange Jahre mehr auf Schaueffekte als auf Kontinuität gesetzt hatte und ich die Hoffnung auf eine weitere Serie wie Star Trek: Deep Space Nine verloren hatte ... tja - da kam Star Trek: Enterprise.
Sicherlich hatte auch Star Trek: Voyager durchlaufende Handlungen besessen: die Scharmützel mit den Kazon zum Beispiel, der aber daran scheiterte, dass diese mit ihren wilden Beton-Frisuren nur wie ein fehlgeleiteter Klingonen-Ersatz wirkten und sich auch immer so benahmen; sogar noch viel stereotyper - und daran, dass nie ein wirklicher Konflikt entstand und man die Kazon immer nur hervorkramte sobald sie sich inhaltlich anbiederten (sogar jeder Logik zum Trotz).
Oder die späteren Dauergegner namens Borg, die zum Ende der Serie auch den Rest ihrer Ausstrahlung verloren hatten, da sie nur noch für Action statt Inhalt herhalten mussten.
Star Trek: Enterprise scheint sich nun tatsächlich - und zu meiner großen Freude - wieder etwas mehr in Richtung Kontinuität entwickeln zu wollen. Zu einer Serie, die Woche für Woche zumindest in kleinen Details aufeinander aufbaut, die sich vielleicht sogar entwickelt... und die im besten Fall irgendwann etwas Relevantes zu sagen hat.
Da sind fürs erste die hier doch recht undurchschaubaren Vulkanier, die in „Broken Bow“, The Andorian Incident, Breaking the Ice und nun hier in Shadows of P'Jem bereits ihren vierten Auftritt hinlegen. Außerdem die Klingonen, denen wir nach „Broken Bow“ in „Unexpected“ und in Sleeping Dogs begegnen durften. Und natürlich die finsteren Suliban, die ebenfalls im Pilotfilm und dann in Cold Front große Auftritte feierten und mit ihrem Temporal Cold War für enorme Spannung sorgen. Zu guter Letzt haben wir die Andorianer - die nun hier nach „The Andorian Incident“ ebenfalls zurückkehren. So etwas nenne ich konsequenter Aufbau von Konflikten - dazwischen immer angereichert mit alleinstehenden Episoden, die sich in Nebenhandlungen auf die Charaktere, ihre Zusammenarbeit, familiäre Verhältnisse, Freundschaften, Freizeit und die Situation an sich konzentrieren. Star Trek: Enterprise könnte eine optimale Bündelung aller Stärken des Trek-Franchise werden. Könnte.
Die Spannung, das Neue von „Star Trek“ und „The Next Generation“, das Düstere, die Konflikte, die wiederkehrenden Nebendarsteller und die durchlaufende Handlung von Star Trek: Deep Space Nine und - sorry - bisher leider auch noch zu oft die stereotype Story der Woche samt Geiselnahme, losen Storyenden (politische Situation auf Coridan) und Ungereimtheiten (warum sind Shrans Leute bewaffnet und Undercover auf dem Planeten?) der letzten Trek-Inkarnation (wobei ich die Serie nicht zu sehr niedermachen will: für sich alleine ist Star Trek: Voyager aufgrund vieler exzellenter Puzzleteile immer noch klasse - im Vergleich und beim Blick aufs große Ganze aber werden die Schwächen leider überdeutlich).
Es wird Zeit, dass wir ganz langsam zum Busen kommen
Neben der Rückkehr von Admiral Forrest und Ambassador Soval sehen wir also auch den Andorianer-Führer Shran und seinen Vertrauten Tholos wieder. Alleine dieses Aufgebot hätte für drei Folgen reichen können. Alle drei (so kurz die Auftritte auch sein mögen) bleiben erneut sehr positiv im Gedächtnis und sorgen für Kontinuität. Gleich zu Beginn überrascht uns eine tolle Ansicht des Hauptquartiers der Sternenflotte in San Francisco - gute Arbeit.
Die ganze Eröffnungsszene, die direkten Bezug auf die Ereignisse im vulkanischen Kloster P'Jem nimmt und erneut für Zündstoff zwischen Forrest und Soval sorgt ist ein fantastischer Opener. Die Feststellung, dass ein besonnener Captain eine bessere Wahl gewesen wäre, kann man sogar gelten lassen. Sicherlich hat Archer den Posten nur wegen der Verdienste seines Vaters bekommen - ein typisch menschlicher Zug, der bei den Vulkaniern natürlich auf wenig Gegenliebe stoßen muss, da er keine rationale Erklärung darstellt.
Da Soval und das vulkanische High Command jedoch keinerlei Möglichkeit haben, Archer und seine Crew für die Zerstörung des Klosters durch die Andorianer (die anscheinend doch nicht nur Gewissheit wollten...) zu belangen, muss T'Pol herhalten.
Sie soll versetzt werden. Archer hätte bestimmt vor einigen Monaten auch nicht gedacht, dass er mal bereit sein würde, um sie zu kämpfen - obwohl sie nun sogar anstandslos bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen.
Was für ein glücklicher Umstand, dass gerade ein Besuch auf Coridan, einem recht interessanten Planeten ansteht - er entscheidet also, nur mit T'Pol zu fliegen, um die Sache in Ruhe ausdiskutieren zu können.
Busen! Jetzt!
Doch wie das mit den Menschen und ihren guten Absichten so ist, geraten die beiden (wie schon in „The Andorian Incident“) in Gefangenschaft. Hier entwickelt sich leider ein Muster, das schon jetzt einen hohen Nervfaktor besitzt. Konstruierter kann man Gefahr kaum heraufbeschwören. Die Szenen der beiden, wie sie in einer Art Baracke aneinandergebunden einerseits über T'Pols Versetzung diskutieren und andererseits versuchen, sich gegenseitig zu befreien (wobei Archer aus Versehen zwischen T'Pols Brüsten landet - höhö) sind dann auch eine Sache für sich. Der Dialog taugt kaum um das Interesse zu halten. Alles dreht sich nur um die unfreiwillig peinliche Nähe der beiden. Wie schon die „Decon-Chamber“-Szenen wird auch dieser Moment sicher für kontroverse Diskussion sorgen. Ich empfand die komplette Szene schlichtweg als äußerst überflüssig. Nicht aufgrund aufgesetzter Prüderie, sondern weil mir die dämlichen Absichten der Autoren einfach zu albern sind. Man hört regelrecht einen Haufen pubertierender Nerds kichern. Wobei es sich bei diesen vermutlich eher um Verantwortliche des Senders UPN handelt, die besorgt ob der bröckelnden Quoten (von 12,5 auf 6,5 Millionen zwischen Folge 1 und 14) um mehr Busen und weniger Bildung baten. Zumindest ist das Ganze vom Standpunkt des Timings überzeugend gespielt. Beide handeln zumindest in höchstem Maße souverän.

Währenddessen spielen sich an Bord der Enterprise wieder die beliebten Menschen-Vulkanier-Spielchen ab. Diesmal mit einem sichtlich genervten Tucker, der auf den vulkanischen Captain wie ein schlecht erzogener kleiner Junge ohne Manieren wirken muss. Diese Sequenzen passen sich hervorragend in das bisherige Bild ein. Die Vulkanier wollen lieber selbst nach dem Rechten schauen, bevor die Menschen wieder irgendwas versauen... und Trip verkörpert perfekt den uneinsichtigen Jungen, der endlich ernstgenommen werden will. Toll - und ein perfektes Abbild seines „Vaters“ Captain Archer.
Wer glaubt, dass sich die Rettung der Geiseln zum Schluss als schnelle Last-Minute-Lösung herausstellen würde - der dürfte zumindest positiv überrascht sein! Shran, der Andorianer taucht auf, nimmt Trip und Reed (das Rettungskommando...) gefangen und will helfen, Archer zu befreien, da er seit P'Jem schlecht schläft - mit dem Gefühl Archer etwas zu schulden. Was für eine charmante Idee. Unnötig zu sagen, dass Jeffrey Combs erneut eine klasse Darstellung hinlegt. Bitte mehr!
Positiv überrascht war ich auch von der ganzen Rettungsszene am Schluss, die sich in Nebel und Dunkelheit in den dreckigen Kulissen verdammt gut macht.
Abbitte
Ein kurzer Kommentar noch zu T'Pol: ich gebe mich endgültig geschlagen. Jolene Blalock hat ihren Rhythmus gefunden; die Rolle an sich ist interessant und wird von Mal zu Mal besser geschrieben. Alleine die Tatsache, dass sie den Captain als Schiffssteward vorstellt und sich selbst zum Captain erklärt... oder ihre leichte Verstimmtheit angesichts der oben beschriebenen Nähe zu Archer - stark! Am besten empfand ich jedoch das Kosten der Nahrung in gefesseltem Zustand. In einem Forum las ich einen aufgebrachten Kommentar, dass sie selbst gesagt habe, Vulkanier würden Nahrung nicht anfassen („Broken Bow“) - stimmt ja auch, aber soll sie stattdessen lieber wie Archer ihr ganzes Gesicht ins Essen hängen? Dass sie so aufgeschlossen ist, dann doch lieber den Finger zu nehmen finde ich eine sehr gelungene Mischung aus Notwendigkeit und Charakterentwicklung und hebt T'Pol vom Standard-Vulkanier ab. Auch, dass sie bereit ist ihr Leben für Archers zu opfern macht Eindruck.
Das klingt eigentlich nach einer super Sache bisher. Trotz Busen.
Das Aber folgt bei Star Trek: Enterprise leider bisher oft so sicher wie die Tatsache, dass Travis wieder mal schweigt. Nichts, aber auch gar nichts in dieser Episode bleibt im Gedächtnis, wenn wir den Zuckerguss (Gastauftritte, Kontinuität, technische Aspekte) entfernen. Das Herz der Handlung ist schon vor den Opening Credits stehengeblieben. Shuttleflug, Geiselnahme, Rumgerede, Albernheiten, Rettung aus dem Nichts, pathetische Rede, alles gut. Die Autoren bauen immer wieder die gleichen Elemente zusammen um gute Ideen mit einer Handlung zu untermalen anstatt sich die Mühe zu machen, etwas wirklich Interessantes zu schreiben. Leider rasselt in dieser Hinsicht meine Wertung ein ums andere Mal in den Keller. Klar reicht das für Mittelmaß gemessen an der Serie selbst, gemessen an „Star Trek“ und auch gemessen an SF im Allgemeinen. Aber für mehr? Beileibe nicht. Hier reißt sich keiner den Arsch auf, hier wird Dienst nach Vorschrift gemacht. Und so etwas nervt mich.
Gib dem Kind einen Namen
Shadows of P'Jem ist für Serien-Verhältnisse fast schon brillant gewählt und klingt mit seiner unterschwelligen Anspielung auf die Geschehnisse aus „The Andorian Incident“ eher nach Babylon 5 oder Star Trek: Deep Space Nine. Klasse!
Im Deutschen ist man wieder mal etwas ungelenk: „Im Schatten von P'Jem“. Ich hätte definitiv für die wörtliche Variante gestimmt... also ohne das „im“. So klingt es eher wie ein Werbeslogan für den nächsten Kurzurlaub („Im Schatten von P'Jem kann man sich prima bei einem kleinen Picknick entspannen.“). Aber man soll ja auch nicht zu kleinlich sein...
Fazit
Die zweite Hälfte der Staffel gähnt sich weiter voran: „Shadows of P'Jem“ reiht sich zwar ganz gut in die bisherige Qualität ein, in Sachen Kontinuität ist sie ein Gewinner und auch kurzweilig erzählt. Die schon fast obligatorisch guten Dialoge, Charakterisierungen, Kulissen und Effekten sowie drei sehr erfreuliche Gastauftritte sorgen für den Rest. Dass das alles nicht besonders tiefsinnig und gen Null kreativ ist, lässt die Episode dann aber doch an einer besseren Wertung vorbeirauschen.
Verfasser: Lenka Hladikova am Sonntag, 4. Januar 2015(Star Trek: Enterprise 1x15)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x15
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?