Star Trek: Enterprise 1x12

Was erwartet uns?
Ständig taucht ein Schiff aus dem Nichts auf, das nicht auf Kommunikationsversuche reagiert, die Enterprise aber beschießt. Die Fremden kommen sogar an Bord. Da man den Angreifern technisch und vor allem im Hinblick auf Waffen vollkommen unterlegen ist, ordnet Archer an, zum Jupiter zurückzukehren, damit die vorgesehenen Kanonen installiert werden können. Währenddessen brütet die Crew über der Frage, was man Reed zum Geburtstag schenken könnte, da niemand den Waffenoffizier gut genug kennt, um eine brauchbare Idee zu liefern...
Dies & das
- Hoshi (Linda Park) hat eine Kochplatte in ihrem Quartier.
- Archer (Scott Bakula) geht in Freizeitklamotten mit Porthos an Bord des Schiffes Gassi.
- Doktor Phlox (John Billingsley) hat für jedes Crewmitglied eine umfangreiche Datenbank über die bisherige Krankengeschichte angelegt und kann Hoshi somit helfen, Reeds (Dominic Keating) Lieblingsspeise über einige Umwege herauszufinden... es ist Ananas.
- Für seine Leibspeise lässt er sich sogar behandeln, da er gegen Ananas eigentlich allergisch ist.
- Reeds Eltern kennen das Lieblingsgericht ihres Sohnes nicht. Auch seine Schwester und sein bester Freund haben keine Ahnung.
- Reeds Vater war wie Generationen vor ihm bei der Navy - sein Sohn durchbrach diese Tradition, was seinen alten Herren sichtlich belastet.
Humor vom Feinsten
„You looking forward to seeing Earth?“ (Archer)
„Sure. I just didn't think I'd be seeing it so soon.“ (Trip)
„This time we won't be leaving before we're ready.“ (Archer)
„Are your ears a little pointier than usual?“ (Trip)
Schweres Erbe
Nach Cold Front war es gar nicht so leicht wieder zum Serienalltag überzugehen. Keine dankbare Aufgabe für die neue Episode.
Gerüchte um ein nicht zu identifizierendes Schiff ließen im Internet sofort die Romulaner in sämtlichen Foren auftreten - der erste Kontakt, ohne wirklichen Kontakt, sollte es werden. Dass es sich dann jedoch um eine völlig unbekannte, auch noch CGI-animierte Rasse á la Species 8472 handelte, war für mich deshalb eigentlich eine eher positive Überraschung, da für eventuelle Storylines um die Romulaner noch genug Zeit sein könnte... sollten sie überhaupt nötig sein.
Immer diese Störungen
Die Crew hat gerade einen weiteren Subspace-Transmitter installiert (eine gute Idee so etwas von Zeit zu Zeit anzusprechen, da die Kommunikation mit der Erde dadurch etwas glaubwürdiger erscheint), als ein grün schimmerndes Schiff auftaucht, nicht auf Rufe antwortet und einfach wieder verschwindet ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen.
An sich kein kosmosbewegender Zwischenfall, weswegen sich die Crew auch schnell wieder dem Tagesgeschäft zuwendet. In diesem Fall die Frage: was soll man Malcolm Reed, den keiner richtig zu kennen scheint, zum nahenden Geburtstag schenken? Hoshi wird beauftragt, der Sache nachzugehen.
Während Captain Archer in einer hinreißenden Szene mit Freizeitklamotten der knitterigsten Sorte seinen Hund Porthos auf dem Schiff Gassi führt und dabei Trip (Connor Trinneer) trifft, der einen Brief seiner jetzt wohl leider endgültig Ex-Freundin Nadine erhalten hat, kehren die sonderbaren Aliens zurück. Diesmal jedoch betreten sie gleich das Schiff und scheinen sich einfach mal ein wenig umsehen zu wollen...
Hierzu sei gesagt, dass für mich CGI-Aliens fast immer eine gute Figur machen, da gerade die Andersartigkeit von Außerirdischen in „Star Trek“ (wie auch in „Stargate“) zu häufig recht konventionell ausfällt - diese ET-Verschnitte sind jedoch eine völlige Abkehr dessen, was man bisher zu sehen bekam und stehen somit auf einer Stufe mit oben schon genannter Species 8472 aus Star Trek: Voyager. Und da sie hier ausschließlich dem Thrill dienen und auch nicht in tiefschürfende Konversationen verwickelt werden (im Klartext: sie sagen gar nichts), sind sie perfekt eingesetzt worden. Wenn ich so darüber nachdenke, hätte man Travis Mayweather vielleicht auch direkt animieren sollen. Aber das ist eine andere Baustelle.
Doch was bleibt nun zu tun? Beide Subspace-Transmitter (Breaking the Ice erwähnte den ersten) sind von den Angreifern zerstört worden, die Vulkanier sind nicht zu erreichen - Archer beschließt nachzuholen, was von Anfang an hätte getan werden sollen - nämlich das Schiff erst losfliegen zu lassen, wenn alle, aber auch wirklich alle Waffen und sonstige technische Einrichtungen eingebaut und funktionsbereit sind. Doch die Situation mit dem verwundeten Klingonen (Broken Brow) und die wenig hilfreichen Vulkanier hatten Archer dazu getrieben, ein „unfertiges“ Schiff auf die Reise zu schicken - ohne die eigentlich vorgesehenen Phase-Cannons.
Ein geschickter Schachzug, Archer über die Richtigkeit eines verfrühten Starts nachdenken zu lassen. Das All birgt doch mehr Unwägbarkeiten und Gefahren, als er hätte zugeben wollen - und die Menschen sind weit davon entfernt, bereit zu sein.
Und obwohl Reed und Trip überzeugt sind, die Arbeit alleine schaffen zu können, und auch damit beginnen dürfen, besteht Archer auf die Heimreise um ganz sicher zu gehen. Ob das so geschickt ist, seine Crew mehr oder weniger deutlich spüren zu lassen, dass er sie für nicht kompetent genug hält, sei mal dahingestellt.
Für die Charakterentwicklung ebenfalls sehr interessant ist Trips anscheinend gekränkter Stolz, mit dem er und Reed folglich ans Werk gehen („los Leute, dem Captain zeigen wir es!“ scheinen beide zu sagen). Der Elan, mit dem sie loslegen führt jedoch auch zu einigen Reibereien, da Reed ziemlich kompromisslos vorgehen würde - hätte er das alleinige Sagen.
Wie dem auch sei - in der Zwischenzeit kümmert sich Hoshi weiter um ihren Auftrag, welcher sich als komplizierter als gedacht erweist - weder Reeds Eltern, noch seine Schwester oder sein bester Freund wissen Genaueres über ihn. Das passt perfekt ins Bild des steifen Briten - Reed ist ein vollkommenes Rätsel: herb, knallhart, unsicher in zwischenmenschlichen Dingen (am meisten bei Frauen) - mehr weiß man bisher nicht. Das letztlich Phlox Rat weiß ist natürlich fast schon zu einfach - seine Herleitung über Reeds Allergie und die eigentlich unnötige Behandlung (sofern er auf Ananas verzichten würde) ist allerdings famos weit hergeholt. Aber Hoshi scheint eh keine große Lust mehr zu haben, springt sie doch sofort darauf an.

Die beste Szene teilt sich die höchst erfrischende Japanerin übrigens auch mit dem großen Fragezeichen Reed. Dass er ihre Fragen während eines gemeinsamen Essens als Avancen versteht, sie daraufhin sichtlich peinlich berührt (ja sogar ein wenig uncharmant) reagiert, er vollkommen tapsig davon stolpert - das alles ist komödiantisches Timing der Extraklasse. Aber mit Humor hat Star Trek: Enterprise ja von Beginn an keine großen Probleme gehabt; wenn man von manchem Kalauer mal absieht. Auf der menschlichen Ebene nähert sich die Serie somit immer mehr meinem Trek-Favoriten Star Trek: Deep Space Nine an. Wenn das weiterhin so konsequent und erfrischend ausgebaut wird, hat die Serie in diesem Bereich nichts zu befürchten.
Aber zurück zum unvermeidlichen letzten Showdown mit den stummen Gegenspielern. Genau genommen wird dieser Storyteil recht konventionell gelöst. Archers Rede ist gelungen, Reed und Tucker bringen die neuen Waffen schließlich doch ohne Hilfe online (und lassen ihren Captain dabei nicht gut aussehen...), die Aliens werden in die Flucht geschlagen und fertig. Gut ist hierbei jedoch die Tatsache, dass die Feuerkraft trotzdem nicht ausreicht, sondern nur durch eine versehentliche Überlastung erreicht wird... die Technologien müssen also doch noch dringend überarbeitet werden...
Silent Enemy ist sicherlich kein großes Highlight - aber immerhin eine sehr unterhaltsame Episode, die zwei Handlungen geschickt verbindet, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Außerdem ist die Musik in dieser Episode so großartig, dass man sie immer und immer wieder loben muss. Der ständig gleiche Star Trek: Voyager-Einheitsbrei ging mir die letzten Jahre so dermaßen auf den Wecker, dass Star Trek: Enterprise alleine deswegen schon Meilen Vorsprung hat. Neue Komponisten sind ein guter Weg ausgelatschte Pfade zu verlassen und hier gelingt es auf erstaunliche Art und Weise.
Gib dem Kind einen Namen
Mit Silent Enemy fand man den denkbar schlichtesten Titel, da er nur auf den unbekannten Feind anspielt und ansonsten keine Bedeutung zu haben scheint. Die Nebenhandlung findet keinerlei Erwähnung, obwohl das angesichts der bekannten Charaktereigenschaften von Reed durchaus möglich gewesen wäre.
Im Deutschen hat man einfach übersetzt („Lautloser Feind“), was man lieber bei Cold Front hätte tun sollen. Es ist nicht leicht...
Fazit
Eine Episode, die ich als Standart-Qualität gerne jede Woche bei Star Trek: Enterprise hätte. Die Musik ist herausragend und außergewöhnlich, die technische Umsetzung gelungen, Konflikte der Episode werden mit Handlungen der Serie vermischt und ergänzen sich. Haupt- und Nebenhandlung sind gleichermaßen interessant und wir erfahren nette Details über einige Crewmitglieder. Von mir eine absolute Empfehlung!
Verfasser: Lenka Hladikova am Samstag, 27. Dezember 2014(Star Trek: Enterprise 1x12)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?