Star Trek: Enterprise 1x14

Star Trek: Enterprise 1x14

T'Pol kann richtig gut schwindeln, wenn sie fast nackt ist. Vielleicht sollte sie also IMMER fast nackt sein. Archer könnte ihr diesen Entkleidungsstil befehlen, um diese wertvolle Fähigkeit zu verfeinern. Erschreckend: Rezensent Björn Sülter taugt definitiv als Autor für die Serie.

Archer und eine Klingonin in „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN
Archer und eine Klingonin in „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN

Was erwartet uns?

Die Crew begegnet in den äußeren Ringen eines Gasriesens einem klingonischen Schiff der Raptor-Klasse. Da das Schiff anscheinend steuerlos im Raum treibt, machen sich T'Pol, Hoshi und Reed auf den Weg, um nachzusehen. Eine aggressive Klingonin stiehlt jedoch ihr Shuttle und flieht. Archer muss versuchen, sie an Bord der Enterprise wiederzufinden, um seine eigenen Leute zu retten...

Dies & das

  • Reed (Dominic Keating) gibt Hoshi (Linda Park) Unterricht im Zielschießen. Sie benutzen dazu eine Art holografisches Zielobjekt.
  • Reed ist erkältet - die Grippe wurde im Jahre 2151 noch nicht besiegt.
  • Die Enterprise ist seit fünf Monaten unterwegs.
  • Sato scheint ihre Angst vor dem Weltall langsam zu verlieren - eine nette Anspielung auf die Episode Flight or Fight.
  • Klingonen besitzen keine Escape-Pods.
  • Klingonisch zu lesen ist anscheinend schwieriger, als es zu sprechen.
  • Anscheinend essen die Klingonen ihre Haustiere - ein geschlachtetes Targ ist zu sehen, außerdem begegnet das Außenteam einigen eingesperrten, noch sehr lebendigen Exemplaren.
  • Mit einer vulkanischen Technik hilft T'Pol (Jolene Blalock) Hoshi über ihre Ängste hinweg.

Der Captain zeigt weiter seine Lernresistenz

Archer: „We've run into them three times. Every time they've wanted to destroy us. I'd love to figure out why.

Juhu. Klingonen.

Zuzeiten von Star Trek: The Next Generation konnte man gen Ende gelegentlich eine Art Klingonen-Overkill feststellen, der sich mit Worfs Wechsel zu Star Trek: Deep Space Nine und der Einführung von der Halbklingonin B'Elanna Torres (Roxann Biggs-Dawson, die inzwischen bei Star Trek: Enterprise gerne Regie führt) bei Star Trek: Voyager auch über die Jahre nicht mehr abbaute.

Sicherlich handelt es sich bei den raubeinigen Kriegern um eine höchst interessante und auch amüsante Rasse, die zusammen mit den Vulkaniern das Bild der Außerirdischen in „Star Trek“ wie keine andere geprägt haben - dennoch führte diese exzessive Behandlung ihrer Rituale, Ideale und kulturellen Eigenheiten letztlich dazu, dass man eher mit Ermüdung auf immer neue Ausflüge in die Welt der Blutweintrinker reagierte. Der ehemals starke und intensive Wein wurde schlicht so lange verwässert, bis nicht mal Wesley Crusher (Will Wheaton aus Star Trek: The Next Generation) davon noch einen Kater bekommen hätte.

Warum ich diesen kurzen Abriss überhaupt einfüge?

Die bloße Ankündigung bereits im Pilotfilm von Star Trek: Enterprise, dass die Klingonen den Handlungsmittelpunkt bilden würden, ließ mich damals erschaudern. Einfallslosigkeit, toter Punkt - all diese Gedanken drängten sich in meinen Kopf und verharrten bis zur Premiere der Serie. Zugegeben: In Broken Bow war ihr Einsatz letztlich okay. In der Folge Unexpected jedoch eher überflüssig, weil alles zu sehr komödiantisch angelegt war und den Kriegern nicht gerecht wurde.

Nun haben wir es jedoch mit einer wirklichen Klingonenfolge im wörtlichen Sinne zu tun. Würde dieses Experiment nach Jahren noch gelingen? Können die alten Recken tatsächlich noch den Hintergrund für komplette Episoden liefern? Ich nehme die Antwort vorweg: Sie können es zum Teil.

Ich dachte, ich wüsste bereits alles über sie, hätte alles schon einmal gesehen und nichts könnte mich mehr an ihnen fesseln - zumindest ein kleiner Trugschluss. Die hier vorgestellte Raptor-Klasse (ein bisher unbekannter Schiffstyp) und sein Innenleben zeigen alles, was man bisher nicht zu sehen bekommen hatte. Vor allem die Küche mit den von der Decke hängenden Targs, die herumliegenden Essensreste, der Dreck überall, die auf ihren Verzehr wartenden Tiere und der Gestank - all das kommt wirklich gut rüber. Hier wirken die Klingonen doch noch neu, frisch und interessant. Leider relativiert sich dieser positive Eindruck zum Ende hin erneut, als die gerade gerettete Crew sofort wieder in den Trottelmodus schaltet und bar jeglicher Intelligenz argumentiert und so handelt, als ob sie die Enterprise aus dem Weltraum pusten wollen. Archer lässt sie zudem noch wie Idioten aussehen. So macht die Rückkehr zu Worfs Vorfahren dann leider doch keinen Spaß.

Hinzu kommt Archers (Scott Bakula) Lernresistenz. Seine Versuche, über die Köchin des Schiffes, die als einzige bei Bewusstsein ist, an seine Leute heranzukommen, sind zwar ganz amüsant - er sollte jedoch wirklich aufhören, immer allen, vor allem Klingonen, - helfen zu wollen. Es hat keinen Sinn. Solche Leute sollte man in Ruhe lassen. Hier muss es auch bei Archer endlich mal „Klick“ machen. Hätte er sich die letzten Monate mal die Mühe gemacht, die vulkanische Datenbank zu studieren, müsste er sich nicht konsequent über die tragischen Resultate seiner Freundlichkeit wundern.

Sein Verhalten ist fast so inkonsistent wie das von Captain Janeway zu ihren schlimmsten Zeiten. Was juckt mich mein Geschwätz von gestern!?! Ha! Ein Habitus, der schlicht nervt, wenn man versucht, eine Serie ernst zu nehmen. Besonders die Charaktere. Archer darf gerne der fehlerbehaftete Neuling auf der Kommandobrücke sein - aber er wechselt zwischen hoher Sensibilität und absolut stumpfer Dummheit. Unfair auch dem tollen Scott Bakula gegenüber, der sein Bestes tut. Übrigens auch eine Parallele zu Kate Mulgrew, die jede noch so unverständliche Charakterwendung mit ihren Fähigkeiten wegspielen konnte.

Auch in Sachen Handlungsführung bekleckert sich Autor Fred Dekker leider nicht mit Ruhm. Böse Klingonen, sich selbst in Schwierigkeiten bringende Offiziere, eine mehr oder minder lustige Hatz an Bord, Crewmitglieder in Gefahr (die zu keinem Zeitpunkt Anlass zu echter Sorge gibt), ein paar Drohgebärden - das gab es in allen Inkarnationen von „Star Trek“, „Stargate“ sowie Babylon 5 und allen anderen vergleichbaren Serien gefühlte fünfhunderttausend Mal.

Das mag taugen, um eine viel zu lange Staffel zu füllen, aber nicht, um die generelle Qualität einer Serie zu verbessern. Und auch, wenn das natürlich in einer ersten Staffel unfair sein mag, auf solchen Stereotypen rumzureiten, möchte ich sie ansprechen. Star Trek: Enterprise hatte die Aufgabe, das Franchise mit frischem Wind zu durchlüften. Und dann muss man einfach den Mut haben, einen Autorenstab zusammenzustellen, der auch eine solch lange Staffel innovativer füllen kann. Es gibt durchaus viele gute Ideen. Aber die sich ständig wiederholenden Muster in der Handlung nerven einfach irgendwann. Hier ist der Trend zu mehr Schein als Sein einfach zu eindeutig.

Gold in Blech

Die beste Szene inmitten des stereotypen Treibens bieten diesmal T'Pol und Hoshi. Letztere will inzwischen geradezu an Außenmissionen teilnehmen - wohl auch, um sich selbst etwas zu beweisen. Als sie dennoch wieder mit der Situation nicht klarzukommen scheint, hilft die unterkühlte Vulkanierin ihr ungewohnt gefühlvoll mit einer Meditationstechnik darüber hinweg und bietet ihr sogar für die Zukunft ihre Hilfe an. Somit gewinnen beide unheimlich an Sympathiepunkten und Background. T'Pol kann sich also langsam wirklich für ihre menschlichen Kollegen erwärmen und Hoshi muss einsehen, dass sie noch lange nicht der perfekte Raumschiffsoffizier ist. Klasse.

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Oh. Eine sexy Szene zum Schluss. Toll.

Zum Abschluss serviert man uns dann zu unser aller Freude noch eine weitere Fortsetzung der lustigen „Decon-Chamber“-Szenen, die mir schon bisher eher Hirnzellen als den Schlaf raubten. Diesmal dürfen T'Pol, Hoshi und sogar Reed mit minimaler Bekleidung bestaunt werden. Was soll's! Das Motiv dahinter ist so offensichtlich, dass es kaum mehr wehtut. Aber die Idee, T'Pol lügen zu lassen, weil ihre Kollegen gerne noch länger in dieser entspannenden Umgebung bleiben möchten, ist erneut sehr amüsant gestaltet. Die anfangs so unsympathische Vulkanierin wird dadurch viel angenehmer und rettet etwas über die platten Intentionen der Produzenten hinweg. Auch hier gilt also im Kleinen wie vorher im Großen: ein wenig Gold zwischen viel Blech.

Gib dem Kind einen Namen

Man sollte solche Sleeping Dogs ja bekanntlich nicht wecken - auch wenn Archer das natürlich erneut nicht so recht interessiert. Schon bei den letzten Aufeinandertreffen musste die Crew feststellen, dass die Klingonen eines wirklich nicht wollen: von den Menschen gestört werden. Nebenbei passt der Titel natürlich auch sehr gut zum Entdecken der kleinen düsteren Geheimnisse eines Klingonenschiffes... Deshalb hier ein gelungener und passender Titel.

Mit „Schlafende Hunde“ gibt es erneut eine wörtliche Übersetzung. Ergo: im Deutschen ebenfalls ein passend gewählter Titel.

Fazit

Kaum hatte Star Trek: Enterprise zuletzt einen richtigen kleinen Lauf, da werden wieder mal die eigentlich lange schon ausgelutschten Klingonen bemüht. Das aber immerhin halbwegs originell. Dennoch: Die Handlung ist kaum erwähnenswert. Wenn man es mal runterbricht, bleibt eine reine Füllerfolge. Weitab von Highlight, aber auch kein totaler Rohrkrepierer - Durchschnitt mit einer Handvoll netter Ideen und dem gewohnt guten Produktionsniveau. Das reicht leider nur zu einer Wertung am Rande der Schadensbegrenzung.

Verfasser: Lenka Hladikova am Samstag, 3. Januar 2015
Episode
Staffel 1, Episode 14
(Star Trek: Enterprise 1x14)
Deutscher Titel der Episode
Schlafende Hunde
Titel der Episode im Original
Sleeping Dogs
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 30. Januar 2002 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 20. Juni 2003
Autor
Nicky Katt
Regisseur
Les Landau

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x14

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